Lebensdaten
1665 – 1738
Geburtsort
Halle/Saale
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
Barbierchirurg ; Arzt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 124644694 | OGND | VIAF: 55086186
Namensvarianten
  • Dietze, Johannes
  • Dietz, Johannes
  • Dietze, Johannes
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Orte

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Zitierweise

Dietz, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124644694.html [21.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Johann ( 1707), Seiler u. Fütterinnungsmeister zu Halle;
    M Maria Magd. Nitzsche;
    1) Halle 3.12.1694 Elis. ( 1726), Wwe des Barbiers Aug. Watzlau, 2) Halle 5.6.1727 Maria Magd., Wwe des Seilers Joh. Christian Müller;
    1 T aus 1), 3 T aus 2).

  • Biographie

    Nach harter Kinderzeit kam D. 1681 in die Lehre des Barbierchirurgen G. Schober in Halle. Durch eine Pestepidemie wurde sie unterbrochen. 1684 hatte er ausgelernt und wurde losgesprochen. Seine Wanderjahre begannen. 1686 zog er - nach Arbeiten bei Barbieren in Berlin und Spandau - als Feldscher mit den Soldaten des Großen Kurfürsten nach Ungarn (2. Türkenkrieg Leopolds I.), erlebte die Strapazen des Marsches und der Belagerung von Ofen. Mit den ausgemergelten Truppen kehrte er nach Berlin zurück. Hier ging D. bei dem berühmten Regiments-Chirurgus der kurfürstlichen Leibgarde, Andreas Horch, in Stellung, verließ sie aber bald, arbeitete bei einem hamburgischen Barbier, wurde Feldscher in dänischen Diensten und fuhr dann zweimal als Schiffsarzt mit Walfischfängern nach Grönland. Glücklich kam er von den erlebnisreichen, gefahrvollen Fahrten zurück, ging wieder als Regiments-Feldscher zu den Dänen und gewann Ansehen durch erfolgreiche Kuren. Schließlich nahm er Abschied, um in seiner Heimatstadt eine Barbierstube zu eröffnen. Harte Kämpfe mußte er deswegen mit der Innung austragen. Er siegte über seine brotneidischen Gegner. Nachdem er kurze Zeit wieder auf Reisen und in fremde Dienste gehen mußte (Merseburg, Leipzig, Breslau, Berlin), bewilligte ihm der Kurfürst eine „Frei-Barbierstube“ zu Halle und ernannte ihn zum Hofbarbier. Vor dem Rat der Stadt wurde er ärztlich geprüft und danach als selbständiger Meister mit allen Rechten und Pflichten anerkannt (1694). - D. war kein hervorragender Wundarzt. Besondere ärztliche Leistungen sind nicht von ihm zu melden. Eine naive Seele war es mit einem Schuß Schläue und gottseliger Biederkeit. Kultur- und medizingeschichtlich bedeutsam aber ist die farbenreiche Autobiographie des Siebzigjährigen. Ein treues Bild aus kleinsten Zügen gibt sie vom Leben des Bürgers und Barbierchirurgen des ausgehenden 17. Jahrhunderts bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen. Quellenkundlich besonders wertvoll sind seine eingehenden oft sprunghaften Berichte über seine Grönlandfahrten und den 2. Türkenkrieg.

  • Werke

    Meister J. D., des Gr. Kurfürsten Feldscher u. Kgl. Hofbarbier, hrsg. v. E. Consentius, 1915, Neudruck 1935, engl. Ausg. 1923 (Orig. in Staatsbibl. Berlin).

  • Literatur

    Ärzte-Memoiren aus 4 Jhh., hrsg. v. E. Ebstein, 1923, S. 33-38;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Gunter Mann
  • Zitierweise

    Mann, Gunter, "Dietz, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 707-708 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124644694.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA