Lebensdaten
1814 bis 1874
Geburtsort
Jena
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
k. k. General
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118716042 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gablenz-Eskeles, Ludwig Karl Wilhelm Freiherr von
  • Gablenz, Ludwig Freiherr von (bis zur Namenszusammenziehung mit der Ehefrau 1873)
  • Gablenz, Ludwig Karl Wilhelm Freiherr von (bis zur Namenszusammenziehung mit der Ehefrau 1873)
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Zitierweise

Gablenz-Eskeles, Ludwig Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118716042.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinr. Adolf (sachs.-coburg u. goth. Frhr.stand 1836, 1762-1843), sächs. Gen.-Lt. u. Gouverneur v. Dresden (s. NND 21), S d. kursächs. Oberforst- u. Wildmeisters Hans Adolf Heinr. v. G. (* 1724) u. d. Pastoren-T Joh. Friederike Aster;
    M Charlotte (1772–1842), T d. kursächs. Oberst Wilh. Ludw. v. Stieglitz u. d. Christiane Charl. Elis. v. Ziegesar;
    B Anton (1810–78), Mitgl. d. preuß. Herrenhauses, schlug im Mai 1866 vor, daß Schleswig-Holstein e. selbständiger Staat unter e. preuß. Prinzen werden u. Preußen d. militär. Oberbefehl im Norden, Österreich im Süden erhalten solle („Mission Gablenz“) (s. Rößler-Franz;
    Wien 1853 Helene (1837–99, kath.), T d. Bankiers Denis Frhr. v. Eskeles (1804–76, s. NDB IV*);
    2 S, 1 T;
    Groß-N Carl-August (s. 1).

  • Leben

    An der Dresdener Ritterakademie militärisch erzogen, ging G. als knapp 19jähriger nach Österreich, diente alsbald in der oberitalienischen Armee bei verschiedenen Waffengattungen und vervollkommnete seine Bildung durch Reisen, selbst ins innere Afrika. 1848 bewährte sich der Rittmeister und Major im Generalstab Radetzkys. Während des Ungarischen Feldzugs von 1849 erwarb er sich bei Kaschau den Militär-Maria-Theresien-Orden und avancierte zum Oberst der Savoyen-Dragoner. Als Kommissär beim russischen Hilfskorps erhielt er erstmals eine militärpolitische Mission, der 1850 noch weitere in Deutschland – Dresden und Hamburg – folgten. Dann begleitete er General Heß an den Zarenhof, wurde Direktor des Statistischen Büros im Generalstab, führte als junger Generalmajor die Avantgarde der im Krimkrieg gegen Rußland aufmarschierten Armee Heß und erhielt dann als Besatzungskommandant der Moldau (1855/56) einen weitgehend selbständigen Wirkungskreis. Ab 1857 diente G. als Brigadier wieder bei der austro-italienischen Armee und blieb dort (1862 Feldmarschallleutnant) auch nach dem unglücklichen Krieg von 1859, in dem er sich persönlich in Angriff und Verteidigung auszeichnete. So übertrug ihm Kaiser Franz Joseph die Führung des 6. Armeekorps, das unter preußischem Oberbefehl ab 1.2.1864 gegen Dänemark kämpfen sollte. Seine raschen Erfolge am Danewerk, bei Översee und Veile wurden für die Befreiung Schleswig-Holsteins mitentscheidend. Im Sommer konnte G. die Besetzung Jütlands abschließen. Bei seinen Truppen beliebt, beim Verbündeten und bei der dänischen Bevölkerung angesehen, kehrte G. im November 1864 nach Wien zurück. Obwohl zum Korpskommandanten von Verona ernannt, mußte G. nach Abschluß des Gasteiner Vertrages (14.8.1865) die provisorische kaiserlich und königliche Statthalterschaft mit Kiel als Residenz und Baron Leopold Hofmann als Ziviladlatus übernehmen. Er hatte in den folgenden 9 Monaten viele Erfolge in der Gewährung einer weitgehenden Selbstverwaltung für das Land und verstand es auch, die gegensätzlichen Ansprüche der augustenburger Partei wie die des preußischen Gouvernements Schleswig (E. von Manteuffel) in die Schranken zu weisen. Doch seine Hoffnung auf eine konservative Lösung der Deutschen Frage, für die sich auch sein dem preußischen Herrenhaus angehöriger Bruder Anton als Vermittler einsetzte, scheiterte. Am 12.6.1866 war Holstein in Ordnung geräumt, indessen schon der politisch-militärische Aufmarsch zum entscheidenden österreichisch-preußischen Waffengang sichtbar wurde. G. erhielt die Führung des 10. Armeekorps, mit dem er noch vordem Tag von Königgrätz am 27.6. den einzigen österreichischen Erfolg des böhmischen Feldzugs bei Trautenau errang. Seine zweimalige Sendung in König Wilhelms Hauptquartier blieb ergebnislos; er sollte an der unmittelbaren Verteidigung Wiens teilhaben, die aber der rasche Abschluß des Waffenstillstands gegenstandslos machte. G. ungebrochenes Ansehen in seinem Wahlvaterlande bezeugte seine Einberufung ins Herrenhaus und seine Ernennung zum militärischen Statthalter von Kroatien (1867/69) und zum Kommandierenden General in dem dualistisch gesonnenen Ungarn, als der er 1870 zum General der Kavallerie befördert wurde. Sein Berliner Besuch bei der Heimkehr der Sieger aus Frankreich bereitete eine Annäherung der beiden Kaiserreiche vor. Am 28.11.1871 erhielt G. den krankheitshalber erbetenen ehrenvollen Abschied. Doch für den längst nervlich Überreizten wurde seine Beteiligung an Unternehmungen der Gründerjahre verhängnisvoll, 1874 machte er seinem Leben in Zürich freiwillig ein Ende.|

  • Auszeichnungen

    Großkreuz d. Eisernen Krone, Ehrenbürger v. Wien (1864).

  • Literatur

    ADB VIII;
    R. Lorenz, G. in Holstein, in: Zs. d. Ges. f. Schlesw.-Holst. Gesch. 59, 1930, S. 1-216;
    ders., in: NÖB VIII, S. 60-78;
    ders., L. Frhr. v.|G., 1936. |

  • Quellen

    Qu.: Personalakten, Bruchstücke d. schriftl. Nachlasses u. amtl. Aktenwechsel im Haus-, Hof- u. Staatsarchiv u. Kriegsarchiv Wien u. im Staatsarchiv Schleswig (früher Kiel).

  • Portraits

    Stich v. P. Barfus, Abb. in: Gotha. Genealog. Taschenbuch d. Frhrl. Häuser, 1871;
    Holzschn. v. L. Burger, Abb. in: Propyläen-Weltgesch. VIII, 1930.

  • Autor/in

    Reinhold Lorenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenz, Reinhold, "Gablenz-Eskeles, Ludwig Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 7 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118716042.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gablenz: Ludwig Freiherr v. G., österreichischer General der Cavallerie. Geb. den 19. Juni 1814 zu Jena in Sachsen als der Sohn eines königlich sächsischen General-Lieutenants, trat derselbe nach militärischer Erziehung in der Ritter-Akademie zu Dresden in das heimathliche Heer ein. Der Drang jedoch einer größeren Armee anzugehören, war bei ihm so groß, daß er 1833 Dienste in Oesterreich nahm. Von diesem Jahre an diente G. abwechselnd bei der Cavallerie und Infanterie sowie auch beim Generalstabe. Die Ereignisse des Jahres 1848 boten ihm die Gelegenheit seine ersten Waffenthaten zu verrichten, indem er als Adjutant den General Walmoden nach Italien begleitete, woselbst er vor der Schlacht von St. Lucia eintraf. Von diesem Augenblicke an wohnte G. allen Schlachten und Gefechten des Feldzuges von 1848 bei, wurde vom Feldzeugmeister Heß mehrfach verwendet und nach Custozza zum Major im|Generalstabe ernannt. Ende des Jahres ward G. ins Hauptquartier der für die Operation nach Ungarn bestimmten kaiserl. Armee berufen und nahm zuerst thätigen Antheil an der Organisation derselben in Schönbrunn, später ward er Chef des Generalstabes beim Schlick'schen Corps. Von diesem Zeitpunkte an war der Glücksstern des Generalstabs-Chefs mit jenem seines ritterlichen Führers verbunden und in 46 Schlachten, Treffen, Gefechten und Scharmützeln, welche das Corps im Laufe der beiden ungarischen Feldzüge bestand, kämpfte er an der Seite des wackeren Generals. Am 4. Januar 1849 erhielt G. in Folge der ruhmvollen Schlacht bei Kaschau, in welcher die Kaiserlichen vierfacher Uebermacht gegenüber gestanden, das Theresienkreuz. Er führte bei dieser Gelegenheit den rechten Flügel, ergriff nach den ersten errungenen Vortheilen, gegen alle Befehle die Offensive, warf den linken Flügel des Feindes zurück, rollte dessen Centrum auf und schnitt einen Theil seiner Artillerie durch rechtzeitige Besetzung eines Defilées in der Rückzugslinie ab. Sommer 1849 ward G. Oberstlieutenant und Commandant des Dragoner-Regiments Prinz Eugen von Savoyen, kam dann ins Hauptquartier des russischen Generallieutenants v. Grabbe, mit welchem er vor Komorn rückte, wo der letzte Act der ungarischen Erhebung ausgespielt wurde. Als im Herbste 1850 die Gefahr eines Zusammenstoßes zwischen Oesterreich und Preußen drohte, wurde der mittlerweile zum Obersten vorgerückte G. neuerdings dem Generalstabe bei der Armee in Böhmen zugetheilt, jedoch bald in diplomatischen Aufträgen nach Dresden entsendet. 1854 zum General-Major befördert, leitete er als Generalstabs-Chef die großen Manöver bei Olmütz, sodann kommandirte er die leichte Vorhut-Brigade des 1. Cavallerie-Corps und rückte mit selber in die Donaufürstenthümer, woselbst er bald hernach Truppen-Commandant wurde und in dieser bis 1856 bekleideten Stellung sowol als Soldat wie als Staatsmann sich die allgemeine Anerkennung erwarb. 1859 commandirte G. eine Brigade beim 7. Armeecorps und nahm mit Ehren an verschiedenen Actionen, namentlich an denen von Magenta und Solferino Theil. Nach Beendigung des Krieges wurde er dem Commandirenden von Venetien als Adlatus beigegeben und vielfach verwendet; drei Jahre später zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt, leitete er die größeren Manöver auf dem klassischen Boden von Rivoli. Als 1864 österreichische Truppen bestimmt waren in Verein mit preußischen die Frage der nordalbingischen Herzogthümer zu lösen, da wurde G. zum Befehlshaber der ersteren, des VI. Armeecorps ernannt. Seiner geschickten Führung und Tapferkeit dankte man die allerdings nicht unblutigen Siege von Oberselk, Oeversee und Veile, sowie die sich daran knüpfenden weiteren Erfolge. 1865 wurde G., der für seine Leistungen in der Campagne das Commandeurkreuz des Theresienordens erhalten hatte, und dessen Corps bis auf eine Brigade in die Heimath zurückgekehrt war, zum Statthalter Holsteins ernannt, in welcher Stellung er sich die allgemeinen Sympathien der Bevölkerung zu erwerben wußte, die ihn in Bild und Lied feierte. Als zwischen den beiden früheren Bundesgenossen wegen der Elbherzogthümer der Conflict auszubrechen drohte, machte G. wiederholt den Antrag, sich die in Holstein noch zurückgebliebene österreichische Besatzung mit dem hannöverschen Truppencorps vereinigen zu lassen. Da aber seinem Antrage keine Folge gegeben ward, mußte er sich beim Ausbruche des Krieges vorbedungener Maßen nach dem Süden zurückziehen. G. ward nun Commandant des 10. österreichischen Armeecorps, mit welchem er am 27. Juni 1866 bei Trautenau das 1. preußische Armeecorps unter Bonin, welches als Avantgarde der Armee des Kronprinzen durch den Paß von Trautenau in Böhmen eindrang, in 10stündigem Treffen schlug und über die Landesgrenze zurückwarf. Doch ward diese Waffenthat durch die an den nächsten beiden Tagen von dem preußischen Gardecorps erfochtenenen Siege bei Neu-Rognitz und Königinhof wieder|aufgewogen. G. focht hierauf bei Königgrätz und besetzte später mit seinem Corps die Festungswerke nördlich Wiens. Nach dem Friedensschlusse lebte er bis 1867 in Disponibilität, in diesem Jahre ward er lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses im Reichsrathe und commandirender General von Croatien, Slavonien und der Militärgrenze, 1869 commandirender General von Ungarn und 1870 General der Cavallerie. 1871 wohnte G. als Bevollmächtigter des Kaisers von Oesterreich dem Einzuge der siegreichen deutschen Truppen in Berlin und der Enthüllung des Denkmals Friedrich Wilhelms III. bei. Im November desselben Jahres wurde G. auf sein eigenes Ansuchen in Disponibilität versetzt. Drei Jahre später, 28. Januar 1874, machte ein tragischer Tod zu Zürich seinem thatenreichen und bewegten Leben ein Ende. Als commandirender General wie als Mitglied des Herrenhauses vertrat er stets die vom Kriegsminister Baron Kuhn angebahnte Reorganisation des österreichischen Heerwesens und die Armee verdankt ihm viel nutzbringende Schöpfungen. An ihm verlor Oesterreich einen großen Bürger, der Kaiser einen treuen Diener, das Heer einen ausgezeichneten Führer.

    • Literatur

      Oesterr. Militär. Zeitschrift 1874. II. Band.

  • Autor/in

    von Janko.
  • Empfohlene Zitierweise

    Janko, Wilhelm Edler von, "Gablenz-Eskeles, Ludwig Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 288-290 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118716042.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA