Lebensdaten
um 1607 bis 1672
Geburtsort
Oldensworth in Eiderstedt
Sterbeort
Husum
Beruf/Funktion
Historiograph ; Topograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 128718021 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dankwerth, Kaspar
  • Danckwerth, Caspar
  • Dankwerth, Kaspar
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Orte

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Zitierweise

Danckwerth, Caspar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128718021.html [12.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hans ( 1634), Landvogt in Lunden, Bgm. in Husum;
    M Anna Diedrichsen;
    B Joachim, Amtsverwalter in Apenrade, Kammermeister auf Schloß Gottorf;
    1641 Helene Angel, Wwe des Adolph Vaget ( 1639), Landvogt in Stapelholm.

  • Leben

    D. studierte an deutschen Universitäten, promovierte 1633 in Basel (De lue Hungarica cognoscenda et curanda), praktizierte als Arzt in Husum und wurde hier 1641 Bürgermeister. Frühzeitig interessiert für Historie und Genealogie, plante er eine großangelegte Geschichte seiner Heimat. Durch seinen Bruder Joachim kam er in Verbindung mit dem Kartographen Johann Mejer. Als ihr gemeinsames Werk unter D.s Redaktion erschien 1652 in Husum die „Newe Landesbeschreibung der zwey Hertzogthümer Schleswich und Holstein zusam vielen dabey gehörigen Newen Landkarten“, ein mächtiger Foliant mit über 300 Seiten und 41 Karten. Auf dem Titelblatt ist je ein Vertreter der Volksstämme abgebildet, welche diesem Raum und seiner Geschichte das Gesicht geben: ein Sachse, Friese, Cimber, Jüte, Angelschwabe und Wende. In der Deutung ihres Ursprungs und der Schilderung ihrer Geschichte offenbart D. die ganze Gelehrsamkeit seiner Zeit in ihrer Weite und Begrenztheit: er zieht die Bibel, Caesar, Tacitus, Beda, Helmold und zahlreiche andere Schriftsteller heran. Eine besondere Vorliebe hat er für etymologische Deutungen, die freilich oft absurd sind. Überall aber spürt man das Bemühen um eine kritische Verwertung der Quellen. Phantasie und Kritik stehen in engem Bunde und machen zusammen mit plastischen Detailschilderungen von Land und Leuten - die wohl zum Teil auf Mejer zurückgehen - den Reiz dieses gelehrten Werkes aus. Es ist für seine Zeit als historisch-topographische Beschreibung eines größeren Territoriums unübertroffen und bildet die Grundlage für die meisten späteren Verfasser. Die Verdienste Mejers wurden von D. unterschätzt, was zu unliebsamen Prozessen führte, die D. alle verlor. In neuerer Zeit werden die hervorragenden kartographischen Leistungen Mejers häufig über die D.s gestellt. D.s „Chronic über die denckwürdigste Geschichte der Herzogthümer Schleswich und Holstein ab anno 768 usque 1459“ wurde nicht gedruckt, weil „der Author darin Verschiedenes wider den Papst und die Römische Kirche angeführet“ (Original-Manuskript in 3 Foliobänden in der Landesbibliothek Kiel).

  • Werke

    Weiteres W Specimen Chronologiae verae…, Schleswig 1671.

  • Literatur

    ADB IV;
    P. v. Hedemann-Heespen, Die Hzgt. Schleswig-Holstein u. d. Neuzeit, 1926;
    Dansk Leks.

  • Portraits

    Gedenktafel am Rathaus in Husum.

  • Autor/in

    Christian Degn
  • Empfohlene Zitierweise

    Degn, Christian, "Danckwerth, Caspar" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 505 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128718021.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dankwerth: Kaspar D., geb. in Oldensworth in der Landschaft Eiderstedt. Das Geburtsjahr ist ungewiß. Der Vater Hans D. war Bürgermeister in Husum, der Sohn Kaspar D. studirte Medicin, ward 1633 Doctor der Medicin in Basel, seine Dissertation handelt „De lue Hungarica"; er ward praktischer Arzt in Husum, 1641 Bürgermeister daselbst (diese Stadt hatte damals zwei Bürgermeister, die ein Jahr ums andere das Präsidium im Rathe führten). Kaspar D. ist wegen seiner Amtsführung und seiner ganzen Persönlichkeit von dem Stadtsecretär A. Giese, der mit D. 28 Jahre im Amte war, sehr gerühmt worden. Der Pastor J. M. Krafft hat in seinem zweifachen 200jährigen Jubelgedächtniß, Hamburg 1724, S. 258—60 aus Giese's Handschrift ein sehr lobendes Wort über Kaspar D. abdrucken lassen. Ehe ich die schriftstellerische Thätigkeit Dankwerth's angeben kann, muß ich eines anderen Husumers, nämlich Johann Meier's näher erwähnen. Joh. Meier, der Sohn eines Husumer Predigers, ward geb. 1606, verlor früh seinen Vater, kam nach Kopenhagen, studirte daselbst Mathematik, kam zurück nach Husum, unterrichtete, verfertigte Hochzeits-, Trauer- und dergleichen Briefe, gab einen Kalender heraus, sorgte so für seine Mutter. J. Meier ward von Christian IV. zum königlichen Mathematiker ernannt und erhielt von dem König und dem Herzog Friedrich III. den Auftrag, beide Herzogthümer zu vermessen und Karten darüber anzufertigen. J. Meier war mit dieser Aufgabe von 1638—48 beschäftigt, vgl. J. M. Krafft, Jubelgedächtniß S. 152—55. Die an J. Meier versprochene Besoldung für seine mühsame Arbeit erfolgte nicht regelmäßig. Im J. 1652 erschien: „Newe Landesbeschreibung der zwei Herzogthümer Schleswich und Holstein zusamt vielen dabey gehörigen newen Landkarten, die auf Ihr Königl. Maj. zu Dennemarck-Norwegen etc. und Ihr Fürstl. Durchl. beider regierenden Herzogen zu Schleswich Holstein etc. aller- u. gnädigsten Befehle von dero Königl. Maj. bestalten Mathematico Johanne Meiero Hus. Cimbro chorographice elaborirt, durch Casparum Danckwerth D. zusammen getragen u. verfertigt, worin auch das alte Teutschland kürzlich beschrieben mit begriffen ist.“ Das Werk hat außer 40 Karten und einer Weltkarte nach Tycho de Brahe 304 Seiten Fol. ohne die Dedication. Ueber den Werth der Karten Meier's verweise ich auf des Geographen F. Geerz Geschichte der geographischen Vermessungen und der Landkarten Nordalbingiens. Berlin 1859. Geerz erkennt Meier's Arbeit an, sagt aber, S. 31 u. f., mit Recht, daß Meier in der Zeit von zehn Jahren selbst mit einiger Hülfe nicht die Vermessungen habe vornehmen können. Gegen Dankwerth's Landesbeschreibung machte Lackmann den Einwand, daß die Insel Fehmarn weder dem Reiche Dänemark noch dem Herzogthum Schleswig, noch Holstein einverleibt, sondern ein besonderes Land gewesen. Bekanntlich ist die Frage später wieder behandelt, namentlich von Ravit, welcher die Insel zu Holstein rechnet. Gegen D. erschien Lübeck 1654 „Apologia des fürstlichen Hauses Schleßwigh, Holstein Sonderburgischer Linien sambt und sonders wieder den zu praejuditz desselben durch D. Caspar Dangkwerth in Druck ausgelassener Landesbeschreibung der Fürstenthümber Schleßwigh, Holstein angeführten falschen Bericht“. D. hat in seinem Werk die Rechte der abgetheilten Herren nicht näher erörtert, sondern kurz besprochen und angegeben, daß Hans der Jüngere mit der Landesregierung der beiden Herzogthümer nicht sollte zu schaffen haben, „vielmehr die Stewer, Landtbede mit abhalten“. Ueber die Rechte der abgetheilten Herren verweise ich auf Falck, Handbuch des schlesw.-holstein. Privatrechtes Bd. II., Altona 1831, S. 199—203. Daß Dankwerth's Landesbeschreibung manche Fehler hat, liegt auf der Hand, D. etymologisirt zu rasch, das sechste Capitel „von des Patriarchen Japhets Nachkomlingen“ ist wol aus Dankwerth's Zeitalter zu erklären und darf wol in jetziger Zeit auf keine Billigung rechnen. Anmerkungen zu D. sind gedruckt in „Beiträge zur Erläuterung der Civil-, Kirchen- und Gel.-Historie der Herzogth.“ Bd. I, S. 608 f.

    • Literatur

      In K. L. Biernatzki's Volksbuch für 1846, S. 70—81 steht Ratjen, Joh. Meier u. C. Dankwerth.

  • Autor/in

    H. Ratjen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratjen, Henning, "Danckwerth, Caspar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 739-740 unter Dankwerth, Kaspar [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128718021.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA