Lebensdaten
um 1325 oder 1330 bis 1387
Geburtsort
Nieder-Johnsdorf (Dolní Třešnovec, Bezirk Wildenschwert, Ostböhmen)
Beruf/Funktion
Erzbischof von Magdeburg ; Bischof von Chur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13874999X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Peter
  • Jelito (genannt)
  • Gelyto (genannt)
  • mehr

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Zitierweise

Peter von Brünn, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13874999X.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus niederadeliger Fam.

  • Leben

    P. wuchs in Böhmen und Ungarn auf. Er absolvierte ein Studium in Bologna, Perugia und Rom, erwarb den Grad eines Doktors beider Rechte und wirkte drei Jahre lang unter Innozenz VI. als päpstl. Richter (auditor causarum). Er soll sprachlich sehr begabt gewesen sein und beherrschte auch das Orgelspiel. Zunächst Propst in Eisenstadt und Dekan am Wyschehrad, wurde P. 1356 dank päpstl. Ernennung und Einflußnahme Ks. Karls IV. Bischof von Chur, pflegte aber auch gute Kontakte zu den Wittelsbachern. P.s Tätigkeit als vertrauter Ratgeber und führender Diplomat des Kaisers (Reisen nach Rom u. Avignon) prägte seine Laufbahn. 1365 wies ihm Karl eine Rente aus der Kuttenberger Münze zu. Vielleicht auf Karls und seinen eigenen Wunsch – denn P. entstammte der Gegend – wurde er 1368 vom Papst in das junge ostböhm. Bistum Leitomischl (Litomyšl) eingesetzt. 1371 gründete P. in Landskron (Lanš-kroun) ein aus seinem Eigenbesitz ausgestattetes und auch später von ihm unterstütztes Augustiner-Chorherrenstift, sonst war sein dortiges Wirken wie schon zuvor in Chur eher unbedeutend. Noch im selben Jahr erlangte er durch einen politischen Schachzug des Kaisers die Erzbischofswürde von Magdeburg, wobei sein in Magdeburg resignierender Vorgänger Albrecht sein Nachfolger in Leitomischl wurde. An der erzbischöfl. Kapelle errichtete P. 1373 ein Kollegiatstift, unterstützte als Gefolgsmann des Kaisers trotz verschiedener magdeburg. Ansprüche aktiv die Erwerbung und Sicherung Brandenburgs für die böhm. Krone und war an zahlreichen Bündnissen und Landfrieden beteiligt. In Magdeburg geriet er, auf den Ausbau seiner Machtstellung hinwirkend, in Opposition zum Domkapitel und zur Stadt. Unter Vermittlung des Kaisers kam es 1377 zu einem auf drei Jahre geschlossenen Vertrag zwischen P. und der Stadt. Die Auseinandersetzung mit dem Domkapitel eskalierte aber, als P. mit Gewalt vorging und Domherren gefangen setzte. Über den Konflikt wurde an der röm. Kurie ein Prozeß angestrengt, doch mit dem Tod Papst Gregors XI. und Karls IV. traten Verhältnisse ein, die zusammen mit dem Verharren des Domkapitels auf seiner Position P. 1381 zur Resignation veranlaßten. Nachdem sein Streben nach dem Prager Erzstuhl 1378 erfolglos geblieben war, gelang es ihm immerhin noch 1381 mit Unterstützung Wenzels IV, dessen Rat er angehörte, die Olmützer Bischofswürde zu erwerben. Zur Hebung der desolaten Verhältnisse der Temporalien im Bistum schloß P. 1382 ein Bündnis mit Mgf. Jost und bemühte sich, die Ausstattung der Olmützer Bischofskirche zu verbessern. Der Prager Ebf. Johann von Jenstein, Anhänger Papst Urbans IV., beklagte sich vermutlich 1381 in einem Brief an P, weil er einem einflußreichen Gefolgsmann des Papstes Clemens VII. Schutz gewähre und in seinem Bistum angeblich Häretiker lebten. Der Lebenswandel P.s, der sich mehr als Politiker und Diplomat denn als Bischof verstand, wurde öfter beanstandet.

  • Literatur

    ADB 25;
    Reg. Imp. VIII, Die Regg. d. Kaiserreichs unter Karl IV. 1346-1378, hg. v. A. Huber, 1877;
    Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae XI, hg. v. V. Brandl, 1885;
    J. G. Mayer, Gesch. d. Bistums Chur, 2 Bde., 1907-14;
    J. Schäfers, Personal- u. Amtsdaten d. Magdeburger Erzbischöfe (968–1513), Diss. Greifswald 1908, S. 74-76;
    K. Pohl, Btrr. z. Gesch. d. Bischöfe v. Olmütz im MA, 1940, S. 41 f.;
    V. Medek, Osudy moravské církve do konce 14. věku. 1. díl dějin olomoucké arcidiecéze, 1971, S. 165-69 (ebd. Grabinschr.);
    Helvetia Sacra I/1. hg. v. A. Bruckner, 1972, S. 484 f.;
    Germania Sacra, Das Erzbistum Magdeburg I, bearb. v. G. Wentz u. B. Schwineköper, 1972;
    A. Zelenka, Die Wappen d. böhm. u. mähr. Bischöfe, 1979, S. 91 f. u. 201 f.;
    W. Hölscher, Kirchenschutz als Herrschaftsinstrument, Personelle u. funktionale Aspekte d. Bistumspol. Karls IV, 1985;
    G. Losher. Königtum u. Kirche z. Z. Karls IV., 1985, S. 159 f.;
    F. Kavka, Vláda Karla IV. za jeho císařství (1355-1378) II. díl (1364-1378), 1993;
    O. B. Rader, Ks. Karl IV. u. d. mittlere Elbe-Saale-Raum, in: Sachsen u. Anhalt 20, 1997, S. 267-318;
    M. Lindner, Ks. Karl IV. u. Mitteldtld., in: Kaiser, Reich u. Region, Studien u. Texte aus d. Arbeit an d. Constitutiones d. 14. Jh. u. z. Gesch. d. MGH, hg. v. M. Lindner, E. Müller-Mertens u. O. B. Rader, 1997, S. 83-180;
    Ottův slovník náuční 13;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Lex. MA.

  • Autor/in

    Karel Hruza
  • Empfohlene Zitierweise

    Hruza, Karel, "Peter von Brünn" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 221 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13874999X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Peter von Brünn, Erzbischof von Magdeburg (1371—1381), gelangte unter Zustimmung Kaiser Karls IV., der in ihm wohl einen Förderer seiner Hauspolitik erblickte, und des Papstes durch Tausch mit dem Erzbischof Albrecht, welcher ihm in seinem Bisthum Leutomischl folgte, in den Besitz des Erzstiftes Magdeburg. Die Zeit seines Episcopats ist reich an Zerwürfnissen zwischen ihm einer- und dem Domcapitel und den Städten Magdeburg und Halle andererseits; auch an Fehden mit den benachbarten Fürsten fehlt es nicht. P. war ein Mann von großer Klugheit, der die erzstiftischen Interessen überall wahrzunehmen wußte, dabei aber wenig scrupulös in der Wahl seiner Mittel, unzuverlässig und habgierig. Das Erzstift verdankt ihm mehrere wichtige Erwerbungen. Die durch den Tod ihres letzten Besitzers erledigte Herrschaft Hadmersleben wußte er dadurch beim Erzstift zu erhalten, daß er die Ansprüche eines Seitenverwandten mit Geld abkaufte. Ferner erwarb er von dem Grafen Günther v. Barby die Stadt Schönebeck und von denen v. Wanzleben das Haus Wanzleben. Mit der Neustadt-Magdeburg vereinigte er das daranstoßende Dorf Frose und trug dadurch nicht wenig zu einem weiteren Aufschwunge dieser Stadt bei.

    Mit Halle, der zweitwichtigsten Stadt des Erzstifts, überwarf er sich bereits 1373 wegen der erzbischöflichen Gefälle von den Salzgütern. Dazu kamen im folgenden Jahre neue Streitpunkte, die schließlich dahin führten, daß der Kaiser auf Betreiben des Erzbischofs die Stadt in die Acht erklärte. Als die Stadt dem Erzbischof eine namhafte Summe bezahlt und dadurch die Aufhebung der Acht erlangt hatte, brachen neue Streitigkeiten aus, welche beide Theile veranlaßten, sich nach Rom zu wenden. Noch ehe aber eine endgiltige Beilegung des Streites zu Stande kam, gab P. sein Erzstift auf. — Auch mit der Stadt Magdeburg kam es zu Zerwürfnissen. Das im Anfange seines Episcopats ziemlich leidliche Verhältniß zwischen ihm und der Stadt erlitt dadurch Einbuße, daß P. die Rechte des bischöflichen Officials auf Kosten des Gerichtes des Dompropstes, wodurch die Interessen der Bürgerschaft verletzt wurden, zu erweitern strebte. Dazu kamen noch andere Differenzen, welche den Riß zwischen Landesfürst und Stadt noch vergrößerten. Erzbischof und Stadt wandten sich beide an Kaiser Karl IV., welcher sich damals in der Altmark aufhielt. Nach langen Verhandlungen kam am 12. Juni 1377 ein Vertrag auf drei Jahre zwischen beiden Parteien zu Stande, welcher die streitigen Punkte schlichtete und zur Beilegung der innerhalb dieser Zeit etwa entstehenden Streitigkeiten vier Schiedsrichter, je zwei des Erzbischofs und der Stadt, ernannte. Wenige Tage darauf machte der Kaiser der Stadt einen Besuch und wurde hier festlich empfangen. — Jahrs darauf kam es zu einem Zerwürfniß zwischen dem Erzbischof und dem Domcapitel. Der Erzbischof verfuhr eigenmächtig und gewaltthätig gegen das Domcapitel, erpreßte Geld von ihm und nahm einige seiner Mitglieder gefangen. Er wandte sich nach Rom, um hier gegen das Domcapitel klagbar zu werden. Als aber in dieser Zeit durch den Tod des Papstes Gregors XI. (27. Mai 1378) und Kaiser Karl's IV. die ganze Lage sich änderte, auch das Domcapitel in seiner Opposition beharrte, verzichtete er, wol mehr unter dem Druck der jetzt eingetretenen Politisch-kirchlichen Verhältnisse als freiwillig, auf sein Erzstift, das der Papst Markgraf Ludwig von Meißen, der bereits früher zum Erzbischof|von Mainz ernannt war, verlieh, wogegen P. das Bisthum Olmütz erhielt (Mai 1381).

    Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium bei Pertz, Mon. Germ. hist. Script. XIV, S. 444, 8, 9. — Magdeburger Schöppenchronik (= Deutsche Städtechroniken Bd. VII) S. 207, 261 ff. — v. Dreyhaupt, Saal-Creyß I, S. 84 ff. — Sagittarius, Hist. ducat. Magdeburg. bei Boysen, Histor. Magazin IV, S. 36—48.

  • Autor/in

    Janicke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Janicke, Karl, "Peter von Brünn" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 464-465 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13874999X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA