Lebensdaten
1525 bis um 1595
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 129238236 | OGND | VIAF: 37992721
Namensvarianten
  • Püdler, Wolfgang
  • Püdler, Wolfgang

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Zitierweise

Püdler, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129238236.html [01.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. seit ca. 1500 in W. nachweisbaren Fam.;
    V Peter, Dr. med. (?), Bürger v. W., Hofprokurator, T d. Paul;
    M Martha, T d. Wolfgang Pinter, Bürger v. Perchtoldsdorf, Marktrichter;
    Margarethe, T d. Sebastian Hutstocker ( 1557), Bgm. v. W., u. d. Veronika v. Pieschen;
    5 S u. a. Michael Rr. v. P. zu Velmb (1560–1616, 1597 niederösterr. Rr., 1] Justina, T d. Christoph Ganabitzer, kaiserl. Rat u. Kriegszahlmstr., 2] Margaretha, T d. Kaspar Lindegg v. Lisana, 1588, Sekr. d. Reichskanzlei, Stadtanwalt v. W., 3] Barbara Straub, Wwe d. Johann Baptist Siebenbürger zu Seebarn, 1590), 1583 Sup. d. kaiserl. Hofspitals, 1583-94 Hofdiener Ehzg. Ernsts, 1605-11 Rat d. niederösterr. Kammer u. seit 1615 d. niederösterr. Reg., Wolf(gang), seit 1599 Sekr. d. niederösterr. Reg., kaiserl. Rat, Josef, Domdechant zu St. Stephan in W., Marx ( vor 1597 b. Raab), 2 T.

  • Leben

    P. studierte an den Universitäten Wien (Immatrikulation Sommersemester 1544), Padua (1549), Ferrara (1552) und erwarb am 25.9.1552 den Grad eines Dr. iur. utr. in Siena. In Wien ist er seit dem Wintersemester 1553 als Mitglied des juridischen Doktorenkollegiums, bald als Professor des Kanonischen Rechts, fallweise auch als Professor der Pandekten (1558, 1566, 1569) nachweisbar. Dreimal war er Dekan der Juristenfakultät (1556, 1562, 1566), zweimal Rektor der Univ. Wien (1561, 1566), 1586 Senior der Juristenfakultät. Bald übernahm er auch wichtige Ämter im landesfürstl. Dienst: 1567-88 diente P. als Rat der niederösterr. Regierung, die Literatur (Starzer) weist ihn seit 1588 als Hofkammerrat aus. P. ist auch als Superintendent des kaiserl. Hofspitals (seit Ende 1576) und bei der Landschaftsschule (1579/80) genannt, außerdem als Advokat beim landmarschallischen Gericht.

    Für die Landstände von Österreich unter der Enns war P. häufig tätig, was sein juristisches Werk maßgeblich bestimmte. In landständischem Auftrag verfaßte er neben seiner Amtstätigkeit in etwa eineinhalb Jahren den Landrechtsentwurf für Österreich unter der Enns 1573 (Landttaffel oder Landtsordtnung des Hochlöblichen Ertzhertzogthumb Österreich under der Ennß). P., ein Vertreter des „mos italicus“, verarbeitete dabei in umfassender Weise zeitgenössische Rechtsquellen, -literatur und Gerichtsentscheidungen. Seinen Landrechtsentwurf bezeichnete er selbst als eine Zusammenfassung des gültigen Reichs- und Landesrechts. In vier Büchern behandelt er Prozeß-, Vertrags- und Erbrecht sowie die grundherrschaftlichen Rechtsverhältnisse. Der Entwurf war in den Adels- und grundherrschaftlichen Bibliotheken von Österreich unter aber auch ob der Enns durch eine Vielzahl von Abschriften weit verbreitet, wurde bis ins 18. Jh. zitiert und kam in der Praxis einem Gesetzbuch gleich. Wegen seines Vorbildcharakters beeinflußte er alle späteren Landrechtsentwürfe wie auch noch den „Tractatus de iuribus incorporalibus“ 1679 und die Erbfolgeordnungen seit 1720. Zusätzlich verfaßte P. 1576/77 einen 206 Titel umfassenden „Niederösterr. Lehenstraktat“. Auch bei der von den Ständen angeregten Straffung des Landrechtsentwurfs wirkte er anfänglich noch mit. Die Stände honorierten sein Wirken mit einer Gratifikation von 1000 Talern für den Landrechtsentwurf und 500 Talern für den Lehenstraktat.

    Auch der früheste Hinweis auf eine Einbeziehung Deutschen Rechts im Rechtsunterricht ist im Umfeld P.s anzusiedeln. Der Hofbibliothekar Hugo Blotius (1533–1608) – wie P. zum Gelehrtenkreis am Hof Ks. Maximilians II. gehörig – plante (Brief v. 23.1.1576) gemeinsam mit P. ein System des „Ius consuetudinarium Austriacum“ zu entwickeln und dabei die Lücken des einheimischen Rechts durch einen Vergleich mit ital. und deutschen Stadtrechten zu schließen. Das (möglicherweise auf dem P.schen Landrechtsentwurf aufbauende) System sollte danach in das Lateinische übersetzt und an der Universität gelehrt werden, blieb jedoch unausgeführt. Neben Bernhard Walther (1516–84), dem manchmal fälschlicherweise die Werke P.s zugerechnet wurden, ist P. als einer der profiliertesten österr. Juristen des 16. Jh. anzusehen.

  • Werke

    Landtafel oder Landesordnung d. Erzherzogthumes Österr. unter d. Enns 1573 (Slg. Chorinsky);
    Niederösterr. Lehentractat (Slg. Chorinsky) (beides lith. vervielfältigt, o. O. u. J.).

  • Literatur

    A. Luschin v. Ebengreuth, Oesterreicher an ital. Univ. z. Zeit d. Rezeption d. röm. Rechts, 1886, I. Abt., S. 63 f., II. Abt., S. 31;
    J. R. v. Aschbach, Gesch. d. Wiener Univ., III, 1888, S. 84, 102, 113, 178, 365, 369, 375, 387, 389 f.;
    [A. Starzer], Btrr. z. Gesch. d. niederösterr. Statthalterei, 1897, S. 426, 434;
    J. Siebmacher's gr. u. allg. Wappenbuch, IV, 4. Abt., Niederösterr. Adel, 1. Abt. A-R, 1909, S. 368;
    Th. Motloch, Ber. d. Dr. W. P. üb. d. Entwurf e. Landtafel d. Ehzgt. Oesterr. unter d. Enns 1573, in: ZSRGG 21, 1900, S. 235-43;
    A. Goldmann, Die Univ. 1529-1740, in: Gesch. d. Stadt Wien, VI, 1918, S. 130 f.;
    F. Wisnicki, Die Gesch. d. Abfassung d. Tractatus de juribus incorporalibus. in: Jb. f. Landeskde. v. Niederösterr. NF 20/II, 1926/27, S. 75 ff.;
    M. Rintelen, Bernhard Walthers privatrechtl. Traktate aus d. 16. Jh., 1937, S. 13*, 42*;
    F. Weigle, Die dt. Doktorpromotionen in Siena v. 1484-1804, in: QFIAB 33, 1944, S. 232, Nr. 368;
    Die Matrikel d. Univ. Wien III, 1517/II-1579/I, 1971, S. 72, 129, 142;
    K. F. v. Frank, Standeserhebungen u. Gnadenakte f. d. Dt. Reich u. d. Erblande bis 1806 sowie kaiserl. österr. bis 1823, IV, 1973, S. 123;
    K. H. Burmeister, Das Studium d. Rechte im Za. d. Humanismus im dt. Rechtsbereich, 1974, S. 136;
    Die Matrikel d. Univ. Wien V, 1659/60-1688/89, 1975, S. XXXII f. (Rektorenverz.);
    G. Wesener, Einflüsse u. Geltung d. röm.-gemeinen Rechts in d. altösterr. Ländern in d. Neuzeit (16. bis 18. Jh.), 1989, S. 21, 38, 42-44, 47;
    I. Matschinegg, Österreicher als Univ.besucher in Italien (1500–1630), Diss. Graz 1999, Nr. 334-37;
    Die Inschrr. d. Stadt Wien, T. 1, Die Inschrr. d. Dom- u. Metropolitankirche St. Stephan zu Wien, ges. u. bearb. v. R. Perger u. R. Kohn unter Mitarb. v. A. Stockhammer (im Erscheinen).|

  • Quellen

    Qu Niederösterr. Landesarchiv: Ritterstand C. VII Michael P. (Ansuchen Michael P.s um Aufnahme in d. niederösterr. Ritterstand v. 15.1.1597); Landrecht Urk. 744 (Bestätigung e. Testamentskonzepts Michael P.s. v. 1.3.1617); Hs. 136 Bd. 1, fol. 13; Hs. 366, fol. 15r, 18r, 31r, 34v f.; Österr. StA, Allg. Verw.archiv: Adelsarchiv Akt P. (Wappenbesserung 12.12.1603); Wiener Stadt- u. Landesarchiv; Hs. W 190 (= P. Harrer, Wien, Seine Häuser, Menschen u. Kultur, Ms. Wien 1951 ff., 1. Bd., S. 288 f., 2. Bd., S. 578, 5. Bd., S. 25).

  • Autor/in

    Josef Pauser
  • Empfohlene Zitierweise

    Pauser, Josef, "Püdler, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 761-762 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129238236.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA