Lebensdaten
1882 bis 1943
Geburtsort
Pfrondorf bei Tübingen
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Kamerafabrikant ; Kamerakonstrukteur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 123666368 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nagel, August

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Zitierweise

Nagel, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123666368.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm, Bes. e. Bauernhofs in P.;
    M Marie N. N.; 8 jüngere Geschw, u. a. Wilhelm (1887–1941), Mitarbeiter N.s seit d. Gründung d. Fa. Drexler & Nagel, 1911 Leiter d. Contessa-Filiale in Reutlingen, seit 1917 Betriebsleiter d. Contessa-Werke in St., seit 1928 d. Fa. Dr. August Nagel in St., seit 1934 Leiter d. Teilefertigung d. Kodak AG in St., zuletzt in Einsingen b. Ulm (s. L);
    Berta Kurrle|(1883-1954) aus St.;
    2 S, 1 T, u. a. Helmut (* 1914), führte d. väterl. Fa. weiter, 1953-79 Vorstandsvors. u. Gen.manager d. Kodak AG in St.

  • Leben

    N. widmete sich nach Schul- und Lehrzeit (in einer Werkzeugmaschinenfabrik) insbesonders der Konstruktion von Kameramodellen. 1908 gründete er zusammen mit A. Drexler die Firma Drexler & Nagel in Stuttgart und begann, leichte und handliche Taschenkameras mit der Markenbezeichnung „Contessa“ herzustellen. Die Firma florierte, und zwei Jahre später wies das Lieferprogramm bereits 23 verschiedene Modelle auf. N. knüpfte weltweite Verbindungen an und konnte so am aufblühenden Exportmarkt teilnehmen. Die 1911 vorgestellte „Pixie-Westentaschen-Kamera“ für Rollfilme im Bildformat 4 x 6 cm war, lange vor der Leica, eine Pionierleistung als Präzisionskamera.

    N. vereinte in seltener Weise kaufmännischen Geist und technische Fähigkeiten. Der 30jährige war ein begeisterter Anhänger des Ballon- und Flugsports und erkannte als einer der ersten die Bedeutung spezieller Kameras für Aufnahmen aus Ballonen, Luftschiffen und Flugzeugen sowohl für militärische Operationen wie auch für Forschungszwecke bei kartographischen und geographischen Erfassungen. Die von ihm konstruierte Ballonkamera „Atlanta“ stellte eine besondere Leistung auf diesem Gebiet dar. Zu Beginn des 1. Weltkrieges beschäftigten die Contessa-Werke, die ihre Produktion bald darauf für Rüstungszwecke umstellen mußten, bereits 500 Mitarbeiter, deren humane Arbeitsbedingungen N. sehr am Herzen lagen. 1919 erwarb er die renommierte Firma Nettel Camerawerke in Sontheim und integrierte deren gesamte Produktion in seine Werke in Stuttgart, Reutlingen und Böblingen. So konnte eine weitreichende Produktpalette vielseitiger Kameramodelle angeboten werden, darunter auch die „Deckrullo-Nettel“, eine der beliebtesten Presse- und Reisekameras der Zeit. Die Produktion von Brennstoffmeßgeräten für Automobile belegt die Vielseitigkeit von N.s ingenieurtechnischer Begabung.

    Die Wirtschaftslage machte nach dem Krieg eine weitere Konzentration der Kamera-Industrie notwendig; 1926 fusionierte N. seine Unternehmen mit der Zeiss Ikon AG in Dresden und übernahm die Stelle eines Vorstandsmitgliedes und leitenden Fabrikdirektors. Sein impulsives Temperament und sein Streben nach kaufmännischer und konstruktiver Freiheit führten indes bereits 1928 zur Trennung von Zeiss Ikon. Mit dem zur Verfügung stehenden Kapital gründete N. eine eigene Firma, die „August Nagel Fabrik für Feinmechanik“ in Stuttgart-Wangen. Er begann wieder mit schönen, eleganten Kameras; seine „Librette“-Modelle und „Recomar“ Plattenkameras bezeugen noch heute die hohe Qualität seiner Produkte. Weitere Konstruktionen folgten; immer ließ sich N. vom Grundprinzip einer kleinen, handlichen Kamera leiten. Bald wurden jedoch die Kapazitätsgrenzen der Fertigung erreicht und machten eine Erweiterung des Betriebes unumgänglich. So nahm N. unter der Bedingung größtmöglicher Selbständigkeit das Angebot der Eastman Kodak Co. an, sein Werk an die Kodak AG Berlin zu verkaufen und damit neues Kapital einfließen zu lassen. Dies ermöglichte es ihm, 1934 eine bahnbrechende Schöpfung im deutschen Kamerabau zu realisieren: die Kleinbildkamera „Retina“ zum volkstümlichen Preis von 75 RM. Damit beeinflußte N. wesentlich den endgültigen Durchbruch der Kleinbildfotografie. Neben laufenden Verbesserungen der „Retina“ konnte er, unter anderen Neukonstruktionen, vor allem seine beliebte „Vollenda“-Rollfilmkamera-Serie in vielen Varianten fertigen. Erst der Ausbruch des 2. Weltkrieges setzte wieder eine Zäsur. Die Fertigung mußte erneut auf Kriegsproduktion umgestellt werden. Die teilweise Zerstörung seines Werkes durch Bombenangriffe erlebte N. nicht mehr.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil.nat. h. c. (Freiburg/Breisgau 1918).

  • Werke

    Über d. Werdegang d. Handcamera, 1918.

  • Literatur

    H. Nagel, Zauber d. Camera, 1977;
    Bild d. Wiss., 1982, Nr. 6, S. 145-47 (P);
    K. O. Kemmler, Contessa, Gesch. d. Contessa-Camera-Werke unter ihrem Gründer A. N. 1908-26, 1984 (P);
    Wenzel. – Zu Wilhelm: Retina, Werkzs. f. d. Betriebsgemeinschaft Kodak AG, Dr. Nagel-Werk, Stuttgart-Wangen, 2. Jhg., Nr. 1, 1942, S. 1 (P).

  • Autor/in

    Karl Otto Kemmler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kemmler, Karl Otto, "Nagel, August" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 708 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123666368.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA