Lebensdaten
1906 bis 1942
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Konzentrationslager Auschwitz
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118928678 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rewald, Ruth

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Zitierweise

Rewald, Ruth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118928678.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Arthur M. (* 1880), Kaufm. in B.;
    M Elsa Salzmann (* 1884);
    Berlin 1929 Hans Schaul (1905–88, jüd.), aus Hohensalza (Posen), Dr. iur., Journalist, RA in B., nach Berufsverbot 1933 Emigration nach Frankreich, 1936-39 als Angehöriger d. Internat. Brigaden Teilnahme am Span. Bürgerkrieg, 1944 in d. UdSSR, kehrte 1948 nach B. zurück, 1951-56 Prof. an d. Hochschule f. Ökonomie in B-Karlshorst, 1956-72 Chefred. d. SED-Organs „Einheit“ (s. BHdE I; Biogr. Hdb. SBZ/DDR);
    1 T Anja (* 1937, in Auschwitz ermordet).

  • Leben

    R., einziges Kind einer assimilierten dt.-jüd. Familie, begann nach dem Abitur 1925 ein Jurastudium in Berlin und Heidelberg, das sie 1929 ohne Abschluß beendete. 1931 verfaßte sie für die Kinderbuchserie „Sonne und Regen im Kinderland“ ihre ersten Erzählungen „Rudi und sein Radio“ und „Peter Meyer liest seine Geschichten vor“. Weitere Kurzgeschichten für Kinder wurden in den nächsten beiden Jahren in sozialdemokratischen Tageszeitungen veröffentlicht. 1932 erschien das Buch „Müllerstraße, Jungens von heute“, in dem R. das bedrückende Leben Berliner Arbeiterkinder schildert, die ihre Aggressivität durch kreative Gruppenaktivitäten überwinden und „etwas Sinnvolles“ schaffen. Ihr gelang damit ein Jugendroman, der in die Nähe von Erich Kästners Werk gestellt wurde. Ihr Mädchen-Roman „Achtung – Renate!“ (Ms. im Nachlaß) konnte Ende 1933 wegen der veränderten politischen Verhältnisse nicht mehr erscheinen.

    Im Mai 1933 emigrierte R. mit ihrem Mann nach Paris, wo sie enge Kontakte zur dt. Emigrantenszene knüpfte. Hier entstand der Jugendroman „Janko, Der Junge aus Mexiko“, der 1934 in Straßburg erschien (schwed. u. norweg. Überss.). In ihm wird das Leben im Exil in einer metaphorischen Erzählung über das Schicksal des Indianerjungen Janko für Kinder und Jugendliche beschrieben. Nach einem erfolglosen Versuch, 1935 in die USA zu emigrieren, wurde 1937 auf Fürsprache der Kinderbuchautorin Lisa Tetzner (1894–1963) ihr Kinder- und Jugendroman „Tsao und Jing-Ling, Kinderleben in China“ in einer schweizer. Gewerkschaftszeitung veröffentlicht. 1937/38 reiste R. nach Spanien, um auf Seiten der Internat. Brigaden für ein Kinder- und Jugendbuch zum Bürgerkrieg zu recherchieren. Ende 1938 beendete sie die Arbeiten an „Vier span. Jungen“ (hg. u. mit e. Nachwort versehen v. D. Krüger, 1987). Nach der Flucht aus Paris 1940 wurde R. am 17.6.1942 in Les Roisiers-sur-Loire von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz deportiert. R.s schmales Werk läßt sich weder der proletarisch-revolutionären noch der bürgerlichhumanistischen Kinder- und Jugendliteratur voll zurechnen.

  • Literatur

    D. Krüger, Vergessen u. verbrannt, in: Zs. f. Lit.-wiss. u. Linguistik 18, 1988, S. 111 ff.;
    ders., Die dt.-jüd. Kinder- u. Jugendbuchautorin R. R. u. d. Kinder- u. Jugendlit. im Exil, 1990;
    ders., Wider das Vergessen, in: Menora 2, 1991, S. 270-97;
    ders., Vater, du mußt mir zuerst etwas erklären …, in: Exilforsch. 11, 1993, S. 171 ff.;
    R. Wall, Verbrannt, verboten, vergessen, 1988, S. 153 f. (P);
    dies., Lex. dt.sprachiger Schriftstellerinnen im Exil 1933 bis 1945, 1995, II, S. 73 ff.;
    L. Heid, in: J. Dick u. M. Sassenberg (Hg.), Jüd. Frauen im 19. u. 20. Jh., 1993, S. 313-15 (P);
    Kinder- u. Jugendlit. im Exil 1933-1950, Ausst.kat. Leipzig 1995, S. 55 f.;
    P. Budke u. J. Schulze, Schriftstellerinnen in Berlin 1871 bis 1945, 1995, S. 298 ff;
    C.-D. Krohn u. a. (Hg.), Hdb. d. dt.sprachigen Emigration 1933-1945, 1998, S. 984 ff.;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1971-1998, 1999;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Lex. Sozialist. Lit.;
    Killy. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: BA, Abt. Potsdam.

  • Autor/in

    Dirk Krüger
  • Empfohlene Zitierweise

    Krüger, Dirk, "Rewald, Ruth" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 479-480 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118928678.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA