Lebensdaten
1916 – 1996
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Parteifunktionär
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 119482681 | OGND | VIAF: 54959124
Namensvarianten
  • Putzrath, Heinz

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Zitierweise

Putzrath, Heinz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119482681.html [29.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (1889–1973), Kaufm., seit 1938 in Ecuador;
    M Johanna Gerstel (1889–1975), seit 1946 in d. USA;
    B Alfred Parker (1921–82), Fotograf, seit 1938 in Ecuador;
    1) Edith Urbach, 2) Marga Plöger, 3) Helma Hoffmann;
    1 T.

  • Biographie

    P., der sich als Schüler dem Deutsch-Jüd. Wanderbund und dem Sozialistischen Schülerbund angeschlossen hatte, absolvierte eine kaufmännische Lehre. Noch vor der nationalsozialistischen Machtübernahme trat er der KPD (Opposition) bei und beteiligte sich nach dem Januar 1933 an Widerstandsaktionen, die im September zu seiner Festnahme und – verurteilt wegen Hochverrats – zu einer sechsmonatigen Haftstrafe führton. 1934 flüchtete er nach Holland, wo er im „Werkhof Nieuwesluis“ des jüd. Fluchtlingskomitees zum Bauschlosser ausgebildet wurde. Wegen politischer Betätigung 1936 ausgewiesen, ging er in die Tschechoslowakei und 1937 nach Großbritannien. Hier war er u. a. als Rohrleger und seit 1942 in der Flugzeugindustrie tätig. 1940/41 als Deutscher für 11 Monate in verschiedenen Internierungslagern festgehalten, arbeitete P. in der Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“ mit, wurde 1942 Mitglied der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Großbritannien und trat 1945 der deutschen Sozialdemokratie bei, der er sich zunehmend angenähert hatte.

    Im Sept. 1946 kehrte P. nach Deutschland zurück. 1947-51 Vorsitzender der Jungsozialisten in Hannover, seit 1951 Auslandsreferent des SPD-Parteivorstands, war er an den Vorbereitungsarbeiten zur Wiedergründung der Sozialistischen Internationale beteiligt. Seit Ende der 50er Jahre wandte sich P. Problemen der Dritten Welt zu und fungierte 1961-68 als Geschäftsführer der Organisation „Weltweite Partnerschaft“. 1968-81 arbeitete er als Leiter der Abteilung gesellschaftspolitische Information der Friedrich-Ebert-Stiftung. 1966 gehörte P. zu den Mitbegründern der Dt.-Israel. Gesellschaft, deren Präsidiumsmitglied er für einige Jahre war. 1983-96 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten (AVS), dem Zusammenschluß von Sozialdemokraten, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus gestanden hatten und verfolgt worden waren. In dieser Eigenschaft entfaltete P. eine rastlose Tätigkeit, arbeitete in der Historischen Kommission seiner Partei mit, war Redakteur der AVS-Mitteilungen und korrespondierte mit zahlreichen Emigranten in aller Welt. Vor allem engagierte er sich in der Gedenkstättenarbeit, um die Erfahrungen und Einsichten seiner Generation an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Er wandte sich gegen jede Form von Totalitarismus und kritisierte Versuche der Kommunisten, den Widerstand der Arbeiterbewegung insgesamt für sich zu vereinnahmen und politisch zu instrumentalisieren. Er war der eigentliche Initiator des Projekts „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, das, überparteilich orientiert, sich gegen ein Wiederaufleben rechtsextremistischer Gewalt und totalitären Denkens wendet, ein Anliegen, das angesichts fremdenfeindlicher Ausschreitungen in den 90er Jahren neue Aktualität erhielt.

  • Literatur

    J. Rau u. B. Faulenbach (Hg.), H. P., Gegen NS – Für soz. Dem., Skizzen zu Leben u. Wirken, 1997 (P);
    BHdE I.

  • Autor/in

    Bernd Faulenbach
  • Zitierweise

    Faulenbach, Bernd, "Putzrath, Heinz" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 25 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119482681.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA