Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
böhmische Adelsfamilie
Konfession
katholisch,evangelisch/teilweise
Normdaten
GND: 118973339 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosis, de
  • Ruze, z
  • Rozmberka, z
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Zitierweise

Rosenberg, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973339.html [16.11.2018].

CC0

  • Leben

    Seit der 2. Hälfte des 12. Jh. läßt sich das Geschlecht der R. sicher belegen und ist auf Veit von Prčitz (Vítek I. z Priče, 1194), Hauptwürdenträger am Hof der Přemysliden, zurückzuführen. Auf diesen Stammvater verweist das Patronymicon „Witigonen“. Unter seinen vier Söhnen – bis auf den ältesten Heinrich alle mit dem Namen Veit – erfolgte eine Erbteilung, woraus die Hauptlinien der Witigonen, neben den R. die Herren v. Neuhaus (z Hradce), v. Krumau (z Krumlova) und v. Landstein (z Landštejna) hervorgingen. Ihre Güter lagen in Südböhmen.

    Wok I. ( 1262), gründete nach 1225 am Oberlauf der Moldau die Burg Rosenberg (Rožmberk), die zum Stammsitz wurde, 1259 das Zisterzienserkloster Hohenfurt (Vyšší Brod) mit der Familiengruft. Zu Beginn des 14. Jh. beerbten die R. die ausgestorbene Krumauer Linie und verlegten ihren Hauptsitz nach Böhm. Krumau (Český Krumlov), das sie im 16. Jh. zu einer repräsentativen Fürstenresidenz umgestalteten. Den Umbau leiteten die ital. Baumeister Antonio Ericer und Baldassare Maggi da Arogno, der niederl. Maler Gabriele de Blonde schmückte das Schloß mit figuralen und ornamentalen Malereien aus.

    Ulrich II. (1403–62, s. ADB 29), Oberster Burggraf und 1. Regent des Hauses R., betrieb einen Ausbau seines Herrschaftsgebietes und eine Steigerung des Prestiges. Hierfür ließ er auch Urkunden fälschen: Eine angebliche Bestätigung Ks. Karls IV., welche schon 1360 die Unteilbarkeit der Rosenbergschen Herrschaft garantierte, fand 1493 Eintrag in die böhm. Landtafel. Ulrich II. konstruierte einen fiktiven genealogischen Anschluß der R. an die röm. Fürsten Orsini, den 1469-81 drei Mitglieder dieser ital. Familie bestätigten. Sein Sohn Jost II. (um 1430–67, s. ADB 14; Gatz III) war seit 1450 Dompropst in Prag und 1456-67 Bischof von Breslau.

    Die wachsende wirtschaftliche und politische Macht der R. ermöglichte es Peter IV. (1462-1523), 1497-1501 ein weiteres Landesgesetz durchzusetzen, das die privilegierte Stellung des Rosenberger Herrschers vor allen übrigen böhm. Aristokraten und den Mitgliedern der Landesregierung anerkannte.

    Seit Mitte des 16. Jh. gelang es der letzten Generation, Wilhelm (1535–92) und Peter Wok (1539–1611), der Dynastie im politischen und kulturellen Bereich einen unanfechtbaren Platz in der böhm. Ständegesellschaft zu sichern. Nach erfolgreicher Beendigung des Rechtsstreits mit den Fürsten v. Plauen 1552-56 um den Vorrang in der böhm. Ständegesellschaft war Wilhelm seit 1560 Oberstlandeskämmerer, seit 1570 auch Oberster Burggraf. Durch seine Ehen mit dt. Reichsfürstinnen ( 1] Katharina v. Braunschweig, 1559, 2] Sofie v. Brandenburg, 1541-64, Enkelin d. poln. Königs Sigismund I., 3] Anna-Maria v. Baden, 1562-83) erweiterte Wilhelm seinen politischen Aktionsradius über die Länder der böhm. Krone hinaus in die Reichsaristokratie. Doch die Hoffnung auf einen Erben blieb – auch in seiner vierten Ehe 1587 mit Polyxena v.von Pernstein (1567–1642), Tochter des böhm. Oberstkanzlers Vratislav v. Pernstein (1530–82) und der span. Aristokratin Maria Manriquez de Lara ( 1608), unerfüllt. Die nahe Verwandtschaft mit den Hohenzollern und Jagiellonen eröffnete Wilhelm die Option einer Kandidatur auf den poln. Thron 1573–75, doch aus Gründen der Staatsräson und Loyalität gegenüber den Habsburgern überließ er diesen den Vortritt. Für seine diplomatischen Vermittlungen wurde er 1585 mit dem Goldenen Vlies ausgezeichnet.

    Sein Bruder Peter Wok, 1592-1611 Regent des Hauses, wandte sich als einziger R. dem Protestantismus zu und trat nach Erfahrungen mit dem Luthertum und Neuutraquismus schließlich zu den Böhm. Brüdern über, nachdem seine Frau, Katharina v.von Ludanitz (1567–1601), bereits vor der Hochzeit 1580 der Brüderunität angehört hatte. Peter Wok erwarb sich Verdienste im Feldzug gegen die Türken 1594 sowie bei der Herausgabe des „Majestätsbriefs“ über die Religionsfreiheit vom 9.7.1609 durch Ks. Rudolf II. 1611 finanzierte er die Abdankung des in Südböhmen einfallenden und plündernden Passauer Heeres. Da seine Ehe ebenfalls kinderlos blieb, setzte er 1597 seinen Neffen Johann Zrínsky v. Seryn (1565–1612), Sohn seiner Schwester Eva (1537–91) und des kroat. Magnaten Nikolaus Zrínsky v. Seryn (1518–66) als Erben der Herrschaft Rosenberg ein, das übrige Erbe ging gemäß einem Vertrag von|1609 auf Johann Georg v. Schwanberg ( 1617) über.

    Die beiden letzten R. zeichneten sich nicht nur durch ihre politischen Tätigkeiten aus, sondern auch durch kulturelles Mäzenatentum. Sie unterstützen die Universität in Prag, Wilhelm besonders das dortige Jesuitenkolleg. Auf ihren Dominien errichteten sie gemäß ihrer konfessionellen Orientierung Mittelschulen, Peter Wok in Soběslau (Soběslav) ein prot. Mustergymnasium. Ihre rund 11 000 Bände umfassende Bibliothek mit kostbaren Handschriften und Inkunablen war eine der größten böhm. Adelsbibliotheken des 16. Jh. Während Wilhelm Wissenschaft, Literatur, Musik und Architektur, besonders aber die Alchemie förderte, sammelte Peter Wok in manieristischer Weise naturwissenschaftliche Geräte und Kuriositäten. Er unterstützte naturkundliche Untersuchungen sowie die Herausgabe historischer und theol. Werke. Entsprechend fanden die letzten R. in besonderem Maße Eingang in die zeitgenössische tschech. und neulat. Literatur. Zu den bedeutendsten Autoren zählen der Humanist und Mäzen Jan Hodějovský v. Hodějov d. Ä., sowie die Prager Professoren Matouš Collinus und Peter Codicillus von Tulechov, im Bereich der Naturwissenschaften die Astronomen Johannes Kepler und Tycho Brahe sowie der Prager Botanikprofessor Adam Zalužanský v. Zalužan.

    Die Legende einer Abstammung von den röm. Orsini griff der seit 1594 im Dienst Peter Woks stehende Hofchronist und Archivar Wenzel Březan 1609 in seinem Auszug aus den „Monumenta Rosenbergica“ auf. Von dieser auf fünf Bände angelegten Familiengeschichte sind heute nur noch der 4. und 5. Band erhalten, die „Lebensbeschreibungen der letzten Rosenberger“ (Životy posledních Rožmberků).

  • Literatur

    ADB 14 u. 29;
    M. Pangerl, Die Witigonen. Ihre Herkunft, ihre ersten Sitze u. ihre älteste Geneal., in: Archiv f. österr. Gesch. 51, 1873, S. 503-76;
    V. Schmidt, Die Fälschungen v. Ks.- u. Kg.urkk. durch Ulrich v. R., in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen 32, 1894, S. 317-37, 33, 1895, S. 181-202;
    E. Schieche, Die R.sche Bibl. vor u. nach 1648, in: Stifter Jb. 5, 1957, S. 102-40;
    F. Beneš, Oldřich z Rožmberka tvůrcem fikce o původu Rožmberků z rodu italskyćh knížat Ursínů [Ulrich v. R., Urheber d. Fiktion d. Abstammung d. R. v. d. ital. Fürsten Orsini], in: Jihočeský sborník historickí 28, 1969, S. 181-91;
    R. Frhr. v. Procházka, Geneal. Hdb. erloschener böhm. Herrenstandsfamilien, 1973, S. 252-57;
    J. Pánek (Hg.), Václav Březan, Životy posledních Rožmberků I-II [Václav Březan, Das Leben d. letzten R. I-II], 1985;
    ders., Zwei Arten böhm. Adelsmäzenatentums in d. Zeit Rudolfs II., in: Btrr. zur Kunst u. Kultur am Hofe Rudolfs II., 1988;
    ders., Poslední Rožmberkové, velmoži české renesance [Die letzten R., Magnaten d. böhm. Renaissance], 1989;
    ders., Der böhm. Vizekg. Wilhelm v. R. u. seine dt. Ehen, in: Mentalität u. Ges. im MA, Gedenkschr. f. Ernst Werner, hg. v. S. Tanz, 1994, S. 271-300;
    ders., Die R., Adelsmacht zw. regionaler Verankerung u. europ. Integration, in: Kulturen an d. Grenze, hg. v. A. Komlosy, 1995, S. 213-18;
    ders., Poslední Rožmberk [Der letzte Rosenberger], 1996;
    ders., Vilém z Rožmberka [Wilhelm von Rosenberg], 1998;
    V. Bůžek, Die Linzer Märkte u. d, Kultur am Hofe d. letzten R., in: Hist. Jb. d. Stadt Linz 1989, S. 11-44;
    ders. (Hg.), Život na dvoře a v rezidenčních meštech posledních Rožmberků [Das Leben am Hof u. d. Residenzstädten d. letzten R.], in: Opera Historica, Editio Universitatis Bohemiae Meridionalis 3, 1993;
    ders. u. J. Hrdlička, Dvory velmožů s erbem růže [Die Höfe der Magnaten mit d. Wappen d. Rose], 1997;
    F. Kavka, Zlatý věk Růží, Kus českí historie 16. století [Das goldene Za. d. Rosen, Ein Stück tschech. Gesch. d. 16. Jh.), 21993;
    J. Bahlcke, W. Eberhard u. M. Polívka (Hg.), Hdb. d. hist. Stätten, Böhmen u. Mähren, 1998;
    A. Enneper, Die Darst. d. adeligen Denkens u. Handelns d. letzten Rosenberger in d. neulat. Dichtung (1551–1611), Diss. Praha 2003;
    A. Kubíková, Oldřich II. z Rožmberka [Ulrich II. v. R.], 2004;
    Gatz III;
    B. Němec, Životopisná encvklopedie panského rodu Rožmberkové [Biogr. Enz. d. Herrenstandsfam. R.], 2001.

  • Portraits

    zu Wilhelm: Meister d. Rosenberger, Öl/Lwd., 1589;
    J. Seissenegger. Öl/Lwd., o. J.;
    zu Polyxena v. Lobkowitz, geb. Pernstein:
    wahrsch. Werkstätte v. A. S. Coello, Öl/Lwd., o. J.;
    zu Peter Wok:
    anonym, Öl/Lwd., o. J.;
    zu Katharina v. Ludanitz:
    Meister Peter Woks v. R., Öl/Lwd., o. J. (alle Raudnitz/Roudnice Lobkowicz Collection, Schloß Nelahozeves).

  • Autor/in

    Annemarie Enneper
  • Empfohlene Zitierweise

    Enneper, Annemarie, "Rosenberg, von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 57-58 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973339.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA