Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
deutsch-baltische Adelsfamilie
Konfession
-
Normdaten
GND: 139789693 | OGND | VIAF: 102636531
Namensvarianten
  • Samson-Himmelstjerna, von

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Zitierweise

Samson-Himmelstjerna, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789693.html [13.08.2020].

CC0

  • Leben

    Als Stammvater der Familie gilt der aus Putte in Brabant (Niederlande) stammende Naeman Samson (1520 ?-1583), der 1568 Bürgerhauptmann von Riga wurde. Sein Sohn Hermann (1579–1643, s. L) studierte in Rostock und Wittenberg, wo er 1605 den Magistergrad erwarb. Seit 1608 wirkte er in Riga als Prediger an der Stadtgemeinde, wurde 1611 zum Pastor am Dom und ein Jahr darauf als Oberpastor an St. Petri zum Leiter der Rigaer Geistlichkeit berufen. Während der poln. Herrschaft führte er einen erbitterten Kampf gegen die von den Jesuiten ausgehende Rekatholisierung. Vor einer drohenden Verurteilung rettete ihn die Eroberung Rigas 1621 durch Gustav Adolf, bei dessen Einzug er die Huldigungspredigt hielt. Ein Jahr darauf ernannte ihn der schwed. König zum ersten Superintendenten von ganz Livland diesseits der Düna. Hermann baute in dem kriegszerstörten Land das Kirchen- und Schulwesen neu auf. 1631 stiftete der Rat der Stadt Riga auf seinen Vorschlag ein Gymnasium mit dreijährigem Studium für Theologen und Juristen. Hermann gab ein dt. Gesangbuch und eine Predigtsammlung heraus. Beweise der Anerkennung seiner Verdienste um den Protestantismus im Baltikum waren Landschenkungen und 1640 die Adelsverleihung (S. v. H.).

    Sowohl in der Landespolitik wie auch als Autor trat Reinhold v. S.-H. (auch: S. v. Himmelstiern) (1778–1858, s. W, L, P), der Sohn des Landmarschalls Carl Gustav (1750–1825), hervor. Nach dem Jurastudium in Leipzig Landrichter in Dorpat, fand er eine Anstellung in der ksl. Kanzlei in St. Petersburg. Als Notar der Livländ. Ritterschaft, Kreisdeputierter, Präsident des Konsistoriums und des Livländ. Hofgerichts sowie als Mitglied mehrerer Reformkommissionen setzte er sich 1803-48 für eine Agrarreform ein. Nachdem er auf dem livländ. Landtag den Antrag zur Aufhebung der Leibeigenschaft gestellt hatte, wirkte der neben Hamilcar v. Fölkersahm (1811–56) bedeutendste Landrat an der Redaktion der Bauernverordnung 1819 maßgeblich mit. Unter dem Eindruck der livländ. Konversionsbewegung der 1840er Jahre gehörte er dann allerdings zu den schärfsten Kritikern der von ihm selbst befürworteten Bauernbefreiung von 1819. Er unterstützte die Herrnhuter Brüdergemeine und war Mitbegründer der „Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde“ in Riga. Neben jur. Abhandlungen veröffentlichte er auch Gedichte und Übersetzungen. 1840 erhielt er das kurländ. Indigenat, 1851 wurde er durch einen „Ehrenstuhl“ im Livländ. Landratskollegium geehrt.

    Reinholds Söhne Hermann (1800–81) und Wilhelm (1804–62) traten in den russ. Militärdienst ein. Während Hermann 1847-58 Kommandeur der Gewehrfabrik in Tula war und im Rang eines Generalleutnants ausschied, war Wilhelm 1842-50 Regierungsrat in Reval und danach Präsident des Ev.-luth. Konsistoriums in St. Petersburg. Reinholds Bruder Wilhelm (1781–1858), der nach dem Jurastudium in Dorpat und Halle an der Estland. Adeligen Güter-Kredit-Kasse in Reval wirkte und sich u. a. als Kurator der Ritter- und Domschule in Reval um das Schulwesen verdient machte, wurde 1834 Landrat. Ferdinand (1816–88) trat in die Fußstapfen seines Vaters: 1862 wurde er Landrat und Kurator der Ritter- und Domschule in Reval, 1863 Präsident der Estländ. Adeligen Güter-Kredit-Kasse.

    Reinholds Enkel, der Publizist Hermann v. S.-H. (auch: H. v. S.-Urbs, 1826–1908, s. W, L, P), studierte Naturwissenschaften in Dorpat, Berlin, Leipzig und Paris. Der als Ingenieur tätige liberale Politiker löste 1878 mit der anonym erschienenen Broschüre „Wetterleuchten, Briefe über livländ. Politik“ und dem fingierten Briefwechsel „Livländ. Rückblicke“ eine heftige Diskussion aus. Mit seinen polemischen Angriffen auf die ritterschaftliche Landespolitik entfachte er nicht nur einen Streit über die richtige Agrarpolitik und den vernünftigsten Weg zum Ausbau der Provinzialverfassung, sondern stellte generell die Rolle der balt. Ritterschaften in Frage.

    Guido v. S.-H. (1809–68, s. ADB 30) wirkte nach einem Jura- und Medizinstudium in Dorpat, Berlin, Wien und Würzburg als Arzt bei der russ. Marine. 1845 wurde er o. Professor der Staatsarzneikunde in Dorpat (1855–59 Dekan, 1865-68 Rektor).

    Sein Enkel, der Jurist und Landespolitiker Friedrich v. S.-H. (1872–1958, s. L) war 1902-20 Sekretär (Syndikus) der Livländ. Ritterschaft und nach der Revolution von 1905/06 Mitbegründer und Vorstandsmitglied der „Balt. Konstitutionellen Partei“ sowie der großen Rigaer Ortsgruppe des „Dt. Vereins“. In dieser Eigenschaft war er maßgeblich beteiligt am Wiederaufbau des dt. Schulwesens. 1908-17 vertrat er die Ritterschaft im Verwaltungsrat des Rigaer Polytechnikums, 1909-18 war er Stadtverordneter und in der Umbruchphase 1918 geschäftsführendes Mitglied des Balt. Landesrats und des Balt. Regentschaftsrats. Während der dt. Okkupation setzte er sich für die Bildung eines gesamtbalt. Staates in Anlehnung an das Dt. Reich ein, im Okt./Nov. 1918 kämpfte er als Vorsitzender der Landeswehrkommission für die Befreiung Lettlands von den Bolschewiki. Während der Zwischenkriegszeit wirkte er in zahlreichen dt. Vereinigungen wie dem von ihm begründeten „Dt. Elternverband“ als privatem Schulträger oder im Kulturamt der Dt.-Balt. Volksgemeinschaft. Nach der Umsiedlung nach Posen wurde er 1943 Vorsitzender des Verbandes für Sippenkunde und Sippenpflege der Angehörigen der ehemaligen Balt. Ritterschaften. Nach 1945 lebte er in Holstein, seit 1948/49 in Würzburg. 1947 gehörte er zu|den Gründern des Verbandes der Angehörigen der Balt. Ritterschaften und hatte bis 1954 den Vorsitz der Livländ. Ritterschaft inne.

    Guidos Enkel Robert (1885–1942) wirkte nach dem Studium der Montanwissenschaft in Freiberg als Bergingenieur in Oberschlesien, seit 1911 in Chile und Bolivien.

    Ingeborg v. S.-H. (1889–1964, s. W, L) betrieb in Dorpat und Dresden Kunststudien. Im 1. Weltkrieg denunziert, zum Tode verurteilt, begnadigt und in den Ural verbannt, heiratete sie dort 1916 den österr. Zivilinternierten Karl Hubatius Rr. v. Kottnow (1881–1941), mit dem ihr 1918 die Flucht nach Österreich gelang. Sie wurde durch ihre Erinnerungen sowie als Verfasserin von Jugendbüchern und Lebensbildern historischer Persönlichkeiten bekannt (als „Ingeborg v. Hubatius-Himmelstjerna“).

  • Werke

    zu Reinhold: Hist. Versuch über d. Aufhebung d. Leibeigenschaft in d. Ostseeprovinzen, 1838;
    Gedichte, 1825;
    Btrr. in Lyrikslgg.;
    Shakespeare-Überss. 1837 u. 1848;
    Tageb. (1845–1846), hg. v. G. v. Freymann in: J.berr. Fellin 1902-04;
    zu Hermann
    ( 1908);
    Babel in Livland, 1879;
    Pol. Gedanken, 1882;
    Gustav Heinrich Kirchenpauer, 1891;
    Kußland unter Alexander III., 1891 (Ps. Viktor Frank);
    Russ. Christentum, 1895 (Ps. Viktor Frank);
    Die Sittlichkeitslehre als Naturlehre, 1894;
    Die Gelbe Gefahr als Moralproblem, 1902;
    Anti-Tolstoi, 1904;
    zahlr. Überss. aus d. Russischen;
    zu Ingeborg:
    Das Tageb. e. Baltin, 1935;
    Die balt. Brüder, 1938;
    Die junge Droste, 1952;
    Flucht in d. Ural, 1954;
    Daisy, 1957, 21958;
    Hochzeitsreise im Baschkirenland, 1958;
    Anna Pawlowa, 1962.

  • Literatur

    zur Fam.: Dt.balt. Biogr. Lex. (f. alle gen. Fam.-mitgll. seit 1710);
    Axel v. S.-H. (Hg.), Stammtafel d. Fam. v. S.-H., 1898;
    Hans-Otto v. S.-H., Fam.gesch. v. S.-H., 1936 (P zu Hermann, 1643, u. Reinhold);
    E. v. Mühlendahl, Die balt. Ritterschaften, 1953, 21973;
    G. v. Pistohlkors (Hg.), Dt. Gesch. im Osten Europas, Balt. Länder, 1994, 22O02;
    K. Garber u. Martin Klöker (Hg.), Kulturgesch. d. halt. Länder in d. Frühen Neuzeit, 2003;
    zu Hermann:
    ADB 30;
    Ch. A. Berkholz, Mag. H. S., 1856;
    A. Eckardt, Mag. H. S., Ein Charakterbild aus Rigas Vergangenheit, in: Balt. Jugendschr. 5, 1902, S. 140-47;
    O. Schabert, H. S., der erste Livländ. Gen.sup., 1906;
    H. Lundgren, Den förste Himmelstjerna, 1931;
    H. Bosse u. A. Frhr. v. Taube (Hg.), Balt. Köpfe, 1953, S. 49-52;
    R. Wittram (Hg.), Balt. KGesch., 1956;
    zu Reinhold:
    J. E. Frhr. v. Grotthuß, Das Balt. Dichterbuch, 21895, S. 450 f. (Gedichte: S. 135-37);
    zu Reinhold u. Hermann ( 1908);
    ADB 30;
    A. v. Tobien, Die Agrargesetzgebung Livlands im 19. Jh., II, 1911;
    R. Wittram, Liberalismus balt. Literaten, 1931;
    ders., Meinungskämpfe im balt. Dt.tum während d. Reformepoche d. 19. Jh., 1934;
    G. v. Pistohlkors, Ritterschaftl. Reformpol. zw. Russifizierung u. Rev., 1978;
    G. v. Rauch, Gesch. d. dt.balt. Gesch.schreibung, 1986;
    zu Friedrich:
    A. v. Tobien, Ritterschaft, Bd. 2;
    W. Wachtsmuth, Von dt. Arbeit in Lettland, II, 1952 (P);
    Baron H. v. Foelkersahm, in: Jb. d. balt. Dt.tums 7, 1959, S. 87-89 (P);
    O. v. Glasenapp, in: Balt. Briefe 11, 1958, Nr. 3, S. 9 f.;
    Hermann v. S.-H., in: Jb. d. balt. Dt.tums 20, 1973, S. 28-40;
    M. Garleff, Dt.balt. Pol. zw. d. Weltkriegen, 1976;
    800 J., Unser gemeinsames Riga, 2001 (P); – zu Ingeborg:
    Kosch, Dt. Lit.-Lex.;
    M. Redlich, Lex. dt.balt. Lit., S. 154 f.;
    E. Thomson, Ingeborg v. Hubatius-Himmelstjerna, in: Jb. balt. Dt.tums 13, 1966, S. 15-20 (P), A. v. Ungern-Stern-berg, „Erzählregionen“, Überlegungen zu lit. Räumen, 2003.

  • Portraits

    zu Hermann ( 1643): A. v. Taube (Hg.), Dt. Männer d. balt. Ostens, 1943, S. 46;
    zu Reinhold:
    Ölgem. v. J. Döring u. W. Wieder, Abb. in: G. v. Krusenstjern, Die Landmarschälle u. Landräte d. Livländ. u. Öselschen Ritterschaft in Bildnissen, 1963, S. 148;
    zu Hermann
    ( 1908): Dt.balt. Geneal. Ges. Darmstadt.

  • Autor/in

    Michael Garleff
  • Empfohlene Zitierweise

    Garleff, Michael, "Samson-Himmelstjerna, von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 408-410 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789693.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA