Lebensdaten
erwähnt 1314, gestorben nach 1335
Beruf/Funktion
Chronist ; Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118724959 | OGND | VIAF: 263244564
Namensvarianten
  • Kuchimeister, Christian
  • Kuchimaister, Christian
  • Kuchimeister, Christian
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Zitierweise

Kuchimaister, Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118724959.html [24.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus angesehener, seit 1222 nachweisbarer Bürgerfam. in St. Gallen, die wohl ursprüngl. im Dienste d. Klosters stand u. 1566 ausstarb. Walter ( 1509), Vogt zu Steinach, Baumeister am Münster, Bgm. zu St. Gallen; Verwandter (V od. Onkel ?) Konrad, Stadtammann, Ammann v. Appenzell, Bauleiter beim Wiederaufbau d. 1314 niedergebrannten Klosters u. d. Stadt.

  • Leben

    Über K.s Leben wissen wir wenig. Er war Bürger, besaß ein Haus in St. Gallen und war in der Bauleitung beim Wiederaufbau von Kloster und Stadt St. Gallen tätig. Er stand in einer nicht genauer fixierbaren Beziehung zum Kloster und hatte Zugang zu dessen Bibliothek und Archiv; es ist durchaus möglich, daß er irgendwann ins Kloster eingetreten ist. Seit 1335 setzte er die von Ratpert begonnenen, von Ekkehard IV., Konrad de Fabaria und anderen Mönchen in lat. Sprache fortgeführten Casus St. Galli in deutscher Sprache in seinen „Nüwe Casus monasterii Sancti Galli“ bis zum Jahre 1329 fort. Über Ursache und Veranlassung wie auch seine Quellen hierfür erfahren wir nichts. Er berichtet als begabter Erzähler, der mit Gefühl für die literarischen Möglichkeiten der Sprache seinen Lesern oder Hörern das Erfassen und Festhalten des Inhalts erleichtert, anschaulich über die Geschichte des Klosters in den letzten 100 Jahren. Dabei zeigt er sich nicht nur gut unterrichtet über die Begebenheiten in Kloster und Abtei, sondern auch über die im Reiche, besonders seit den Tagen Rudolfs von Habsburg. Geringe Versehen und Ungenauigkeiten sind K. dabei gelegentlich unterlaufen. Seine Darstellung ist aber so zuverlässig, daß sich im 15. Jh. bei Auseinandersetzungen zwischen Abt und Stadt um Rechte und Besitzungen beide Parteien auf K. berufen haben. Diesem Umstand verdanken wir wohl auch die beiden Abschriften des heute verlorenen Originals aus dem 15. Jh., eine für die Stadt und eine zweite etwas jüngere für den Abt.

  • Werke

    Ausgg.: G. Meyer v. Knonau, = St. Gallische Gesch.qu. V, 1881 (mit hist. Kommentar);
    E. Nyffenegger, – Qu. u. Forschungen z. Sprach- u. Kulturgesch. d. german. Völker 60 (184), 1974 (mit sprachgeschichtl. Kommentar u. Zusammenstellung d. älteren Ausgg., vollst. Bibliogrr.).

  • Literatur

    ADB 17; Vollst. Bibliogr. bis 1973 b.
    Nyffenegger, S. 9-17;
    F. Schreiber, C. K.s „Nüwe Casus monasterii sancti Galli“, Diss. Bonn 1943;
    M. Huldi, Die Kausal-, Temporal- u. Konditionalkonjunktionen b. C. K., Hans Fründ u. Niclas von Wyle, Diss. Zürich 1957;
    E. Url, Das ma. Gesch.werk „Casus sancti Galli“, 1969.

  • Autor/in

    Hans Jürgen Rieckenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Rieckenberg, Hans Jürgen, "Kuchimaister, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 162 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118724959.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kuchimeister: Christian K., Bürger und Geschichtschreiber zu St. Gallen, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Seit Konradus de Fabaria mit dem J. 1232 an der Geschichte des Klosters St. Gallen, den Casus sancti Galli, zu schreiben aufgehört (s. d. Art.), hatte die lateinische Geschichtschreibung im Gotteshause des Heiligen geruht, und erst 1335 wurde der Faden wieder aufgenommen, aber jetzt nicht mehr lateinisch, sondern deutsch — „Nüwe Casus“ —, nicht mehr durch einen Insassen des Klosters, sondern durch einen Bürger der Stadt, welche sich nun vom Kloster emancipirt, seit 1273, oder vielmehr|seit 1291, ihre Freiheiten verbriest bekommen hatte. K. stammt, wie sein Name zeigt, aus einem Geschlechte städtischer Bürger, das nach einem Amte beim Kloster bezeichnet worden ist; aber sobald die Familie, 1222, urkundlich zuerst auftaucht, steht sie schon ganz in den Kreisen der Stadt. Leider ist von Christian K. so zu sagen nichts bekannt: es ist nur anzunehmen, daß er nach einer großen, 1314 eingetroffenen Feuersbrunst neben einem älteren angesehenen Manne seines Namens, Konrad K., mit dem Wiederaufbau des Klosters und der Stadt beauftragt gewesen sei. Seine Fortsetzung der Casus setzt mit Abt Konrad (s. d. Art.) ein und reicht bis auf Abt Hiltbold's Tod, bis 1329. Die hauptsächlichsten Persönlichkeiten, welche er vorzuführen hat, sind die Aebte Berchtold von Falkenstein (s. d. Art.), 1244—1272, und Wilhelm, Graf von Montfort (s. d. Art.), 1281—1301, und in erster Linie erwecken die Conflicte des letzteren mit der zum Königsthrone emporgestiegenen Macht der Habsburger, sein Anschluß an den dem Herzog Albrecht gegnerischen König Adolf — Wilhelm ist am Hafenbühel bei Adolf der einzige anwesende „Pfassenfürst“ — das Interesse des Lesers. Während in der Geschichte Berchtold's noch chronologische Verschiebungen, Unklarheiten entgegentreten, steigt nachher die — man kann sich so ausdrücken — urkundliche Sicherheit und Glaubwürdigkeit der Erzählung, der es auch an Anschaulichkeit und Lebendigkeit, je nach der Beschaffenheit des Stoffes, nicht gebricht. Nach der stofflichen Seite ist K. eine der wichtigsten und inhaltreichsten Geschichtsquellen zur schwäbischen Geschichte und derjenigen der nordostschweizerischen Territorien; an Glaubwürdigkeit steht er über allen früheren Verfassern der Casus.

    • Literatur

      Vgl. von dem Verf. d. Art. Einleitung und Commentar zur neuen Ausgabe in den St. Gallischen Geschichtsquellen. Heft V (1881).

  • Autor/in

    Meyer von Knonau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Meyer von Knonau, "Kuchimaister, Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 285-286 unter Kuchimeister [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118724959.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA