Lebensdaten
1853 bis 1938
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Salzwedel
Beruf/Funktion
Medizinhistoriker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118853279 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sudhoff, Karl Friedrich Jakob
  • Sudhoff, Karl
  • Sudhoff, Karl Friedrich Jakob
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Zitierweise

Sudhoff, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118853279.html [20.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1820–65), Dr. theol., ref. Pastor in F. (s. ADB 37; BBKL XIB8; Kosch, Lit.-Lex.3), S d. Franz Andreas Friedrich (1793–1866), Steueraufseher|in Luxemburg, u. d. Antoinette Meyer (1800–69, kath.);
    M Susanna (1824–86), T d. Jacob Wolff (1796–1875), Kaufm. in Kreuznach, u. d. Henriette Stierle (1803–57);
    2 Schw;
    Bergen b. Hanau 1879 Auguste (Gustel) (1854–1923), T d. Gustav Heim (1824–74), Bez.amtmann, u. d. Mathilde Polyxene Frickinger (1822–64);
    2 S Ernst (1882–1960), Walther (1884–1949), Chefarzt d. Kr.krankenhauses in S., 1 T Else (1880–1966, Karl Arthur Herbrand, Arzt).

  • Leben

    S. besuchte humanistische Gymnasien in Frankfurt/M., Zweibrücken und Kreuznach, wo er sich für Mediävistik zu interessieren begann. Dennoch entschloß er sich zu einem Medizinstudium, das er in Erlangen, Tübingen (Promotion 1875) und Berlin (Staatsexamen 1876) absolvierte. S.s sprachlich-naturwissenschaftliche Doppelbegabung führte ihn früh zur Medizingeschichte, die damals noch kein reguläres Lehrfach war. Bei der autodidaktischen Beschäftigung mit dem dt. Mittelalter stieß S. auch auf den weitgehend in Vergessenheit geratenen Arzt und Alchemisten Theophrastus Bombastus v. Hohenheim, genannt Paracelsus (1493/94–1541). Nach Militärdienst und Medizinalassistentenzeit in Berlin, Augsburg und Wien arbeitete S. kurze Zeit als Armenarzt in Frankfurt/M. 1878 ließ er sich im Vorort Bergen als praktischer Arzt nieder, setzte jedoch seine medizinhistorischen Studien fort. 1883 übernahm S. in Hochdahl bei Düsseldorf die Stelle eines Hüttenarztes und führte nebenbei eine lukrative Privatpraxis.

    Seine Vermögensverhältnisse gestatteten S. nunmehr Kongreß- und Forschungsreisen sowie den Erwerb von Forschungsliteratur, darunter 170 Handschriften und 525 Inkunabeln, die im Krieg nach Mutzschen ausgelagert waren und in den Nachkriegswirren verloren gingen. Durch Publikationen, Vorträge und Ausstellungen, wie z. B. die Düsseldorfer Goethe-Ausstellung 1899, erwarb sich S. einen Ruf als führender Medizinhistoriker seiner Zeit. 1901 wurde auf sein Betreiben in Hamburg die „Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften“ (heute: Dt. Ges. f. Gesch. d. Med., Naturwiss. u. Technik) gegründet, deren Vorsitz S. 31 Jahre lang innehatte und deren Tagungen er mit seiner starken Persönlichkeit dominierte. Als durch die Mittel der „Puschmann-Stiftung“ an der Univ. Leipzig die Gründung des weltweit ersten medizinhistorischen Instituts möglich wurde und man S. 1905 eine Stelle als planmäßiger Extraordinarius anbot (Ordinarius 1919, Dekan d. med. Fak. 1922/23), sagte er trotz finanzieller Einbußen zu und machte fortan seine Neigung zum Beruf. Er etablierte mehrere Schriftenreihen (z. B. „Klassiker der Medizin“, „Studien zur Geschichte der Medizin“) und gründete 1907 die erste wissenschaftshistorische Zeitschrift „Archiv für Geschichte der Medizin“ (heute „Sudhoffs Archiv“), die er bis 1926 allein herausgab. Ferner betreute er rund 200 Dissertationen, in denen vielfach med. Texte erschlossen wurden, von denen es bis heute keine weitere Edition gibt. Der größte Publikumserfolg S.s war die von ihm aufgebaute große historische Abteilung der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911. 1925 wurde S. emeritiert, arbeitete jedoch weiterhin in seinem Institut, das nun von seinem Schüler Henry Ernest Sigerist (1891–1957) geleitet wurde. S. übernahm noch einmal für zwei Jahre die Geschäftsführung, als Sigerist 1932 ein attraktives Stellenangebot in den USA annahm. In seinen letzten Lebensjahren war S. Mitglied der NSDAP. S. starb kurz vor seinem 85. Geburtstag, zu dem das Leipziger Institut den Namen seines Gründers erhielt. S.s Verdienste um die Entwicklung der Medizingeschichte zur wissenschaftlichen Disziplin sind unbestritten, die Breite seines Themenspektrums ist bewundernswert, und seine wissenschaftlichen Leistungen haben nach wie vor Bestand. Seine vielbändige Ausgabe der med.-alchemischen Schriften von Paracelsus und die Quellenstudien zur mittelalterlichen Medizin sind bis heute unübertroffen. Allerdings wirkt es irritierend, daß S. zwar akribisch Texte, Bilder und Sachzeugen zusammengetragen, aber das Material weder systematisiert noch interpretiert noch in einen historischen Kontext eingeordnet hat; er verstand seine Arbeiten als Grundlagenforschung und wollte Analysen späteren Generationen überlassen.

  • Auszeichnungen

    A Sanitätsrat (1901); Tit.prof. (1904); Geh. Med.rat; norweg. Kommandeurkreuz (1916); sächs. Rr.kreuz (1917); ungar. Verdienstkreuz (1930); Goethe-Medaille (1933); Dr. phil. h. c. (Rostock u. Breslau 1919); Dr. vet. med. h. c. (Leipzig 1923); Mitgl. u. a. d. Comité internat. d`Histoire des Sciences u. d. Leopoldina (1926); Ehrenmitgl. d. Basler Naturforsch. Ges., d. ital., schweizer., niederl. u. rumän. Ges. f. Gesch. d. Med., d. Royal Soc. of Medicine, London, d. Soc. of Medical History, Chicago, d. Dt. Hygiene-Mus., Dresden (Ehrensenator); Ehrenpräs. d. Dt. Ges. f. Gesch. d. Med. u. d. Naturwiss.; korr. Mitgl. d. Medieval Ac. of America u. d. ungar. Ak. d. Wiss.; Gedenktafel am Wohnhaus in Hochdahl.

  • Werke

    W Bibliographia Paracelsica, 2 Bde., 1894/99;
    Tradition u. Naturbeobachtung in d. Illustrationen med. Hss. u. Frühdrucke vornehml. d. 15. Jh., 1907;
    Ein Btr. z. Gesch. d. Anatomie im MA speziell d. anatom. Graphik in Hss. d. 9. bis 15. Jh., 1908;
    Ärztliches aus griech. Papyrus-Urkk., 1909;
    |Aus d. antiken Badewesen, 1910;
    Aus d. Frühgesch. d. Syphilis, 1912; Btrr. z. Gesch. d. Chirurgie im MA, 2 Bde., 1914/18; Skizzen, 1921; – Hg.: Theophrast v. Hohenheim gen. Paracelsus, Sämtl. Werke, 1. Abt., Med., naturwiss. u. phil. Schrr., 14 Bde., 1922–33; Erstlinge d. pädiatr. Lit., 1925; Die ersten gedr. Pestschrr., 1925 (mit A. Klebs); Ausgewählte Abhh., in: Sudhoffs Archiv 21, 1929, S. 1–332, Nachdr. 1965; Aus meiner Arb., ebd., S. 333–87.

  • Literatur

    L H. E. Sigerist, K. S., the Man and the Historian, in: Bull. of the Inst. of the History of Medicine 2, 1934, S. 3–6 (P);
    ders., K. S., the Mediaevalist, ebd., S. 22–25;
    F. H. Garrison, K. S. as Editor and Bibliographer, ebd., S. 7–9;
    O. J. Rathbone, K. S. as a Classical Philologian, ebd., S. 10–15;
    O. Temkin, K. S., the Rediscoverer of Paracelsus, ebd., S. 16–21;
    W. v. Brunn, in: Sudhoffs Archiv 3, 1938, S. 338–42;
    H. E. Sigerist, ebd. 37, 1953, S. 97–103;
    G. Harig, S.s Sicht d. antiken Med., ebd. 76, 1992, S. 97–105;
    G. Keil, S.s Sicht v. dt. med. MA, in: Nachrr.bl. d. Dt. Ges. f. Gesch. d. Med., Naturwiss. u. Technik 31, 1981, S. 94–129;
    ders., S. and Medical History, in: Scientiarum Historia 29, 2003, H. 1, S. 67–92;
    D. F. Rodekirchen, K. S. u. d. Anfänge d. Med.gesch. in Dtld., 1992;
    A. Frewer, Bibliotheca Sudhoffiana, Med.- u. Wiss.gesch. in d. Gelehrtenbibl. v. K. S., 2003;
    Fischer;
    Pogg. V–VII a (L);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Goerttler, Wegbereiter II(P);
    Complete DSB; – Bibliogr.:
    G. Herbrand-Hochmuth, Systemat. Verz. d. Arbb. K. S.s, in: Sudhoffs Archiv 27, 1934, S. 131–86;
    dies. u. R. Zaunick, Nachtrag 1933–1938, ebd. 31, 1938, S. 343 f.;
    dies., Nachtrag 1898–1933, ebd. 32, 1939, S. 279–84; – Qu
    Univ.archiv Leipzig;
    Karl-Sudhoff-Inst., Leipzig.

  • Portraits

    P Bronzeplakette v. P. Kleinschmidt, 1923 (Leipzig, Karl-Sudhoff-Inst.);
    Marmorbüste v. C. Seffner, 1928 (Leipzig, Kunstbes. d. Univ.);
    Ölgem. v. E. Einschlag, 1929 (ebd.).

  • Autor/in

    Ortrun Riha
  • Empfohlene Zitierweise

    Riha, Ortrun, "Sudhoff, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 670-672 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118853279.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA