Lebensdaten
1849 bis 1909
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Bankier ; Finanzfachmann
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 139328874 | OGND | VIAF: 100608676
Namensvarianten
  • Taussig, Theodor von
  • Taussig, Theodor (bis 1879)
  • Taussig, Theodor Ritter von (seit 1879)
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Zitierweise

Taussig, Theodor Ritter von (seit 1879), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139328874.html [08.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann Elias T. (1813–91, aus P., Leiter d. Kattundruckerei in Holleschowitz b. P.;
    M Clara Klaber († 1853), T e. Rechenlehrers an d. Judenschule in P.;
    Breslau 1873 Sidonie (1855–1936, T d. Bernhard Schiff (1815?-1883), u. d. Flora Alexander (?);
    3 S Carl (1878–1944, 1] Marie Emma Kafka-Somfai, 1879–1913, 2] Hedwig Frydman v. Prawy, 1889–1960), Dr. iur., Industr., Mitgl. d. Verw.rates d. Bodencredit-Anstalt, d. AG f. Mineralindustrie, vorm. Fanto, d. Montana AG f. Bergbau, Industrie u. Handel, d. Steyr-Werke AG u. d. Berg- u. Hüttenwerksges., Georg (1887–1958, ⚭ Fanny Strasser de Györvár, 1893/96–1966/67), Felix (1889–1958, 1] Margaret Trebitsch, geb. Igler, 1901–75, 2] N. N.), 9 T Alice (1874–n. 1936, August v. Wassermann, 1866–1925, Bakteriol., o. Hon.prof. d. Med. in Berlin, Leiter d. KWI f. experimentelle Therapie ebd., Geh. Med.rat, s. Ärztelex.; Fränk. Lb. 21, S d. Angelo v. Wassermann, 1834–1914, bayer. Adel 1910, bayer. Hofbankier, Teilh. d. Bankhauses A. E. Wassermann in Bamberg), Clara (1875–1944 /45, Bela Baron Hatvany-Deutsch, 1866–1933, Zuckergroßindustr., Mitgl. d. ungar. Magnatenhauses, Präs. bzw. Vizepräs. d. Eisenburger Comitats-Zuckerfabrik AG, d. Vaterländ. Bank AG, d. Wiener u. Ebenfurter Dampfmühlen Schoeller & Co AG, d. Grundpachtungs AG, d. Ungar. Rabbethge u. Giesecke Samenzucht AG, Direktionsmitgl. d. Hatvanaer Zuckerfabrik AG, d. Pester 1. Vaterländ. Sparkassen Ver., d. Nasicer Tanninfabr. u. d. Dampfsäge AG), n. Kis Tarcsa deportiert, Emilie (Emmy) (1876–1962, ⚭ Fritz [Friedrich] Redlich, 1868–1921, Großindustr., Pol., s. NDB 21), Helene (1879–1942 Izbica), Malerin, Künstlerin (s. Salzburger Kulturlex.; FAZ v. 23. 7. 2011), Flora (1881–1950, Rudolf Paul-Schiff, 1865–1941, Großindustr., Mitgl. d. Verw.räte d. Neusiedler AG f. Papierfabrikation, d. Wiener Lokomotivfabrik AG u. d. Hanf-, Jute- u. Textilindustrie AG, S d. Paul Schiff, 1829–93, aus Frankfurt/M., Bankier in W.), Hedwig (1884–1932/Wien, 1] Adolph Moritz May, * 1871?, Industr., 2] Edmund Karl Weisweiller, 1874–1932, Bankier in W.), Gertrud (1886–1946, Ludwig Schüller, 1872–1931, Dr. iur., RA), Hermine (Herma) (1890–1984, Heinrich Artaria, 1884–1953, Kunst-, Landkarten- u. Musikalienverl. in W.), Adele (1893–1972, Franz Gino Mayer, 1891–1971, Ing., Photograph in New York).

  • Leben

    T. absolvierte Elementarschule, Volksschule und Unterrealschule in Prag, besuchte nach der Übersiedlung der Familie nach Wien seit 1862 die dortige Höhere Handelslehranstalt und erhielt nebenbei Privatunterricht bei dem Mathematiker Simon Spitzer (1826–87). 1866 begann T. seine Karriere im Bankfach als Praktikant im Bankhaus „Landauer und Goldstein“, wurde 1869 zum Disponent und 1870 zum 2. Prokuristen dieser Bank bestellt. 1871 wechselte er als stellv. Direktor zur „Wiener Wechselstuben Gesellschaft“ und wurde 1872 Direktor. 1873 trat er in das Direktorium der Boden-Credit-Anstalt ein, die|zu diesem Zeitpunkt knapp vor dem Konkurs stand. T. gelang die erfolgreiche Sanierung des Instituts, das das Privatvermögen des Kaisers und der Erzherzöge verwaltete. Bei den 1877–79 abgeschlossenen Kreditoperationen der österr. Finanzverwaltung – Goldrenten-Emissionen, die vom Boden-Credit-Anstalt-Konsortium durchgeführt wurden – erwarb sich T. große Verdienste, da diese mit steigendem Gewinn verkauft und gleichzeitig der Londoner Finanzplatz gewonnen werden konnte. Unter seiner Führung wurde die Boden-Credit-Anstalt Mitglied des Rothschild-Konsortiums und beteiligte sich wiederholt an der Emission österr. Staatsanleihen, wodurch sich T. als Finanzfachmann profilierte und seitdem von der österr. Staatsverwaltung vor schwierigen Transaktionen als Berater beigezogen wurde. Während seiner Tätigkeit erfolgte der Aufstieg der Boden-Credit-Anstalt zu einer der bedeutenden Wiener Großbanken und – in Wechselwirkung mit der wirtschaftlichen Erschließung und Industrialisierung der Habsburgermonarchie – der systematische Ausbau des von ihr kontrollierten Industriekonzerns. Dieser entstand durch die Beteiligung an der Umwandlung großer Unternehmen in Aktiengesellschaften sowie Neugründungen durch die Boden-Credit-Anstalt und umfaßte Unternehmungen, die in den wesentlichen Industriesektoren auf dem Gebiet der Donaumonarchie tätig waren. T. spielte eine wichtige Rolle bei der Verstaatlichung verschiedener Eisenbahnlinien, es gelang ihm, den Einfluß franz. Kapitals auf die Staatseisenbahnen (Steg) zurückzudrängen. 1908 wurde er zum Gouverneur der Boden-Credit-Anstalt ernannt, nachdem er vier Jahre die Geschäfte stellvertretend geleitet hatte. Daneben war er Präsident des Verwaltungsrats mehrerer zum Konzern der Bank zählender Industrie- und Verkehrsunternehmen und Direktionsmitglied der Kaschau-Oderberger Bahn.

    1901–06 gehörte T. dem Vorstand der Isr. Kultusgemeinde in Wien an. Hier trug er zur Neuorganisation ihrer inneren Verwaltung bei und setzte sich für die Errichtung eines in der Wiener Innenstadt projektierten Monumentaltempels ein. Als sich die Boden-Credit-Anstalt als Mitglied eines Konsortiums an der Auflage einer Anleihe für Rußland beteiligte, geriet er in Konflikt mit der öffentlichen Meinung des Wiener Judentums und legte Mitte Mai 1906 seine Mitgliedschaft im Vorstand zurück. 1910 errichtete seine Witwe die mit 2000 Kronen dotierte „Theodor Ritter von Taussig Kadischgebet Stiftung“.

  • Auszeichnungen

    A Franz Joseph-Orden (Eisernes Kreuz III. Kl. 1879, Komturkreuz 1885, Stern z. Komturkreuz 1893, Großkreuz 1905);
    Rr. d. Eisernen Krone II. Kl. (1891);
    Ehrenbürger d. Stadt Steyr (1905);
    Präs. d. Verw.räte: Neue Wiener Sparkasse;
    Österr. Waffenfabrik-Ges.;
    AG d. Mineralölind., vormals David Fanto &
    Co.;
    Cosmanos Vereinigte Textil- u. Druckfabriken;
    Österr.-ungar. Staatseisenbahnges.;
    Erste österr. Jute-Spinnerei u. Weberei;
    Österr. Berg- u. Hüttenwerks-Ges.

  • Literatur

    Österr. Rdsch., Jg. XXI, 1909, S. 412 f.;
    Dr. Bloch`s Oesterr. Wschr., 14. Jg., Nr. 48 v. 26. 11. 1909, S. 820 f., Nr. 49 v. 3. 12. 1909, S. 838–40;
    Neue Freie Presse v. 25. 11. 1909, S. 1, v. 26. 11. 1909, S. 9, v. 27. 11. 1909, S. 9, v. 25. 12. 1913, S. 18 f., v. 16. 11. 1936, S. 17;
    Pester Lloyd v. 25. 11. 1909, S. 12;
    Prager Tagbl. v. 25. 11. 1909, S. 4 f., v. 26. 11. 1909, S. 4 f., v. 27. 11. 1909, S. 4 f.;
    Reichspost v. 26. 11. 1909, S. 6 f.;
    Wiener Ztg., Nr. 270, v. 25. 11. 1909, S. 8, Nr. 272 v. 27. 11. 1909, S. 14;
    – Compass, Finanzielles Jb., Bd. I, 1910;
    Fort mit d. Dynastie Taussig! Ein Btr. z. Eisenbahn-Verstaatlichungsfrage, Separat-Abdruck aus „Extrapost“ unparteil. Montags-Ztg., Wien 1903;
    K. Ausch, Als d. Banken fielen, Zur Soziol. d. pol. Korruption, 1968, S. 309 f.;
    E. März, Österr. Ind.- u. Bankpol. in d. Zeit Franz Josephs I., 1968, S. 191, 206;
    F. Mathis, Big Business in Österr. 1987, S. 291 f.;
    B. Neuner, Bibliogr. d. österr. Eisenbahnlit. v. d. Anfängen bis 1918, Bd. III, 2002, S. 1366;
    BJ 14, S. 271–94 u. Tl.;
    Wi. 1908;
    Hist. Lex. Wien;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft.

  • Quellen

    Isr. Kultusgde. Wien, Archiv; Österr. StA, Allg. Verw.archiv; Haus-, Hof- u. StA, Kab.kanzlei; Tagbl.archiv; Wienbibl.; The Central Archive for the History of the Jewish People, Jerusalem; Wiener Stadt- u. Landesarchiv; – Mitt. v. Andrew Schuller, Oxford.

  • Autor/in

    Charlotte Natmeßnig
  • Empfohlene Zitierweise

    Natmeßnig, Charlotte, "Taussig, Theodor Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 812-813 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139328874.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA