Lebensdaten
1814 bis 1848
Sterbeort
Frankfurt am Main
Beruf/Funktion
Mitglied des preußischen Landtags ; Mäzen Liszts ; Abgeordneter des Kreises Ratibor zur Nationalversammlung ; Offizier
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 119002043 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lichnowski, Felix Fürst
  • Lichnowsky, Felix Fürst
  • Lichnowski, Felix Fürst
  • mehr

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Zitierweise

Lichnowsky, Felix Fürst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119002043.html [23.08.2019].

CC0

  • Leben

    Lichnowski: Fürst Felix L., Sohn des Historikers Eduard Fürsten L., Verfassers der „Geschichte des Hauses Habsburg“, geb. am 5. April 1814, trat im J. 1834 in die preußische Armee, nahm aber im J. 1838 seine Entlassung und ging in die Dienste des spanischen Prätendenten Don Carlos, welcher ihn zum Brigadegeneral und zu seinem Generaladjutanten ernannte. Seine Erlebnisse in Spanien, von wo er 1840 zurückkehrte, schildern seine „Erinnerungen aus den Jahren 1837—1839“ (Frankfurt 1841—1842, 2 Bde.). Er gerieth durch letztere in einen Streit mit dem spanischen General Montenegro, der zu einem Duell führte, in dem L. schwer verwundet wurde. Nach seiner Genesung machte er eine Reise nach Lissabon, über die er in der Schrift „Portugal. Erinnerungen aus dem Jahre 1842“ (Mainz 1843) berichtete. An dem ersten preußischen Vereinigten Landtag 1847 nahm er als Mitglied der Herrenkurie Theil. Bei dem Ausbruche der Märzrevolution 1848 vom Wahlbezirk Ratibor in die deutsche Nationalversammlung gewählt, nahm er in der Paulskirche seinen Sitz auf der Rechten. Hier ward ihm Gelegenheit, sein glänzendes Rednertalent, das ihm leider in der Folge verderblich werden sollte, in vollem Umfange zu bewähren. Unvergeßlich bleibt sein erstes Eingreifen in der Verhandlung in Betreff der Verhängung des Belagerungszustandes über die Festung Mainz, aus Anlaß des im|Mai 1848 daselbst ausgebrochenen Volksaufstandes, in der er mit herausforderndem Hohn den Charakter der dortigen Volksbewegung unbarmherzig geißelte und dadurch den Haß der radikalen Partei gegen sich hervorrief. Weder bei dieser Gelegenheit noch bei zahlreichen späteren Anlässen, insbesondere bei den Debatten über die Grundrechte, über die Berechtigung der Versammlung zur endgiltigen Beschlußfassung über die neue Verfassung u. A. verleugnete er je seinen aristokratischen und Legitimitätsstandpunkt. Er gefiel sich aber jederzeit darin, unter Wahrung der parlamentarischen Anstandsformen der äußersten Linken nicht nur den Gegensatz seiner Ueberzeugung, sondern auch die persönliche Geringschätzung in der verletzendsten Weise fühlbar zu machen. Im Besitze einer gründlichen politischen Bildung, das Bild der jugendlichen Kraft und Streitlust, mit einer glänzenden Schlagfertigkeit, die er insbesondere bei Unterbrechungen durch die Linke in virtuoser Weise zu üben verstand, begabt, zählte L. in dem Kreise der Rednertalente, an dem die Paulskirche überreich war, zu den hervorragendsten Erscheinungen, obwol man deutlich fühlte, daß ihm weniger daran lag, zu überzeugen als durch Effekte zu glänzen. Es konnte nicht ausbleiben, daß Fürst L. durch die offen bekannte Geringschätzung der radikalen Partei zum Gegenstande des persönlichen Hasses auf Seite der letzteren wurde, welcher sich, geschürt durch die Artikel der radikalen Blätter und durch zahlreiche spöttische Abbildungen, auch den untersten Volksschichten mittheilte. Die Folgen davon ließen auch nicht lange auf sich warten. Als in Folge der Abstimmung über die Frage des Malmöer Waffenstillstandes (L. hatte bei diesem letzten Anlasse in sehr versöhnlichem Sinn gesprochen) durch die verhetzten Volksmassen die Sprengung der Versammlung in der Paulskirche versucht wurde und am 18. September 1848 der offene Volksaufstand ausbrach, ritt L. in Begleitung des Generals v. Auerswald, allen Warnungen spottend, außerhalb der Stadt, um die erwartete württembergische Artillerie zu begrüßen. Auf der Bornheimer Chaussee ward er jedoch von einem Haufen bewaffneten Gesindels erkannt, das sofort mit Flinten und anderen Mordwerkzeugen auf die beiden Wehrlosen Jagd machte und sie nöthigte die Rettung durch die Flucht zu versuchen. Sie verirrten sich jedoch in einen Gartenweg ohne Ausgang, ließen die Pferde ins Freie laufen und trachteten sich in einer Gärtnerswohnung zu verbergen. Von dem nachgefolgten Volkshaufen aus ihrem Verstecke hervorgezogen, wurde L., nachdem sein Begleiter durch einen Schuß niedergestreckt worden war, in wahrhaft kannibalischer Weise erschlagen. Er erlag, sein klares Bewußtsein bis zum letzten Augenblick bewahrend, am 19. September 1848 in der Villa des Baron Bethmann seinen Wunden.

    • Literatur

      Laube, Das erste deutsche Parlament, 2. Bd., S. 280 ff. Haym, Die deutsche Nationalversammlung 1848, S. 144 f. Persönliche Erlebnisse.

  • Autor/in

    Sommaruga.
  • Empfohlene Zitierweise

    Sommaruga, Franz Freiherr von, "Lichnowsky, Felix Fürst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 533-534 unter Lichnowski [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119002043.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA