Lebensdaten
1690 oder 1668 bis 1757
Geburtsort
Parma
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Komponist ; Musiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123716055 | OGND | VIAF: 64272379
Namensvarianten
  • Kelleri, Fortunato
  • Keller, Fortunato
  • Chelleri, Fortunat
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Chellery, Fortunato, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123716055.html [26.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Keller ( 1690 Parma), Musiker, italienisierte nach der Einwanderung aus Dtld. seinen Namen;
    M Bazzani (Bassani, 1693), aus einer verbreiteten ital. Musikerfamilie;
    Würzburg 1723 Apollonia Ther. ( 1764), T des Ehegerichts-Sekr. Papius in Würzburg;
    3 S, u. a. Gg. Herm. Franz (1728–84, 1) Ludwiga Raymunda [ 1775], T des Baumeisters Balth. Neumann [ 1753]).

  • Leben

    Chellery kam 1693 als Vollwaise zu seinem Onkel F. M. Bazzani, Domkapellmeister in Piacenza, welcher ihn erzog und in praktisch-theoretischer Musik so weit ausbildete, daß er nach dem überraschenden Erfolg seiner Erstlingsoper rasch 16 Opernaufträge von den angesehensten oberitalienischen Opernbühnen erhielt. Er lebte später unter anderem 1709/10 in Barcelona, circa 1716/19 als Hofkapellmeister in Florenz, anschließend bis 1722 in Venedig. Fürstbischof Philipp Franz von Schönborn berief 1722 Chellery zum künstlerischen Aufbau seiner zu vergrößernden Hofmusik als Hofkapellmeister, Hof- und Kirchenkomponisten nach Würzburg, wo er als repräsentative Kunst besonders die Oratorienkomposition pflegte. Anfang 1723 genehmigte ihm sein Fürst unter anderem zum Einstudieren seiner eigenen Werke einen ausgedehnten Studienaufenthalt am kurpfälzischen Hof in Mannheim. Infolge der unter dem Nachfolger seines 1724 verstorbenen Fürsten einsetzenden Sparsamkeit war Chellery genötigt, 1725 als Hofkapellmeister in hessen-kasselsche Dienste unter dem Landgrafen Carl zu treten, die es ihm ermöglichten, in Kassel seine frühere Operntätigkeit mit Erfolg wiederaufzunehmen. Sein Landesherr schickte ihn im Sommer 1726 für 10 Monate nach London zum internationalen Opernstelldichein während des Händelschen Opernunternehmens. Als nach dem Tode des Landgrafen Carl 1730 die Hofhaltung in Kassel samt Oper und Orchester aufgelöst wurde, berief ihn 1732 dessen Nachfolger Landgraf Friedrich, der seit 1720 (als Schwager Karls XII.) König von Schweden war, an seine Residenz nach Stockholm. Das kalte Klima war Chellery als geborenem „Italiener“ unerträglich; er durfte 1734 im Genusse der bis zu seinem Lebensende bewilligten Pension als „Hofrat“ nach Kassel zurückkehren.

    Die dramatischen Werke Chellerys wurden in Deutschland aufgeführt in Würzburg, Wiesentheid, Mannheim, Kassel, Wolfenbüttel, Dresden, Wien und Hamburg. Der jüngere Chellery bewahrte unter anderem in der Vorliebe für dreistimmiges Orchester, in der Verwendung der episodenhaften Imitation in den Ritornellen und den venezianischen Klauseln noch den venezianischen traditionellen Opernstil. Unter Einfluß von Porsile und Astorga gewann er rasch seinen Personalstil innerhalb des neapolitanischen Opernstils, welcher die der Zeit unerwünschte Dramatisierung ablehnte und die typischen Operngestalten nur durch die „schöne“ und weiche, oft sentimentale, aber reich verzierte Melodie charakterisierte. Die Oper erhielt einen spezifisch kantatenmäßigen Aufbau bei schroffer Trennung von Rezitativ und virtuoser großer Da-capo-Arie. In Deutschland schrieb Chellery seine Oratorien (diese sind keine Kirchenmusik) im gleichen homophonen Opernstil, in welchen er aber mit den fugierten Chören und französischen Ouverturen nach Händelschem und Fuxschem Vorbild die polyphone Satztechnik aufnahm. Bei den wenigen erhaltenen kleinen Messen verschmolz er den ernsten spätrömischen Kirchenstil mit dem heiteren, weichen neapolitanischen Stil. Im Alter versuchte er noch in der nur am Rande gepflegten Klaviermusik (Suiten und Sonaten) den motivisch-kurzgliedrigen galanten Klavierstil. - Chellery vermittelte den frühen Mannheimern das „zweite“ Sonatenthema mit Durchführung (so in der Einleitungssinfonie zu „Annuntiatio Mariae“, 1723), brachte nach Würzburg und Mannheim die ersten Oratorien, führte in diesen beiden Orchestern die Querflöte ein, wodurch jene „modernisiert“ und alle minderwertigen Akkordinstrumente (außer Cembalo) ausgeschieden wurden. Zum klassischen Orchester fehlte nur die Klarinette.

  • Werke

    19 Opern, 6 Oratorien, Kirchenmusiken (Messen, Psalmen, Magnificata usw.), Instrumentalsuiten u. -sonaten.

  • Literatur

    ADB IV;
    W. Eckert, F. Ch., Diss. Heidelberg 1922 (ungedr.);
    O. Kaul, Gesch. d. Würzburger Hofmusik, 1924, S. 18, = Fränk. F z. Gesch. u. Heimatkde., H. 2/3;
    A. Scherf, Joh. Phil. Franz v. Schönborn, 1930, S. 89;
    F. Zobeley, Rud. Franz Erwein v. Schönborn u. s. Musikpflege, = Neujahrsbl., hrsg. v. d. Ges. f. Fränk. Gesch., 21, 1949, S.43 ff.;
    Fétis II, S. 259;
    P. Clément-P. Larousse, Dict. des Opéras, Paris 1897, S. 19 u. ö.;
    C. Dassori, Opere e Operisti-Dizionario, Genua 1906;
    W. Eckert, in: MGG (W-Verz., L);
    Grove II.

  • Autor/in

    Wilhelm Eckert
  • Empfohlene Zitierweise

    Eckert, Wilhelm, "Chellery, Fortunato" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 197 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123716055.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Chelleri: Fortunat Ch. (Keller), angenehmer und beliebter Operncomponist, geb. 1668 zu Parma (oder Mailand), aber von einem deutschen Vater Namens Keller. Wiewol er zum Juristen bestimmt war, trieb ihn seine Neigung doch zur Musik; er studirte den Contrapunkt bei seinem Onkel Francesco Maria Bassani zu Piacenza und brachte daselbst 1707 seine erste Oper, „Griselda“, auf die Bühne. Nachdem er in Spanien gereist war und für Cremona, Venedig und viele andere italienische Opernbühnen componirt hatte, folgte er 1722 einer Berufung nach Würzburg als bischöflicher Capellmeister, trat 1725 als Capellmeister und Musikdirector in Dienste des Landgrafen von Hessen-Cassel, und starb, nachdem er inzwischen noch in London und Stockholm gewesen war, zu Cassel im Jahre 1757. Gerber nennt 17 Opern von seiner Composition, welche aber sämmtlich bis 1722 für Italien geschrieben sind; in Deutschland scheint er keine mehr componirt, sondern ganz auf Kirche und Kammer sich beschränkt und nur Messen, Psalmen, Oratorien, Symphonien, Ouvertüren und Trios gesetzt zu haben, von denen aber nichts im Drucke herausgekommen ist. Nur ein Buch Cantaten und Arien erschien zu London 1726, und ein Buch Sonaten und Fugen zu Cassel 1729.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Chellery, Fortunato" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 114 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123716055.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA