Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
fränkische Adelsfamilie
Konfession
-
Normdaten
GND: 118844113 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schlüsselberg, von

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Zitierweise

Schlüsselberg, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118844113.html [24.10.2018].

CC0

  • Leben

    Das edelfreie Geschlecht der S. war eine der bedeutendsten Adelsfamilien in Franken. Seit 1114 nannte es sich nach Adelsdorf (Otlohesdorf), dann auch nach Greußen (1135–51) und Greifenstein (1172–1233). Seit 1219 führten sie nur noch den Namen der Burg Schlüsselberg im mittleren Wiesenttal. An der Spitze der mit denen von Andechs-Meranien, Truhendingen, Zollern, Wertheim und Leuchtenberg verschwägerten Familie im Radenzgau stand Liutold. Sein Sohn Ulrich, Dompropst zu Bamberg, und seine Brüder Eberhard (erw. 1130-51), Heinrich (erw. 1114-67) und Meingoz (erw. 1114-64) zählten zur engeren Umgebung des Bamberger Bf. Otto d. Hl., wobei sie in Urkunden stets vor den bischöfl. Ministerialen rangierten. Ulrich ( 1322 s. Gatz IV), Sohn des Ulrich III. und der Hedwig v. Gründlach, war nach einem Studium in Bologna 1306 Domdekan in Bamberg und 1313 Propst von St. Stephan. In einer strittigen Wahl wurde er 1318 von einem Teil des Domkapitels zum Bischof von Bamberg gewählt, verzichtete aber auf das Amt. 1322 zum Bischof von Brixen ernannt, starb er noch vor Amtsantritt in Avignon.

    Die Macht und das Ansehen der S. beruhten auf ihrem reichen, zum Großteil durch Rodung erworbenen Besitz; dazu besaßen sie mehrere Pfandschaften vom Hochstift Bamberg sowie vom Reich. Neben dem Stammsitz Adelsdorf und weiteren Allodien im Aischgrund besaßen sie die Burg Senftenberg mit zahlreichen Pertinenzien im Regnitztal. Im Fränkischen Jura hatten sie Anteil an mehreren Burgen und reiche Besitzungen im Leinleiter-, Ailsbach-, Ahorn- und Aufseßtal. Das Wiesenttal und damit die wichtige Fernstraße von Nürnberg nach Bayreuth-Hof beherrschten die Burgen Streitberg und Neideck. Mit Burg Gößweinstein und der Reichspfandschaft zu Heroldsberg wurde die Grenze gegen Nürnberg abgesichert, wie im Osten mit den Burgen Stierberg und Betzenstein gegen die Landgrafen von Leuchtenberg und gegen Pfalz-Bayern. Weiten Besitz hatten die S. im Steigerwald im Tal der Reichen Ebrach mit der Burg Thüngfeld und der Stadt Schlüsselfeld sowie mit dem Zisterzienserinnenkloster Schlüsselau, das als Grablege gegründet worden war. Schließlich erheirateten sie 1278 durch Gottfried I. den reichen Wertheimer Besitz mit der Burg über Stadtprozelten als Mittelpunkt. Der weitgestreute Besitz- und Herrschaftsbereich vom Steigerwald über das Regnitztal und den Jura bis in die Oberpfalz wurde mit Hilfe von zahlreichen Ministerialen straff verwaltet. In diesem „Juraterritorium“ übten die S. die hohe und niedere Gerichtsbarkeit sowie die Zoll- und Geleitshoheit und das Jagdrecht aus.

    Alleiniger Erbe des gesamten schlüsselberg. Besitzes und der Herrschaftsrechte wurde 1307 Konrad II. ( 1347), der Sohn Eberhards IV. Er stand in enger Beziehung zu Ludwig d. Bayern ( 1347), für den er 1313 die Schlacht von Gammelsdorf entschied. Konrad spielte auch eine wichtige Rolle bei der Königswahl Ludwigs, der als Dank 1315 Waischenfeld das Stadtrecht mit Marktbann verlieh. Mit der Stadterhebung Ebermannstadts 1323 erhielt das „Juraterritorium“ einen weiteren zentralen Ort. Konrad war ständig in der Umgebung des Königs zu finden, auch in der entscheidenden Schlacht von Mühldorf/Inn 1322. Da Konrad ohne Erben war, suchten die mächtigen Nachbarn sich Anteile an der Hinterlassenschaft der S. zu sichern. Bei Auseinandersetzungen mit den Burggrafen|von Nürnberg nahm Konrad die zahlreichen Juden, die ihm wohl den Aufbau seines „Juraterritoriums“ finanziert hatten, in Schutz. Als Konrad an der wichtigen Straße über den Jura bei Streitberg eine neue Zoll- und Geleitstation einrichtete, folgte im Spätsommer 1347 ein Krieg mit den Bischöfen von Bamberg und Würzburg, zwei Hohenloher Brüdern sowie Burggf. Johann von Nürnberg, in dessen Verlauf Konrad am 14. Sept. auf seiner Burg Neideck tödlich verletzt wurde. Im Iphofener Vertrag wurde das Territorium der S. am 12.5.1349 von den Siegern aufgeteilt, wobei die Hauptteile an die Burggrafen von Nürnberg und an den Bischof von Bamberg gelangten.

  • Literatur

    H. H. Hofmann, Territorienbildung in Franken im 14. Jh., in: ZBLG 31, 1968, S. 369-420;
    R. Endres, Konrad v. S., in: Fränk. Lb. IV, 1971, S. 27-48;
    G. Voit, Die Schlüsselberger, Gesch. e. fränk. Adelsgeschl., 1988;
    Spindler-Kraus, S. 616 f.;
    Lex. MA.

  • Autor/in

    Rudolf Endres
  • Empfohlene Zitierweise

    Endres, Rudolf, "Schlüsselberg, von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 110-111 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118844113.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA