Lebensdaten
erwähnt 1486, gestorben spätestens 1525
Geburtsort
Speyer
Beruf/Funktion
Buchhändler ; Buchdrucker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135974224 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kystler, Bartholomäus
  • Küstler, Bartholomäus
  • Kysteller, Bartholomäus
  • mehr

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Zitierweise

Kistler, Bartholomäus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135974224.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Else Birg ( 1513);
    1 T.

  • Leben

    Anscheinend als Illuminator, Kartenmaler, Kalligraph tätig, erwarb K. 1486 in Straßburg das Bürgerrecht. Seit 1497 finden wir ihn dort als Drucker „vff grieneck“, dem Hofe zum Grüneck, wie er meist firmierte. Beim Münster unterhielt er einen Buchladen. Als Vertreter der Goldschmiedezunft „zur Stelz“ war er 1517-20 Ratsmitglied. – Bis 1510 gingen aus seiner Offizin etwa 32 fast ausschließlich deutschsprachige Drucke hervor. K. begann mit dem Columbusbrief (Ein schön hübsch lesen von etliche inszlen) und Johann Lichtenbergers „Prognosticatio zu tüetsch“, der 1499 eine lateinische Ausgabe folgte. 1498 erschienen einige Heiligenlegenden (Hiob, Paulus, Antonius), 1501 die der heiligen Anna. 1499 druckte er des Guido de Columna Historie von der Stadt Troja, Thomas Lirars „Cronica von allen künig und keisern“, die Reisebeschreibung des Johann von Mandeville, übersetzt von Otto von Diemeringen (Von der erfarüng), den „Goldenen Esel“ des Apulejus, 1502 die astrologische „Practica tütsch“ des Johann Schrotbank, 1503 den „Lucidarius“ und die „Geschicht des großen Allexanders“, 1504 eine balneologische Schrift von Hans Folz (Von allen paten die von natur heisz sind), 1505 den „Sigenot“, zuletzt, 1510, das Habichtsbuch und den Dietrich von Bern. – Die Presse diente dem volkstümlich unterhaltenden, belehrenden und erbaulichen Schrifttum, dem auch K.s Liederdrucke zuzurechnen sind. Mit Unternehmungsgeist und mindestens zeitweiligem Erfolg setzte K. damit die Richtung im frühen Buchdruck fort, die der sich ausbreitenden bürgerlichen Laienbildung entsprach, und deren sich in Straßburg zuvor Heinrich Knoblochtzer und Martin Schott angenommen hatten.

    K. illustrierte seine Drucke mit Holzschnitten, wie es dem lebhaften Bedürfnis der Leser dieser Literatur nach bildlicher Anschauung entsprach. Damals war unter den straßburgischen Druckern Johann Grüninger vom Umrißholzschnitt zum schraffierten Holzschnitt übergegangen, mit dessen Schwarzweißeffekten sich malerische Wirkungen erzielen ließen, ohne daß es der nachträglichen Handkolorierung bedurfte. Nicht zuletzt war es wie bei Grüninger geschäftliche Spekulation, die auch K. alsbald die neue graphische Technik nutzen ließ. Verwendete er 1497-99 Holzschnitte mit scharfer, eckiger Strichführung und heller Bildtönung, so wurden seither die Bilder weicher, dunkler, plastischer. Allenfalls zwei dieser Illustrationen mögen von K.s Hand stammen. – Als K. um 1510 die Buchhandlung und wahrscheinlich zugleich die Druckerei an Mathis Hupfuff verkaufte, gingen die Holzschnitte in dessen Besitz über, mit denen er bis 1516 druckte. Von ihm kamen die Druckstöcke mit Hupfuffs eigenen Holzschnitten, die wohl aus derselben Formschneiderwerkstatt stammen wie diejenigen K.s, zu Johann Knoblochdem Älteren. Muß der künstlerische Wert dieser Holzschnitte auch geringer angeschlagen werden als der der Illustrationen Grüningers, so bilden sie doch innerhalb der Entwicklung des lokalen straßburgischen Illustrationsstils eine besondere Gruppe, die sich bis gegen 1530 verfolgen läßt.

  • Literatur

    ADB 17;
    Ch. Schmidt, Zur Gesch. d. ältesten Bibliotheken u. d. ersten Buchdrucker in Straßburg, 1882;
    ders., Répertoire bibliographique strasbourgeois jusque vers 1530, Fasc. 4, 1893;
    P. Kristeller, Die Straßburger Bücher-Illustr. im 15. u. im Anfange d. 16. Jh., 1888;
    A. Schramm, Der Bilderschmuck d. Frühdrucke 20, 1937;
    F. Ritter, Hist. de l'imprimerie alsacienne aux XVe et XVIe siècles, 1955;
    Benzing, Buchdrucker;
    F. Geldner, Die dt. Inkunaldrucker I, 1968.

  • Autor/in

    Hans Lülfing
  • Empfohlene Zitierweise

    Lülfing, Hans, "Kistler, Bartholomäus" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 688 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135974224.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kystler: Bartholomäus K. (Bartholomeß Kistler), straßburgischer Buchdrucker beim Uebergang des 15. in das 16. Jahrhundert. Wie bei einer nicht geringen Anzahl seiner Landsleute, welche in Straßburg die Typographie betrieben, so ist auch der äußere Lebensgang dieses Druckers nur wenig bekannt. Gebürtig von Speier, wo sein Familienname noch heute vorkommt, war er seines Zeichens Maler (Kalligraph, Illuminator, Goldschreiber, Kartenmaler), erkaufte sich 1486 das straßburgische Bürgerrecht und errichtete eine Druckerpresse. Sein Name erscheint bei der schwankenden Rechtschreibung jener Zeit, die sich auf Unregelmäßigkeiten selbst des eigenen Namens erstreckte, als Kystler, Küstler, Kysteller und, sofern dies nicht ein Druckfehler, auch als Kysteleler. Seine Officin befand sich, wie er dies auf mehreren seiner Drucke anzeigt, „vff grüneck"; es war dies ein Gebäude, genannt „der Hof zu Grienecke“, dem Spital gegenüber, das unter dieser Bezeichnung in städtischen Urkunden bereits 1370 vorkommt und eigentlich Sand- oder Uferecke bedeutet, vgl. Schmidt, Straßburg. Gassen- und Häuser-Namen, S. 50—51, 69. Seine Thätigkeit fällt zwischen die Jahre 1497 und 1509, innerhalb deren er|etwa 30 deutsche und zwei kleine lateinische Tractate, durchaus nicht unwerthen Inhalts und zumeist der Volkslitteratur angehörige Schriften ausgehen ließ, weshalb Schöpflin (Vindiciae p. 111), welcher allerdings nicht mehr als zwei Bücher von ihm kannte, Unrecht hatte, ihn als einen „Typographus infimae classis“ zu charakterisiren. Auch besaß er (nach Ch. Schmidt, Zur Geschichte der ältesten Buchdrucker in Straßburg, S. 120) beim Münster einen Buchladen, den er 1509 an den Buchdrucker Hupfuff abtrat, wie es auch wahrscheinlich ist, daß, weil in der Folge Hupfuff auch einiger Holzstöcke des K. sich bediente, dieser auch seine Druckerei damals aufgegeben habe. Von 1517—20 war er Mitglied des Rathes für die Zunft „zur Stelz“ und da im J. 1525 der Buchdrucker Grüninger zum Vormund seiner Tochter Agnes bestellt wurde, so muß er wol in diesem Jahre gestorben sein. Wir verzeichnen hier — mit abgekürzten Titeln — seine wichtigsten Drucke. „Ein schön hübsch lesen von etlichen inßlen“, 1497 (vff sant Jeronymus tag); es ist die alte Uebersetzung eines spanischen Briefes, den Chr. Columbus über die von ihm gemachten Entdeckungen an den König Ferdinand von Spanien soll geschrieben haben, vgl. Hummel, Neue Bibliothek I. 15 ff., Meusel, Histor. Litter. 1782, II. 470. „Prenosticatio zu teutsch die do vßdruckt glücks vnd vnglücks die große Conjunction vnd die Eclipsis ...“ Am Ende: „Geben in der fenstern gassen vnderm gespenetem eychbaum Im iar M.CCCC.Lxxxyiij am ersten tag des Aprilis durch den pilgrym Ruth der in welden verborges lyt des ougen synt dunckel worden der griffel zyttert vonn alter ... 1497 (am letzten tag des Octobers), 4“. Es ist dieses eine deutsche Ausgabe von Johann Lichtenberger's Weissagungen. „Joh. von Mandavilla Beschreibung von manchen Ländern ... Von Otto von Diemeringen einem Thumherrn tzu Metz .. us Wälsch vnd us Latin zn tütsch verwandelt“. Mit Holzschnitten, 1499, Fol. Mandeville's ( 1371) 1356 verfaßtes Reisewerk erschien in englischer, lateinischer, französischer und italienischer Sprache. Vgl. Fabricius, Bibl. lat. med. et inf. aet. IV. 289 und Eichhorn, Gesch. der Litt., II. 337. Ueber den Uebersetzer weiß ich nichts beizubringen. „Das Buch der Geschicht des großen Alexanders", 1503, Fol.; „Dises püchlin saget vnß von allem pate ...", am Ende: „Wünscht in hās foltz barbirer“, 1504, 4. „Wunderbarliche Geschichte, dir do geschehen seynt von Geistlichen Weybspersonen in disen Joren ...“, 1505 (gedruckt XV. vnd Y.). Ein Nachdruck einer gleichbetitelten, 1501 durch Conrad Baumgarten zu Olmütz gedruckten kirchengeschichtlich merkwürdigen Schrift, die von den Dominikanern behauptete Lehre von der „unbefleckten Empfängniß Maria“ betreffend. Auf der Rückseite des ersten Blattes wird der Inhalt dieses Buches folgendermaßen näher angezeigt: „Dy Nochfolgende schrifft sagt von der geystlichen iuncfrawen, schwester Lucia von Nernia ... wie sie vnd welchir moß auß gnad vnd schickung gotis eyn besunder hailig ... leben ... tzu ferrar in walschen landen fuerth“. Kystler's letzter Druck datirt aus dem Jahre 1506 „an Zinstag nach halb fast": „Diß büchlin saget von der | peine so do bereyt seind allen denn die do sterben | jn tod finde ...“

    • Literatur

      Orlandi, Origine, p. 206. Panzer, D. A. I. 229 und dessen lat. A. II. 133, IV. 45. 60, VI. 396. 403. Hain, 10080—89. Weller, Rep., S. 424—25. Chr. Schmidt, Livres et bibliothèques ... vgl. d. vollständ. Titel bei Georg Hußner, am Schlusse. Straßburgische Gassen- und Häuser-Namen, S. 50—51, 69. C. Schmidt, Zur Gesch. d. ältesten Bibliotheken und d. ersten Buchdrucker zu Straßburg, S. 120.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Kistler, Bartholomäus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 447-448 unter Kystler [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135974224.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA