Lebensdaten
1905 bis 1959
Geburtsort
Baden bei Wien
Sterbeort
Taxco (Mexiko)
Beruf/Funktion
Maler ; Kunstphilosoph
Konfession
jüdischer Vater
Normdaten
GND: 119136961 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Paalen, Wolfgang Robert
  • Paalen, Wolfgang
  • Paalen, Wolfgang Robert
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Zitierweise

Paalen, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119136961.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav Robert (1873–1942, isr.), aus Bisenz (Mähren), Großkaufm., Gen.sekr. d. Berliner Tagebl. seit 1908, Kunstsammler u. Mäzen (stiftete 1918 Tizians „Venus mit Orgelspieler“, heute Berlin, Bode-Mus.);
    M Clothilde Emilie Gunkel (1879–1942, kath.), aus Breitenbach, Schausp.;
    1) Paris 1931 Alice Rahon (1913–88), aus d. Bretagne, Malerin, Schriftst., 2) Mexiko 1947 (zum Erwerb d. Staatsbürgerschaft) Luz del Solar, 3) New York 1947 Maria Luisa Hurtado, aus Chile, Malerin, 4) Mexiko 1957 Isabel Marin (1911–96), aus Guadalajara (Mexiko), Ethnologin.

  • Leben

    Die Familie besaß Wohnsitze in Wien, Baden, Berlin, im niederschles. Sagan sowie in Italien. In Tivoli erhielt P. 1922 ersten Malunterricht bei Leo v. König. 1922 ging er nach Berlin, scheiterte aber bei dem Versuch, in die dortige Kunstakademie aufgenommen zu werden. Unterstützt durch seinen kunstambitionierten Vater, kam P. in Kontakt mit Kunstpublizisten und -händlern um die Berliner Sezession (u. a. Julius Meier-Graefe, P. Cassirer, A. Flechtheim). 1925 beteiligte er sich an der Großen Jahresausstellung zu Ehren Lovis Corinths. Nach Unterricht an der Münchener Malschule Hans Hofmanns 1926 und an dessen Sommerakademie im südfranz. Cassis 1927 entdeckte P. für sich den Kubismus Braques und Picassos als seinen konzeptuellen Ausgangspunkt. 1927 stellte er erstmals in Paris aus (Salon des Surindépendants). 1928 bezog er sein erstes eigenes Atelier in Paris.

    Seit 1932 entwickelte P. aus dem besonderen Interesse für die Idol-Kunst der Kykladeninseln und dem Kubismus eine eigenständige halbabstrakte Bildsprache („kykladische“ Phase). 1934 schloß er sich kurzzeitig der Gruppe „abstraction-création“ an. Nach dem großen Erfolg seiner Einzelausstellung in der Pariser Surrealisten-Galerie Pierre 1936 kam er in Kontakt mit dem Kreis um André Breton. Auf der Basis der sog. „Fumage“ (Rauchmalerei mit Kerzenruß) entwickelte er die Gestaltbilder seiner „totemistischen“ Phase, die ihm internationale Anerkennung einbrachten (Ausstellungen in den Galerien Colle, Paris 1938, Guggenheim Jeune, London 1939, Julien Levy, New York 1941).

    Im Mai 1939 reisten P., seine Frau und die Fotografin Eva Sulzer ins Exil nach New York, und nach einem dreimonatigen Forschungsaufenthalt in den Indianerreservaten Britisch-Kolumbiens nach San Francisco. Im September 1939 wählten sie auf Einladung Frida Kahlos Mexiko als Exil. Hier organisierte P. 1939/40 im Auftrag Bretons die Internationale Surrealismus-Ausstellung Mexiko. Die Skepsis gegenüber der dialektischmaterialistischen Konzeption des Surrealismus führte jedoch zum Bruch mit Breton und den Exil-Surrealisten in New York. P. gründete die gegen-surrealistische Zeitschrift „DYN“ (1942-44), in der er sich mit anderen Autoren kunsttheoretischen, anthropologischen, kosmologischen und sprachphilosophischen Themen unter der Perspektive einer neuen Beziehung zwischen Wissenschaft und Kunst widmete. P.s philosophischer Ansatz steht in der Tradition der Wiener Moderne; er versucht, neue Wissenschaftskonzepte (Relativitätstheorie, Quantenphysik) und mythologische Weltbilder (Totemismus) in eine Kunstanschauung zu integrieren, in der Denkbarkeit und Sichtbarkeit der Welt eine Einheit bilden. Seine eigene Malerei, die „dynatische“ Phase, führte diese Synthese exemplarisch vor und wurde neben DYN und seiner Publikation „Form and Sense“ (1945) vor allem durch seine Einzelausstellung 1945 in der New Yorker Galerie P. Guggenheims „Art of this Century“ zu einem Einflußmedium für die neue amerik. Kunst. Die von P. gesuchte Bildung einer gegen-surrealistischen Künstlergruppe um DYN in New York (zusammen mit R. Motherwell, W. Baziotes, J. Pollock u. a.) blieb erfolglos, 1948 gründete er jedoch in San Francisco zusammen mit L. Mullican und G. Onslow Ford die Gruppe „DYNATON“, die nach mehreren Ausstellungen (u. a. 1948 u. 1949 MoMa, San Francisco) 1951 wieder zerbrach. Im selben Jahr reiste er nach Paris, wo er in der Galerie Pierre ausstellte und wieder Anschluß an Breton suchte. 1954 kehrte er nach Mexiko zurück, erwarb ein Haus in Tepoztlán und widmete sich dort neben der Malerei u. a. seiner Sammelleidenschaft für präkolumbianische Kunst. Fünf Jahre später nahm er sich infolge seiner fortschreitenden manisch-depressiven Psychosen das Leben.|

  • Auszeichnungen

    Seit 1996 Fundación Wolfgang e Isabel Paalen A. C. (Mexico-Stadt), die die Casa Paalen in Tepoztlán, Morelos, betreut.

  • Werke

    „kykladische“ Phase: L'Homme Possible, 1936 (Slg. I. Marín de Paalen);
    Peinture 1934;
    Tête, 1936 (beide Privatbes.);
    „totemistische“ Phase: Paysage Totémique, 1937 (Slg. Parker, Tiburon/USA);
    Combat des Princes Saturniens, 1938 (Slg. G. Onslow Ford, Inverness/USA);
    Fumage-Objekt, 1937;
    Taches Solaires, 1938 (beide Privatbes.);
    „dynatische“ Phase: Les Cosmogones, 1944 (Slg. Anthoine, New York);
    Spätphase: Portrait A. Breton, 1952 (Privatbes.);
    Banistas, 1959 (Museo del Arte Carillo Gil, Mexiko D. F.).

  • Ausstellungen

    u. a. Nierendorf Gallery, New York 1946; Gal. Pierre, Paris 1951 (Kat. mit e. Vorwort v. A. Breton); Librarie Loliée, Paris 1960 (Kat. mit Vorwort v. O. Paz); Museo de Arte Moderno, Mexico 1967; Dynaton, Before & Beyond, F. R. Weisman Mus., Malibu (Cal.) 1992, W. P. – Zw. Surrealismus u. Abstaktion, Mus. mod. Kunst, Wien 1993 (erste umfassende Retrospektive, mit Biogr., Bibliogr.), danach Museo del Arte Carrillo Gil, Mexico 1994.

  • Literatur

    A. Breton, Nicht mehr den Diamant im Hut, 1938;
    ders. Ein Mann am Knotenpunkt d. gr. Wege, 1951, beides in: ders., Der Surrealismus u. d. Malerei, 1967 (wieder in: Ausst.kat. Wien 1993);
    G. Regler, W. P., 1946;
    L. Morales, W. P., 1984;
    C. Kloyber, Der Nachlaß W. P., Eine Dok., 1992 (ungedr., Archiv d. Österr. Bundesmin. f. Wiss. u. Forsch.);
    A. H. Winter, W. P., „Dyn“ and the American Avant-Garde of the 1940s, 1995;
    A. Neufert, W. P., Kunst u. Wiss. im Spannungsbogen d. Malerei (im Druck) (Biogr., W-Verz. u. theoret. Schrr. in dt. Übers.);
    Vollmer;
    A. Biro, Dict. générale du surréalisme et de ses environs, 1992;
    Dict. of Art. – Mitt. v. A. Neufert, München.

  • Autor/in

    Dieter Schrage
  • Empfohlene Zitierweise

    Schrage, Dieter, "Paalen, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 733 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119136961.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA