Lebensdaten
1725 bis 1784
Geburtsort
Lunéville
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Maler ; Kunsttheoretiker
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 118901834 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Guibal, Nicolas
  • Guibal, Nikolaus

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Zitierweise

Guibal, Nicolas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118901834.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Barthelémy (1699–1757), Bildhauer u. Architekt am lothring. Hof (s. ThB);
    Regina Christiane Jul Gröber ( 1799);
    3 S, 3 T.

  • Leben

    Die erste Unterweisung erhielt G. bei seinem Vater, dann bei Cl. Charles in Nancy, insbesondere in Paris bei Ch. Natoire. 1749 war er bei der Ausmalung des Opernhauses im Lusthaus in Stuttgart tätig, wobei er die Aufmerksamkeit des Herzogs Karl Eugen auf sich zog, der ihn 1750 zur Vollendung seiner Studien auf Staatskosten nach Rom sandte. Dort trat er 1752 in enge Beziehungen zu A. R. Mengs, dem er zeit seines Lebens hohe Verehrung zollte. 1753 erteilte der Herzog in Rom den Auftrag an G. für 4 Deckenbilder für den Gartenflügel der Stuttgarter Residenz, die in Rom als Leinwandbilder entstanden und später im Residenzschloß als Tafelbilder in die Decke eingelassen wurden. 1754 erfolgte die Anstellung am württembergischen Hof, jedoch erst im Herbst 1755 die endgültige Übersiedlung nach Stuttgart, verbunden mit der Ernennung zum „premier peintre“. 1758 entstand das große Deckenbild am Treppenaufgang zum Marmorsaal der Residenz, den Aufschwung Württembergs unter dem Einfluß der Wissenschaften und Künste darstellend. 1757/58 wurde G. Mitglied der kaiserlichen Akademie in Augsburg, 1760 Direktor der Gemäldegalerie in Ludwigsburg, 1763 Mitglied der herzoglichen Residenzbaudeputation. – Im Schloß Monrepos malte G. ein Deckenbild mit der Darstellung von Venus und Adonis, 1764/65 Gemälde im Fürstenstand der Ordenskapelle des Ludwigsburger Schlosses. Bedeutende Aufträge erhielt er auf der Solitude, wo er, abgesehen von seiner Tätigkeit als Maler, weitgehend als maßgebender künstlerischer Ratgeber des Herzogs wirkte. Sein Hauptwerk dort ist das Deckenbild im Weißen Saal, das in kühner Allegorie den Wohlstand und das Wohlergehen des Landes, bewirkt durch die fürstlichen Tugenden, darstellt. Nach G.s Entwürfen schuf sein Schüler Ph. F. Hetsch, das Erwachen der Zöglinge symbolisierend, 1780-82 das Deckenbild im Speisesaal der Hohen Karlsschule, die im 2. Weltkrieg völlig zerstört wurde, 1782 das Deckenbild im Marmorsaal des Residenzschlosses, Minerva, Württembergia und den Neckar darstellend. – Von den Deckenbildern sind heute nur noch die auf der Solitude, in Monrepos und in Schwetzingen erhalten. Sie lassen den Geist des Klassizismus nur in der Sorgfalt der Zeichnung und der Modellierung erkennen, im übrigen aber bleiben sie doch weitgehend dem Barock verbunden, obgleich sie nicht mehr im Sinne des Illusionismus geschaffen sind.

    An auswärtigen Aufträgen ist an die Arbeiten zu denken, die G. im Auftrag des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz schuf und die ihm der befreundete Mannheimer Oberbaudirektor N. de Pigage vermittelte, zumal die 1775 entstandenen Szenen im Badhaus zu Schwetzingen. An Altarbildern sind die Tafeln in der Klosterkirche in Zwiefalten und in Sankt Ursus in Solothurn zu nennen; hinzu treten eine Reihe von gelegentlich entstandenen Staffeleibildern religiösen und mythologischen Inhalts sowie Bildnisse (zum Teil Staatsgalerie Stuttgart). Neben der Stellung als Berater des Herzogs in allen Kunst- und Baufragen war G.s Tätigkeit als Lehrer von entscheidender Bedeutung. Seit 1761 Professor an der neuerrichteten Académie des Arts, leitete er von 1771 an die Kunstabteilung der Militärpflanzschule auf der Solitude und hielt seit 1774 Vorlesungen an der daraus hervorgegangenen Hohen Karlsschule. Dort gab er einer ganzen Generation von Künstlern nicht allein ein solides technisches Können, vielmehr eine universale Bildung mit auf den Weg und vermittelte ihr als eifriger Theoretiker des frühen Klassizismus, den er in seiner beruhigten französischen Form nach Württemberg verpflanzt hatte, die Ideale einer neuen an die Antike anknüpfenden Kunstanschauung.

  • Werke

    Eloge historique de Mengs, Paris 1778 (aufgenommen in e. Überarbeitung v. L. T. Herissant in: Oeuvres de Mengs, übers. v. D. de Longrais, o. O. 1782);
    Eloge de N. Poussin, peintre ordinaire du roi, Paris 1783, preisgekrönt v. d. Ak. v. Rouen;
    Les proportions du corps humain … (Ms., Stuttgart, Württ. Landesbibl.). - Briefe an F. H. Füger, mitget. v. F. Raab in: Zs. f. bildende Kunst 12, 1877, S. 151.

  • Literatur

    ADB X;
    A. Feulner, Skulptur u. Malerei d. 18. Jh. in Dtld., Hdb. d. Kunstwiss., 1929, S. 250 f.;
    K. Martin, in: Oberrhein. Kunst IV, 1929/30, S. 176 f.;
    ders., in: Die Kunstdenkmäler d. Amtsbez. Mannheim-Stadt Schwetzingen, 1933;
    W. Fleischhauer, Das Bildnis in Württemberg, 1939, S. 19 f.;
    ders., in: Die Schwäb. Kunst im 19. u. 20. Jh., 1952, S. 17;
    H. A. Klaiber, Ph. de la Guêpière, 1959;
    ThB.

  • Portraits

    Stich v. G. J. Schlotterbeck, 1781, n. Gem. v. J. Melling, Abb. in: A. Wintterlin, Württ. Künstler, 1895, S. 18;
    Stich v. J. G. Böttger n. Zeichnung v.|J. E. Schenau, Abb. in: J. G. Meusel, Neues Mus. f. Künstler u. Kunstliebhaber, 1794;
    Miniaturbildnis v. F. H. Füger (Stuttgart, Württ. Landesmus.), Abb. b. W. Fleischhauer, Das Werk d. Künstlers, in: Festschr. H. Schrade, 1960, S. 293;
    Medaille v. A. R. Werner, Abb. in: Ch. Binder, Württ. Münz- u. Medaillenkde., 1846, S. 575, Nr. 28.

  • Autor/in

    Max Schefold
  • Empfohlene Zitierweise

    Schefold, Max, "Guibal, Nicolas" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 296 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118901834.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Guibal: Nikolaus G., Maler, geb. den 29. November 1725 zu Lüneville, gest. den 3. Novbr. 1784 zu Stuttgart, war der Sohn des Barthélemi G. aus Nîmes, eines tüchtigen Künstlers, welcher den Herzogen Leopold und Stanislaus von Lothringen als Bildhauer und Architekt diente. Er erhielt den ersten Unterricht als Bildhauer von seinem Vater, ging aber schon im 13. Jahre zur Malerei über, in welcher der lothringische Hofmaler Claude Charles zu Nancy, ein Schüler von Carlo Maratti, sein Lehrer wurde. Im J. 1740 kam er nach Paris und lernte unter Charles Natoire fünf Jahre weiter, bis er als Pensionär in die königl. Akademie aufgenommen wurde. Im J. 1749 folgte er einer Berufung Herzog Karls von Württemberg nach Stuttgart. Hier war er an den rechten Mann und den rechten Ort gekommen. „Seine feurige Einbildungs- und Erfindungskraft, seine technische Fertigkeit machte ihn zu einem höchst brauchbaren Diener eines Herrn, der alles weit, breit, glänzend, in möglichst kurzer Zeit haben wollte, der alles Produkt der Kunst wie eine Opern-Decoration ansah und behandelte“ (von Uexküll, s. u.). Herzog Karl verwandte G. zunächst bei der decorativen Ausstattung des in dem sogenannten Neuen Lusthaus eingerichteten Opern-Theaters, gewährte ihm aber schon im J. 1752 die Mittel zu einer Reise nach Rom, um sich dort weiter auszubilden und einige Aufträge für das neue Residenzschloß in Stuttgart auszuführen. G. wurde in Rom von Raphael Anton Mengs als Hausgenosse aufgenommen und bekannte sich zeitlebens mit Stolz und Dankbarkeit als dessen Schüler (vgl. den Kupferstich „Aux mânes de Mengs — Inventé, dessiné & offert aux Enfants de ce célèbre Peintre, par Nic. Guibal, pr Peintre du Duc de Würtemberg, son élève &son ami. 1779. gravé par Chphe Guerin à Strasbourg 1783"). Herzog Karl, welcher im J. 1753 selbst nach Rom kam, bewilligte dem jungen Manne ein ansehnliches Wartgeld für einen längeren Aufenthalt. G. vollendete daselbst unter der Leitung von Mengs vier Deckenstücke, welche bei dem Stuttgarter Schloßbrande des J. 1762 zu Grunde gingen. Im J. 1755 nahm ihn der Schwiegervater Karls, Markgraf Friedrich von Brandenburg-Baireuth, dem er in Rom als Führer gedient hatte, auf seiner weiteren Reise durch Italien mit und brachte ihn dann nach Stuttgart zurück. Hier wurde G. mit der Anstellung als „Premier Peintre“ und bald auch als Galleriedirector bleibend für den Dienst des Herzogs gewonnen. Er wurde von demselben besonders als Plafondmaler verwendet, wozu G. durch die Leichtigkeit, mit der er gefällige Allegorien zu erfinden und solche praktisch gewandt auszuführen wußte, besonders berufen war. Sein bedeutendstes Werk dieser Art ist das mit Oelfarbe gemalte Deckengemälde in der sogenannten Marmortreppe des Stuttgarter Residenzschlosses, vollendet im J. 1758, welches das unter dem Einfluß der Künste und unter der Fruchtbarkeit der Jahreszeiten blühende Württemberg darstellt. Weitere Plafondbilder von seiner Hand, theils in Oel theils al fresco gemalt, wobei der Landschafter Harper ihn in der Herstellung der Luft, Blumen u. dergl. unterstützen mußte, finden sich im Lorbeersaale und der Kapelle des Lustschlosses Solitüde bei Stuttgart, im „Runden Saal“ des Seeschlosses (Monrepos) bei Ludwigsburg, im Speisesaal der Hohen Karlsschule (jetzt Local der königl. Handbibliothek) in Stuttgart, im Festsaale des ehemaligen Lustschlosses (der jetzigen landwirthschaftlichen Akademie) zu Hohenheim und in der Ordenscapelle des Ludwigsburger Schlosses. Auch das Deckengemälde in dem Badhaus zu Schwetzingen bei Mannheim, im Auftrag des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz ausgeführt, gehört seiner besten Zeit an. Daß an den meisten dieser Werke die jähe Hast unverkennbar ist, mit welcher sie nach dem Willen Serenissimi hergestellt werden mußten, ist nicht zu läugnen; doch gehen die abschätzigen Urtheile, welche Goethe und sein Kreis (vgl. die Reise in die Schweiz und Winkelmann und sein Jahrhundert) über G. ausgesprochen, zu weit. Schon seine erfolgreiche Wirksamkeit als Lehrer beweist, daß er doch eine ernsthaftere Natur war. Er war im J. 1761 zum Professor an der in demselben Jahre errichteten Académie des Arts zu Stuttgart (und Ludwigsburg) ernannt worden. Von 1771 an wirkte er auch als Lehrer an der Filial-Kunstschule auf der Solitüde und seit 1776 als Professor an der Hohen Karlsschule zu Stuttgart. Zum Lehrer befähigte ihn außer der Sicherheit seines künstlerischen Könnens auch ein nicht unbedeutendes Wissen. Sein Vortrag wird geschildert als „eindringlich, rein, klar und von einer bedeutenden Mimik begleitet“. Dabei nahm der ebenso gemüth- als geistvolle Meister sich seiner Schüler mit großer Treue auch über die Schule hinaus freundlich fördernd an. Die Bildhauer J. H. Dannecker und Ph. J. Scheffauer, die Maler H. F. Füger, Ph. F. Hetsch und F. E. Wächter, sowie der Kupferstecher J. G. Müller machen seinem Unterrichte alle Ehre. Zu Staffeleibildern blieb dem nebenbei auch als Arrangeur der Hof- und Karlsschule-Feste und Mitglied der Residenz-Baudeputation ausgenützten Manne nicht viel Zeit übrig. Doch malte er mehrere größere Stücke für den Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz und Altarbilder für die Hauptkirche zu St. Ursus in Solothurn, für eine Kirche zu Schwäbisch-Gmünd und die Klosterkirche zu Zwiefalten. Auch die Stuttgarter Staats-Gallerie besitzt ein Oelgemälde von seiner Hand: „Der Leichnam Christi in der Grabeshöhle von Engeln umgeben“. Als Zeichner lehrt ihn das Werk von Pigage kennen, La Galérie électorale de Dusseldorf, Basle 1778 qu. fol., für welches er das Titelkupfer und die Vignetten der einzelnen Saal-Titelblätter lieferte. Auch in seinen Schriften erwies sich G. als|ein Mann von denkendem und dichterischem Geiste. Im J. 1778 ließ er sein zu Gunsten eines Preises für Dannecker abgegebenes Votum über die Vorstellung Milons von Kroton drucken. In einem „Éloge historique de Mengs“, Paris 1781. 8°“. flocht er diesem seinem Meister einen für das jetzige Urtheil über denselben freilich nur allzublühenden Ruhmeskranz (aufgen. in einer Ueberarbeitung von L. T. Herissant in Oeuvres de Mengs, trad. par Doray de Longrais). Für ein „Éloge de N. Poussin“, Paris 1783. 8°. erhielt er einen Preis von der Akademie zu Ronen. Als Künstler und Mensch einer der liebenswürdigsten Vertreter des französischen Volkscharakters auf deutschem Boden wurde G. von seinen Stuttgarter Zeitgenossen hoch verehrt und von G. F. Stäudlin und F. D. Schubart dichterisch verherrlicht. Sein Bildniß findet sich auf einer von A. R. Werner gefertigten Medaille und gez. von J. E. Schenau, gest. von J. G. Böttger als Titelkupfer zum 3. Stück von Meusel's Neuem Museum für Künstler und Kunstliebhaber, Leipzig 1794.

    • Literatur

      Vgl. ausser den Künstler-Lexicis und der Biogr. univ.: J. J. H. Nast, „Progr. in obitum N. Guibalii etc.“, Stuttg. 1784. 4°.; (K. F. E. v. Uexküll), Entwurf einer Gesch. d. Fortschritte d. bild. Künste in Württemb. 3. Nachtr. zu Heinrich Schickard's Lebensbeschr. v. Eberhard v. Gemmingen, Tübingen 1821. 8°.; H. Wagner, Gesch. d. h. Carlsschule; A. Haakh, Beitr. a. Württb. z. n. d. Kunstgesch.; F. Raab, „Einige Briefe von N. Guibal“ in d. Zeitschr. für bild. Kunst, Bd. 12. 1877; Dussieux, Les artistes français à l'étranger, Paris 1856. 8°.

  • Autor/in

    Wintterlin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wintterlin, "Guibal, Nicolas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 102-104 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118901834.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA