• Leben

    Nach der in 3 Ausführungen des 10. und 11. Jahrhunderts vorliegenden Vita soll der aus dem Bistum Cambrai stammende und in Regensburg zum Priester geweihte H. nach dem Tode des Milo ( um 757/62) durch König Pippin zum Bischof von Trier erhoben worden sein, später aber Trier verlassen und das Kloster Moyenmoutier gegründet haben. H. fehlt in den älteren Trierer Bischofslisten. Die Erhebung auf den Trierer Stuhl ist auch aus zeitlichen Gründen unhaltbar, doch fällt damit nicht der bischöfliche Rang H.s, dessen Lebenszeit freilich früher anzusetzen ist. 698 erhoben – nach der Datierung von Wampach – die Bischöfe H., Clemens und Clodobert die Gebeine des Trierer Bischofs Maximinus und setzten sie an einer würdigeren Stelle im Bering der später nach Maximinus benannten Trierer Abtei bei. Bischof Clemens ist nach Wampach identisch mit dem heiligen Willibrord, der 695 bei seiner Bischofsweihe in Rom den Beinamen Clemens erhalten hatte. Da für 698 und früher Basin als Bischof von Trier bezeugt ist, dem sein Neffe Liutwin im Amt folgte, kann H. nicht Bischof von Trier gewesen sein. Man hat ihn als Mönchbischof von Sankt Maximin beziehungsweise als Abt-Bischof von Moyenmoutier angesehen, doch scheidet die Möglichkeit eines Mönchbischofs von Sankt Maximin wohl aus, weil H. in der Abtsliste dieses Klosters nicht genannt wird. Größere Wahrscheinlichkeit hat die Vermutung, die bereits von Rettberg und Kraus ausgesprochen und jüngst von Ewig wiederaufgenommen wurde, daß H. Chorbischof des Bistums Trier war, bevor er sich ins Kloster zurückzog. Sein Weg führte ihn wohl von Sankt Maximin über Saint Dié nach Moyenmoutier. Für seinen Ausgang von Sankt Maximin sprechen nicht zuletzt die von Moyenmoutier aus gegründeten Maximinkirchen im Elsaß.

  • Literatur

    ADB XII (F. X. Kraus);
    F. W. Rettberg, KG Dtld.s I, 1846;
    C. Wampach, Gesch. d. Grundherrschaft Echternach im FrühMA, 1929/30, 1,1 S. 53, 61;
    E. Ewig, Trier im Merowingerreich, 1954, S. 131 f.

  • Autor/in

    Ferdinand Pauly
  • Empfohlene Zitierweise

    Pauly, Ferdinand, "Hildulf" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 137 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13766110X.html#ndbcontent

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  • Leben

    Hildulf wird in verschiedenen Trierer Bischofskatalogen als Erzbischof im 7. bez. 8. Jahrhundert aufgeführt; indessen ist weder seine Existenz sicher, noch der Platz, den man ihm eventuell in der Reihenfolge der Erzbischöfe anzuweisen hat. Die von den Gesta Treverorum benutzte Vita s. Hildulphi ist spät, und gehört wol dem 10. Jahrhundert an. Genannt wird Hildulf in der anonymen Vita s. Maximini (Act. SS. Mai VII 23, c. 2. n° 9), nach welcher er in Verbindung mit zwei anderen unbekannten Bischöfen Clemens und Lothbertus die Gebeine des heiligen Maximin aus der älteren vom Wasser überschwemmten Krypta nach einem gesicherten Ort transferirte. Seine Vita und die Gesta lassen ihn im Gebiete der Nervier (Brower denkt der Noriker) geboren werden, in Regensburg erhält er seine Erziehung, wird dann nach Milo's Tode (757) von Pipin zum Erzbischof von Trier gemacht und baut als solcher die ecclesia s. Johannis Baptistae iuxta cellam s. Hilarii in campo Martio, wohin er die Reliquien des heiligen Maximin aus S. Eucharius überbringt. Später zieht er sich in die Vogesen, ins Touler Bisthum zurück, wo er drei Zellen baut, in deren mittelster er Mönch wird und stirbt. Eine weitere Streitfrage ist die Betheiligung an der Gründung des Klosters S. Deodat (vallis Galilaeae), für welche Thatsache man sich auf ein Privileg berufen hat, welches indessen in ganz gleicher Ausführung mit dem Namen des Bischofs Numerian angeführt wird (s. Hontheim I, 84. Mabillon, Ann. I, 496). Hontheim setzt mit Mabillon, Henschen und Belhomme Hildulf gegen Ende des 7. Jahrhunderts hinter Numerian und erklärt das Fehlen seines Namens in den meisten Bischofslisten daraus, daß Bischöfe, die ihren Stuhl vor ihrem Tode verließen, in den Katalogen häufig ausgelassen wurden. Die ältesten Kataloge verschweigen in der That seinen Namen, nur der Echternacher setzt ihn nach Milo ein; ich glaubte daher (Bonn. Jahrb. XXXVIII, 43) ihn aus der Trierer Bischofsliste streichen und mit Rettberg als Regionarbischof ansehen zu müssen. Seither hat Friedrich, Kircheng. Deutschl. II. 197—207 ihn als Trierer Erzbischof zu retten gesucht. Auch er setzte ihn ins Ende des 7. Jahrhunderts, da als Milo's Nachfolger jetzt Harthamus urkundlich festgestellt ist. Friedrich nimmt dann weiter als einzige sichere Nachricht über Hildulf's Leben an, daß er sich von seinem Bisthum in die Nähe seines Freundes, des früheren Bischofs von Nevers, Deodatus, zurückgezogen und das Kloster Moyen-Moutier (Medianum Monasterium) gegründet, dann aber als Abt von S. Deodat gestorben sei. Dagegen hält auch er Hildulf's Verbindung mit dem heiligen Erhard von Regensburg, dessen Bruder und Gehülfe bei der Heilung der heiligen Odilia er gewesen sein soll (Vita S. Deodati bei Mabillon. Acta III. 2. 479) für eine spätere Erfindung.

    • Literatur

      Gesta Trev. c. 39. Hontheim. Hist. dipl. I, pag. LXI f. Rettberg, Kircheng. Deutscht. I, 301. 467. 523. Friedrich a. a. O. Görz, Regest. d. Erzb. v. Trier p. XIII. Dess. Mittelrhein. Regesten I, 69. Kraus. Bonn. Jahrb. XXXVIII, 42. XLIV, 164 f. C. Belhomme, Hist. Mediani in Monte Vosago Monasterii. Argentor. 1724.

  • Autor/in

    F. X. Kraus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Franz Xaver, "Hildulf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 412 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13766110X.html#adbcontent

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