Lebensdaten
1904 bis 1977
Geburtsort
Pirmasens (Pfalz)
Sterbeort
Mainz
Beruf/Funktion
Orientalist ; Afrikanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118598295 | OGND | VIAF: 114599404
Namensvarianten
  • Rapp, Eugen Ludwig
  • Rapp, Eugen L.

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Rapp, Eugen Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598295.html [05.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob (1866–1933), aus Dielkirchen b. Alsenz (Pfalz), Buchbindermeister in P., aus pfälz. Handwerker- u. Bauernfam.;
    M Carolina Schütz (1873–1941), aus P., aus z. T. hugenott. Fam.;
    3 Geschw; –| Pirmasens 1929 Jannetje (1905–87), T d. Anton Arnoldus Schiebaan (1875–1918), aus Streefkerk, Kaufm. in Rotterdam, u. der Jannetje Heijmel (1876–1960), aus Kralingen;
    1 S Walter (* 1932), Dr. med., Facharzt f. Urol. in Rüsselsheim, 1 T Berber (* 1933, Wolfgang Lichtenthaeler, * 1934, Pfarrer in Kelsterbach), Theologin.

  • Leben

    Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Pirmasens 1914-23 studierte R. 1923/24 in Marburg zunächst Theologie und Geschichte, in Heidelberg 1924-26 (Mitgl. d. Akad.-Theol. Studentenverbindung „Wartburg“) Theologie und Orientalistik (Assyriol., Semitistik, Ägyptol., Koptisch); hier erwarb er 1926 die Lehrbefähigung für Hebräisch. Nach einem Studienjahr in Utrecht 1926/27, wo R. Theologie, Religionswissenschaft und Orientalistik hörte, legte er 1927 in Speyer das Erste Theol. Examen ab. Mit einer von Georg Beer (1865–1946) betreuten Dissertation über den Mischna-Traktat „Moëd Qatan“ wurde R. 1929 in Heidelberg zum Dr. theol. promoviert. Als pfälz. Vikar (Predigerseminar Landau, Stadtvikariat Lauterecken, Oppau u. Ludwigshafen-Friesenheim) bestand er 1930 in Speyer sein Zweites Theol. Examen. 1930 trat R. in den Dienst der Basler Mission und studierte in Berlin Afrikanistik bei Diedrich Westermann (1875–1956), ferner Islamwissenschaft und Phonetik (1931 u. 1935). Bis zum Beginn des 2. Weltkriegs dienten zwei längere Aufenthalte in Ghana der theol. Lehrtätigkeit in Akropong, v. a. aber der Übersetzung der Bibel ins Twi (1932–35; 1936-38). Von dem 1939 vollständig vorliegenden Manuskript der Bibel auf Twi konnte 1940 noch das Markus-Evangelium publiziert werden.

    1941 in den Dienst der Prot. Landeskirche der Pfalz übernommen, war R. 1945-49 Pfarrer in Oberlustadt (1949–53 ehrenamtl.). 1946 erteilte ihm die Ev.-Theol. Fakultät der Univ. Mainz einen Lehrauftrag für Semitistik; die Phil. Fakultät ernannte ihn zum Honorarprofessor für Semitistik und Afrikanistik. 1949 nahm R. den Ruf auf die neue von der Prot. Landeskirche der Pfalz gestiftete Professur für Christl. Orientalistik an (persönl. Ordinarius, 1962 o. Prof., Dekan d. Ev.-Theol. Fak. 1952-54 u. 1963/64, em. 1972).

    Während sechs weiterer Aufenthalte in Afrika zwischen 1955 und 1964 erforschte R. die kopt. Kirche sowie die Sprachen Twi, Asante, Gurenne, Gonja und die der Bewohner der Mandara-Berge Nordostnigerias und übersetzte Teile der Bibel in diese Sprachen. In Mainz behandelte R. v. a. Geschichte und Texte der kopt. und armen. Kirche sowie die Sprach- und Geschichtszeugnisse des antiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Judentums.

    R., eine der prägenden Gestalten der 1946 wieder begründeten Univ. Mainz, an der seine Schüler Günter Mayer und Otto Böcher lehren, etablierte hier die afrikan. Philologie und v. a. die Wissenschaft vom Judentum. Seine Veröffentlichungen zur Afrikanistik, zur Judaistik und zur christl. Orientalistik sind von bleibendem Wert. R.s Arbeiten zur afrikan. Linguistik (Grammatiken, Lehr- und Wörterbücher) und seine Bibelübersetzungen waren bahnbrechend. Seit seiner Promotion 1929 widmete sich R. Texten des rabbin. Judentums (Mischna, Talmud, Tosefta), aber auch jüd. Inschriften Europas (seit 1957) und Afghanistans (seit 1965). 1952 legte er zudem ein Lexikon der jüd. Bestandteile des rheinfränk. Dialekts vor („Schum“). Den gemeinsamen Nenner der nur scheinbar disparaten Lehr- und Forschungsgebiete R.s bildet die Theologie: der Dienst des Pfarrers, Missionars und Hochschullehrers am Wort der Bibel in den Sprachen der Menschheit.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Vorderasiat.-Ägypt. Ges., Berlin (1926), d. Soc. of Oriental Research, Toronto (1927), d. Internat. African Inst., London (1932), d. Dt. Morgenländ. Ges. (1946), d. Internat. Ges. f. Orientforschung, Istanbul (1948);
    Ehrenmitgl. d. British and Foreign Bible Soc., London (1956);
    D. theol. h. c. (Heidelberg 1959);
    Ehrenbürger d. Stadt Pirmasens (1972).

  • Werke

    insgesamt 281 Titel, u. a. Mo'ed qatan/Halbfeiertage, 1931;
    Kristofo Gyidi senea yehu wo Heidelberg Kyeresuasem mu 1563, 1934;
    Twi Mmebusem Ahannum Mmoaano. Five Hundred Twi Proverbs, 1934;
    Twi Kenkan Nhoma (Twi-Lesebuch), 1936;
    An Introduction to Twi, 1936;
    Das Schulwesen auf d. Goldküste, in: Koloniale Rdsch., 1940, S. 296-315;
    Schum, Erster Versuch e. Zus.stellung v. Wörtern hebr. oder jüd. Ursprungs im Pfälzischen, in: Aus der Enge in d. Weite, FS f. Georg Biundo, 1952, S. 236-57;
    Die ma. hebr. Epitaphien d. Rheingebiets, in: Mainzer Zs. 56/57, 1961/62, S. 155-82 (mit O. Böcher);
    Die ältesten hebr. Inschrr. Mitteleuropas in Mainz, Worms u. Speyer, in: Jb. d. Vereinigung „Freunde d. Univ. Mainz“ 8, 1959, S. 38-85 (mit dems.);
    An Introduction to Akan, 1963;
    Die jüd.-pers.-hebr. Inschrr. aus Afghanistan, 1965;
    Die Gesch. d. Oppenheimer Juden u. d. hebr. Inschriftfragment am Gelben Haus, in: FS 1200 J. Oppenheim a. Rh., 1965, S. 91-105 (mit O. Böcher);
    On the Jewish Inscriptions from Afghanistan, in: East and West N. S. 15, 1965, S. 194-200;
    The Date of the Judaeo-Persian Inscriptions of Tang-i Azao in Central Afghanistan, ebd. 17, 1967, S. 51-58, auch in: Aryana 26, Nr. 2 (in Dari), 1968, S. 57-60;
    Die Gurenne-Sprache in Nordghana, 1966;
    Pronomen u. Verbum im Glavda u. Yaghwatadaxa in d. nordwestl. Mandarabergen Nordostnigeriens, in: Neue Afrikanist. Studien, 1966, S. 208-17;
    Die ma. hebr. Epitaphien aus d. Zitadelle v. Spandau 1244-1347,|in: Jb. f. brandenburg. Landesgesch. 23, 1972, S. 14-36;
    Sprichwörter der Guang v. Late in Ghana, in: Afrika u. Übersee 57, 1973, S. 15-38;
    Das Ba-Erntefest der Kyerepong in Ghana, in: Africana Marburgensia 7/2 (FS f. Ernst Dammann), 1974, S. 51-80;
    Chronik d. Mainzer Juden, 1977.

  • Literatur

    O. Böcher, in: Bll. f. pfälz. KGesch. u. rel. Volkskde. 31, 1964, S. 1-12 (Bibliogr.;
    diese auch in: Theol. Lit.ztg. 90, 1965, Sp. 151-58);
    ders., in: Dt. Pfarrerbl. 77, 1977, S. 482 f.;
    ders., in: E. L. R. 1904-1977, Ausst.kat. Stadtbücherei Pirmasens, 1992, S. 4-25 (vollst. Bibliogr., P);
    Wort u. Wirklichkeit, Studien z. Afrikanistik u. Orientalistik, FS f. E. L. R., hg. v. B. Benzing, Buchdrucker>, O. Böcher u. G. Mayer, 2 Bde., 1976/77 (Bibliogr., P);
    E. Dammann, in: Afrika u. Übersee 60, 1977, S. 161 f.;
    G. Biundo, Die ev. Geistlichen d. Pfalz seit d. Ref., Pfälz. Pfarrerbuch, 1968, S. 358;
    P. Weber, S. Peter, S. Weber, Neues Pfälzer Pfarrerbuch, 1989, S. 136 (P).

  • Autor/in

    Otto Böcher
  • Empfohlene Zitierweise

    Böcher, Otto, "Rapp, Eugen Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 151-53 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598295.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA