Lebensdaten
1712 bis 1795
Geburtsort
Apenrade (Åbenrå)
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Philosoph ; Zeitungsverleger
Konfession
-
Normdaten
GND: 120502011 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schade, Georg
  • Ein wegen der vernünftigen natürlichen Religion verfolgter und in 11 Jahren verwiesen gesener Weltweiser und Rechtsgelehrter
  • Ein wegen der vernünftigen natürlichen Religion verfolgther und in 11 Jahren verwiesen gesener Weltweiser und Rechtsgelehrther

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Zitierweise

Schade, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120502011.html [08.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbek.;
    Sophia Amalia Lobedanzen;
    1 T N. N. ( Paul Christian Henrici, 1715–94, Prof. d. Beredsamkeit, JR, s. Meusel).

  • Leben

    Aus dem unter dän. Herrschaft stehenden Hzgt. Schleswig stammend, studierte S. Jurisprudenz in Kiel, Leiden und Utrecht und wurde Advokat in Sonderburg, 1741 in Hadersleben. 1747 nahm er an der Preisfrage der preuß. Sozietät der Wissenschaften über die Leibniz-Wolffsche Monadenlehre teil. Nach der Niederlage der Wolffianer, zu denen S. zählte, gründete er – im Kontakt mit Akademiesekretär Johann Heinrich Samuel Formey (1711–97), dem dän. Philosophen Jens Kraft (1720–65) und wissenschaftsfreundlichen Kreisen der Kopenhagener Regierung um Johann Ludwig v. Holstein und Johann Heinrich E. Gf. Bernstorff – 1748-50|die „Allgemeine Gesellschaft der Wissenschaft und Tugend“, deren Organisation und Leitung S. faktisch allein betrieb. Die Zahl aktiver Mitglieder dieser Aufklärungsgesellschaft war gering. 1752-60 verfaßte S., möglicherweise auf Material von Andreas Clavius (1692–1755) u. a. zurückgreifend, zahlreiche Schriften, die die Monadenlehre als Grundlage von Physik, Biologie, Chemie, sogar Seelenwanderungslehre und Politik propagieren und starke hermetische Einflüsse aufweisen. 1756 gab S. seine Advokatur auf, zog nach Altona und gründete dort die seit April 1759 viermal wöchentlich erscheinenden, von Johann Matthias Dreyer (1716–69) geschriebenen „Stats- und Gelehrte Neuigkeiten“. Da S. Deist war und seine Philosophie als Alternative zum „Pfaffenbetrug“ des Christentums verstand, plante er, der Kontakte zu Hermann Samuel Reimarus (1694–1768) pflegte, mit seiner Gesellschaft in diese radikalaufklärerische Richtung zu wirken. Als der Zeitung im Okt. 1759 das Privileg entzogen wurde, druckte S. anonym seine deistische Schrift „Die unwandelbare und ewige Religion der ältesten Naturforscher und Adepten“ (1760, Nachdr., it anderen Dok., hg. u. mit e. Einl. versehen v. M. Mulsow, 1999). Diese wurde beschlagnahmt, ihr Verfasser entdeckt und auf die dän. Gefängnisinsel Christiansø, später nach Bornholm verbannt. 1772 begnadigt, lebte er, ohne weiter zu publizieren, fortan als Regierungsadvokat in Kiel.

    S.s Bedeutung ist nicht nur in seiner ungewöhnlichen Verbindung von Wolffianismus, Hermetik und Religionskritik zu sehen, sondern auch in seinen Aktivitäten für den Deismus. Seine Aufklärungsgesellschaft nimmt gegenüber späteren ähnlichen Verbindungen, v. a. Karl Friedrich Bahrdts (1741–92) „Dt. Union“, eine Vorläuferstellung ein. Die unmittelbare Wirkung seiner Schriften scheint eher gering gewesen zu sein (sie provozierten den Spott Johann Gottlob Krügers und Moses Mendelssohns), doch ist eine indirekte Wirkung in Kreisen von Geheimgesellschaften nicht auszuschließen.

  • Werke

    Weitere W Einl. in d. höhere Weltweisheit, 2 Stücke, 1752/53;
    dass., Vorbereitungs-Theil z. Dritten Stück, 1757;
    Hist. Nachr. v. d. Anfange, Wachsthum, Hindernissen u. nunmehrigen Fortgange u. Nutzen d. z. Ausbesserung d. höheren Natur- u. Geisterlehre v. einiger Zeit errichteten Ges. d. Wiss., 1757;
    Auszug aus d. Plan zu d. angenehmsten u. vorteilhaftesten Verbindung d. vernünftigsten Teils d. ganzen menschl. Geschlechts, 1759.

  • Literatur

    H. Böning. Dt. Presse 3, 1997, S. 92-94, 117-31;
    M. Mulsow, Monadenlehre, Hermetik u. Deismus, G. S.s geh. Aufklärungsges. 1747-1760, 1998 (W);
    ders., Vernünftige Metempsychosis, Über Monadenlehre, Esoterik u. geh. Aufklärungsgesellschaften im 18. Jh., in: M. Neugebauer-Wölk (Hg.), Aufklärung u. Esoterik, 1999, S. 211-73;
    ders., Pythagoreer u. Wolffianer, Zu d. Formationsbedingungen vernünftiger Hermetik u. gel. „Esoterik“ im Dtld. d. 18. Jh., in: A.-Ch. Trepp u. H. Lehmann (Hg.), Antike Weisheit u. kulturelle Praxis, Hermetismus in d. Frühen Neuzeit, 2001, S. 337-95;
    Biogr. Enz. Aufklärung;
    Meusel;
    Dansk Leks.

  • Autor/in

    Martin Mulsow
  • Empfohlene Zitierweise

    Mulsow, Martin, "Schade, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 494-495 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120502011.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA