Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Grafen von
Konfession
-
Normdaten
GND: 139567410 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Saarbrücken

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Zitierweise

Saarbrücken, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139567410.html [21.11.2018].

CC0

  • Leben

    Das Geschlecht läßt sich zurückverfolgen bis auf einen 1080 und 1089 genannten Gf. Sigibert im Saargau, der mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Tochter des Gf. Adalbert II. v. Calw vermählt war. Ks. Heinrich IV. schenkte ihm Wadgassen als letztes Königsgut zwischen Pfälzer Wald und Mosel. Die dadurch an der mittleren Saar gewonnene Position wurde kräftig ausgebaut durch die Belehnung mit Besitz der Bischöfe von Metz: Bur Saarbrücken, Völklingen, Köllertal, Wälder rechts und links der Saar, möglicherweise schon durch Bruno v. Calw, 1085-88 ksl. Gegenbischof in Metz. Von den vier namentlich bekannten Söhnen Sigiberts teilten die beiden weltlich gebliebenen den väterlichen Besitz: Die Güter in der Saargegend und in der Südpfalz erhielt Friedrich, der sich frühestens seit 1118 Graf v. S. nannte, den elsäß. Besitz und Teile des lothring. erhielt Sigibert, der sich Graf v. Werd nannte und dessen Rang und Ansehen durch die Beauftragung mit der Landgrafschaft im Elsaß stiegen. Vermutlich schon im frühen 12. Jh. erhielten die S. die Vogtei über die metzische Benediktinerinnenabtei Neumünster (bei Ottweiler) und das Kollegiatstift St. Arnual (heute Stadtteil von Saarbrücken).

    Von den späten Saliern wurde die Familie mit wichtigen Ämtern betraut: Der Bruder Gf. Sigiberts Winither war Bischof von Worms (reg. 1085-88) und Abt von Lorsch, Bruno, Sohn Sigiberts, wurde Bischof von Speyer (reg. 1107-23) und Abt von Lorsch, dessen Bruder Adalbert, Erzbischof von Mainz (reg. 1110-37) und zeitweise Kanzler unter Ks. Heinrich V. In diesem Amt folgte ihm sein Neffe Adalbert II. (reg. 1138-41), Sohn Gf. Friedrichs. Diese Inhaber rhein. Bistümer übertrugen ihren Brüdern bzw. Neffen die Vogtei über Abteien in ihren Diözesen, wobei die Vogtei über die Benediktinerabtei Hornbach mit ausgedehntem Besitz im Bliesgau und der Südpfalz für die Herrschaftsbildung am nachhaltigsten wirkte. Allodialgut besaßen die S. im Elsaß (Werd, Frankenburg) und im östl. Lothringen (Forbach, Réchicourt), wo aufgrund des Auftretens adliger Träger von mit Sigi- beginnenden Namen die Stammheimat des Geschlechtes gelegen haben könnte.

    Der Besitz der Saarbrücker Linie wurde in den folgenden Generationen geschmälert, um 1182-88 durch die Ausstattung der Linie Zweibrücken vornehmlich mit der Vogtei über Hornbach, um 1212 durch die Ausstattung der jüngeren Linie der Grafen v. Leiningen, die die Besitzungen östl. des Pfälzer Waldes erhielt. Die S. schieden dadurch aus dem territorialen Kräftespiel am Oberrhein aus. Gf. Simon III. und sein Bruder Heinrich, Bischof von Worms, starben 1234, ein dritter Bruder Stephan blieb im geistlichen Stand (Propst von Neuhausen, Diözese Worms). Es folgte daher Simons älteste Tochter Lorette (1234–71), deren beide Ehen mit Gottfried v. Apremont und Dietrich v. Kleve kinderlos blieben, und darauf deren Schwester Mathilde ( 1276), vermählt in erster Ehe mit Simon|v. Commercy an der oberen Maas (heute Dép. Meuse), in zweiter Ehe mit Amadeus v. Montfaucon. In der Grafschaft Saarbrücken folgte ihr Sohn Simon IV. (1274–1307/09) aus erster Ehe. Die Verbindung seines mütterlichen Erbes in der Saargegend mit dem väterlichen in der Reichsromania bestimmte nicht nur die auf Erwerb von „Etappenstationen“ zwischen den Landen an Saar und Maas ausgerichtete Territorialpolitik Simons und seiner Nachfolger, sondern auch die Übernahme von Aufgaben im Dienste der franz. Könige, ohne aber die Pflichten gegenüber Kaiser und Reich zu vernachlässigen. Gf. Johann II. v. S.-Commercy (1342–81) übernahm wiederholt wichtige Missionen in ksl. und kgl. franz. Auftrag bei der Kurie und in England. Den Ehegatten für seine Erbtochter Johanna wählte er aus dem rechtsrhein. Hochadel, nämlich Johann von Nassau-Weilburg. Mit Gf. Johann II. v. S.-C. ( zw. Nov. 1380 u. April 1381) erlosch die Linie der Grafen v. S.-C. im Mannesstamm. Da sein Schwiegersohn schon 1371 gestorben war, führte Tochter Johanna nach dem Tod des Vaters wenige Monate bis zu ihrem Tod (Okt. 1381) die vormundschaftliche Regierung für ihren Sohn Philipp v. Nassau-Weilburg. An Macht und Einfluß in Lothringen rangierten die Grafen v. S. hinter den Grafen v. Bar und v. Luxemburg, aber vor den Grafen v. Blieskastel, Homburg, Saarwerden, Salm und Vaudémont.

    Eine mit einem Teil der Besitzungen in der Reichsromania ausgestattete jüngere Linie S.-Commercy, die aber nicht den Grafentitel führte, erlosch 1525. Erbgrahlege der Grafen v. S. war das von ihnen gestiftetePrämonstratenserstift Wadgassen, bei einem Todesfall in „welschen Landen“ war das St. Nikolausstift in Commercy vorgesehen. Ob dort tatsächlich Familienmitglieder bestattet wurden, ist nicht bekannt.

    Nach S. nannte sich auch ein Edelherrengeschlecht, dem Ebf. Boëmund von Trier (reg. 1354-62, s. NDB II; Gatz IV) angehörte, es war nicht stammverwandt mit dem Grafenhaus S.

  • Quellen

    Qu A. H. Jungk, Regg. z. Gesch. d. ehem. Nassau-Saarbrück. Lande (bis z. J. 1381), 1914/19; C. Pöhlmann, Regg. d. Grafen v. Zweibrücken aus d. Linie Zweibrücken erg. …durch A. Doll, 1962; J. Burg, Regg. d. Abtei Wadgassen bis z. J. 1571, 1980.

  • Literatur

    H. Witte, Genealog. Unterss. z. Gesch. Lothringens u. d. Westrichs, in: Jb. d. Ges. f. lothring. Gesch. u. Altertumskunde V/2.1893, S. 87-107;
    A. Ruppersberg, Gesch. d. ehem. Gfsch. Saarbrücken, I, 21908, Nachdr. 1979;
    S. François-Vivès, Les seigneurs de Commercy au Moyen Age (Xl-siècle – 1439), in: Mémoires de la Soc. d'Archéol. Lorraine 74, 1936, S. 85-162, 75, 1937/1939, S. 1-134;
    H. Werle. Die Machtstellung d. Saarbrücker Hauses am Mittel- u. Oberrhein im 12. Jh., in: Saarbrücker Hh. 5, 1957, S. 23-37;
    H.-W. Herrmann, Beziehungen zw. d. Saarraum u. d. Landschaft zw. Mosel u. Maas im MA, in: Zs. f. Gesch. d. Saargegend 20, 1972, S. 13-28;
    M. Parisse, La Noblesse Lorraine XIe-XIIIe siècles, II, 1976, S. 875 f.;
    ders., Noblesse et Chevalerie en Lorraine médiévale, 1982, S. 124 f.;
    K. Hoppstädter u. H.-W. Herrmann. Geschichtl. Landeskunde d. Saarlandes, II, 1977, S. 65-70, 279-302;
    D. Schwennicke (Hg.), Familien d. alten Lotharingien, I, 1978, T. 150-53;
    K. U. Jäschke, Saarbrücken im HochMA, in: R. Wittenbrock u. M. Hahn (Hgg.), Gesch. d. Stadt Saarbrücken, I, 1999, S. 159-98;
    H.-W. Herrmann, Saarbrücken u. St. Johann v. d. Anfängen städt. Lebens bis z. Niedergang im 30jähr. Kriege, ebd., S. 199-298;
    W. Mohr, Gf. Johann II. v. Saarbrücken-Commercy, in: Saarland. Lb. III, 1984, S. 43-60.

  • Autor/in

    Hans-Walter Herrmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Herrmann, Hans-Walter, "Saarbrücken" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 318-319 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139567410.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA