Widmann, Johann Jakob

Lebensdaten
1799 – 1876
Geburtsort
Heilbronn
Beruf/Funktion
Mechaniker ; Papiermaschinenfabrikant ; Farmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139836667 | OGND | VIAF: 102677621
Namensvarianten

  • Widmann, Johann
  • Widmann, John
  • Widmann, Johann Jakob
  • Widmann, Johann
  • Widmann, John
  • Widmann, Johann Jacob

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Widmann, Johann Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139836667.html [30.01.2026].

CC0

  • Widmann, Johann (John) Jakob

    | Mechaniker, Papiermaschinenfabrikant, * 30.1.1799 Heilbronn, † 22.8.1876 San Francisco (Kalifornien, USA). (evangelisch)

  • Genealogie

    V Johann Friedrich (1752–1823, 1] Johanna Christiana Margaretha Späth, 1757–86, 2] Juliane Trefz, 1752–94), aus Ilsfeld, Drehermeister wahrscheinl. seit 1781 in H.;
    M Johanna Rosina (1766–1826), aus H., T d. Friedrich Treudt, Hafner in H., u. d. Christiane Steegmayer;
    4 Halb-B u. a. Carl Friedrich (1784–1822), Horn- u. Beindreher in Schluckenau (Böhmen), später in H., 2 Halb-Schw u. a. Caroline Wilhelmine (* 1790, N. N. Philipp, Buchdruckereifaktor in Karlsruhe);
    Heilbronn 1823 Catharina Luise (Louisa) (1802–53), aus H., emigrierte 1852 n. Kalifornien, T d. Martin Nothwang (1775–1825), aus Neckargartach, Metzgermeister in H., n. 1818 in Kochendorf, u. d. Christina Magdalena Dörr (1776–1807), aus Ilsfeld;
    3 S Adolph (* 1824), emigrierte 1849 mit W. in d. USA, Rudolph (* 1837), Hermann (* 1840), 8 T (1 früh †) u. a. Wilhelmine (Minna) (* 1826), Friederike (* 1827), Pauline (* 1829), Bertha (* 1831, ] Joseph Johann Nepomuk Schwarz, 1820–64, Arzt in Covington, Kentucky, S d. Johann Michael Schwarz, 1791–1862, Schlosser, Großuhrenmacher, Schultheiß in Donzdorf b. Geislingen an d. Steige).

  • Biographie

    W. erlernte den väterlichen Beruf des Drehers und ging nach der Lehre auf Wanderschaft.

    Als der Vater 1823 starb, erhielt W. in Heilbronn vorzeitig das Meisterrecht und die Erlaubnis zur Eheschließung. Er arbeitete u. a. für die Heilbronner Silberwarenfabrik Bruckmann, aber auch für die Papierindustrie, die|ein wichtiger Innovationskern der in dieser Zeit in Heilbronn einsetzenden frühindustriellen Entwicklungen war: Die von den Großhandelskaufleuten Moriz (1794–1849) und Adolf v. Rauch (1798–1882) gegründete Fabrik für maschinelle Papierfabrikation setzte 1823 erstmals in Süddeutschland eine importierte Langsiebpapiermaschine des engl. Maschinenbauers Bryan Donkin ein. In der benachbarten Papiermühle von Gustav Schaeuffelen (1798–1848) wurden seit 1827 technische Innovationen eingeführt. W. wurde von diesen Unternehmen mit Aufträgen betraut und entwickelte sich zum Spezialisten für den Papiermaschinenbau. 1829 war er für den Papierfabrikanten Heinrich Bernhard Voelter (1784–1847) in Heidenheim/Brenz tätig, leitete die Bohrarbeiten für einen artesischen Brunnen und baute eine Papiermaschine. 1833 richtete W. in Heilbronn vor dem Sülmer Tor eine Werkstatt ein, im Folgejahr war er in Schlesien für die Papierfabrik Hendler tätig. Schaeuffelen verhinderte durch Einspruch die Errichtung einer Werkstatt mit Wasserkraft; zwischen den beiden Unternehmern kam es 1837 zum endgültigen Bruch. Jeder baute nun auf eigene Rechnung Papiermaschinen. W. weitete seinen Aktionsradius erheblich aus, lieferte in die Rheinprovinz, nach Bayern und Böhmen. In dieser frühindustriellen Phase hatten W.s einfachere und preisgünstigere Konstruktionen für kleinere, weniger kapitalkräftige Unternehmen, die sich teure Maschinen aus England, Frankreich oder der Schweiz nicht leisten konnten, im Ringen um innovative Produktionsmethoden eine besondere Bedeutung.

    Da sein Werkstattprovisorium in Heilbronn nur geduldet wurde, erlangte W. 1840 auf Antrag die Konzession für den Betrieb einer Maschinen- und Papierfabrik am Leinbach zwischen Frankenbach und Neckargartach. 1843 wurde die Papierfabrik in Betrieb genommen, 1844 wurde die Konzession zur Errichtung von zwei Kupolöfen für die Gießerei der Maschinenfabrik erteilt. Nachdem W. nachweisbar mindestens 30 Papiermaschinen zur Aufstellung gebracht hatte, kam er in schwieriger konjunktureller Gesamtlage und bei starker industrieller Überproduktion selbst in Schwierigkeiten. Im Nov. 1848 geriet W. in Konkurs, sein Einspruch wurde verworfen, seine Liegenschaften wurden versteigert. 1849 wanderte W. mit seinem Sohn Adolph in die USA aus und kam vermutlich 1852 in Kalifornien an; im selben Jahr folgte seine Frau mit den übrigen acht Kindern. W. bestritt seinen Lebensunterhalt als Farmer und gelegentlicher Maschinenreparateur; 1864 erhielt er die USamerik. Staatsbürgerschaft.

  • Auszeichnungen

    |J.-J.-W.-Schule, Heilbronn (1973).

  • Literatur

    |A. Schulte, J. W. in Heilbronn, d. erste dt. Papiermaschinenfabr., in: Wbl. f. Papierfabrikation 61, 1930, Nr. 25A (Sonder-Festnr.), S. 17–23;
    H. Schmolz, J. J. W. aus Heilbronn, d. erste Papiermaschinenfabr. Dtld.s, in: Jb. f. schwäb.-fränk. Gesch. 26, 1969, S. 181–89;
    ders., J. J. W., Ein vergessener Pionier d. ind. Rev. d. 19. Jh. aus Heilbronn, in: Die Entwicklung d. Papierind. in Heilbronn u. ihr Einfluß auf d. Industrialisierung d. Stadt Heilbronn, Festreden anläßl. d. 225j. Bestehens d. Fa. Gebr. Rauch am 5. Nov. 1987, o. J. [1988], S. 11–16;
    M. Preger, Wilhelm Brielmayer u. d. erste Papiermaschine in Oberschwaben, in: Schwäb. Heimat 29, 1978, S. 234–42;
    F. Schmidt, Von d. Mühle z. Fabrik, Die Gesch. d. Papierherstellung in d. württ. u. bad. Frühindustrialisierung, 1994;
    H. Weckbach, Erfolg u. Tragödie, Gustav Schaeuffelen u. J. W., in: ders., Heilbronner Köpfe, Bd. 1, 1998, S. 114–23;
    ders., „Amerika ist kein Land f. d. Vater“, J. W. u. seine Fam. in Nordamerika, Zum 200. Geb.tag d. ersten dt. Papiermaschinenkonstrukteurs, in: Heilbronnica 1, 2000, S. 93–130.

  • Autor/in

    Frieder Schmidt
  • Zitierweise

    Schmidt, Frieder, "Widmann, Johann (John) Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 38-39 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139836667.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA