Lebensdaten
1719 bis 1785
Geburtsort
Mülhausen (Elsaß)
Sterbeort
Vöslau (Niederösterreich)
Beruf/Funktion
Bankier ; Industrieller
Konfession
calvinistische Familie
Normdaten
GND: 120732904 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fries, Johann Graf von

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Zitierweise

Fries, Johann Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120732904.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus altem Schweizer Geschl. mit Linien in Bern, auf Friesenberg, in Basel, Solothurn u. Mülhausen;
    V Joh. Jak. (1685–1759), Kaufm. u. Bankier in M., S d. Phil. Jak. (1658–1746), 1716 Zunftmeister, 1726 Ratsherr, 1727 Obervogt v. Illzach, 1742 Bgm. v. M., u. d. Anna Maria Cornetz;
    M Ursula (1696–1780), T d. Joh. Bregenzer (1650–1710), Kaufm. in|Basel u. M., u. d. Ursula Fattet aus Basel;
    Paris 1764 Anne (1737–1807), bis 1798 Leiterin d. vormundschaftl. Vermögensverwaltung f. ihre S, T d. Joh. Franz Rr. d'Escherny (1699–1768), Fabr. u. poln.-sächs. Konsul in Lyon, u. d. Anne Pourtalès aus Genf;
    8 K, u. a. Moritz s. (2).

  • Leben

    F. war während des Sukzessionskrieges 1744-48 Kommis im sogenannten englischen Kommissariat, das die Verpflegung der aus Engländern, Holländern und Österreichern bestehenden Korps durchzuführen hatte. Bei der bedrohten Finanzlage der österreichischen Monarchie war es von größter Wichtigkeit, daß es F. gelang, den noch ausstehenden Rest der englischen Subsidien nach einjähriger Tätigkeit in London 1749 nach Wien zu bringen. Dafür erhielt er von Kaiserin Maria Theresia die Niederlagsfreiheit in Wien und 1751 ein Fabriksprivileg auf seine auf den Baron Grechtlerschen Gütern Friedau und Rabenstein gegründete Barchent- und Kotzenfabrik. Im nächsten Jahr gründete er gemeinsam mit dem Artillerieleutnant Schmid in Weißenbach eine Messingfabrik, die die Nürnbergerwaren-Fabrikation in Österreich einbürgerte. 1752 wurde F. gemeinsam mit dem italienischen Seidenfabrikanten Togniola mit der Direktion der kaiserlich königlichen Seidenfabriken betraut. Die beiden liquidierten das stark darniederliegende kaiserlich königliche Seidenmagazin und begründeten unter Verwendung der übriggebliebenen Waren und Gerätschaften eine eigene Fabrik für Samt- und Seidenwaren in Oberdöbling (1754). Von hier aus verbreitete sich die Seidenfabrikation in den Vorstädten Schottenfeld und Neubau, den späteren „Brillantengründen“ Wiens. Auch in Böhmen errichtete F. auf den Gütern des Wolfgang Konrad Freiherr Neffzern eine Wollenzeugfabrik. Diese ersten Fabriksgründungen und die Einführung neuer Produktionszweige in Wien und Umgebung beziehungsweise in Böhmen waren nach dem Verlust der industriereichen Provinz Schlesien eine Staatsnotwendigkeit geworden und wurden durch kaiserliche Privilegien und Zollgesetze begünstigt. Den größten Gewinn schlug F. aus dem von ihm erdachten „Thalernegotium“, das er 1752-76 innehatte. Er lieferte circa 20 Millionen Mariatheresientaler, die im Orient als Zahlungsmittel äußerst begehrt waren und dort heute noch zum Teil im Umlauf sind, direkt von den staatlichen Münzstätten in die Levante, wobei sein Agio ⅓ %, ab 1755 ½ % betrug. Damit dürfte er über 1 Million Gulden verdient haben. Der Höhepunkt dieses Geschäftes lag in den Jahren 1765/66, in denen jährlich weit über eine Million Taler vertrieben wurden. Seit 1769 verfiel der Handel, da das Ärar in diesem Jahr mit der Augsburger kaiserlich königlich privilegierten ausländischen Silberhandlung ein Konkurrenzunternehmen einging und da andere Talerprägungen Eingang in die Türkei fanden, so daß F. den Vertrag nicht mehr erneuerte. Der etwa gleich hohe ärarische Reingewinn des „Thalernegotiums“ wurde zum Teil zur Aufrüstung einer österreichischen Levante-Kriegsflotte verwendet, wofür F. ein Privileg auf die Lieferung von Masten und Schiffbauholz besaß. – Staatskanzler Kaunitz sandte F. 1757 in geheimer diplomatischer Mission nach Paris und Brüssel, um über die französischen Subsidienzahlungen zu verhandeln. Frankreich zahlte für die Dauer des Krieges jährlich 30 Millionen Livres (= 12 Millionen Gulden) über das Bankhaus Nettine in Brüssel an F. in Wien, der dieses Geld für eine geheime Staatskriegskasse verwaltete. Es waren 1757-67 nahezu 45 Millionen Gulden, von denen ½ % Provision für die Transakteure abfiel. F. hatte die Armee aber auch dann mit Geldern zu versorgen, wenn keine Zahlungen einliefen. So finanzierte er zum Beispiel das Korps des Feldzeugmeisters Laudon nach den Gefechten bei Frankfurt an der Oder (1759) auf eigene Rechnung und genoß infolgedessen besondere Förderung. 1759 erhielt er die Direktion des kaiserlich königlichen Bergwerks-Produkten-Verschleißes übertragen, die er bis 1783 innehatte. In diesen 24 Jahren wurden für 55 Millionen Gulden Metall umgesetzt, für mehr als 6 Millionen Gulden Wechsel stand F. gut, wofür er mit ½ % Provision entschädigt wurde. 1774 verhandelte er in Brüssel den neuen Zolltarif zwischen den deutschen und niederländischen Landen, wobei er den Absatz des ungarischen Kupfers in Belgien forcieren konnte. – 1766 hatte F. seine Exterritorialität aufgegeben und die Niederlagsfreiheit zurückgelegt. Er begründete mit Baron Johann Jakob Gontard das Bankhaus Fries und Co.. Dieses negoziierte 1777 und 1779 zwei große Staatsanleihen. Daneben arbeitete das Großhandlungshaus Fries, das 1771 in Rustschuk auf der Krim eine Kommandite gründete und sich vorzüglich auf den Donau-Orienthandel spezialisierte. Gemeinsam mit einem gewissen Zevarovich wurde 1774 in Konstantinopel ein eigenes Exporthaus für den Handel in der Türkei errichtet. Daneben erweiterte F. seine Industrieunternehmen. Seine Millionengewinne legte er teilweise in Grundbesitz an (1761 Herrschaft Vöslau, 1771 Rittergüter Dennenlohe und Oberschwaningen). 1783 ließ F. sich von dem Hofarchitekten F. Hetzendorf von Hohenberg gegenüber der Hofburg ein prachtvolles Palais (heute Pallavicini) erbauen. 2 Jahre später wurde er in dem Teich seines Vöslauer Gartens ertrunken aufgefunden, er dürfte in einem Anfall von Schwermut Selbstmord begangen haben. – Königlicher Kommerzienrat 1752, Hofrat 1783.

  • Portraits

    Gem. v. A. F. Oelenhainz (Großherbitz, Slg. A. Gf. Bellegarde).

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Empfohlene Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Fries, Johann Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 604-606 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120732904.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA