Lebensdaten
1892 bis 1979
Geburtsort
Aglasterhausen (Baden)
Sterbeort
Berlin (Ost)
Beruf/Funktion
kommunistischer Politiker ; Historiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 129711691 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schreiner, Albert Hermann
  • Schindler (Deckname)
  • Schreiner, Albert
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Zitierweise

Schreiner, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129711691.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus soz.dem. Arbeiterfam.;
    V N. N., Metalldreher;
    M N. N;
    Stuttgart 1918 Emma Hermann (1892–1973).

  • Leben

    S. trat während einer 1911 abgeschlossenen Lehre als Maschinenschlosser in Stuttgart 1908 in die Sozialistische Arbeiterjugend und 1910 in die SPD ein. 1912 zum Militärdienst eingezogen, nahm er am 1. Weltkrieg als Frontsoldat teil. Im Okt. 1918 wurde er in den Stuttgarter Arbeiter- und Soldatenrat gewählt und war Ende November kurzzeitig|Kriegsminister in der ersten württ. Nachkriegsregierung. Als Mitbegründer der KPD in Württemberg beteiligte sich S. an den Januarkämpfen der Partei. Nach Verbüßung zweier kurzer Haftstrafen setzte ihn die Parteiführung 1921 als Chefredakteur der „Süddt. Arbeiterzeitung“ (Stuttgart) ein. Ein Jahr später wurde er Landesvorsitzender des KPD-Bezirks Württemberg. 1923 war S. an den Vorbereitungen des kommunistischen Aufstands in Hamburg beteiligt und floh nach dessen Scheitern in die Sowjetunion. Nach seiner Rückkehr 1924 wirkte er in Berlin am Aufbau des Roten Frontkämpferbundes mit. Als Chefredakteur der Verbandszeitung „Rote Front“ kritisierte er pazifistische Bestrebungen in der KPD, plädierte aber auch für eine engere Zusammenarbeit mit dem sozialdemokratischen „Reichsbanner“. Ende 1928 gehörte S. zu der Gruppe von Kommunisten, die aus Protest gegen den neuen ultralinken Kurs der Parteiführung aus der KPD austraten und die KPDO (KPD/Opposition) gründeten. Im Nov. 1935 kehrte er zur KPD zurück.

    Nach Hitlers „Machtergreifung“ floh S. nach Paris. Mit Hilfe von Informanten verfaßte er unter Pseudonym zwischen 1934 und 1936 drei Bücher über Hitlers Rüstungspolitik, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Im Span. Bürgerkrieg war er seit Aug. 1936 im Auftrag der KPD als Offizier in der Centuria Thälmann und später als Lehrer an der Offiziersschule der Internat. Brigaden tätig. Nach der Niederlage der Republik kehrte S. nach Paris zurück, von wo er zu Beginn des 2. Weltkriegs in ein Internierungslager in Südfrankreich deportiert wurde. Nach kurzer Zeit konnte er jedoch in die USA emigrieren, wo er seine militärpublizistische Tätigkeit wieder aufnahm und im überparteilichen „Council for a Democratic Germany“ mitwirkte.

    Im Dez. 1946 nach Deutschland zurückgekehrt, übernahm S. Anfang 1948 auf Vorschlag von Alfred Meusel (1896–1960) an der Univ. Leipzig einen Lehrstuhl für Staatenkunde und internat. Beziehungen. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zu einem der prominentesten Protagonisten einer „proletarisch“-marxistischen Geschichtswissenschaft, die sich in einer scharfen Frontstellung gegen die „bürgerlichen“ Traditionen der Historiographie wandte. In seiner Arbeit zur „Geschichte der dt. Außenpolitik“ im Kaiserreich, mit der er 1953 bei Leo Stern (1901–82) in Halle promoviert wurde, unternahm er den Versuch, die Geschichte der auswärtigen Beziehungen auf marxistischer Basis neu zu begründen. Aufgrund handwerklicher Mängel und einer engen dogmatischen Sichtweise war dem Werk aber wenig Einfluß beschieden. 1951 siedelte S. nach Berlin über, wo er den Posten eines Abteilungsleiters am neuen Museum für Dt. Geschichte mit Zuständigkeit für den Zeitraum 1918-45 übernahm. 1956 wechselte er als Mitarbeiter an das neu gegründete Institut für Geschichte an der Dt. Akademie der Wissenschaften. S. trat in diesen Funktionen öffentlich v. a. in der Kontroverse um die Bewertung der Novemberrevolution 1918 hervor, deren sozialistisch-revolutionären Charakter er gegen die ältere Doktrin Stalins betonte. Nachdem er sich mit seiner Auffassung nicht durchsetzen konnte, zog er sich schon vor seiner Emeritierung (1960) fast gänzlich zurück.

  • Auszeichnungen

    Nat.preis d. DDR (1952); Karl-Marx-Orden (1961); Orden „Stern d. Völkerfreundschaft“ in Gold (1977).

  • Werke

    Hitler treibt z. Krieg, 1934;
    Hitlers Luftflotte startbereit, 1935;
    Hitlers motorisierte Stoßarmee, 1936;
    Vom totalen Krieg z. totalen Niederlage Hitlers, 1939;
    Zur Gesch. d. dt. Außenpol. 1871-1945, I: 1871-1918, 1952.

  • Literatur

    H. Weber, Die Wandlung d. dt. Kommunismus, II, 1969, S. 289 f. (P);
    D. Lange, in: ZfG, 1979, Nr. 12, S. 1179 f.;
    M. Keßler, Exilerfahrung in Wiss. u. Pol., Remigrierte Historiker in d. frühen DDR, 2001, S. 164-96;
    J. Petzold, in: H. Heitzer u. a. (Hg.), Wegbereiter d. DDR-Gesch.wiss., Biogrr., 1989, S. 280-99;
    BHdE I;
    Wer war Wer Deutsche Demokratische Republik;
    Dt. Kommunisten (P);
    Lex. DDR-Hist.; |

  • Nachlaß

    Nachlaß: BA Berlin (SAPMO).

  • Autor/in

    Till Kössler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kössler, Till, "Schreiner, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 537-538 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129711691.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA