Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
oldenburgische Familie
Konfession
-
Normdaten
GND: 139512446 | OGND | VIAF: 101243894
Namensvarianten
  • Ruhstrat

Verknüpfungen

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Zitierweise

Ruhstrat, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139512446.html [13.06.2021].

CC0

  • Leben

    Die ursprünglich kath. Krämer- und Ackerbürgerfamilie ist seit Beginn des 17. Jh. in Iburg und Vörden (Fürstbm. Osnabrück) nachweisbar. Ihr ältester namentlich bekannter Angehöriger ist Andreiß Ruwstrot (um 1595–1644), Krämer in Vörden. Mit seinem Urenkel Johann Hermann (um 1698–1754) begann der soziale Aufstieg der Familie. Er besuchte die Jesuitenschule in Osnabrück und heiratete 1721 die aus Ovelgönne (Gfsch. Oldenburg) stammende Anna Sophie Janssen (* 1691). Wegen seiner Heirat oder weil er sich in dem damals von einem ev. Landesherrn regierten Fürstbistum berufliche Vorteile versprach, konvertierte er zum luth. Glauben. Nach dem Notariatsexamen ließ er sich 1724 als Prokurator in Vörden nieder, übersiedelte aber zehn Jahre später wegen anhaltender Differenzen mit seinen kath. Kollegen nach Ovelgönne. Hier waren seine Söhne als (nichtstudierte) Anwälte tätig, während die Enkel bereits Universitätsstudien absolvierten und im oldenburg. Justizdienst Karriere machten. Zwischen 1872 und 1918 bestimmten drei Angehörige der Familie als Minister in der jeweils dreiköpfigen Landesregierung die Politik und Verwaltung des Großherzogtums. Friedrich Andreas (1818–96), Sohn des Advokaten und späteren Oberappellationsgerichtsrats Ernst August (1787–1852), hatte sich durch die Heirat mit Constanze Mutzenbecher (1828–1905) aus der einflußreichen oldenburg. Theologen- und Juristenfamilie nützliche Verbindungen für den Aufstieg in die höchsten Staatsämter geschaffen. Nach dem Jurastudium in Göttingen und Heidelberg war er seit 1850 im Ministerialdienst tätig, seit 1869 als Vortragender Rat im Departement der Finanzen. 1872 wurde er nach dem Rücktritt seines Schwagers Christian Karl Zedelius (1800-78) zum Finanzminister in der Regierung Karl v. Berg ernannt, der auch sein Schwager Wilhelm Mutzenbecher (1832–78) als Minister der Justiz sowie der Kirchen und Schulen angehörte. 1876 wurde Friedrich auch zum Vorsitzenden des Staatsministeriums ernannt und übte damit bis zu seiner Pensionierung 1890 die Funktionen eines Ministerpräsidenten aus. Sein Sohn Friedrich Julius Heinrich (1854–1916), der nach dem Jurastudium in Jena und Leipzig 1881 als Hilfsarbeiter in das Staatsministerium eintrat, wurde 1890 zum Vortragenden Rat und 1900 zum Finanzminister ernannt. Von 1908 bis zu seinem Tod 1916 war er zusätzlich Ministerpräsident des Landes. Zur gleichen Zeit war auch sein Vetter Friedrich Franz (1859–1935, s. L), Sohn des Obergerichtsdirektors und Vizepräsidenten des Oberappellationsgerichts Ernst (1815–90), in die Regierung eingetreten. Er hatte in Tübingen und Leipzig Jura studiert und war zunächst als Amtsrichter und Staatsanwalt tätig, bevor er 1900 zum Minister der Justiz sowie der Kirchen und Schulen ernannt wurde. Bereits zu Beginn seiner Regierungslaufbahn wurde er wegen seiner Teilnahme an Glücksspielen in eine Reihe von Beleidigungsprozessen verwickelt, die reichsweit Aufsehen erregten, weil den oldenburg. Gerichten vorgeworfen wurde, den Justizminister deutlich zu begünstigen und scharfe Strafen über seine Prozeßgegner zu verhängen. Der mit Franz eng befreundete Ghzg. Friedrich August stellte sich hinter ihn. Nach dem Tod seines Vetters Friedrich 1916 übernahm der ausgesprochen konservative Beamte, der aus seiner Abneigung gegen Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum kein Hehl machte, auch das Amt des Ministerpräsidenten. Am 6.11.1918 mußte Franz, der die Einführung der parlamentarischen Regierungsform auch jetzt noch ablehnte, zurücktreten.

    Sein für die Vossische Zeitung arbeitender Bruder, der Journalist und Schriftsteller Ernst (1856–1913, s. BJ 18, Tl.), war u. a. im internat. Seezolldienst in China tätig. Der Stettiner Branddirektor Hermann (1860–1935), Bruder des Ministers Friedrich ( 1916), genoß als Brandschutzfachmann einen internat. Ruf.

  • Literatur

    Franz Ruhstrat, Zur Gesch. d. Fam. R., Privatdr. 1911 (StA Oldenburg);
    H. Friedländer, Interessante Kriminalprozesse v. kulturhist. Bedeutung, I, H. 5, 1912;
    H. Mutzenbecher, Stammbaum d. Fam. Mutzenbecher 1636-1971, 2 Bde., 1973;
    H. Schieckel, Die Herkunft u. Laufbahn d. oldenburg. Min. v. 1848 bis 1918, in: FS f. Heinz Gollwitzer, 1982, S. 247-67;
    ders., Friedrich Andreas R. (1818-|1896), in: Biogr. Hdb. Oldenburg (P);
    ders., Friedrich Julius R. (1854-1916), ebd. (P);
    ders., Die Erinnerungen d. Min. Franz R. (1859-1935), in: Mitt.bl. d. Oldenburg. Landschaft, Nr. 84, 1994, S. 7-11 (P);
    G.-U. Mutzenbecher, Die Versicherer, Gesch. e. Hamburger Kaum.fam., 1993;
    W. Vahlenkampf, Franz Friedrich R. (1859-1935), in: Biogr. Hdb. Oldenburg (P).

  • Portraits

    Fotos v. Friedrich Andreas, Friedrich Julius u. Franz im Stadtmus. Oldenburg.

  • Autor/in

    Hans Friedl
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedl, Hans, "Ruhstrat" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 242-243 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139512446.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA