Lebensdaten
1799 bis 1881
Geburtsort
Glogau
Sterbeort
Schloß Johannesberg (Österreich Schlesien)
Beruf/Funktion
Fürstbischof von Breslau ; Kanzelredner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118810979 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Förster, Heinrich
  • Foerster, Heinrich
  • Förster, H.
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Orte

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Zitierweise

Förster, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810979.html [19.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Kasper;
    M Marianne Rittler.

  • Leben

    Nach Universitätsstudium in Breslau 1821-24 war F. – 1825 zum Priester geweiht – zunächst als Kaplan in Liegnitz und 1828-37 als Pfarrer in Landeshut tätig. Schon in diesen Jahren fiel er durch seine sorgfältig vorbereiteten Predigten auf. 1837 wurde er nach Breslau als Domprediger und Domherr berufen. In seinen formvollendeten und mitreißenden Predigten nahm er Stellung zu den Irrtümern seiner Zeit, zum Beispiel gegen den Deutschkatholizismus J. Ronges und die Revolutionsbewegung 1848. Im Mischehenstreit verfocht er gegenüber dem Fürstbischof L. Graf von Sedlnicky und der Regierung den kirchlichen Standpunkt. Seine Festigkeit und Energie führten 1845 zur Wahl M. von Diepenbrocks zum Breslauer Bischof. 1848 vertrat er ihn bei der Konferenz der deutschen Bischöfe in Würzburg, in deren Auftrag er ein wegweisendes Hirtenwort verfaßte. Als Diepenbrock 1853 starb, wurde F. zum Kapitelsvikar und am 19.4. zum Bischof gewählt (Konsekration am 18.10.). Als Oberhirt setzte er die von seinem Vorgänger begonnene religiöse Erneuerung in der Diözese Breslau durch seine besonnenen Hirtenbriefe, den Bau zahlreicher Kirchen und Klerusversammlungen fort. Der Übertritt der Professoren J. B. Baltzer und J. H. Reinkens zum Altkatholizismus und die Bildung einiger altkatholischer Gemeinden in Schlesien bereiteten ihm Sorgen. Noch schwerer belasteten ihn die Auswirkungen des Kulturkampfes. Ende März 1875 forderte der Oberpräsident ihn „wegen seines prinzipiellen Widerstandes gegen die Kirchengesetze“ zur Niederlegung des bischöflichen Amtes auf. Als der Fürstbischof ablehnend antwortete, wurde eine Voruntersuchung gegen ihn eingeleitet. Um der Gefangennahme zu entgehen, begab er sich am 6.5.1875 in seinen österreichischen Bistumsanteil. Am 6.10.1875 sprach der Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten seine Absetzung aus. F., der am 17.4.1875 anläßlich seines Goldenen Priesterjubiläums das erzbischöfliche Pallium erhalten hatte, mußte seinen Lebensabend im Exil verbringen und von Schloß Johannesberg aus die durch die Kulturkampfgesetzgebung bedrückte Diözese leiten. Er gehört als Kanzelredner, Seelsorger und Mäzen zu den bedeutendsten deutschen Bischofsgestalten des 19. Jahrhunderts.

  • Werke

    Der Ruf d. Kirche in die Gegenwart, Zeitpredigten auf d. Sonntage d. Kirchenjahres, 2 Bde., 1848 f., 71915;
    Ges. Predigten, 6 Bde., 1848 ff., 81912;
    M. v. Diepenbrock, Kardinal u. Fürstbischof, e. Lb., 1859, 31878;
    Ges. Hirtenbriefe a. d. 25 J. 1853-78, 2 Bde., 1880.

  • Literatur

    ADB 48;
    A. Franz, H. F., Fürstbischof v. Breslau, e. Lb., 1875;
    ders., Fürstbischof H. F., in: Literar. Rdsch. 8, 1882, S. 1-6;
    A. Meer, Charakterbilder a. d. Klerus Schlesiens, 1884, S. 312-24;
    J. Kißling, Gesch. d. Kulturkampfes im dt. Reiche II, III, 1913/16;
    H. Schrörs, Ein vergessener Führer a. d. rhein. Geistesgesch. d. 19. Jh.: J. W. J. Braun, 1925, S. 381 ff., 385 ff.;
    F. X. Seppelt, Gesch. d. Bistums Breslau, 1929;
    K. Engelbert, Btrr. z. Biogr. d. Fürstbischofs H. F., in: Archiv f. schles. KG 7, 1949, S. 147-88;
    H. Hoffmann, Fürstbischof H. F., ebd. 12, 1954, S. 257-62 (W);
    Enc. Catt.;
    LThK;
    Kosch, Kath. Dtld.

  • Autor/in

    Bernhard Stasiewski
  • Empfohlene Zitierweise

    Stasiewski, Bernhard, "Förster, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 278 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810979.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Förster: Heinrich F., Fürstbischof von Breslau, geboren am 24. November 1799 zu Groß-Glogau, am 20. October 1881 auf dem Schloß Johannisberg. Er besuchte von 1813 bis 1821 das Gymnasium seiner Vaterstadt, studirte dann Theologie in Breslau und empfing am 17. April 1825 die Priesterweihe. Seine erste Anstellung erhielt er im Mai desselben Jahres als Kaplan in Liegnitz; im Herbst 1828 wurde er Pfarrer in Landeshut. 1837 wurde er als Domcapitular und Domprediger nach Breslau berufen und am 11. October installirt. Als Domprediger wirkte er hier während der nächsten 13 Jahre außerordentlich segensreich und erlangte einen bedeutenden Ruf als Kanzelredner, insbesondere durch sein unerschrockenes Auftreten in den vierziger Jahren gegen den Rongeanismus, wie gegen die Revolutionsbewegung im Jahre 1848. Seine am 24. Sonntag nach Pfingsten des Jahres 1844 gehaltene Predigt über den Text: „Der Feind kommt, wenn die Leute schlafen“ wurde in wenigen Monaten in zehn Auflagen gedruckt und in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet, auch ins Polnische übersetzt. Die Breslauer theologische Facultät verlieh ihm in Anerkennung seiner Verdienste 1845 die theologische Doctorwürde. Dem Fürstbischof Melchior von Diepenbrock, der 1845 die Regierung der unter seinen beiden Vorgängern, dem unkirchlichen Sedlnitzky und dem zwar wohlmeinenden, aber altersschwachen Knauer, vielfach verwahrlosten und eben unter dem ersten Ansturm der religionsfeindlichen Bewegung des „Deutschkatholicismus“ aufgeregten Diöcese übernahm, stand er bei seinem segensreichen und kraftvollen Wirken zur Herbeiführung besserer Zustände als treuer Berather zur Seite. 1848 wurde er als Vertreter des westfälischen Wahlkreises Ahaus-Steinfurt in das Frankfurter Parlament gewählt. Im October desselben Jahres sandte ihn der Fürstbischof als seinen Vertreter zu der Würzburger Versammlung des deutschen Episcopates. Im Jahre 1850 war er unter den für den bischöflichen Stuhl von Mainz in Aussicht genommenen Candidaten. Nach Diepenbrock's Tode ( am 20. Januar 1853) wurde er am 19. Mai 1853 zum Fürstbischof von Breslau gewählt, am 12. September vom Papste präconisiert, am 18. October von dem Fürsterzbischof von Prag, Cardinal Fürsten Schwarzenberg, in der Cathedrale zu Breslau consecrirt. Nach langer gesegneter Wirksamkeit, und nachdem er eben noch am 17. April 1875 unter großer Antheilnahme der Katholiken seiner Diöcese sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum gefeiert hatte, sah er sich infolge der im sog. Culturkampf von der preußischen Regierung gegen ihn vorbereiteten Maßnahmen genöthigt, sich im Mai 1875 auf das fürstbischöfliche Schloß Johannisberg im österreichischen Antheil der Diöcese zurückzuziehen. Von hier aus leitete er fortan die Diöcese, auch nachdem der Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten in Berlin im Herbst des Jahres seine Amtsentsetzung ausgesprochen hatte, und starb hier im Exil. — Försters Predigten erschienen, abgesehen von verschiedenen Einzeldrucken, in folgenden Sammlungen im Druck: „Predigten auf die Sonntage des katholischen Kirchenjahres, gehalten in der Domkirche zu Breslau“ (2 Bde., Breslau 1843; 5. Ausg. 1878); „Homilien auf die Sonntage des katholischen Kirchenjahres, gehalten in der Domkirche zu Breslau“ (2 Bde., Breslau 1845—46; 4. Aufl. 1878); „Der Ruf der Kirche in die Gegenwart. Zeitpredigten, in der Domkirche zu Breslau gehalten"|(2 Bde., Breslau 1848—49; 4. Ausg. 1879); „Die christliche Familie. Fünf Predigten ...“ (4. Ausg. Breslau 1851; 6. Ausg. 1893). Die genannten drei zweibändigen Sammlungen, dazu „Die christliche Familie" als Anhang, sind auch unter gemeinsamem Titel als „Gesammelte Kanzelvorträge“ zusammengestellt (6 Bde., 1848 ff.; 5. Aufl. 1879; 6. Aufl. 1900). Weiter erschien noch die letzte Sammlung: „Abschiedsgabe. Predigten auf die Sonn- und Festtage nebst Gelegenheitsreden“ (2 Bde., Regensburg 1880); „Gesammelte Hirtenbriefe aus den 25 Jahren 1853—1878“ (2 Bde., Regensburg 1880). Außerdem setzte er seinem Vorgänger Diepenbrock ein biographisches Denkmal: „Cardinal und Fürstbischof Melchior v. Diepenbrock. Ein Lebensbild“ (Breslau 1859; 3. Aufl. Regensburg 1878).

    • Literatur

      Ad. Franz, Dr. Heinrich Förster, Fürstbischof von Breslau. Ein Lebensbild, den Katholiken der Diöcese zur Feier des 50jährigen Priesterjubiläums ihres Oberhirten gewidmet. Neisse 1875. Mit Porträt. — Derselbe, Nekrolog in der Literarischen Rundschau 1882, Nr. 1, Sp. 1—6. — A. Meer, Charakterbilder a. d. Clerus Schlesiens (Breslau 1884), S. 312—24.

  • Autor/in

    Lauchert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lauchert, Jakob, "Förster, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 670-671 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810979.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA