Lebensdaten
1711 bis 1793
Geburtsort
Mülheim bei Köln
Sterbeort
Herrnhut bei Löbau (Sachsen)
Beruf/Funktion
Kunstschreiner
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118601946 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Roentgen, Abraham, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118601946.html [25.09.2016].

CC0

Roentgen, Abraham

Kunstschreiner, * 30.1.1711 Mülheim bei Köln, 1.3.1793 Herrnhut bei Löbau (Sachsen).

  • Genealogie

    V Gottfried (1675/80-1751), Schreinermeister u. Schnitzer in M., S d. Fröel (?) u. d. Adelheid Danhäuser (?); M Elisabeth Hermans (1681–1751); Marienborn 1739 Susanne Marie (1717–76), T d. Johann Georg Bausch, Schuhmacher in Frankfurt/M.; 6 S, 2 T, u. a. David (s. 2), Johann Georg (1752-n. 1803), Kunsttischler (s. ThB), Ludwig (1755–1814, Margaretha Antoinette Tischbein), Uhrmacher, trennte sich v. d. Herrnhuter Brüdergemeine, nach Studium d. ev. Theol. luth. Prediger in Neuwied, 1783 in Petkum (Ostfriesland), 1793 Oberprediger an d. St.-Magnus-Kirche in Esens (Ostfriesland), Sup., Konsistorialrat (s. Biogr. Lex. Ostfriesland II, 1997); E Moritz (1795–1852), nach Besuch d. Kriegsschule in Enkhuizen (Holland) im Dienst d. franz. u. d. niederl. Marine, seit 1818 in niederl. Auftrag mehrfach in England, um neue Schiffskonstruktionen u. Dampfschiffe zu studieren, Marinelt., dann techn. Dir. d. Niederl. Dampfschiffahrtsges. (Nederlandsche Stoomboot-Maatschappij), konstruierte 1828/29 auf Fijenoord e. Mehrfachexpansionsmaschine u. 1839/30 d. erste Seedampfschiff f. d. niederl.-ind. Marine, 1824 konsultierender Ing. b. niederl. Min. d. Innern, Berater u. Konstrukteur f. d. Kölner Dampfschiffahrtsges., Orden v. niederl. Löwen (s. L).

  • Leben

    Nach einer Lehre bei seinem Vater, bei dem er neben der Schreinerei auch das Schnitzhandwerk erlernte, ging R. 1731-38 auf Wanderschaft, die ihn nach Den Haag, Rotterdam, Amsterdam und London führte. In London, wo er nicht vor 1733 eingetroffen sein dürfte, war R. als sog. „journey-man“ auf eigene Rechnung für Ausstatter bzw. Händler tätig, und kam im letzten Jahr seines Aufenthalts 1738 wohl auch mit dem bedeutenden Ebenisten John Channon in Kontakt. Im Nov. 1737 trat R. in die Gemeinschaft der Herrnhuter Brüder ein, nachdem er Predigten von Nikolaus Gf. Zinzendorf, dem Gründer der prot. Siedlung Herrnhut, gehört hatte. Deshalb kehrte er 1738 nach Deutschland zurück, wo er sich zunächst in der Herrnhuter-Siedlung Marienborn in der Wetterau niederließ, 1739 in Herrnhaag bei Büdingen.

    Nach einer gescheiterten Missionsreise nach Carolina, die R. wegen der schlechten Arbeitssituation im Auftrag der Gemeine 1739 unternahm, kehrte er 1742 nach Herrnhaag zurück. Hier eröffnete er eine eigene Werkstatt, bevor er 1750 auf Einladung von Johann Friedrich Alexander Gf. zu Wied-Isenburg (1706–91, seit 1784 Fürst) in dessen neue Residenz Neuwied übersiedelte. Vom Zunftzwang befreit, begünstigte zusätzlich ein Privileg zur zollfreien Einfuhr aller benötigten Materialien den Ausbau des Betriebes zu einer Manufaktur, in der ohne feste Aufträge von jedem einzelnen Möbel eine kleine Serie von drei bis fünf Stück angefertigt wurde, die R. auf Messen anbot. Überdies wurden die verschiedenen Modelle in Form, Größe und Konstruktion soweit vereinheitlicht, daß einmal eingerichtete Schablonen und Furniere wieder verwendet werden konnten. Bereits 1754 bot R. auf der Frankfurter Messe Möbel an, die „sowohl nach dem Französischen als Englischen Gout mit feiner Bildhauerarbeit verfertigt“ waren. Zu seinen Kunden zählten bürgerliche Käufer – der erste nachweisbare Verkauf von Neuwieder Möbeln ging 1756 an Johann Caspar Goethe – und adelige Kreise, hier v. a. Gf. Alexander zu Wied, der bei R. viele Einrichtungsgegenstände für das Neuwieder Schloß und seine Sommerresidenz Monrepos erwarb, und Johann Philipp v. Walderdorff, seit 1756 Erzbischof und Kurfürst von Trier.

    Die allgemeine Wirtschaftskrise nach dem Siebenjährigen Krieg und vor allem der Tod Walderdorffs 1768, der viele gelieferte Möbel noch nicht bezahlt hatte, wurden für den Betrieb zur existenziellen Bedrohung. Von der Brüdergemeine, die in R.s Erzeugnissen nur „unnötige Kostbarkeiten“ sah, in keiner Weise unterstützt, nahm R. schließlich den Vorschlag seines Sohnes David zur Durchführung einer Möbellotterie an. Nach gelungener Entschuldung wurde das Unternehmen von beiden gemeinsam geführt, bis 1772 R. seinem Sohn offiziell die Geschäftsführung übertrug, ohne sich allerdings ganz aus ihr zurückzuziehen. Erst 1784 verließ R. den Betrieb und siedelte 1785 nach Herrnhut über, wo er bis zu seinem Tod lebte.

    Stilistisch lassen sich im Werk R.s drei Phasen unterscheiden: Eine erste bis etwa 1755 ist geprägt durch die in Holland und England gewonnenen Eindrücke. Die Möbel sind englisch in ihrer Gestalt mit kleinen Einlagen aus Messing, doch ihr bewegter Kontur und Schnitzereien an den meist auf Eiche furnierten Möbeln erinnern an holländ. Einflüsse. In einer zweiten Schaffensperiode bis etwa 1768 wird v. a. die Oberfläche belebt. Raffinierte geometrische Marketerien treten neben naturalistisch bewegte Blumen, die Messingeinlagen werden ergänzt durch Elfenbein, Perlmutt oder auch Schildpatt. Die dritte Phase markiert den Höhepunkt der Leistungsfähigkeit der Manufaktur bis 1772: Erste Chinoiserien treten als eine spätere Spezialität der Roentgen-Werkstatt auf, doch wird auch bereits der stilistische Übergang zum Klassizismus angedeutet, den sein Sohn David danach endgültig vollzieht.

  • Werke

    Schreibschrank, um 1745 (Schloß Laubach); Kommode, um 1755 (Baden-Baden, Neues Schloß); Pultschreibtische, um 1755 (Darmstadt, Hess. Landesmus.), um 1760 (Mannheim, Reiss-Mus.), um 1765 f. Johann Philipp v. Walderdorff (Amsterdam, Rijksmus.); Zeichentisch, um 1760 (Schloß Pommersfelden); Eckkommode, um 1760/65 (München, Bayer. Nat.mus.); – mit David: Rollschreibtisch, dat. 1773 (München, Residenzmus.); Schreibschrank, um 1770/75 (München, Bayer. Nat.mus); Rollschreibtisch, 1779 (Berlin, Kunstgewerbemus.).

  • Literatur

    H. Huth, A. u. David R. u. ihre Neuwieder Möbelwerkstatt, 1928, 21974; H. Kreisel, Möbel v. A. R., 1953; G. Himmelheber, Beobachtungen an unbek. R.-Möbeln, in: Jb. d. Staatl. Kunstslgg. in Baden-Württ. 1, 1960, S. 217-39; ders., Der Trierer Ebf. u. seine Möbelankäufe, in: Die v. Walderdorff, 1998, S. 335-64; ders., Schloßmus. Gotha, Ein Kommodenensemble d. R.-Manufaktur, 1999; E. Bönneken, Zur Herkunft d. Neuwieder Kunsttischlerfam. R. aus d. 18. Jh., in: Heimat-Jb. d. Lkr. Neuwied 1972, S. 82-85; J. M. Greber, A. u. David R., Möbel f. Europa, 2 Bde., 1980; D. Fabian, A. u. David R., 1996; R. Stratmann-Döhler, Mechanische Wunder – Edles Holz, 1998; M. Doderer-Winkler, A. u. David R., in: Rhein. Lb. 17, 1997, S. 57-77 (P); ThB; Dict. of Art; – zu Ludwig:  Johanne Röntgen, Erinnerungen an L. R., luth. Prediger in Petkum u. Esens aus d. J. 1783-1814 v. seiner Tochter, in: Jb. d. Ges. f. bild. Kunst u. vaterländ. Altertümer zu Emden 18, 1914, S. 305-57; Biogr. Lex. Ostfriesland II, 1997; – zu Moritz:  E. Brückmann, G. M. R., d. Erfinder d. Mehrfach-Expansions-Dampfmaschine, in: Zs. d. VDI 36, 1892, S. 941-47, 978-86 u. 37, 1893, S. 282 f.; M. A. Mallet, La machine Compound de R., 1901; M. G. de Boer, Leven en bedrijf van G. M. R., grondvester van de nederlandsche stoomboot-maatschappij thans maatschappij voor scheeps-en werktuigbouw „Fijenoord“ 1823-1923, 1923 (P); G. Rokahr, Ein Pionier d. Dampfschiffahrt, Der Schiffsbauer u. Ing. G. M. R., in: Harlinger Heimatkal. 43, 1992, S. 40-42 (P); Biogr. Lex. Ostfriesland II, 1997; – zur Fam.:  E. Bönneken, Stammliste d. Neuwieder Kunstschreinerfam. R., in: Mitt. d. Westdt. Ges. f. Fam.kunde 61, 1973, S. 1-5.

  • Portraits

    Öl/Lwd., v. J. Juncker, 1772 (Neuwied, Heimatmus.).

  • Autor

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Roentgen, Abraham" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 730-731 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118601946.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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