Lebensdaten
1843 bis 1903
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Architekt ; Stadtplaner ; Publizist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118797441 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sitte, Kamillo Franz
  • Sitte, Camillo
  • Sitte, Kamillo Franz
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Zitierweise

Sitte, Camillo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797441.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1818–79), aus Weißkirchen (Nordböhmen), Zivilarchitekt in W. (s. ThB; ÖBL; L), S d.|Hans Anton (1754–1827) u. d. Maria Anna Margarete Schüller (1775–1832);
    M Theresia Schabes (1805–52/63), aus Grafenschlag (Niederösterr.), T e. Schuhmachers;
    Wien 1875 Leopoldine (1852/53–1925), T d. Ludwig Blume (* 1794), aus Frohnhausen (Kr. Warburg), ließ sich in W. nieder, u. d. Johanna Wendl (1816–73), aus Seilerndorf b. Litschau (Niederösterr.);
    2 S Siegfried (1876–1945), Zivilarchitekt, Stadtplaner, 1915–36 Prof. an d. Staatsgewerbeschule in W. (s. ÖBL), Heinrich (1879–1951), Kunsthist., Prof. f. altgriech. Kunstgesch. an d. Univ. Innsbruck (s. L); Schwager Ludwig Blume (1846–97), Prof. f. dt. Sprache u. Lit. am Akad. Gymn. in W. (s. BJ IV, Tl.; ÖBL).

  • Leben

    Erste Unterweisungen in allen Bereichen des Bauens erhielt S. bereits als Knabe im Privatbüro des Vaters, der als Zivilarchitekt in Wien ansässig und seit 1850 als Bauführer mit der Errichtung der Altlerchenfelderkirche (Weihe 1861) befaßt war. Durch dieses Hauptwerk der Wiener Romantik wurde S. frühzeitig mit der Kunst der Nazarener vertraut, die seine eigenen Arbeiten nachhaltig beeinflußte. Nach der Matura (Juli 1863) begann S. ein Studium an den k. k. Polytechnischen Instituten in Wien und war in den Studienjahren 1866/68 an der Bauschule u. a. bei Heinrich v. Ferstel eingeschrieben. 1863–69 war er (Gast-)Hörer an der Wiener Univ. und belegte natur- und geisteswissenschaftliche Fächer, u. a. Vorlesungen über Kunstgeschichte und Kunstarchäologie bei Rudolf Eitelberger v. Edelberg, der 1863 mit der Gründung des Österr. Museums für Kunst und Industrie beauftragt wurde. Durch ihn erhielt S. Zugang zu Themen des Kunsthandwerks und der Volkskunst; zu diesen erstellte und publizierte er eine Fülle von Arbeiten. Seit 1874/75 leitete er den Aufbau einer neuen Staatsgewerbeschule in Salzburg, 1883 übernahm er in Wien die Leitung der neugegründeten Staatsgewerbeschule (bis 1903).

    Bis 1873 war S. im Büro des Vaters tätig und mit mehreren Aufträgen für „kleinere Zinshausadaptierungen und Hauseinrichtungen“, Kanzel- und Altarentwürfe sowie für zwei Theater (1873/74) selbständig betraut. Das Baubüro des Vaters erhielt 1871 den Auftrag für den Neubau der Mechitharistenkirche, den S. noch im selben Jahr übernahm und 1874 fertigstellte. Sein Entwurf einer Doppelturmfassade folgte stilistisch der ital. Frührenaissance, die Innenraumgestaltung, u. a. mit Wandgemälden nach eigenen Entwürfen, konzipierte der glühende Verehrer Richard Wagners im Sinne der Vorstellung vom Gesamtkunstwerk.

    S. publizierte eine Vielzahl kunstwissenschaftlicher Aufsätze, schrieb aber auch für das „Neue Wiener Tagblatt“ über städtebauliche und baukünstlerische Themen sowie über neuere Tendenzen in den bildenden Künsten. Integriert in das Wiener Kulturleben, wurde er zum aufmerksamen Chronisten der veränderten Lebensverhältnisse seiner Heimatstadt, die sich um 1890 zur Industrie- und Weltmetropole wandelte. 1889 veröffentlichte S. die aufsehenerregende Schrift „Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen, Ein Beitrag zur Lösung modernster Fragen der Architektur und monumentalen Plastik unter besonderer Beziehung auf Wien“ (mehrere Aufll. u. Überss.), die eine Morphologie städtischer Räume, vorzugsweise europ. Stadtplätze präsentierte. S. hatte sie auf seinen zahlreichen Studienreisen u. a. durch Italien, Griechenland und Deutschland gezeichnet und in einem gestaltanalytischen Kompendium versammelt. In Anlehnung an das architektonische Programm Gottfried Sempers und dessen Konzept für das Kaiserforum in Wien (seit 1869) entwickelte S. seine Vorstellung vom künstlerischen Städtebau unter Einbeziehung der neuesten sensualistischen Theorien, u. a. der Psychophysik Gustav Theodor Fechners (1801–87), und leitete derart die „psychologische Wende“ in der Städtebautheorie ein. Wiewohl die Thesen seines „malerischen Städtebaus“ auch in Wien große Aufmerksamkeit erregten, blieben sie hier in ihrer Wirkung eher marginal. Immerhin konnte S. in den österr. Kronländern einige Bebauungspläne projektieren und umsetzen (u. a. Laibach, Marienberg, Olmütz, Priwoz, Reichenberg). Wirksamer wurde sein Buch im Dt. Reich und in den USA. Die Zusammenarbeit mit dem Berliner Landesbauinspektor Theodor Goecke (1850–1919) führte kurz vor S.s Tod 1903 zur Gründung der Zeitschrift „Der Städtebau“ (erschienen 1904–29).

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. d. Zentralkomm. f. d. Erforsch. u. Erhaltung d. Denkmäler (1889–1903); Reg.rat (1883); Eisernes Kreuz 3. Kl . (1897); päpstl. Gregor-Orden (1901); Rr.kreuz 1. Kl. d. österr. Verdienstordens (1903); Ehrenbürger d. Stadt Priwoz (Mähren); – Ehrengrab d. Stadt Wien auf d. Zentralfriedhof.

  • Werke

    Weitere W u. a. Projekte, Wettbewerbe, ausgeführte Arbb.: Pfarrkirche Temeswar, 1884;
    Pfarrkirchenprojekt Kleinmünchen, 1887;
    Pfarrkirchenprojekt Siernsdorf, 1888;
    Jagdhaus Zbirow, 1890–91;
    Maschinentechn. Staatsgewerbeschule Wien I, 1893;
    Projekt Doppelvilla, 1895;
    Marienkirche Priwoz, 1896–99;
    Bez.gericht Poln. Ostrau, 1897;
    Sanatorium Ragnitztal Graz, 1898;
    Ks. Franz-Joseph-Jubiläumskirche Wien, 1898;
    Verbauungsplan Eichwald, 1900;
    Bebauungsplan Marienberg, 1903;
    bildner. Entwürfe:
    f. d. Türen d. Marienkirche Priwoz, 1896–99;
    f. Altarbild u. Bilderzyklen f. d. Mechitharistenkirche Wien, 1900–01;
    Schrr.:
    insgesamt 150 Publl., u. a. Zur Gesch. d. Salzburger Weissgeschirr-Fabrikation, in: Kunst u. Gewerbe 17, 1883;
    Zur Gesch. d. Gmundner Majolika-Fabrikation, ebd. 21, 1887;
    Die neue Stadterweiterung, in: Neues Wiener Tagbl., 25. Jg., Sept. 1891;
    Das Wien d. Zukunft, ebd., 28. Jg., März 1894;
    Großstadt-Grün, in: Der Lotse 1, Nov. 1900;
    Über d. prakt. Wert v. goldenen Schnitt, in: Wiener Bauhütte 24, 1900;
    W-Verz.
    in: Kat. d. Nachlasswerkes d. Architekten Franz Sitte, C. S., Siegfried Sitte, 2 Bde., bearb. v. R. Lacina (Typoskr., Febr. 1979, Wien, Österr. Nat.bibl.);
    Nachlaß:
    Inst. f. Städtebau, Raumplanung u. Raumordnung, TU Wien.

  • Literatur

    E. Peets, Famous Town Planners II, C. S., in: The Town Planning Review, Nr. 4, 1927, S. 249–59;
    H. W. Stevens, On Reading S., in: Journal of the American Inst. of Planners, Nr. 3, 1946, S. 30–32;
    A. S. Boyarski, C. S., „City-Builder“, A Thesis Presented to the Faculty of the Graduate School of Cornell Univ. for the Degree of Master of Regional Planning, 1959 (unveröff.);
    G. R. Collins u. Ch. Crasemann Collins, C. S. and the Birth of Modern City Planning, 1965, Nachdr. 1986;
    G. Fehl, Stadtbaukunst contra Stadtplanung, Zur Auseinandersetzung C. S.s mit Reinhard Baumeister, in: Stadtbauwelt Nr. 65, H. 12, 1980, S. 451–61;
    R. Wurzer, C. S.s Hauptwerk „Städte-Bau nach seinen künstler. Grundsätzen“, Anlaß, Vorbilder, Auswirkungen, in: Die Alte Stadt, H. 1, 1992, S. 1–15;
    M. Mönninger, Vom Ornament z. Nat.kunstwerk, Zur Kunst- u. Architekturtheorie C. S.s., 1998;
    K. Wilhelm, Städtebautheorie als Kulturtheorie, C. S.s „Der Städtebau nach seinen künstler. Grundsätzen“, in: L. Musner, G. Wunberg u. Ch. Lutter (Hg.), Cultural Turn, Zur Gesch. d. Kulturwissenschaften, 2001, S. 89–109 (P);
    G. Reiterer, Augensinn, Zu Raum u. Wahrnehmung in C. S.s Städtebau, 2003;
    K. Semsroth, M. Mönninger, Ch. Crasemann Collins (Hg.), C. S. Gesamtausg., Schrr. u. Projekte, seit 2003 (ersch. Bd. 1, 3, 4 u. Sonderbd.);
    K. Wilhelm u. D. Jessen-Klingenberg (Hg.), Formationen d. Stadt, C. S. weitergelesen, 2006;
    Wurzbach;
    Eisenberg;
    BJ VIII, S. 225 f. u. Tl.;
    Heinrich Sitte, in: NÖB VI, S. 132–49 (P);
    ThB;
    ÖBL;
    Hist. Lex. Wien;
    Dict. of Art;
    Mitt. v. Dr. Christine Gruber, ÖBL, Wien.

  • Portraits

    Bronzerelief v. A. Bŕenek am Grabmal (Wien, Zentralfriedhof);
    Porträtrelief auf Gedenktafel v. O. Thiede (Wien, Schellinggasse);
    Bronzeporträt v. H. Wilfan, 1980 (Wien, Aula d. Univ.).

  • Autor/in

    Karin Wilhelm
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilhelm, Karin, "Sitte, Camillo" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 477-479 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797441.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA