Lebensdaten
1881 bis 1957
Geburtsort
Glatz (Niederschlesien)
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Geologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118818066 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Richter, Karl Albert Rudolf
  • Richter, Rudolf
  • Richter, Karl Albert Rudolf

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Zitierweise

Richter, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118818066.html [27.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jean Paul, Dr. med., prakt. Arzt in G., aus ursprüngl. Salzburg. Fam., d. über Memel nach G. zuwanderte;
    M Ottilie Steinhauß, aus hess. Beamten- u. Pastorenfam., B Hans (1885-1954), Jurist, Ministerialrat im Reichsjustizministerium, Senatspräsident am Bundesgerichtshof;
    1913 Emma Hüther (s. 2); 1 Tochter Imme Kress (1924-2013).

  • Leben

    R. besuchte 1891-1900 das Gymnasium in Glatz und studierte anschließend bis 1901 Rechtswissenschaften in Marburg/Lahn, wandte sich aber unter dem Einfluß von Emanuel Kayser (1845–1927) der Geologie und Paläontologie zu (1901/02 Univ. München, 1902-04 Univ. Marburg). Das Devon als Erdzeitalter und die Eifel als Region wurden dabei zum Kernpunkt seiner Forschungen. 1904 erwarb R. die Qualifikation für das Lehramt an höheren Schulen und absolvierte 1905-07 ein Praktikum in Kassel. 1908 wurde er bei Kayser promoviert (Btrr. z. Kenntnis devonischer Trilobiten aus d. Rhein. Schiefergebirge, 1909). 1908 wurde er Studienrat an der Frankfurter Liebig-Oberrealschule; zugleich beauftragte ihn die Leitung des Senckenberg-Museums als Sektionär der Paläontologischen Abteilung. Die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen R. und der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft (SNG), dauerte zeit seines Lebens fort. Im 1. Weltkrieg diente R. als Oberleutnant der Reserve und war geolog. Berater an der Westfront.

    R. begann seine Tätigkeit mit der Trilobitenforschung (Urkrebse, Crustaceen), besonders der Katalogisierung und taxonomisch-systematischen Einordnung der vorhandenen Sammlungen. 1910 wurde er Mitglied des Verwaltungsrats, 1920 folgte die Habilitation für das Fach Geologie und Paläontologie mit der Antrittsvorlesung „Die Erscheinungen des Wattenmeeres in ihrer Bedeutung für die Geologie“ (Habil.schr.: Über die Organisation von Harpes, einen Sonderfall unter Crustataceen, in: Abh. d. SNG 37, 1920, S. 179-226). 1920 gründete er die Zeitschrift „Senckenbergiana“, seit 1954 in einen biologischen (S. biologica) und einen geol.-paläontolog. Teil (S. lethaea) aufgespalten. R. gab die Senckenbergiana bis 1954 und die S. lethaea bis 1955 heraus. 1925 wurde er zum apl. Professor ernannt und erhielt einen Lehrauftrag an der Goethe-Universität, wechselte jedoch erst 1929 ganz aus dem Schuldienst in die akademische Lehre über (1925 ao., 1934 o. öff. Prof.). Sein Wirken blieb auf zwei Arbeitsstätten, das Geologisch-Paläontologische Institut und das Senckenbergmuseum, konzentriert. Das geologisch-paläontologische Institut der Univ. Frankfurt wurde 1914 bei deren Gründung von der SNG gestiftet und bis in die Nachkriegszeit in Personalunion von und bei ihrer Geologisch-paläontologischen Abteilung geführt. Berufungen durch das preuß. Kultusministerium nach Göttingen und Berlin lehnte er ab.

    1932 wurde R. als Nachfolger von Fritz Drevermann zum Museumsleiter der SNG gewählt, die Berufung zum Ordinarius erfolgte 1934. Während der NS-Herrschaft bemühte er sich mit großer Standfestigkeit um die Aufrechterhaltung der Forschungsfreiheit und gab Ehrenerklärungen für den jüd. Ehrenpräsidenten Arthur v. Weinberg (1860–1943) und die jüd. Mitglieder der SNG ab. Während des 2. Weltkriegs gelang es ihm, die wiss. Sammlungen und Schausammlungen des Museums in 40 Ausweichlager zu verbringen und auch die Senckenbergische Bibliothek zu retten. Im Okt. 1944 zur Inspektion der Ölfelder nach Rumänien entsandt, geriet R. schon bei Ankunft in russ. Internierungshaft, aus der er im Mai 1946 zurückkehrte. Er übernahm erneut seine Professur und die Leitung der Geologisch-paläontologischen Abteilung der SNG.

    Auf R. geht die Etablierung der Aktuogeologie und Aktuopaläontologie als Forschungsfach zurück, die 1928 zur Gründung der „Senckenbergischen Forschungsanstalt für Meeresgeologie und -paläontologie“ in Wilhelmshaven führte. Nach diesem Vorbild entstanden nach dem 2. Weltkrieg ähnliche Institute in den USA (La Jolla), den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und anderen Ländern. Mit seinen Arbeiten zur Mikropaläontologie beeinflußte R. seit etwa 1930 auch die Erdölprospektion. 1954 gelang ihm die Aufnahme der senckenbergischen Einrichtungen in das „Königsteiner Abkommen“, wodurch die bisher weitgehend mit eigenen Mitteln agierende SNG regelmäßige Staatszuschüsse erhielt.|

  • Auszeichnungen

    Silberne Medaille d. Senckenberg-Ges. (1934); Goldene Plakette d. Paläontol. Ges. (1951); Hans-Stille-Medaille d. Dt. Geol. Ges. (1951); Ehrenmitgl. d. Paleontological Soc. of America (1926) u. d. Soc. belge de Geologique, Paleontologique et Hydrologique, Brüssel (1938); Präs. d. Paläontolog. Union (1926); Vertr. Dtld.s in d. Internat. Komm. f. Zoolog. Nomenklatur (1930).

  • Werke

    u. a. Von Bau u. Leben d. Trilobiten II, in: Senckenbergiana 2, 1920, S. 23-43;
    Btrr. z. Kenntnis devon. Trilobiten IV, Die Trilobiten d. Oberdevons, 1926 (mit Emma R.);
    „Senckenberg“, Forsch.anstalt f. Meeresgeol. u. Meerespaläontol. in Wilhelmshaven, in: L. Bauer, A. Mendelssohn-Bartholdy u. A. Meyer (Hg.), Forsch.inst., ihre Gesch., Organisation u. ihre Ziele, 1930, S. 1-6;
    Die Saukianda-Stufe v. Andalusien, 1940 (mit Emma R.);
    Das Kambrium am Toten Meer u. d. älteste Tethys,|1941 (mit Emma R.);
    Einf. in d. zoolog. Nomenklatur, 1943, 21948. – Hg.: Natur u. Mus. (Natur u. Volk), 1934-44;
    Abhh. d. SNG, 1934-43.

  • Literatur

    W. Kramer, Chronik d. SNG 1817-1967, 1967;
    H. Schmidt, in: Natur u. Volk 87, 1957, S. 37-44 (P);
    dies. u. W. Struve, R. R. in seinen Worten, in: Aufss. u. Reden d. SNG 32, 1982, S. 1-95;
    W. Simon, in: Senckenbergiana lethaea 38, 1957, S. 1-5 (P);
    W. Ziegler, in: Natur u. Mus. 111, 1981, S. 341-43 (P);
    ders., 75 J. Goethe-Univ., ebd. 129, 1990, S. 33-36;
    ders., in: ders. u. D. Mollenhauer (Hg.), Biogrr. bedeutender Senckenberger, 1992, S. 249-407;
    Pogg. VII a.

  • Autor/in

    Willi Ziegler
  • Empfohlene Zitierweise

    Ziegler, Willi, "Richter, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 519-21 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118818066.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA