Lebensdaten
1801 bis 1863
Geburtsort
Gronau bei Düren
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Archäologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119077094 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Braun, Johann Wilhelm Josef
  • Braun, Josef
  • Braun, Johann Wilhelm Josef
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Zitierweise

Braun, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119077094.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Mathias, Gutsbesitzer zu Haus Gronau bei Düren ( 1821);
    M Caecilie, T des Peter Laschert und der Agnes Bettelcorp.

  • Leben

    Nach privatem Studium der Humaniora besuchte B. 1818-20 die höhere Lehranstalt in Düren, studierte 1820-21 privat Philosophie in Köln, 1821-24 Philosophie, Philologie und Theologie an der Universität Bonn, wurde 1825 in Gießen zum Dr. phil., 1826 in Breslau zum Dr. theol. promoviert, nahm dann in Wien (1825–26), wo er auch die Priesterweihe empfing, und in Rom (1826–27) einen Studienaufenthalt zu seiner wissenschaftlichen Weiterbildung. 1827 wurde er zum Repetenten am Theologischen Konvikt in Bonn ernannt, 1828 für Kirchengeschichte und neutestamentliche Exegese an der dortigen Universität habilitiert und ebenda 1833 zum ordentlichen Professor für Kirchengeschichte ernannt. Philosophisch-theologisch von Georg Hermes stärkstens beeindruckt und von seiner Rechtgläubigkeit überzeugt, blieb er zeitlebens dessen Anhänger. Die päpstliche Entscheidung über Hermes' Lehre, um deren Änderung er sich zusammen mit P. J. Elvenich erfolglos in Rom bemühte (1837/38), lehnte er ebenso ab wie die von Rom geforderte Form seiner Unterwerfung. Deswegen entzog ihm der Kölner Erzbischof-Coadjutor Johann von Geissel 1843 die missio canonica (die teilweise suspensio a divinis erst 1863 gemildert), worauf er staatlicherseits unter Belassung von Gehalt und akademischer Stellung von seinen Amtspflichten entbunden wurde. Trotz der kirchlichen Maßregelung blieb B. der katholischen Kirche treu. Seine öffentliche Tätigkeit verlagerte sich nun auf das Gebiet der Kunst, wissenschaftlicher Organisationen und der Politik (1848 Abgeordneter in Frankfurt, 1850 in Erfurt, 1852/62 im Preußischen Landtag). Für großdeutschen Gedanken und konstitutive Monarchie ebenso eintretend wie für die Freiheit der Kirche, hat er doch parteipolitische Bindungen stets gemieden. Die Vielseitigkeit seiner Interessen gab B. Anlaß zu zahlreichen kleinen Veröffentlichungen und Übersetzungen, ließ ihn aber nicht zu großen, ausgereiften Arbeiten kommen.

  • Werke

    Die Lehren d. sog. Hermesianismus üb. d. Verhältnis d. Vernunft z. Offenbarung, 1835;
    Acta Romana, 1838 (mit P. J. Elvenich);
    Meletemata theologica, 1838 (dt. 1839);
    Bibliotheca regularum fidei, 2 Bde., 1844 (unvollendet);
    Dtld. u. d. dt. Nat. Versammlung, 1849, 21850;
    Raffaels Disputa, 1859;
    Das Minoritenkloster u. d. neue Mus. zu Köln, 1862.

  • Literatur

    ADB III (W);
    H. Schrörs, Ein vergessener Führer aus d. rhein. Geistesgesch. d. 19. Jh., J. W. J. B., 1925 (P);
    LThK.

  • Autor/in

    Eduard Hegel
  • Empfohlene Zitierweise

    Hegel, Eduard, "Braun, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 552 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119077094.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Braun: Joh. Wilh. Joseph B., geb. 27. April 1801, 30. Sept. 1863, bereitete sich, nach absolvirtem Gymnasium zu Düren, von 1820—21 zu Köln auf den Priesterstand vor, machte 1821—25 philosophische, theologische, philologische und historische Studien zu Bonn unter Hermes, Niebuhr, Welcker, A. W. v. Schlegel u. A., 1825 unter Ruttenstock canonistische Studien zu Wien, wo er auch im Hause Friedrichs v. Schlegel viel verkehrte und am 18. Dec. 1825 zum Priester geweiht wurde. Dann brachte er zwei Jahre in Italien und namentlich in Rom zu, wo er canonistischen und archäologischen Studien oblag und in vertrautem Umgange mit Veit, Overbeck und Ernst Platner lebte. Ende 1827 kehrte er nach Bonn zurück, wurde Repetent im katholischen Convicte, Privatdocent und schon 1828 außerordentlicher, 1829 ordentlicher Professor in der theologischen Facultät. Seine Vorlesungen verbreiteten sich über Kirchengeschichte, kirchliche Archäologie, Exegese des Neuen Testaments, geistliche Beredsamkeit, und später auch über Kirchenrecht. 1832 gründete er mit Achterfeldt, v. Droste-Hülshoff, Scholz und Vogelsang die Zeitschrift für Philosophie und katholische Theologie, die 1852 einging. Als im Sommer 1835 das päpstliche Verdammungsdecret der Hermesischen Schriften erschien, ließ er es an keiner Anstrengung fehlen, um die schlimmen Folgen dieses Decrets für die Wissenschaft innerhalb der katholischen Kirche abzuwehren. Deshalb reiste er auch im|Auftrage der preußischen Regierung mit seinem Freunde Elvenich im April 1837 nach Rom. Den Erfolg dieser Mission legten Beide in den „Meletematis theologicis“ 1837 und in den „Actis Romanis“ 1838 actenmäßig dar. Nach einer Abwesenheit von fünfviertel Jahren setzte er seine akademische Thätigkeit bis 1843 fort, wo die Regierung ihn vom Halten von Vorlesungen dispensirte. Je mehr Muße er nun hatte, desto reicher wurde seine litterarische Thätigkeit, besonders im Gebiete der Archäologie und Kunstgeschichte. 1847 wurde er Präsident des „Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande“, und blieb es bis zu seinem Tode. — 1848 war er Mitglied der Nationalversammlung zu Frankfurt, später des Unionsparlaments zu Erfurt und nahm endlich an allen Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses zu Berlin bis 1862 Theil. — Braun's Schriften, die sich durch klare und lebendige Auffassung und Darstellung, verbunden mit großer Umsicht, auszeichnen: „Ueber die schriftstellerischen Leistungen des Dr. Ant. Theiner“ 1829. „S. Justini martyris et philosophi Apologiae“, mit lat. Commentar, 1830, 2. verm. und verb. Aufl. 1860. „Von den Pflichten des Geistlichen“, etc. 1831. „Cyprian's Büchlein vom Gebete des Herrn“, 1832. 2, Aufl. 1834. „Biographische Mittheilungen über Clem. Aug. v. Droste Hülshoff“, 1833. „Die Lehre des sog. Hermesianismus über das Verhältniß der Vernunft zur Offenbarung“ 1835. Die oben citirten „Acta“ und „Meletemata“. „Deutschland und die Nationalversammlung", 1849, 2. Aufl. 1850. „Berliner Briefe über die orientalische Frage", 1854. „Die Kammern und das Land", 1855. „Raffael's Disputa“, 1859. „Das aufgelöste Haus der Abgeordneten“, 1862. Ferner eine große Anzahl von Abhandlungen und Recensionen in der Zeitschrift für Philosophie und katholische Theologie, in den Jahrbüchern des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande und in den Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein. Endlich viele Programme zur Jahresfeier von Winkelmann's Geburtstag.

  • Autor/in

    Knoodt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Knoodt, "Braun, Josef" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 267-268 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119077094.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA