Lebensdaten
1248 oder 1249 bis 1296
Sterbeort
Liegnitz
Beruf/Funktion
Herzog von Schlesien ; Herr von Breslau und Liegnitz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 124928242 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich der Dicke
  • Heinrich V. der Dicke
  • Heinrich V.
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Zitierweise

Heinrich V., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124928242.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Boleslaw II. v. Schlesien-Liegnitz ( 1278, s. NDB II);
    M Hedwig ( 1259), T d. Gf. Heinrich I. v. Anhalt ( 1251/52, s. ADB XI);
    Ov Wladislaw ( 1270), EB v. Salzburg;
    B Hzg. Bolko I. v. Sch.-Schweidnitz-Jauer ( 1301, s. NDB II);
    Vt Hzg. Heinrich IV. v. Sch.-Breslau ( 1290, s. NDB VIII), Hzg. Heinrich I. (III.) v. Sch.-Glogau ( 1309, s. NDB VIII), Przemyslaw II. v. Großpolen ( 1296), Kg. v. Polen;
    - 1277/78 Elisabeth ( 1304), T d. Hzg. Boleslaw v. Kalisch;
    3 S Hzg. Boleslaw III. v. Sch.-L.-Brieg ( 1352, s. NDB II), Hzg. Heinrich VI. v. Sch.-Breslau ( 1335, s. NDB VIII), Wladislaw ( n. 1352), zeitweilig Domkanoniker;
    5 T Hedwig ( n. 1343, Otto, S d. Mgf. Otto V. v. Brandenburg, 1298), Euphemia ( n. 1347, Hzg. Otto v. Kärnten, 1310), Anna ( 1343), Elisabeth ( um 1357), Klarissinnen in Breslau, Helena, Klarissin in Gnesen.

  • Leben

    Wie sein Breslauer Vetter Heinrich IV., den er später beerbte, verbrachte H., der beginnenden Hinwendung Schlesiens zu Böhmen Ausdruck gebend, einen Teil seiner Jugend am Hofe König Ottokars II. in Prag, wo er zum Ritter geschlagen wurde. Nach dem frühen Tode seines älteren Bruders Konrad wurde er noch zu Lebzeiten seines Vaters 1267 zum Mitregenten erhoben und 1274 mit der Teilherrschaft Jauer ausgestattet. Als der Vater 1278 starb, folgte er ihm nach einer kurzen Zeit gemeinsamer Regierung mit seinen Brüdern in der Herrschaft des Hauptlandes Liegnitz. In den Auseinandersetzungen mit Heinrich IV. von Breslau um das Erbe ihres Onkels Wladislaw zeichnete er sich erstmals als Heerführer aus; er besiegte am 24.4.1277 zwischen Stolz und Protzan bei Frankenstein das zur Befreiung des mit List gefangenen Heinrichs IV. heranziehende Breslauer Heer mitsamt den verbündeten Truppen Heinrichs I. (III.) von Glogau und Przemyslaws II. von Großpolen. König Ottokar II. von Böhmen vermochte noch im gleichen Jahre einen Waffenstillstand zu vermitteln, demzufolge Heinrich IV. ein Drittel des Wladislaw-Erbes (die Gebiete Neumarkt und Striegau) an die Liegnitzer Herzöge abtrat. Allein um 1280 flammten die Streitigkeiten im Zuge der Kämpfe um die Hinterlassenschaft König Ottokars, auf welche auch Heinrich IV. von Breslau Ansprüche erhob, erneut auf. Von den rivalisierenden Brandenburgern unterstützt, fielen die Liegnitzer Herzöge ins Breslauer Land ein. Heinrich IV. gelang es jedoch, in einem Handstreich die zu einer Versammlung nach Baritsch bei Jauer geladenen Herzöge von Liegnitz, Glogau und Großpolen gefangenzunehmen (1281). Während Przemyslaw II. von Großpolen das früher abgepreßte Rudaer Land wieder abgenommen wurde, mußten sich die Herzöge von Glogau und Liegnitz unter Stellung von Geiseln verpflichten, Heinrich IV. Kriegshilfe gegen jedermann zu leisten, was einer Lehensunterordnung gleichkam. Es dürfte aber bald darauf eine ehrliche Aussöhnung zwischen H. und Heinrich IV. stattgefunden haben, denn wir sehen beide fortan gemeinsam handeln. Im großen Kirchenstreit der 80er Jahre suchte H. nach Kräften zwischen Bischof Thomas II. und Heinrich IV. zu vermitteln (1287). Im eigenen Lande hatten sein Vater und er sich in den strittigen Fragen bereits 1273 mit der Kirche verglichen. Für den Krakauer Feldzug Heinrichs IV. 1289 stellte er nicht nur Hilfstruppen, sondern nahm persönlich daran teil, ja erfocht den entscheidenden Sieg und wurde in Krakau begeistert aufgenommen. Gleichzeitig erfreute er sich des Wohlwollens König Wenzels II. von Böhmen, der sich auch H.s Bruder Bolko I. durch die Überlassung des Weichbildes Schömberg (1289) zu verpflichten wußte.

    Trotz seiner Verdienste wurde H. im Testamente Heinrichs IV., das weithin im Gegensatz zu dessen Politik stand und offenbar von der Geistlichkeit stark beeinflußt war, völlig übergangen und der Glogauer Heinrich I. (III.) zum Nachfolger in Breslau bestimmt (1290). Stadt und Ritterschaft erklärten sich jedoch für H. und verweigerten dem Glogauer die Anerkennung. H. vermochte sich mit Hilfe des Böhmenkönigs, in dessen Lager vor Krakau er dann 1292 erneut erschien, noch im Sommer 1290 in den Besitz von Breslau zu setzen, worauf er dankverpflichtet die Privilegien der Stadt und Ritterschaft bestätigte. Insbesondere der Stadt gegenüber sah er sich noch wiederholt zur Einräumung wichtiger Vorrechte gedrängt, unter anderem gestattete er ihr die Ableitung der Ohle in den Stadtgraben. Um sich der Hilfe seines Bruders Bolko im Kampf mit dem abgewiesenen Heinrich von Glogau zu versichern, trat er ihm einen Streifen Landes im Süden des Fürstentums Breslau mit den Städten und Distrikten Münsterberg, Frankenstein, Strehlen, Reichenbach und Schweidnitz ab. Doch blieben H. Landabtretungen auch an Heinrich von Glogau nicht erspart. 1291 mußte er zu dessen Gunsten auf Groß Wartenberg, Trebnitz, Militsch, Sandewalde, Auras, Steinau a. O. und ein paar weitere Orte im Nord-Westen verzichten. Zwei Jahre später geriet er durch Verrat seines Vasallen Lutko, dessen Vater Pakoslaw er wegen Mordes hatte hinrichten lassen, gänzlich in die Hand des Glogauer Herzogs, der ihn in Sandewalde bei Guhrau in einem engen Verließ in grausamer Haft hielt und erst 1294 todkrank entließ, nachdem H. nahezu auf das gesamte Gebiet seines Fürstentums auf dem rechten Oderufer Verzicht geleistet hatte (die Bezirke Oels, Bernstadt, Namslau, Konstadt, Kreuzburg, Pitschen, Landsberg a. d. Prosna, Schwirz und andere) sowie sich zu erheblichen Geldzahlungen und Kriegshilfe verstand. Neue drohende kriegerische Wirren vor Augen, übergab er kurz vor Ende seiner kaum 6jährigen, seine Lebenskraft verzehrenden, für das Land höchst verlustreichen Breslauer Regierung sein Fürstentum am 1.2.1296 zu Händen Papst Bonifaz VIII. in den Schutz des heiligen Petrus. Die Vormundschaft seiner 3 unmündigen Söhne übernahm nach seinem Tode zunächst sein Bruder Bolko I. von Schweidnitz, dann König Wenzel II. von Böhmen und schließlich Bischof Heinrich I. von Breslau.

  • Literatur

    Th. Goerlitz, Vfg., Verwaltung u. Recht d. Stadt Breslau I, 1962; s. a. L zu
    Heinrich I. v. Schlesien ( 1346).

  • Autor/in

    Josef Joachim Menzel
  • Empfohlene Zitierweise

    Menzel, Josef Joachim, "Heinrich V." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 396 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124928242.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich V. Herzog von Schlesien, Breslau und Liegnitz, auch der Dicke genannt, stirbt den 22. Febr. 1296. Einer der Söhne Boleslaw des Wilden oder Kahlen und zwar nach dem früh verstorbenen Konrad der Aelteste, erlangt er noch bei Lebzeiten seines Vaters, eine selbständige Herrschaft, und zwar erhält er, nachdem er am 24. April 1277 bei Stolz unweit Frankenstein das zur Befreiung des von Boleslaw gefangen gehaltenen Heinrichs IV. anrückende Heer aufs Haupt geschlagen, das dem Letzteren abgepreßte Herzogthum Jauer, succedirt jedoch nach seines Vaters Tode 1278 in dessen Hauptlande Liegnitz. 1281 nimmt Heinrich IV. in Baritsch bei Jauer die zu einer Zusammenkunft hierher berufenen Fürsten Heinrich von Liegnitz, Heinrich von Glogau und Premislaw von Großpolen gefangen, gibt sie aber bald wieder frei. Nur die Thatsache wird uns überliefert, über Ursachen und Folgen erfahren wir nicht das Mindeste. Mit Heinrich IV. bald wieder ausgesöhnt, sucht unser Herzog in dessen Kampfe mit dem Breslauer Bischof Thomas vergeblich Frieden zu stiften (1287), unterstützt dann auch Heinrichs Bemühungen um die Herrschaft in Krakau und führt nach anfänglichen Niederlagen das von den getreuen Breslauern ausgerüstete Heer schließlich zu dem entscheidenden Siege (wahrscheinlich am 24. August 1289), der aufs Neue eine deutsche Herrschaft in Krakau begründet. Aber bereits am 23. Juni 1290 stirbt Heinrich IV. kinderlos, und von seinem Todestage datiren zwei höchst merkwürdige Schriftstücke, ein großer Freiheitsbrief für die Geistlichkeit und eine Art von Testament, beide darin gleich, daß der Herzog hierin Alles, um das er in schweren Kämpfen gerungen, nun freiwillig preisgab. Es stimmte derart wohl zusammen, wenn der tapfere Fürst, der Heinrichs IV. Schlachten geschlagen, ganz leer ausging und der bisher so fernstehende Glogauer Herzog Universalerbe wurde. Aber die Breslauer erkannten das Testament nicht an. Im Einverständniß mit dem Landadel des Fürstenthums, berufen sie ihren ehemaligen Kriegsobersten Heinrich von Liegnitz zu ihrem Herzoge und schließen vor dem Glogauer die Thore. Nur unter schweren Kämpfen und nicht ohne umfangreiche Landabtretungen an seinen Nebenbuhler Heinrich I. von Glogau (vgl. dessen Biographie), vermag sich jener zu behaupten. Um den Beistand seines streitbaren aber ländergierigen Bruders Bolko I. zu erlangen, tritt er demselben zuerst Jauer und Striegau ab, dann auch noch Schweidnitz, Reichenbach, Frankenstein und Strehlen, wird aber dann doch das Opfer schnöden Verrathes. Es hatte nämlich einer seiner Barone, Pakoslaw, einen Todschlag begangen, war dann auf die Gunst des Herzogs pochend, der Klage, welche die|Verwandten des Getödteten erhoben hatten, mit so herausforderndem Uebermuthe entgegengetreten, daß H., der ihn vergeblich gewarnt, mit schwerem Herzen endlich die Strenge des Gesetzes walten und Pakoslaws Haupt fallen ließ. Dessen Sohne aber Namens Lutko erklärte der Herzog, wenn derselbe ihm den Tod seines Vaters nicht verzeihen könne, so möge er sein Land meiden, andernfalls wolle er Jenes Schuld ihn nicht entgelten lassen. Lutko erwiederte unter Thränen, er müsse selbst zugestehen, daß sein Vater durch eigene Schuld das Leben verloren habe und sei seit entfernt, Rachegedanken gegen den Herzog zu nähren, er bitte denselben ihm ein gnädiger Herr zu sein. Nun überhäufte ihn H. mit Ehrenstellen und zog ihn ganz in sein Vertrauen. Bald aber von dem Glogauer Herzog aufgestachelt, sann Lutko Verrath, überfiel (im Novbr. 1293) Herzog H., als dieser gerade ein Bad nahm und schleppte ihn nach Schloß Sandewalde bei Guhrau. Heinrich von Glogau ließ dann seinen unglücklichen Vetter in einem engen Käfig schreckliche Qualen erdulden, bis derselbe, um dieser erledigt zu werden, sich 1294 bereit erklärte, weitere Landabtretungen zu machen, nämlich eine Reihe von Ortschaften auf dem rechten Oderufer, aus denen dann vornehmlich das bis zur Weida reichende Fürstenthum Oels gebildet wurde. Seine Gesundheit war seitdem zerrüttet, und den nahen Tod voraussehend, übertrug er die Vormundschaft über die drei noch unmündigen Söhne, welche ihm seine Gemahlin Elisabeth, Tochter Boleslaws von Kalisch geboren hatte, seinem Bruder Bolko, der sich jedoch dafür die Abtretung des Zobtenschlosses ausbedang. Heinrich ward im Clarenkloster zu Breslau beigesetzt.

    • Literatur

      Hauptquelle das Chronicon principum Poloniae bei Stenzel Ss. rer. Siles. I.

  • Autor/in

    Grünhagen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Grünhagen, Colmar, "Heinrich V." in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 611-612 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124928242.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA