Lebensdaten
1883 bis 1973
Geburtsort
Winsen/Aller (Niedersachsen)
Sterbeort
Puerto de la Cruz (Teneriffa)
Beruf/Funktion
Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139001107 | OGND | VIAF: 95601604
Namensvarianten
  • Rautenkranz, Hermann von

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Rautenkranz, Hermann von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139001107.html [22.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    Stammvater d. Fam. ist Franz Carl v. R. ( 1707), Doppelhofbes., Zöllner, Deichschauer u. Schulze in Darchau (Kr. Bleckede), unehel. S d. Hzg. Franz Carl v. Sachsen-Lauenstein (1594–1660) (s. Kneschke VII); die Nachkommen besaßen bis ins 19. Jh. den Hof, führten jedoch schon in d. zweiten Generation kein Adelsprädikat mehr; – V August R. (1855-1922), aus Becklingen, Bohrmeister, 1880-89 Leiter e. Erdölbetriebs in Galizien, 1889-1918 Betriebsführer d. Elsäss. Petroleum A. G. in Walburg b. Hagenau (Elsaß), S d. Heinrich Georg R. (1831-84), aus Poitzen, Lehrer in Becklingen;
    M Marie (* 1857), T d. Dorothee v. der Brelie;
    Urur-Gvv Johann Friedrich R. (* 1778), Lehrer in Habighorst;
    Ov Hermann Ludwig Heinrich R. (1863-1930), Rektor in Heiligenrode;
    1) Ostenholz 1906 Emma (1881–1964), T d. Heinrich Wünning, Hofbes. in Ostenholz, u. d. Sophie Söhnholz, 2) Celle 1966 Hedwig Hamers (* 1914), T d. Erich Bertram u. d. Maria Müller;
    2 S u. 2 T aus 1) Hary (1907–82), übernahm 1939 d. Leitung d. Betriebe in Österr., Walter (1914–42, ⚔), Edith (1909–89, ⚭ Erich Hanf), Lieselotte (* 1920, Ernest H. Tansey, * 1921), Mäzenin, stiftete e. Miniaturenslg., d. im Bomann-Mus. Celle ausgestellt ist, 2000 d. Lieselotte Tansey Breast Center an d. Alton Ochsner Medical Foundation in New Orleans (USA), erhielt 2001 d. Ehrenmedaille d. Stadt Celle.

  • Leben

    Nachdem die Familie 1889 nach Galizien übersiedelt war, besuchte R. die Schule in Bielitz. Als der Vater 1899 zur „Elsässischen Petroleum AG“ nach Waldburg (Elsaß) ging, begann R. hier eine Ausbildung als Bohrarbeiter. 1902 ging er als Bohrmeister nach Indonesien, kehrte aber 1904 malariakrank zurück und wurde Betriebsleiter bei der „Dt. Tiefbohr AG“ in Nordhausen (Sachsen). 1906-11 war R. Generalbevollmächtigter deren Unternehmungen in Polen und gründete 1908 in Rumänien seine erste eigene Bohrgesellschaft (Societate Excelsior S. A.). 1911 folgten das „Büro für Erdölfragen“ in Hamburg und Gutachtertätigkeit in Europa und Nordafrika. 1912 gründete R. die „Internationale Tiefbohrgesellschaft“ (seit 1921 als AG: „ITAG“) und 1913 in Celle eine Werkstatt zum Bau von Bohranlagen und Zubehör, die er zur Maschinen- und Bohrgerätefabrik ausbaute. Mit dem Erwerb von Mutungsrechten und zahlreichen Beteiligungen an abbauberechtigen Gesellschaften entwickelte sich R. vom Bohr- zum Erdölunternehmer, der Tiefbohren, Erdölgewinnung und Maschinenbau in einem Familienbetrieb vereinigte. Die ITAG beschäftigte bis zu 1500 Arbeiter und Angestellte.

    Die Erdölgewinnung stieg nach 1918 sprunghaft an. R. führte Bohrungen in Norddeutschland und im Elsaß, 1924-37 in Rumänien sowie für ausländische Auftraggeber in Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland und in der Schweiz durch. Nach 1938 erschloß er mit staatlicher Lenkung und Förderung Felder im Wiener Becken und in der Slowakei. Ein Bombenangriff auf Celle zerstörte 1945 den Betrieb weitgehend. Bei Kriegsende verlor R. zudem alle im Ausland befindlichen Anlagen. Nach 1945 begann der Wiederaufbau der ITAG mit Flachbohrgeräten und branchenfremden Produkten (z. B. Lumpenzerreiß- u. Stubbenspaltmaschinen). Seine internat. Kontakte ermöglichten es ihm, wieder als Auftragnehmer und Konsortialpartner im Ausland tätig zu werden; in Italien gründete er zu diesem Zweck die Pergeo S. P. A., in der Schweiz die Iborag. Mit abnehmender Bohrtätigkeit in Deutschland erschloß er z. B. mit dem Armaturenbau profitable Marktsegmente.

    R. wandte technische Neuerungen, die er u. a. bei Studienaufenthalten in Nord-, Süd- und Mittelamerika kennengelernt hatte, bei eigenen Bohrungen an. So erprobte er den hydraulischen Bohrwidder nach System Wolski, befaßte sich mit dem amerik. Seilbohrverfahren und dem Spülbohrverfahren von Albert Franck und Anton Raky. 1924 brachte er im Feld Nienhagen die erste Rotarybohrung in Deutschland nieder, wandte 1934 erfolgreich das Schießen und Perforieren zementierter Rohrkolonnen sowie das Gas- und Airlift-Verfahren an und setzte Tiefpumpen in Ölsandformationen ein. Nachdem Anfang April 1945 die Gau- und Kreisleitung die Verteidigung Celles und die Zerstörung der Industriewerke angeordnet hatte, überzeugte R. mit den Vertretern der dortigen Industrie den Standortältesten, diesen Befehl nicht auszuführen.

    R. unterstützte als Mäzen kulturelle und karitative Einrichtungen.|

  • Auszeichnungen

    spart. (1915) u. griech. Gen.konsul (1939);
    Kommandeurkreuz d. bulgar. Verdienstordens (1915);
    Offz.kreuz d. fürstl. Lipp. Hausordens (1919);
    Kriegsverdienstkreuz II. Kl. (1942);
    Gr. BVK (1953);
    Rr.kreuz d. ital. Verdienstordens (1958);
    Gr. Verdienstkreuz d. Niedersächs. Verdienstordens (1963);
    Ehrenmitgl. d. Vereinigten Bergmanns-, Hütten- u. Knappenvereine Niedersachsens (1967) u. d. Wirtschaftsverbandes Erdölgewinnung e. V. Hannover (1968);
    Ehrenbürger d. Stadt Celle u. d. Gde. Forst (1973).

  • Literatur

    Cellesche Ztg. v. 29.7.1968 (P) u. 13.11.1973 (P);
    ITAG 1908–83, hg. v. d. Hermann von Rautenkranz Internat. Tiefbohr GmbH u. Co. KG (ITAG), 1983 (P);
    E. Gunther, The war structure of the German Crude Oil Ind. 1934–45, Private Industries, BIOS-Report 1017, Item Nr. 30, Oilfield Investigation;
    M. Bertram, R. Voss., Vom Ende d. NS-Regimes bis zu d. ersten demokrat. Wahlen nach d. Krieg, in: Celle '54, Apekte e. Zeitenwende, 1995;
    Munzinger. – Eigene Archivstudien (StadtA Celle;
    Akten in Fam.bes.).

  • Portraits

    ITAG in Celle;
    Bronzebüste v. K. F. Ahlbrecht (Dt. Erdölmus., Wietze).

  • Autor/in

    Susanne Abel
  • Empfohlene Zitierweise

    Abel, Susanne, "Rautenkranz, Hermann von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 215-216 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139001107.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA