Lebensdaten
1922 bis 2002
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Kunstsammler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 122444949 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rau, Gustav
  • Rau, Gustav Paul Ludwig

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Zitierweise

Rau, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122444949.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (s. 1);
    M Elisabeth N. N.; ledig.

  • Leben

    Nach Absolvierung einer Wirtschafts- (1940) und einer Oberschule (1941) sowie Kriegsdienst und Gefangenschaft (bis Herbst 1946) studierte R. in Tübingen und Heidelberg Wirtschaftswissenschaften (Diplom 1949; Dr. rer. pol. 1950). 1950 trat er in den Stuttgarter Autozuliefererbetrieb seines Vaters ein und übernahm nach dessen Tod 1960 die Leitung des Unternehmens. Gleichzeitig absolvierte er in Tübingen und München ein Medizinstudium (Dr. med. 1968), das er 1969 abschloß, spezialisiert auf Tropenmedizin und Pädiatrie. 1972 verkaufte er das Familienunternehmen und ging 1974 als Tropen- und Kinderarzt zunächst nach Nigeria, dann nach Zaire (Dem. Rep. Kongo), wo er in Ciriri bei Bukavu im Osten des Landes eine Kinderklinik aufbaute, die er auch leitete und die bis heute existiert.

    Zur Finanzierung seiner humanitären Mission in der Dritten Welt brachte R. seit Beginn der 70er Jahre sein Vermögen in verschiedene Stiftungen ein, die er aus steuerlichen Gründen in der Schweiz und Liechtenstein ansiedelte. Zum Stiftungsvermögen gehört heute auch eine außergewöhnlich qualitätvolle und umfangreiche Kunstsammlung, die R. mit dem Erwerb eines Gemäldes von Gerard|Dou 1958 begonnen hat, doch v. a. seit den 70er Jahren als ebenso diskreter wie passionierter Sammler zusammentrug. Sie wurde einer breiteren Öffentlichkeit erst 2000/02 bei Ausstellungen in Japan, Rotterdam, Paris, Köln, München und Bergamo bekannt und umfaßt insgesamt ca. 750 Gemälde, Skulpturen und Kunsthandwerksobjekte, darunter Meisterwerke von Guido Reni, El Greco und Thomas Gainsborough. Schwerpunkte der Sammlung bilden Werke fläm. und niederländ. Maler des 16. und 17. Jh. (Terbruggen, Dou, Terborch), franz. Bilder des 17. und 18. Jh. (Fragonard) und v. a. Gemälde berühmter Impressionisten (Renoir, Degas, Cézanne, Monet, Manet).

    In letzter Zeit war ein zäher Rechtsstreit um die Sammlung entbrannt. Als sich Ende der 90er Jahre bei R. die Folgen einer nicht behandelten neurologischen Erkrankung zunehmend bemerkbar machten, ernannte die Schweizer Aufsichtsbehörde Beistände für die Rau-Stiftungen und ließ die im Zollfreilager Empraport bei Zürich gelagerte Kunstsammlung versiegeln. Darauf setzte der faktisch entmündigte R. 1999 das Kinderhilfswerk Unicef als Erbin seines Vermögens ein; der Streit um die Rechtsgültigkeit seiner Entscheidung zugunsten von Unicef wurde über mehrere Instanzen vor dt. und schweizer. Gerichten ausgetragen, bis im Juli 2001 das Schweizer Bundesgericht die juristische Auseinandersetzung beendete, und R. die Verfügungsgewalt über seinen Besitz zurückerhielt. Im Sept. 2001 schenkte R. offiziell dem Kinderhilfswerk Unicef Deutschland seine Kunstsammlung, von der Teile zur Finanzierung von Hilfsprojekten verkauft werden dürfen, deren Kern künftig aber als Dauerleihgabe im Pariser Musée du Luxembourg ausgestellt werden soll.

  • Werke

    Die Herleitung d. sozialist. Eigentumsbegriffs aus d. eth. Postulaten d. Freiheit, d. Gerechtigkeit u. d. Gemeinschaft, Diss. rer. pol. Tübingen 1950 (ungedr.);
    Über d. Auftreten v. Malignomen im kl. Becken nach Behandlung mit ionisierenden Strahlen wegen gutartiger gynäkolog. Erkrankungen, Diss. med. Tübingen 1968.

  • Literatur

    De Fra Angelico à Bonnard, Chefs-d' Œeuvre de la Collection Rau, Ausst.kat. Paris 2000, dt. u. d. T. Meisterwerke v. Fra Angelico bis Bonnard, Fünf Jhh. Malerei, Die Slg. d. Dr. R., 2001;
    S. Herzog, Vom humanitären Traum z. jur. Albtraum, Plot f. e. Wirtschaftskrimi?, Wirren um d. Slg. Rau, in: NZZ v. 26.2.2001;
    Stuttgarter Ztg. v. 4.1.2002 (P);
    Ein Leben f. d. Kinder u. d. Kunst, Unicef-Medienmitt. v. 4.1.2002;
    B. Sachs, Obduktion e. Menschenfreundes, in: FAZ v. 13.4.2002.

  • Autor/in

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Rau, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 189-190 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122444949.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA