Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
reformierte Theologen
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119372630 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sack

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Zitierweise

Sack, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119372630.html [16.09.2019].

CC0

  • Leben

    Die S. stammen aus Harzgerode, wo George (1642–1703, Catharina Magdalena Wolters, * 1683 ?) Ratskämmerer und Sattlermeister war. Von seinen elf Kindern wurde Friedrich Ernst (1676–1763, 1) Anne Dorothee Valendén, 1716, 2] 1717 Dorothee Lucanus, 1696–1770) Prediger in Hecklingen. Sein Sohn Daniel (1671–1761, ⚭ Marie Luise Voigt, 1741) war Sattlermeisterund Bürgermeister in Harzgerode. Daniels Sohn August Friedrich Wilhelm (1703–86) besuchte das|Gymnasium in Bernburg und Zerbst, studierte 1722-24 Theologie in Frankfurt/Oder, war 1728-31 als Hauslehrer in Stettin und Holland tätig und wirkte 1731-40 als Prediger an der Magdeburger dt.-ref. Gemeinde. 1738 wurde er Inspektor der ref. Kirche im Hzgt. Magdeburg und Konsistorialrat. Besondere Wirksamkeit entfaltete er 1740-86 als Hofprediger (seit 1769 erster Hofprediger) in Berlin. In engster Beziehung zum Königshaus, dem er während des Siebenjährigen Kriegs ins Exil nach Magdeburg folgte, prägte er, nicht zuletzt durch gezielte Personalpolitik, die kirchlich-theol. Entwicklung in Preußen nachhaltig. 1750 wurde Wilhelm Mitglied des Oberkonsistoriums und weihte am 6. Sept. des Jahres die Berliner Domkirche ein. In zahlreichen Veröffentlichungen zeigte er sich, seit 1844 o. Mitglied der Kgl. Akademie der Wissenschaften, als Vertreter einer gemäßigten Aufklärungstheologie. Durch das in Einzelstücken publizierte Werk „Vertheidigter Glaube der Christen“ (1748-51, 21773), in dem er Glauben und vernunftbezogenen Nachvollzug der Heilsbotschaft als ein sich notwendig ergänzendes Wechselverhältnis beschrieb, trat er in das Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit. Als einer der bedeutendsten Prediger des 18. Jh. überführte Wilhelm die biblische Überlieferung in zeitgenössische Sprach- und Denkmuster. Tief verwurzelt war in dem energischen Wegbereiter der Union eine Abneigung gegen die Prädestinationslehre Calvins; konsequent grenzte er sich von der Orthodoxie und ihrer strengen Bindung an Tradition und Bekenntnis ab. Wilhelm hatte eine Tochter aus erster Ehe (seit 1732) mit Susanne Cardel (1706–33) und sechs Kinder aus zweiter Ehe (seit 1737) mit Marie Luise Guarrigue (1715–87).

    Sein Sohn Friedrich Samuel Gottfried (1738–1817) studierte ebenfalls Theologie in Frankfurt/Oder (1755–57). Im Anschluß an eine Studienreise nach England (1758/59) 1759-68 Hauslehrer, wurde er 1768 Prediger an der dt.-ref. Gemeinde in Magdeburg, 1777 Hofprediger in Berlin (seit 1786 an erster Stelle). Seit 1780 Konsistorialrat (1786 Oberkonsistorialrat) beim ref. Kirchondirektorium, hielt er die Gedächtnispredigten am 10.9.1786 auf Kg. Friedrich II., am 17.12.1797 auf Kg. Friedrich Wilhelm II. und am 22.7.1810 auf Kgn. Luise. 1804 zum Oberschulrat ernannt und 1806 durch die Ehrendoktorwürde der Univ. Frankfurt/O. geehrt, war er 1809/10 Mitglied im Departement für Kultus und öffentlichen Unterricht und seit 1814 der Kommission für die Verbesserung des prot. Kirchenwesens. In seinen Ämtern griff Gottfried – in den Bahnen seines Vaters – mit Vehemenz in die theol. und kirchenpolitischen Debatten ein. In seinem Einsatz für die Union wurden ein Promemoria Gottfrieds vom 13.7.1798 (veröff. 1801) zur Agendenfrage sowie v. a. seine Schrift „Ueber die Vereinigung der beiden prot. Kirchenparteien in der Preuß. Monarchie“ (1812, 21818) wegweisend. Auch wandte er sich am 26.8.1788 in einem weiteren Promemoria (veröff. 1859) mit Nachdruck gegen das Wöllnersche Religionsedikt. Obwohl Friedrich Schleiermacher eng verbunden, ließ Gottfried im Rahmen einer von ihm vorgenommenen offiziellen Zensur dessen Reden „Über die Religion“ (1799) wegen ihrer vermeintlichen pantheistischen oder spinozistischen Ausrichtung nur widerstrebend passieren. 1816 wurde Gottfried zum Bischof ernannt und mit dem Roten Adlerorden I. Kl. ausgezeichnet; seit 1817 war er Mitglied des preuß. Staatrats. Aus seiner Ehe (seit 1770) mit Johanna Wilhelmine (1753–1832), einer Tochter des Theologen Johann Joachim Spalding (1714–1804), gingen acht Kinder hervor, von denen Eleonore Philippine Amalie (1783–1862) den preuß. Kultusminister Johann Albert Friedrich Eichhorn (1779–1856) heiratete.

    Gottfrieds Sohn Friedrich Ferdinand Adolf (1788–1842, ⚭ Emilie v. Oppen, 1878) besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin und studierte seit 1807 Theologie in Göttingen, wo er Freundschaft mit Friedrich Wilhelm v. Thiersch und dem Schriftsteller Ernst K. F. Schulze schloß. Als kgl. Domkandidat setzte er nach dem 1. theol. Examen 1810 seine Studien in Berlin fort, wurde hier durch Schleiermacher geprägt und trat in Kontakt zu Georg Ludwig Spalding, dem Verleger Georg Reimer und Ernst Moritz Arndt. 1814 publizierte er patriotische Gedichte und nahm 1815 als Feldprediger an den Befreiungskriegen teil. Mit seinem Bruder Karl Heinrich (17.10.1789-16.10.1875) wurde Friedrich 1815 vom Vater ordiniert. 1817 als Hof- und Domprediger in Berlin eingeführt, gehörte Friedrich der Direktion der preuß. Hauptbibelgesellschaft und später dem Kgl. Ober-Zensur-Kollegium an; 1824 wurde er mit dem Roten Adlerorden III. Kl. ausgezeichnet. Trotz enger Verbindung zum Königshaus meldete er sich 1822 im Rahmen des langwierigen Agendenstreits gegen die von Kg. Friedrich Wilhelm III. durchgesetzte neue Agende zu Wort.

    Sein Bruder Karl Heinrich führte eine kinderlose Ehe mit Bertha Jacobi (1804–74), einer Enkelin Friedrich Heinrich Jacobis|(1743-1819). Er studierte seit 1805 zunächst Rechtswissenschaft, dann Theologie in Göttingen, wechselte 1810 nach Berlin und kämpfte 1813-15 in den Befreiungskriegen (E. K.). 1815 trat er in das Berliner Domkandidatenstift ein und wurde nach Erlangung des Lic. theol. 1817 Privatdozent. 1818 wurde er ao., 1823 o. Prof. für Praktische Theologie in Bonn (D. theol. 1821). 1819-34 wirkte er zudem als Pfarrer. 1846 nahm Karl Heinrich an der Preuß. Generalsynode teil, war 1847-60 (Ober-)Konsistorialrat in Magdeburg und 1860-62 Honorarprofessor in Berlin. Eine lebenslange Freundschaft verband den entschiedenen Verfechter der positiven Union mit Friedrich Lücke und Karl Immanuel Nitzsch. In seinen beiden Hauptwerken (Christl. Apologetik, 1829, 21841; Christl. Polemik, 1838) zeigte er sich in Anknüpfung an Schleiermacher als prononcierter, wenngleich eher konventioneller Vertreter der Vermittlungstheologie.

  • Werke

    Weitere W zu Wilhelm: Predigten, 6 Bde., 1735–64, 71769;
    zu Gottfried:
    Predigten, 1781, 21788;
    Hugo Blairs Predigten, 4 Bde., 1781-95 (Übers., Bd. 4 mit F. D. E. Schleiermacher);
    lieber d. Verbesserung d. Landschulwesens vornemlich in d. Churmark Brandenburg, 1799;
    Amtsreden, 1804;
    zu Friedlich:
    Neun Gedichte in Bezug auf d. gr. Ereignisse d. letzten Jahre, 1814;
    Vier Reden u. zwei Predigten b. Konfirmationen in fürstl. Häusern u. d. ersten Abendmahlsfeier junger Christen, 1820;
    Predigten v. F. F. A. S. u. v. K. H. S., 1835;
    Auswahl aus Wilhelm Neuendorffs hinterlassenen Gedichten nebst e. Lebensskizze u. Charakteristik d. Dichters, 1839 (hg. mit C. Bauer);
    F. F. A. S., hinterlassene Gedichte u. Reden nebst einigen Skizzen, 1843 (Qu, Biogr. v. K. H. Sack);
    zu Karl Heinrich:
    Vom Worte Gottes. Eine christl. Verständigung, 1825;
    Ueber d. Ansehen d. hl. Schr. u. ihr Verhältniß z. Glaubensregel in d. prot. u. in d. alten Kirche, 1827;
    Über d. Standpunct d. Schr., Das Leben Jesu, krit. bearb. v. D. F. Strauß, 1836;
    Die Kirche v. Schottland, 2 Bde., 1844/45;
    Gesch. d. Predigt in d. dt. ev. Kirche v. Mosheim, 1866, 21875;
    Theol. Aufss., 1871. |

  • Quellen

    Qu GStA Preuß. Kulturbus. Berlin (Auflistung in: Pockrandt, 2003, S. L.).

  • Literatur

    ADB 30 u. 37;
    R. v. Thadden, Die Brandenburg.-preuß. Holprediger im 17. u. 18. Jh., 1959;
    M. Pockrandt, Bibl. Aufklärung, Biogr. u. Theol. d. Berliner Hofprediger A. F. W. S. (1703-1786) u. F. S. G. S. (1738-1817), 2003 (W, Qu.-Verz., L, P);
    Hamberger/Mensel;
    RE3;
    zu Wilhelm:
    ADB 37;
    F. S. G. S., Lebensbeschreibung, 2 Bde., 1789;
    K. Aner, Die Theol. d. Lessingzeit, 1929, Neudr. 1964;
    K. Themel, Die Mitgll. u. d. Ltg. d. Berliner Konsistoriums v. Reg.antritt d. Kf. Johann Sigismund 1608 bis z. Aufhebung d. kgl. Preuß. Oberkonsistoriums 1809, in: Jb. f. Berlin.-Brandenburg. KGesch. 41, 1966, S. 52-111;
    H. Möller, in: Berlin. Lb. V, S. 129-46 (P);
    Meusel;
    RGG4;
    BBKL (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    zu Gottfried:
    F. Schleiermacher, in: Theol. Stud. u. Kritiken 23, 1850, S. 148-50;
    RGG4;
    zu Friedrich:
    K. H. Sack, Lebensabriß, in: F. F. A. S., hinterlassene Gedichte, S. III-XVI (s. W);
    K.-E. Dang, Soz. Kampf u. Predigt, insbes. im Spiegel d. Ev. Kirchenztg. (1827–1848/49) u. v. Predigten d. Berliner Hofprediger, 1990;
    RGG2;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    zu Karl Heinrich:
    F. Schleiermacher, Briefe an e. Freund [K. H. S.], [hg. v. H. W. Seifert], 1939;
    E. Strauß, Gesch. d. ev. Gde. Bonn, 2. T, 1926, bes. S. 85-100;
    H. Faulenbach (Hg.), Album Professorum d. Ev.-Theol. Fak. Bonn 1818-1933, 1995, S. 39-44;
    A. Christophersen, Friedrich Lücke (1791–1855), 2 Bde., 1999;
    RGG4;
    BBKL (W, L);
    Magdeburger Biographisches Lexikon.

  • Autor/in

    Alf Christophersen
  • Empfohlene Zitierweise

    Christophersen, Alf, "Sack" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 339-341 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119372630.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA