Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Chemieindustrielle
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 131435329 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schleusener
  • Schleußner
  • Schleussner
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Zitierweise

Schleussner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131435329.html [17.11.2018].

CC0

  • Leben

    Die Familie stammt ursprünglich aus Schmiedebach (Thür.), wo um 1560/70 der Bauer Hans belegt ist. Dessen Sohn Hans (1598–1668) ließ sich als Maler in Gera nieder, wo seine Nachkommen in die bürgerlich-städtische Oberschicht aufstiegen. Christoph (1638–1708) war wie sein Vater Hans Kunstmaler, sein Sohn Johann (Hans) Christoph (1664–1736) Konrektor am Geraer Gymnasium. Weitere Nachkommen Christophs waren: Johann Christoph (1717–61), Rechtskonsulent und Stadtrat in Gera, Johann Friedrich (1750–1814) lgfl. hessenhomburg. Regierungsrat und Friedrich Heinrich (1788–1837) ghzgl. hess. Obereinnehmer in Biedenkopf. Letzterer war in 2. Ehe mit Caroline Kärchner (1802–76) aus Darmstadt verheiratet. Aus dieser Ehe gingen 6 Kinder hervor, darunter Carl (1830–99). Nach einer Apothekerlehre bei seinem Bruder Emil (1814–69) in Romrod studierte er seit 1856 in Gießen Chemie, wo er 1857 zum Dr. phil. promoviert wurde. 1860 heiratete er in Frankfurt/M. Elisa Rinn (1838–71), übernahm die Siegellackfabrik seines Schwiegervaters Franz Rinn (1801–65) und gründete noch im selben Jahr die Firma „Dr. C. Schleussner“, die zunächst wohl pharmazeutische Produkte herstellte, gegen Ende der 1860er Jahre aber auch zunehmend Chemikalien für die Photographie produzierte. Als eines der ersten Unternehmen in Deutschland brachte die Firma Dr. C. Schleussner 1881 Trockenplatten auf den Markt.

    1892 übertrug Carl die Leitung des Unternehmens seinen beiden Söhnen Carl Friedrich (1864–1928) und Dr. rer. nat. Carl Moritz (1868–1943), der als Chemiker die weitere Entwicklung des Unternehmens maßgeblich bestimmte. Bereits 1896, kurz nach der Entdeckung der X-Strahlen durch Wilhelm Röntgen (1845–1923), begann das Unternehmen mit der Herstellung von Negativmaterial für die medizinische und wissenschaftliche Röntgenphotographie. Ein Jahr später erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft als „Trockenplattenfabrik a. A. vorm. Dr. C. Schleussner“. Carl Moritz gehörte außerdem zu den Pionieren der Stummfilmproduktion: 1908 gründete er die „Dt. Bioscop GmbH“, die u. a. die Filme „Der Golem“ (1920) und „Der Student von Prag“ (1912) (auf Schleussner-Filmmaterial) produzierte. Unter hohen finanziellen Verlusten trennte er sich seit 1914 von seinen Anteilen an dieser Gesellschaft, die 1917 in der UfA aufging. 1919-24 war er als Abgeordneter der Dt. Volkspartei Mitglied der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung.

    Sein Sohn Carl Adolf (1895–1959), der 1920 in das Unternehmen eingetreten war, übernahm 1926 die Leitung der „ADOX Fotowerke Dr. C. Schleussner AG“, während sich Carl Moritz auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden zurückzog. 1927 verlegte das Unternehmen die Produktion der Foto- und Röntgenfilme sowie der Fotopapiere und -chemikalien in ein neu errichtetes Werk in Neu-Isenburg, während die Fotoplattenproduktion in ein von seinem Bruder Walter Carl (1900–56) geleitetes Zweigwerk in Köln verlagert wurde. Carl Adolf und sein Vater Carl Moritz gehörten zu den Pionieren des Rundfunks und 1923 zu den Mitbegründern der „Südwestdt. Rundfunk(dienst) AG“ (SÜWRAG) in Frankfurt/M., aus der später der Hess. Rundfunk hervorging. Während Carl Moritz bis 1932 Aufsichtsratsvorsitzender der SÜWRAG war, fungierte Carl Adolf als Deputierter des Aufsichtsrats im Vorstand und hielt einen Tag nach Sendebeginn am 2.4.1924 den ersten Rundfunkvortrag. 1932 wurde die SÜWRAG verstaatlicht. Wegen der Zusammenarbeit mit dem jüd. Intendanten Hans Flesch (1896–1945) sah sich insbesondere Carl Adolf heftigen Anfeindungen der Nationalsozialisten ausgesetzt und wurde noch 1933 entlassen. 1962 verkaufte die Familie das 1938 in eine GmbH umgewandelte und seit dem Tod von Carl Adolf von seinen beiden ältesten Söhnen Dr.|agr. Carlfried (* 1923) und Dr. rer. nat. Hans (* 1927) geleitete Unternehmen an den amerik. Chemiekonzern DuPont. 1946 gründete Carl Adolf das Biotest-Serum-Institut zur Herstellung von Blutgruppen-Testseren, Blutkonserven und Infusionslösungen und übertrug im folgenden Jahr seinem Sohn Hans die Leitung des Unternehmens, das 1948 als erstes in Europa ein Serum zur Bestimmung des Rhesus-Faktors entwickelte. 1987 erfolgte die Umfirmierung in „Biotest AG“ und die Übersiedlung nach Dreieich.

  • Literatur

    Schleussner Brevier, 1954;
    I. Schleußner, Schleußner, Gesch. e. in Thür., Franken u. Hessen beheimateten Geschl. u. seiner Ahnen, 1959;
    N. M. Wasche, Die Dr. Schleussner Fotowerke 1860-1962, Ein Fam.unternehmen im Wandel d. Zeit, Mag.arb. Frankfurt/M. 1994 (ungedr.);
    Frankfurter Biogr.

  • Autor/in

    Ulrich Eisenbach
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Eisenbach, Ulrich, "Schleussner" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 68-69 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131435329.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA