Lebensdaten
1849 bis 1913
Geburtsort
Siebenlehn (Kreis Meißen)
Sterbeort
Plauen (Vogtland)
Beruf/Funktion
Historiker ; Kartograph ; Lehrer ; Schulbuchautor
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 124215408 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Putzger, Friedrich W.
  • Putzger, Friedrich Wilhelm
  • Putzger, Friedrich W.
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Zitierweise

Putzger, Friedrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124215408.html [25.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst Ludwig (1810–71), Lohgerbermeister u. Bgm., 5 d. Gotthelf (1782–1853), Schuhmachermeister in S., u. d. Hanna Maria Ruscher (1782–1833);
    M Amalie (1817–85), T d. Johann Leberecht Clauss (1770–1826), Schuhmachermeister in S., u. d. Johanna Maria Haubold (1784–1862);
    Rochlitz (Sachsen) 1877 Jenny (1854–1924), T d. Moritz Wagner (1809–84), Ger.amtsassessor in Leipzig, u. d. Maria Ernestine Canzler (1815–88);
    2 S Walther (1878–1967), Klass. Philol., 1905-45 Oberlehrer am Staatsgymnasium in Würzen, 1932 Studiendir., 1917 Prof., Mitarb. d. Dt. Ak. d. Wiss. am Corpus Medicorum Graecorum, befaßte sich v. a. mit antiker med. Lit. (s. L), Erich (1881–1945), Dr. iur., Oberreg.rat, 1 T Ilse (eigtl. Elisabeth, 1884–1960, 1] Paul Scheuffler, Dr. iur., RA in P., 2] Richard Peters, Dr. med., Augenarzt in Kairo u. Hannover).

  • Leben

    P. besuchte 1863-65 das Proseminar und 1865-69 das Lehrerseminar im benachbarten Nossen und wurde Hilfslehrer, dann mit einer Unterbrechung durch Teilnahme am dt.-franz. Krieg Volksschullehrer in Deuben bei Dresden. Nach der Wahlfähigkeitsprüfung (2. Lehrerprüfung 1871) wurde er 1872 zum Pädagogik-Studium an der Univ. Leipzig zugelassen und absolvierte 1874 die Prüfung für das höhere Lehramt. Sein Versuch, aufgrund von vier Klimakarten, die er für den „Statistischphysikalischen Atlas des dt. Reichs“ (1876, hg. v. R. Andree u. O. Peschel) erstellte, 1877 in Leipzig promoviert zu werden, scheiterte. 1875 wurde P. Oberlehrer für Geographie, Geschichte und Deutsch an der Realschule in Rochlitz (Sachsen), 1878 Direktor der Rochlitzer Bürgerschulen. 1891 gelang ihm schließlich mit einer geographischen Dissertation über Rochlitz die Promotion in Leipzig. Seit 1892 war er Bezirksschulinspektor in Auerbach (Sachsen), 1894-99 in Borna (Schulrat 1899), seit 1900 in Plauen (Oberschulrat 1912).

    Obwohl P. mehrere Atlanten, Lehrpläne und Schulbücher verfaßt oder mit bearbeitet hat, beruht seine Bekanntheit ausschließlich auf seinem Geschichtsatlas für höhere Schulen: „F. W. Putzger's Historischer Schul-Atlas zur alten, mittleren und neuen Geschichte“ (1877). Dieses in wenigen Monaten entstandene Werk von anfangs 27 Haupt- und 48 Nebenkarten auf 24 großformatigen Seiten fand wegen P.s Fähigkeit, historische Sachverhalte auf das Wesentliche zu reduzieren und kartographisch einprägsam darzustellen, sowie wegen des konkurrenzlos günstigen Preises sofort weite Verbreitung. Bis 1887 war P. an den nahezu jährlich erscheinenden, zunehmend erweiterten Neuauflagen maßgeblich beteiligt. Zur 14. Auflage (1888) entzog ihm der Verlag Velhagen & Klasing jedoch wegen mangelnder wissenschaftlicher Kompetenz die Überarbeitung und weitere Herausgabe des „Historischen Schul-Atlas“ und betraute damit Alfred Baldamus (1856–1908) als ersten einer langen Reihe von qualifizierten Historikern. Infolge ständiger Revisionen (während d. NS-Zeit stark ideologisch gefärbt) überdauerte der Atlas das Kaiserreich, die Weimarer Republik und das Dritte Reich. Mit der „Jubiläumsauflage“ (801961) wurde der Titel geändert in „F. W. Putzger, Historischer Weltatlas“. Einige Karten gehen immer noch auf die Erstausgabe von 1877 zurück; bis heute (1032001) trägt der Atlas ausschließlich P.s Namen, der durch den allgemeinen Gebrauch an Gymnasien nahezu zum Synonym für Geschichtsatlas wurde. Neben der Hauptausgabe gab es zeitweilig eine „Kleine Ausgabe“ (1920, 111942) und die „Neue [= mittlere] Ausgabe“ (1930/32), außerdem eine österr. (seit 1877), eine schweizer. (seit 1923), eine israel. (1970), vor dem 1. Weltkrieg zudem eine tschech., kroat. und poln. Ausgabe sowie unter dem Namen des Herausgebers W. R. Shepherd eine amerik. Version.

    Obwohl P. durch seinen Atlas das Geschichtsbild in Deutschland wesentlich mitprägte, verstand er selbst sich nicht als Historiker, sondern als Schulmann mit besonderer Neigung für die Geographie.|

  • Auszeichnungen

    sächs. Verdienstorden I. Kl. (1906).

  • Werke

    Weitere W u. a. Gymnasial- u. Realschulaitlas, 1879, 61890 (mit R. Andree);
    Kl. Atlas f. d. ersten|Gesch.unterr., 1889, 61913 u. d. T.: Velhagen & Klasings Kl. Gesch.atlas;
    Die Wohnstätten in d. Amtshauptmannschaft Rochlitz u. d. Verschiebung d. Bevölkerung in d. Zeit v. 1871-1890, Diss. Leipzig 1892. – Zu Walther: Hippocratis quae feruntur epistulae ad codicum fidem recensitae, 1914;
    Wurtznische Creutz- u. Marterwoche, 1937;
    Byzantin Erinnerungen an klass. med. Lit., 1957.

  • Literatur

    A Wolf, 100 J. Putzger – 100 J. Gesch.bild in Dtld. (1877–1977), in: GWU 1978, S. 702-18;
    H. Meyer. Velhagen & Klasing, Einhundertfünfzig J. 1835-1985, 1985;
    I. Hantsche, F. W. P. u. d. „Putzger“, Zur Anfangsgesch. e. Hist. Atlas, in: Internat. Schulbuchforsch., 1997, S. 5-34;
    dies., in: Sächs. Heimatbll., H. 1, 1998, S. 1-12;
    dies., in: Sächs. Lb., IV, 1999, S. 249-68 (P).

  • Autor

    Irmgard Hantsche
  • Empfohlene Zitierweise

    Hantsche, Irmgard, "Putzger, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 24-25 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124215408.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA