Lebensdaten
1899 bis 1977
Geburtsort
Westercelle (Niedersachsen)
Sterbeort
Celle (Niedersachsen)
Beruf/Funktion
Agrarpolitiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118743910 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rehwinkel, Edmund

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Zitierweise

Rehwinkel, Edmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118743910.html [17.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bauernfam., die seit 1714 e. Hof in W. besitzt;
    V Edmund (1869–1934), Landwirt;
    M Ida Wietfeld (1874–1934);
    1928 Anna Hagemann (1904–89), Bauern-T aus d. Kr. Gifhorn (Niedersachsen);
    2 S (1 früh †), 1 T; Verwandte (?) Johann-Heinrich (* 1937), Agraring., seit 1960 Landwirt in Barmbostel, seit 1978 Mitgl. d. Niedersächs. LT (s. Wi. 1997), Hans-Friedrich, Staatssekr. im Niedersächs. Justizmin. (s. Wi. 1985).

  • Leben

    R. absolvierte die Realschule in Celle und meldete sich 1917 freiwillig zur Kriegsmarine. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs, das er als Reserveoffiziersanwärter bei der Marineartillerie in Flandern erlebte, bildete er sich auf dem Feld der Landwirtschaft fort und übernahm 1925 für etwa ein Jahr die Verwaltung einer Domäne bei Cuxhaven. Seit 1928 führte er das großbäuerliche elterliche Anwesen. Politisch stand R., der dem „Stahlhelm“ angehörte, im Lager der Deutschnationalen. 1939/40 und erneut 1944/45 bei der Marineartillerie, geriet er wegen regimekritischer Äußerungen in Konflikt mit dem NS-Staat. Nach seiner Rückkehr im Juli 1945 aus der Kriegsgefangenschaft wurde R. zum Kreislandwirt und Leiter des Ernährungsamtes in Celle ernannt. Zwischen April und Okt. 1946 fungierte er zudem als Landrat des Landkreises Celle. Damals trat R. der CDU bei, die er jedoch 1950 wieder verließ, da er die politische Unabhängigkeit schätzte. Gleichwohl stand R. den rechtskonservativen Kräften in der DP, FPD und CDU nahe. Seine politischen Überzeugungen orientierten sich am Ideal einer vom bäuerlichen und bürgerlichen Besitzmittelstand geprägten Gesellschaft, wobei antikommunistische mit antiliberalen und antikapitalistischen Ressentiments Hand in Hand gingen. 1947-72 Präsident des Verbandes des niedersächs. Landvolks und 1949-64 der Landwirtschaftskammer Hannover, stieg R. im Dt. Bauernverband (DBV) in die wichtigsten Führungsgremien auf: Im Okt. 1948 wurde er zu einem der Stellvertreter von Andreas Hermes (1878–1964) gewählt und, nachdem dieser sein Amt zur Verfügung gestellt hatte, ins geschäftsführende Präsidium, im Jan. 1959 schließlich zum Präsidenten des DBV. Als wortgewaltiger, aber auch autokratischer „Volkstribun“ mit Hang zur Polemik, mobilisierte R. wiederholt den bäuerlichen Protest, um den Forderungen des DBV Nachdruck zu verleihen. Als Vertreter eines dezidiert agrarprotektionistischen Kurses lehnte er eine Öffnung der Märkte ebenso ab wie eine Liberalisierung des Handels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen oder Belastungen der dt. Bauern im Zuge der europ. Integration; gleichzeitig forderte er mehr staatliche Hilfen für die Landwirtschaft mit dem vorrangigen Ziel, die Einkommen der Landwirte zu verbessern. Diese Ziele standen im Widerspruch zu marktorientierten Konzepten, wie sie etwa Ludwig Erhard, der EWG-Kommissar Sicco Mansholt oder Kurt Georg Kiesinger vertraten, dessen Regierung 1967 im Zuge der Haushaltskonsolidierung eine Kürzung der Subventionen für die Landwirtschaft beschlossen hatte. Ende Jan. 1969 legte R., der sogar mit einer Hinwendung der Bauern zur NPD gedroht hatte, resigniert sein Amt als Präsident des DBV nieder. Im selben Jahr ließ er sich zwar zum Präsidenten des Verbandes der Dt. Milchwirtschaft wählen, doch 1971 zog er sich auch von diesem Amt zurück. In seiner Freizeit widmete sich R. der Jagd und dem Verfassen von Gedichten (bevorzugt zu d. Themen Wald, Heide, Jagd u. Liebe).|

  • Auszeichnungen

    Goldene Ehrennadel d. DBV (1959) u. d. niedersächs. Landvolkverbandes; Thaer-Thünen-Medaille in Gold; Edmund Rehwinkel-Stiftung f. wiss. Studien mit e. hohen unmittelbaren Nutzen f. d. Landwirtsch. (1974 v. d. Landwirtschaftl. Rentenbank gegr.).

  • Werke

    u. a. Der Weg z. Überwindung d. Agrarkrisis, 1954;
    Wege z. Gesundung d. Landwirtsch., 1957;
    Aktuelle Kernfragen d. europ. Wirtsch.- u. Agrarpol., 1958;
    Die Agrarpol. d. DBV u. ihre Beziehungen z. EWG, 1960;
    Die Krankheit d. Landwirtsch. in d. Ind.ges., 1960;
    Die kulturpol. Aufgabe d. Landvolkes, 1961;
    Die agrarpol. Probleme in d. Gegenwart, 1962;
    Agrarpol. heute u. morgen, 1963;
    Keine Almosen, sondern Gerechtigkeit, 1963;
    Wofür kämpfen wir Bauern?, 1963;
    Zehn Fragen an Erhard, 1963;
    Die europ. Landwirtsch. in d. modernen Ind.ges., 1964;
    Die Agrarpol. d. DBV, 1965;
    Agrarpol. im Umbruch d. Zeit, 1966;
    Zur Lage d. westdt. Landwirtsch., 1968;
    Das allg. Schulwesen auf d. Lande, 1969;
    Gegen d. Strom, Erinnerungen e. niedersächs., dt. u. europ. Bauemführers, 1973 (P);
    Aphorismen u. anderes z. Nachdenken, 1977. – Gedichte: Zw. gestern u. heute, 1952;
    Mosaik, 1956;
    Auslese, 1966;
    Von Allerlei u. Allerhand, 1968. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Niedersächs. HStA, Hannover.

  • Literatur

    G. Pacyna, E. R., 1969 (P);
    Der Spiegel v. 10.2.1969 (P) u. v. 7.2.1977;
    P. Ackermann, Der DBV im pol. Kräftespiel d. Bundesrep., 1970;
    Th. Sonnemann, Gestalten u. Gedanken, 1975;
    SZ v. 3.2.1977 (P);
    FAZ v. 3.2.1977 (P);
    U. Kluge, Vierzig J. Agrarpol. in d. Bundesrep. Dtld., 2 Bde., 1989;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Thomas Schlemmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlemmer, Thomas, "Rehwinkel, Edmund" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 287-288 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118743910.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA