Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Münzmeister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118745794 | OGND | VIAF: 22936914
Namensvarianten
  • Rössler
  • Rößler
  • Roessler
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Zitierweise

Roessler, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118745794.html [03.08.2020].

CC0

  • Leben

    Die Familie, die hauptsächlich im Schlosser- und Dreherhandwerk tätig war, stammte ursprünglich aus Bacharach/Rhein. Um 1770 siedelte sich Johann Peter (1733–1806) als Hofdreher in Darmstadt an. Der sechste seiner sieben Söhne, Johann Hector (1779–1863) zog nach einer Mechanikerlehre als Geselle nach Jena, Gotha, Stuttgart und Paris und wurde nach seiner Rückkehr 1804 als Universitäts-Mechanikus in Gießen angestellt. Aus seiner Ehe mit Karoline Friederike Olf (1787–1833) gingen neun Kinder hervor. 1806 kehrte er als Hof-Mechanikus nach Darmstadt zurück und erhielt zudem die Erlaubnis zur Gründung einer mechanischen Werkstatt, die bald einen hervorragenden Ruf genoß. 1817 zum ghzgl.-hess. Münzmeister ernannt, machte er die Darmstädter Münze durch vorzügliche technische Einrichtungen und eine sparsame Betriebsführung zu einer der modernsten ihrer Zeit. 1832 folgte seine Beförderung zum ghzgl.-hess. Münzrat. Die mechanische Werkstätte, die er bis dahin weiterbetrieben hatte, wurde in eine Fabrik zur Herstellung von Münzmaschinen umgewandelt. Johann Hector beriet die Städte Frankfurt/M., Wiesbaden und Bern bei der Neueinrichtung ihrer Münzstätten, auch Stuttgart und Straßburg bezogen ihre Walzwerke und Prägemaschinen aus seiner Fabrik. Nach seiner Pensionierung 1862 wurde sein Nachfolger an der Darmstädter Münze zuerst sein Enkel Hektor (1833–64), anschließend dessen Vater, Johann Hektor (1806–75), der zuvor Lehrer an der Höheren Gewerbeschule in Darmstadt und seit 1856 Mitglied der Ghzgl. Baudirektion war. Mit der Übernahme des Münzmeisteramtes 1864 wurde ihm der Titel Geh. Bergrat verliehen.

    1841 hatte Friedrich Ernst (1813–83, s. 1), Sohn des Darmstädter Münzrates Johann Hector, als Münzwardein die Frankfurter Linie der Familie begründet. Dessen Sohn Johann Heinrich (1845–1924, s. 2) war maßgeblich an Gründung und Aufstieg der Frankfurter AGDt. Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler“ beteiligt. Johann Heinrichs einziger Sohn Johann Friedrich, gen. Fritz (1870–1937, s. W), arbeitete nach dem Abitur 1889 zunächst in der Edelmetallscheiderei des väterlichen Unternehmens. Anschließend studierte er in Heidelberg, Clausthal und Berlin Chemie, Physik und Mineralogie, leistete Militärdienst und wurde 1895 in Berlin bei Emil Fischer promoviert. Nach Berufstätigkeit in den USA und Südafrika kehrte er 1896 in das väterliche Unternehmen nach Frankfurt zurück und heiratete 1898 Minna Auguste Fries (1878–1929). Die Ehe blieb kinderlos. 1898 zum stellv. und 1901 zum o. Vorstandsmitglied der „Dt. Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler“ ernannt, war Fritz verantwortlich für den Bau und die Inbetriebnahme der Natriumfabrik im oberrhein. Rheinfelden, durch die dem Unternehmen der Einstieg in die chemische Großindustrie gelang. Er engagierte sich in zahlreichen Organisationen und gehörte 1913-23 als ehrenamtlicher Stadtrat dem Frankfurter Magistrat an. 1924 wechselte er vom Vorstand der „Dt. Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler“ in deren Aufsichtsrat, dem er bis zu seinem Tod angehörte; er war Ehrenbürger und Dr. rer. pol. h. c. der Univ. Frankfurt (1923).

    Obwohl die Familie R. während der Inflationszeit ihre 26%ige Beteiligung an der „Dt. Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler“ aufgegeben hatte, waren bis 1959 Familienmitglieder in leitenden Positionen für das Unternehmen tätig. Dr. iur. Hektor Ludwig (1880–1941), Sohn von Johann Heinrichs Bruder Julius (1848–1913), trat 1909 in das Unternehmen ein und wurde 1921 als Leiter der von ihm geschaffenen Rechtsabteilung in den Vorstand berufen, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Sein Vetter Ernst Baerwind (1889–1954), Chemiker, war der Sohn von Anna (1860–1942), einer Schwester Johann Heinrichs. Er trat 1914 in das Unternehmen ein, wurde 1926 in den Vorstand berufen und war dort für die Chemie- und Edelmetallwerke verantwortlich. Obwohl er väterlicherseits eine jüd. Großmutter hatte, blieb er auch 1933-45 im Vorstand und war nach Kriegsende bis zu seinem Tod in besonderem Maße am Wiederaufbau der Firma beteiligt. Hans Menzel (1897–1953), ein Enkel Johann Heinrichs, trat als Jurist und Kaufmann 1925 in das Unternehmen ein. Der überzeugte Nationalsozialist gehörte 1941-43 dem Vorstand an. Sein Bruder Eberhard Menzel (1901–59) trat ebenfalls 1925 in die Firma ein und war bis zu seinem Tod als Leiter des Frankfurter Edelmetallbetriebs tätig.

    Nach 1945 faßte die „Dt. Gold- und Silber-Scheideanstalt“ (seit 1980 „Degussa AG“) in der Edelmetall-, Chemie- und Pharmabranche wieder Fuß, gründete 1955 eine erste Auslandsgesellschaft in Brasilien, 1968 das erste Chemie-Großwerk in Antwerpen, 1973 wurde die „Degussa Corp.“, USA gegründet. Nachdem die „VEBA AG“, Düsseldorf, 1998 die Aktienmehrheit an der Degussa erworben hatte, erfolgte 1999 die Fusion mit der VEBA-Tochter „Hüls AG“ zur „Degussa-Hüls AG“, Frankfurt. 2001 entstand durch eine neue Fusion mit der VIAG-Tochter SKW in Trostberg die neue „Degussa AG“, ein reines Chemiespezialunternehmen mit Sitz in Düsseldorf.

  • Werke

    zu Fritz: Synthese einiger Erzmineralien u. analoger Metallverbindungen durch Auflösen u. Kristallierenlassen derselben in geschmolzenen Metallen, Diss. 1895;
    ders., Die Verständigung zw. Arbeitgeber u. Arbeitnehmer, in: Th. Thimme, Vom inneren Frieden d. dt. Volkes, 1916.

  • Literatur

    Die ehem. Münze, in: Rund ums Monument, Beil. d. Hess. Landesztg. z. Gesch. Darmstadts, Nr. 10/11, 1935;
    P. Hayes, Fritz R. and Nazism, The observations of a German Industrialist 1930–37, in: Central European History, XX/1, March 1987, S. 58-79;
    Im Zeichen v. Sonne u. Mond, Von d. Frankfurter Münzscheiderei z. Weltunternehmen Degussa AG, 1993;
    Wenzel;
    Frankfurter Biogr. |

  • Quellen

    Qu Inst. f. Stadtgesch., Frankfurt/M. (Fam.nachlaß).

  • Portraits

    Fotos v. F. Roessler (Untern.archiv d. Degussa AG, Frankfurt/M.).

  • Autor/in

    Andrea Hohmeyer
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Hohmeyer, Andrea, "Roessler" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 744-745 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118745794.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA