Lebensdaten
1495 bis 1559
Geburtsort
Sankt Gallen
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Kaufmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137224435 | OGND | VIAF: 81445250
Namensvarianten
  • Sayler, Hieronymus
  • Seiler, Hieronymus
  • Sailer, Hieronymus
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Zitierweise

Sailer, Hieronymus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137224435.html [25.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbek.;
    B Hans (vermutl. St. Gallen 1531 Elsbeth Schittli);
    1533 Felicitas (1513–69), T d. Bartholomäus Welser (1484–1561), Großkaufm. in A. (s. ADB 41 Fam.art.), u. d. Felicitas Grander;
    1 S Bartholomäus ( Augsburg 1567 Susanne Katzböck), 4 T Katharina ( 1571, Paul Furtenbach, 1526–89, Kaufm. aus Nürnberg, Herr auf Eisenhofen b. Dachau, hzgl. bayer. Rat u. Hofjunker, S d. Bonaventura I. Furtenbach, 1498–1564, Kaufm. in Nürnberg, auf Keichenschwand usw., s. NDB V Fam.art.), Felicitas ( 1578, Christoph Rosonberger, 1587, Bürger in A.), Rosina ( 1583, ⚭ Anton Bernhard Rehlinger, Patrizier in A.), Regina ( 1591, Jos Schorer, 1543–1600, aus Kaufm.fam. in A.); Tante d. Ehefrau Margarethe Welser (1481–1552, Conrad Peutinger, 1465–1547, Dr. iur. utr. , Humanist, s. NDB 20); Verwandte Michael (Vt ?), Welser-Faktor in Lyon, Bartholomäus, Welser-Faktor in Spanien u. Amerika.

  • Leben

    Über S.s Jugend und familiären Hintergrund ist kaum etwas bekannt. Ein Eintrag im ca. 1529-39 entstandenen Diarium des Jakob Rütiner, dem zufolge S. von der Welser-Gesellschaft zur kaufmännischen und fremdsprachlichen Ausbildung nach Como geschickt wurde, deutet auf frühe Beziehungen zu dem Augsburger Handelshaus hin. Nach einem Aufenthalt in Lissabon arbeitete er spätestens 1524 für Bartholomäus Welser und dessen Gesellschaft in Spanien. 1528 schloß S. zusammen mit Heinrich Ehinger ( vermutl. 1537), wohl im Auftrag der Weiser-Gesellschaft, die Verträge mit der span. Krone über die Kolonisation Venezuelas und den Transport dt. Bergleute nach Santo Domingo ab. Außerdem erwarben S. und Ehinger Lizenzen für die Verschiffung von 4000 afrikan. Sklaven nach Amerika. Die beiden Welser-Vertreter rekrutierten 300 Kolonisten und rüsteten vier Schiffe für die erste Expedition nach Venezuela aus. 1524-30 sind außerdem, teilweise in Kooperation mit Faktoren der Firma Fugger, mehrere größere Renten- und Darlehensgeschäfte (Juros, Asientos) mit der span. Krone belegt. Ende 1530 übertrugen S. und Ehinger die Rechte an Venezuela offiziell auf Bartholomäus und Anton Welser.

    Durch die Eheschließung mit einer Tochter seines Arbeitgebers wurde S. 1533 Mitglied der Augsburger Herrenstube. Bis 1539 fungierte er noch als Leiter der Welser-Faktorei am Span. Hof und war spätestens 1540 als Vertreter der Firma seines Schwiegervaters in Antwerpen tätig. An der Scheide organisierte S. in Verbindung mit dem Finanzier Gaspar Ducci aus Pistoia und dem Welser-Faktor Alexius Grimmel den Transfer großer Geldsummen nach Lyon. Mit Ducci und dem Augsburger Kaufmann Sebastian Neidhart ( 1554) gewährte er 1544 der niederländ. Regierung ein Darlehen über 100 000 Gulden, für das die Geldgeber auf den Einfuhrzoll auf Alaun verwiesen wurden. Die Anleihe- und Finanzgeschäfte in Antwerpen und Lyon bargen nicht nur hohes finanzielles Risiko, sondern waren wegen des habsburg.-franz. Konflikts auch politisch brisant. Sie wurden daher unter S.s Namen abgeschlossen, der als Schweizer politische Neutralität vorschützen konnte. 1542 hatte S. in Augsburg zwar das Paktbürgerrecht erworben, 1543 aber auch sein St. Gallener Bürgerrecht erneuert. Während des Schmalkald.Schmalkaldisch Krieges hielt er sich 1546/47 längere Zeit in seiner Heimatstadt sowie in Lindau und Memmingen auf.

    Das Konsortium um S. und Ducci, das in Lyon durch Neidharts Sohn Ghristoph und Simon Pecori vertreten wurde, lieh bis 1549 der franz. Krone über 100 000 Kronen, die größtenteils von Neidhart aufgebracht wurden. Als die Arbitragegeschäfte zwischen Antwerpen und Lyon bekannt wurden, ließ die Brüsseler Regierung S., Grimmel und Ducci inhaftieren und wegen Verstoßes gegen die Wucher- und Monopolgesetze anklagen; sie wurden zu hohen Geldstrafen verurteilt. Wegen der gemeinsamen Finanzgeschäfte geriet S. auch in rechtliche Auseinandersetzungen mit seinen Partnern Neidhart, Pecori und Grimmel, die Rat und Stadtgericht in Augsburg, das Reichskammergericht in Speyer, den Rat von Brabant in Brüssel und franz. Gerichte jahrelang beschäftigten. In diesen Prozessen wurde S. von seinem Schwiegervater Bartholomäus Welser finanziell unterstützt, später allerdings von jeglicher Verfügungsgewalt über das Erbe seiner Frau ausgeschlossen.

    Neben einem Haus in der Grottenau in Augsburg besaß S. das 1549 von dem Patrizier Jakob Rehlinger erworbene Gut Pfersee vor den Toren der Stadt, das seine Witwe 1569 an Michael Katzböck von Thurnstein veräußerte.|Als überzeugter Protestant korrespondierte er mit dem St. Gallener Bürgermeister und Humanisten Joachim von Watt (Vadian), den er als „Vetter“ bezeichnete und der im Streit mit seinem Schwiegervater vermittelte, sowie mit dem exilierten span. Humanisten Franciscus Dryander.

  • Literatur

    R. Ehrenberg, Das Za. d. Fugger, Geldkapital u. Creditverkehr im 16. Jh., 2 Bde., 1896, Bd. 1, S. 202, 204, 220-23, 311-16, Bd. 2, S. 51-55, 90, 95;
    K. Häbler, Die Übersee. Unternehmungen d. Welser u. ihrer Gesellschafter, 1903;
    J. M. Frhr. v. Welser, Die Welser, 2 Bde., 1917, Bd. 1, S. 175 f., Bd. 2, S. 124-26;
    J. Strieder, Aus Antwerpener Notariatsarchiven, Qu. z. dt. Wirtsch.gesch. d. 16. Jh., 1930, S. 129, 134 f., 355, 412;
    C. Bauer, Unternehmung u. Unternehmungsformen im Spätma. u. in d. beginnenden Neuzeit, 1936, S. 108-10, 129-33;
    W. Großhaupt, Die Welser als Bankiers d. span. Krone, in: Scripta Mercaturae 21, 1987, S. 158-88;
    ders., Der Venezuela-Vertrag d. Welser, ebd. 24, 1990, S. 1-35;
    H. Kellenbenz, Ein span. Jurogeschäft v. Heinrich Ehinger u. H. S., in: L. C. Morsak u. M. Escher (Hg.), FS. f. Louis Carlen z. 60. Geb., 1989, S. 101-18;
    ders., Die Fugger in Spanien u. Portugal bis 1560, 3 Bde., 1990;
    ders., in: Lb. Bayer. Schwaben 14, 1993, S. 33-54 (P);
    C. Bonorand, in: Zwingliana 20, 1993, S. 103-25;
    W. Reinhard (Hg.), Augsburger Eliten d. 16. Jh., 1996, S. 720-22;
    M. Häberlein, Brüder, Freunde u. Betrüger, 1998, S. 128-37;
    G. Simmer, Gold u. Sklaen, 2000;
    A. Kranz, Christoph Amberger u. einige Welser-Bildnisse d. 16. Jh., in: M. Häberlein u. J. Burkhardt (Hg.), Neue Forsch, z. Gesch. u. Kultur d. oberdt. Handelshauses, 2002, S. 409-48;
    Augsburger Stadtlex., 21998.

  • Portraits

    Ölgem. v. Ch. Amberger, 1537 (München, Alte Pinakothek), Abb. in: Alte Pinakothek München, hg. v. d. Bayer. Staatsgem.slgg., 1983, S. 43.

  • Autor/in

    Mark Häberlein
  • Empfohlene Zitierweise

    Häberlein, Mark, "Sailer, Hieronymus" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 355-356 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137224435.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA