Lebensdaten
1895 bis 1953
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Probstzella (auf der Reise)
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 136119131 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koelle, Fritz
  • Coelle, Fritz

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Zitierweise

Koelle, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136119131.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf Friedrich (1845–1921), seit 1879 Fabr. v. Eisenkonstruktionen f. Gewächshäuser u. Warmwasser-Heizanlagen, S d. Gärtnereibes. David Jakob in Ulm u. d. Euphrosine Braunwarth;
    M Walburga (1858–1921), T d. Gärtnereibes. Josef Graf in München-Sendling;
    München 1925 Elisabeth (1890–1974, kath.), Malerin u. Pastellzeichnerin (s. Vollmer), T d. Steigers Heinrich Karman in St. Ingbert u. d. Elisabeth Lösch;
    1 S.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Realschule in Augsburg und Nördlingen 1906-08 erlernte K. das Spenglerhandwerk, dessen Beherrschung sich im späteren künstlerischen Schaffen als nützliche technische Grundlage erweisen sollte. 1911/12 nahm er an Kursen für Gravieren und Ziselieren an der Fachschule für Edelmetall-Industrie in Schwäbisch-Hall teil und arbeitete 1912 als Goldschmied in München. Die Ausbildung an der Staatsschule für angewandte Kunst in München 1913/14 schloß diesen ersten Abschnitt des künstlerischen Werdegangs ab. 1914 ging K. als Kriegsfreiwilliger an die Westfront. 1917-23 setzte er sein Studium an der Münchner Kunstakademie fort, zuletzt als Meisterschüler bei Hermann Hahn. Studienreisen durch Norddeutschland und Dänemark (1920), Italien (1924, 1926) und Frankreich (1926) weiteten seinen Blick und machten ihn mit Plastiken aus der Antike und der Renaissance bekannt. Seit 1923 war K. Mitglied der Münchner Neuen Sezession, deren Ausstellungen er seit 1920 regelmäßig beschickte. Nachdem bereits 1914 seine erste Plastik im Glaspalast gezeigt worden war, kaufte Ludwig III. 1916 den „Löwen mit den drei Kugeln“ an. Die Stadt München erwarb 1917 das Modell eines Mädchenakts und erteilte K. 1920 den Auftrag für die Muschelkalkfigur des sitzenden Mädchens („Spiel der Wellen“) an der Reichenbach-Brücke. 1923/24 war er in ersten Kollektivausstellungen bei Caspari und bei Thannhauser in München vertreten, 1927 zusammen mit Käthe Kollwitz in einer solchen, welche die Preußische Akademie der Künste in Berlin veranstaltete. Die Berliner Nationalgalerie erwarb daraufhin die Plastik „Bergmann vor der Einfahrt“, der erste Ankauf aus Bayern nach Werken Adolf von Hildebrands. Max Liebermann schlug K. für eine Professur in Berlin vor (1929); die bayerische Regierung hatte ihm jedoch die Nachfolge Hahns in Aussicht gestellt und ihm 1927 ein Atelier in München eingerichtet. Die Zusicherung einer Berufung an die Akademie der bildenden Künste wurde nach 1933 nicht eingelöst; vielmehr wurde 1933 die Bronzeplastik „Der Blockwalzer“ (1929), die 1930 auf dem Münchner Melusinenplatz (heute Karl-Preis-Platz) aufgestellt worden war, als abschreckendes Beispiel „bolschewistischer Kunstauffassung“ entfernt; erst 1976 kehrte die Plastik zurück.|Während des 3. Reichs stand K. unter mißtrauischer Beobachtung durch Parteidienststellen, konnte jedoch dank seines hohen Ansehens weiterarbeiten. Seine Plastiken gehörten 1937-44 zu den wertvollsten Werken im Haus der deutschen Kunst in München. 1935 schuf er die schöne Medaille anläßlich der Rückkehr des Saarlandes. Der „Isarflößer“ (1937/38) auf der Münchner Lände und „Der Hochofenarbeiter“ (1938, von der MAN gestiftet) in Augsburg gehören zu den zahlreichen Werken, die K.s Verbindung zu diesen beiden Städten demonstrieren.

    Seine besondere Zuneigung galt jedoch den Bergarbeitern des Saarlandes. Seit 1922 hat er sich dort immer wieder studienhalber aufgehalten. Er ging mit den Arbeitern zur Schicht, fuhr mit ihnen in die Gruben ein, zeichnete und modellierte. Hermann Röchling stellte ihm 1928 auf seinem Werksgelände in Völklingen ein Atelier zur Verfügung. Das Erleben schwerer körperlicher Arbeit in der väterlichen Werkstatt hatte schon früh K.s Neigung für die Welt der Arbeiter geweckt. „Nicht soziales Mitleid hat mich zu meinen Arbeiten getrieben“, bekennt er, „sondern Achtung“. Er befreite die Gestalt des Arbeiters von idealistischer Verbrämung und gab ihr eine zugleich unpathetische wie selbstbewußte Haltung. Steht der Mensch als wesentlichstes Sujet im Mittelpunkt von K.s Schaffen, so nicht so sehr als Individuum denn als Typ: als d e r Eisengießer, Bergmann, Häftling schlechthin. Trotzdem ist nichts Klischeehaftes an den Figuren; sie haben einprägsame Gesichter und eine unverwechselbare Gestik. In den Frühwerken ist der Einfluß Constantin Meuniers spürbar. Das Vorbild der Antike und der italienischen Renaissance bleibt gegenwärtig, ohne K.s realistischexpressionistischem Stil Fesseln anzulegen. Georg Kolbe, Alexander Fischer und Fritz Cremer gehörten zu seinen Freunden, Richard Scheibe war ihm geistig verwandt.

    Weniger bekannt sind K.s Mädchen- und Frauengestalten, bei denen er auf jeden Schein sinnlicher Schönheit verzichtet, sowie kleinformatige Tierbronzen. Unter dem Einfluß Hahns hat er außerdem die Kunst der Bildnisbüste gepflegt. Der frühen Porträt-Terrakotta des Vaters von 1921 schließt sich eine Reihe von Selbstbildnissen an (1924-47), Genannt seien die Büsten „Der Walzmeister“ (1928), Friedr. List (1943, für die Walhalla), Elias Holl (1943/44) und Karl Marx (1952). Graphische Blätter weisen K. als treffsicheren Zeichner aus.

    Mißgünstige Kritiker, die K.s Realismus ebenso mißverstanden wie die offiziellen Stellen des 3. Reiches, verdächtigten ihn nach Kriegsende der Anpassung an Erwartungen der nationalsozialistischen Kunstpolitik und verhinderten eine Berufung an die Münchner Akademie. So nahm K. 1949 einen Ruf nach Dresden, 1950 einen solchen nach Berlin-Weißensee an, behielt jedoch sein Atelier in Geiselgasteig, in dem er seit 1937 arbeitete, weiterhin bei. 1947 wurde sein „KZ-Häftling“ auf dem Gelände des Konzentrationslagers Dachau aufgestellt. 1951/52 entwarf er für die Berliner Humboldt-Universität sieben Standfiguren, die auf der Attika des klassizistischen Mittelbaus „Unter den Linden“ ihren Standort erhalten sollten. Die Entwürfe des Bergmanns, Hammermeisters und Hochofenarbeiters, des Gelehrten, des Sämanns, der Schnitterin und des Holzfällers konnten von K. nur noch in kleinplastischen Fassungen ausgearbeitet werden.

  • Werke

    Weitere W in: Nat.gal. Berlin, German. Nat.-mus. Nürnberg, Städt. Gal. Leipzig, Wallraf-Richartz-Mus. Köln, Saarland-Mus. Saarbrücken, Staedel Frankfurt, Mus. Homburg, Städt. Gal. München, Städt. Gal. Münster/Westf., Staatl. Lindenau-Mus. Altenburg/Thür., Staatsgal. München, Folkwang-Mus. Essen, Stadt München, Stadt Nürnberg, Stadt Augsburg, Stadt Saarbrücken, Stadt St. Ingbert, Slg. Dr. R. Schwarz, Slg. Kohl-Weigand u. a. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Augsburg, Schaezler-Haus (künstler. Nachlaß); Nürnberg, German. Nat.mus. (schriftl. Nachlaß).

  • Literatur

    A. Hentzen, Dt. Bildhauer d. Gegenwart, 1934;
    P. Breuer, Münchner Künstlerköpte, 1937;
    E. Kammerer, F. K., 1939;
    B. E. Werner, Die dt. Plastik d. Gegenwart, 1940;
    G. Händler, Zeichnungen dt. Bildhauer d. Gegenwart, Ausstellungskat. Homburg, 1957 (mit Aufsatz v. N. Lieb, S. 23-43, Abb., Selbstbildnis v. 1932);
    R. W. Eichler, Künstler u. Werke - Maler, Bildhauer u. Graphiker unseres Jh. im dt. Sprachraum, 1962, 21965;
    Plastik Slg. F. K., Schaezler-Haus Augsburg o. J. (Abb., Selbstbildnis v. 1941);
    R. Schwarz, Erinnerungen aus d. Sicht d. Kunstmäzens, in: Portraits 2, 1975;
    H.-J. Starczewski, F. K., e. dt. Bildhauer, ebd.;
    F. Koelle (S), Ein dt. Bildhauer, aus d. Sicht d. Sohnes, ebd. 3, 1376;
    Ausstellungskat. German. Nat.mus. Nürnberg, 1978 (Dokumente, Abb., P);
    ThB;
    Vollmer.

  • Autor/in

    Richard W. Eichler
  • Empfohlene Zitierweise

    Eichler, Richard W., "Koelle, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 320 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136119131.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA