Lebensdaten
1916 bis 2001
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Journalist ; Schriftsteller ; Zeitungsherausgeber
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118920499 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schulmeister, Otto

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Zitierweise

Schulmeister, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118920499.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1886–1969). Staatsbediensteter, nach d. 12.3.1938 entlassen;
    M Hermine Nedl (1886–1958). aus W.;
    1941 Hedwig (* 1918), T d. Fritz Meisel (1875–1952). Staatsbediensteter, u. d. Emma Lorber (1885–1944);
    3 S Paul (* 1942), Dr. iur., Journ., Stephan (* 1947), Dr. iur., Mag. rer. soc. oec., Nat.ök. (s. Qu), Nikolaus Eder (* 1958), Regisseur, 4 T Clara (* 1944), Dr. phil., Agnes (* 1949), Mag., Beamtin, Therese (* 1950), Maria (* 1951).

  • Leben

    S., der das Realgymnasium in Wien absolvierte, gehörte bis März 1938 der kath. Jugendbewegung „Bund Neuland“ unter Führung von Anton Böhm an, wo er u. a. Franz König, Josef Klaus, Otto Mauer, Adam Wandruszka und Ignaz Zangerle kennenlernte. Vor 1934 war er kurze Zeit auch Mitglied der HJ. Seit 1936 studierte er Staatswissenschaften und Nationalökonomie an der Univ. Wien. Prägende Eindrücke gewann er durch Othmar Spann, Martin Heidegger, Ernst Jünger, Heinrich v. Srbik und Josef Nadler. Den „Anschluß“ Österreichs an Deutschland begrüßte er. 1940 wurde S. auf Empfehlung des früheren stellv. Chefredakteurs der „Neuen Freien Presse“, Ernst Molden (1886–1953), Berlin-Korrespondent des „Südost-Echo“, eines vom Berliner Reichswirtschaftsministerium initiierten Wirtschaftsblatts; später schrieb er für das „Europa-Kabel“ (Amsterdam). An der Univ. Amsterdam stellte er 1941 seine Dissertation „Werdende Großraumwirtschaft, Die Phasen ihrer Entwicklung in Südosteuropa“, fertig und wurde zum Dr. rer. pol promoviert. 1941-45 leistete er in Rußland und auf dem Balkan Kriegsdienst, zuletzt als Kriegsberichterstatter (u. a. als Mitarbeiter d. „Donauzeitung“).

    Nach der Entlassung aus der brit. Kriegsgefangenschaft (Mai bis Herbst 1945) trat S. Anfang 1946 auf Einladung Ernst Moldens in die Redaktion der zunächst nur wöchentlich erscheinenden „Die Presse“ ein und wurde nach deren Umwandlung in eine Tageszeitung im Okt. 1948 außenpolitischer Redakteur (neben Adam Wandruszka u. Fritz Molden). Im selben Jahr trat er auch in die Redaktion der kulturpolitischen Monatsschrift „Wort und Wahrheit“ ein, die er gemeinsam mit Otto Mauer, Anton Böhm und Karlheinz Schmidhüs bis 1968 redigierte und für die u. a. Friedrich Heer, Ernst Topitsch und Erich Zöllner schrieben; 1953-61 war er unter der Herausgeberschaft von Fritz Molden (* 1924) Stellvertreter des Chefredakteurs Milan Dubrovic (1903–94).

    Nach Verkauf der „Presse“ im Okt. 1961 durch Fritz Molden an den Julius Raab nahestehenden Werbefachmann Fred Ungart (1897–1974) gelang es S., inzwischen Chefredakteur, die Unabhängigkeit der Zeitung weitgehend zu erhalten. Unter seiner Leitung wurde das Format der Zeitung vergrößert, die Redaktion erweitert und die Qualität der Beiträge verbessert. Die politische Linie, besonders in der Innenpolitik, wurde konservativer. Eine Einladung zum Eintritt in das Kabinett Josef Klaus als Unterrichtsminister lehnte S. 1964 ab. 1966 sah sich Ungart zum Verkauf der defizitären Zeitung gezwungen; sie ging an die Bundeswirtschaftskammer über. Auch diesmal gelang es S., den|Einfluß des neuen Eigentümers auf die Zeitung in Grenzen zu halten. Im Okt. 1976 trat er von der Chefredaktion zurück, blieb aber bis 1989 Herausgeber, eine eigens für ihn geschaffene Position. Sein Nachfolger in beiden Positionen wurde Thomas Chorherr.

    Als Zeitungsmann, Herausgeber und Autor von Sachbüchern sowie durch seine Auftritte in Diskussions-Sendungen (Diskussion der Chefredakteure, Jour Fixe, Club 2, X-32) erwarb sich S. in den 1960er und 70er Jahren hohes Ansehen als konservativer Publizist, der sich zwar zum „Österreichertum“ bekannte, der Vorstellung einer österr. Nation bis zuletzt aber wenig abgewinnen konnte. Er kritisierte die allgemeine geistige Verflachung und warnte vor österr. Kleingeisterei und Verdrängung der eigenen gebrochenen Geschichte.

  • Auszeichnungen

    Hanns-Martin-Schleyer-Preis d. Dt. Bank (1989, mit Golo Mann) u. zahlr. weitere internat. Auszeichnungen.

  • Werke

    Die Zukunft Österr.s, 1967, 41968;
    Die Welt, die wir verlassen, Signale e. Epochenwechsels, 1970;
    Die erschöpfte Rev., Von d. pol. Utopie z. Leerlauf d. Zeit, 1978;
    Der zweite Anschluß, Österr.s Verwandlung seit 1945. 1979;
    Ernstfall Österr., Stichproben z. Lage d. Rep., 1995;
    Hg.:
    Spectrum Austriae, 1957 (mit J. Ch. Allmayer-Beck u. A. Wandruszka);
    Imago Austriae, 1963 (mit J. Ch. Allmayer-Beck u. E. Lessing);
    Offene Briefe an d. Österreicher. 1970: Österr. in Gesch. u. Gegenwart, 1980 (mit J. Ch. Allmayer-Beck u. A. Wandruszka);
    Art. u. Aufss.:
    Laterna Magica d. Welt (Vorwort zu: F. Endler, Österr. zw. d. Zeilen, Die Vorwandlung v. Land u. Volk seit 1848 im Spiegel d. „Presse“, 1973);
    Freiheit u. Bedrohung d. Presse! Zweihundert J. Tagesztgg. in Österr., in: 200 J. Tagesztgg. in Österr. 1783-1983. FS u. Ausst.kat., hg. v. F. Ivan, H. W. Lang u. H. Purer. 1985.

  • Literatur

    Th. Chorherr, Neunzehnhundertachtunddreissig. Anatomie e. Jahres, 1987, S. 170-84: Furche v. 7.11.1964;
    Die Zukunft. Nr. 4/1968: Wochenpresse V. 27.6.1973, Kronen Ztg. v. 17.11.1973 u. 29.3.1986;
    Rathaus-Korr. v. 30.3.1976: Wiener Ztg. v. 25.4.1986;
    Kl. Ztg. v. 30.3.1988: Profil 46, 1988;
    Salzburger Nachrr. v. 28.9.1989;
    FAZ v. 1.4.1996 u. 13.8.2001;
    Die Presse v. 13.8.2001; Hist. Lex. Wien (P);|

  • Quellen

    Qu ÖStA (AdR, BM f. I, Gauakt O. S); Mitt. v. Stephan Schulmeister.

  • Autor/in

    Theodor Venus
  • Empfohlene Zitierweise

    Venus, Theodor, "Schulmeister, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 685-686 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118920499.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA