Lebensdaten
1798 bis 1824
Geburtsort
Weimar
Sterbeort
Olevano (Italien)
Beruf/Funktion
Zeichner ; Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118707124 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Horny, Franz
  • Horny, Franz Theobald

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Zitierweise

Horny, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118707124.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Conrad (1764–1807), Maler, Zeichner u. Kupferstecher, kam nach Ausbildung als Maler in d. Höchster Porzellanmanufaktur 1875 nach W., wo er seit 1795 Lehrer a. d. Freien Zeichnenschule war u. seit 1801 e. Bureau f. Kunstprodukte betrieb, s. Arbb. haben nur als Dokumente d. Topographie Weimars u. d. Landschaft um Eisenach zur Goethezeit Bedeutung (s. ThB), S d. Wirts u. Weinhändlers Theobald in Mainz u. d. Elisabeth Anckermüller;
    M Josepha (1777–1846), T d. Stephan Ortelli, aus Italien eingewandert, Weinstubenbes. u. Südwarenhändler in W., u. d. Josepha Haas aus Neustadt/Saale; ledig.

  • Leben

    H. trat im Dezember 1806 vorzeitig in die Weimarer „Freie Zeichnenschule“ ein, wo er bis 1816 mit 1½jähriger Unterbrechung anläßlich des Besuchs der katholischen Josephschule in Erfurt um 1811 lernte. Unter der Leitung Heinrich Meyers (seit 1806) erstrebte die Schule Geschmacksbildung, Kunstverständnis und die Ausbildung zeichnerischer Fähigkeiten durch Kopieren. H. durchlief den Studiengang bis zum Kopieren in Ölfarben. Er zeichnete jedoch in den Jahren 1813/14 auch Baum-, Pflanzen- und Steinstudien im Weimarer Park, dazu Ansichten aus der Umgebung von Weimar und aus dem Saaletal, obwohl solche Arbeit im Plane der Zeichnenschule nicht vorgesehen war. Im Frühjahr|1815 machte er die Bekanntschaft des Kunstfreundes Carl Friedrich von Rumohr, der H.s Begabung für die Landschaft erkannte und ihn entgegen der Lehrmeinung der Zeichnenschule nachdrücklich auf ein intensives Arbeiten vor der Natur hinwies. Von Rumohr, der sich als Mentor und Mäzen H.s betrachtete, wurde er 1816 nach Italien mitgenommen.

    Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in München (Kopie eines Gemäldes von Jos. Anton Koch) blieb H. einen Monat mit Rumohr in Florenz, zeichnete täglich vor der Natur, besuchte Kunstsammlungen und lebte sich in Sprache und Wesen der Italiener ein. Ende Dezember reiste er weiter nach Rom, wo ihn Koch als Schüler und Hausgenossen aufnahm. Neben intensivem Naturstudium lernte H. bei Koch dessen „charakteristische“ Landschaftsauffassung kennen und machte sich in kurzer Zeit von den dogmatischen Fesseln der „idealen“ Auffassung der Meyerschen Schule frei. Ein Sommeraufenthalt 1817 mit Rumohr in Olevano und Frascati brachte H. in Verbindung mit Peter Cornelius, der von den zeichnerischen und koloristischen Fähigkeiten H.s frappiert war und ihn zur Mitarbeit an den Dante-Fresken im Casino Massimo gewann, die mit Cornelius' Abreise nach München im Frühjahr 1818 endete. H., der im Einvernehmen mit Rumohr in Rom blieb, war durch Cornelius und dessen Freundeskreis der Lehre Kochs entfremdet und nazarenisch beeinflußt worden, obwohl diese Kunstanschauung seiner Begabung zum Landschafter und zum Maler von Mensch, Blumen und Früchten in keiner Weise entsprach.

    Seit Juni 1818 an Tuberkulose erkrankt, gab Rumohr H. nach Olevano zu der ihm befreundeten Familie Baldi in Pflege. In Rom war H. nur noch besuchsweise; fast jeder seiner leichtsinnigen Ritte dorthin endete mit Lungenblutungen. Erst im Frühjahr 1820 konnte er wieder arbeiten. Bei einem längeren Besuch in Rom geriet er im Kreise von Schnorr von Carolsfeld, Friedrich Olivier, Rehbenitz und Passavant erneut unter nazarenischen Einfluß und zeichnete figürliche Kompositionen in Abhängigkeit vom Manierismus des Jan Vermeyen. Rumohr versuchte dagegen bei einem neuerlichen Aufenthalt in Olevano im Sommer 1820, H. wieder seiner Begabung gemäß arbeiten zu lassen, doch erlaubte dessen Krankheit nur noch selten mehr als Skizzenbucharbeit vor der Landschaft. Erst Sommer und Herbst 1822 scheinen sich noch einmal seine Kräfte gebessert zu haben. Er nahm aus eigenem Antriebe und mit eigener Anschauung in Olevano ein großes Landschaftsgemälde in Angriff, dessen Haupteigenschaften die Farben und die gewaltigen Tiefen des Blickes von den Höhen bei Olevano hin zu fernen Gebirgsmassen über Täler, Hügel und Bachläufe hinweg sein sollten. Er hat das Werk nicht mehr vollendet. Ein törichter Ritt im Winter 1823 nach Rom verursachte neue Krankheitsanfälle, von denen er sich nicht mehr erholte.

    H.s Werk ist ein Fragment aus Zeichnungen vor der Natur und zeichnerischen Versuchen zur Komposition. Rumohrs Studienplan hatte die Ausbildung seiner klaren Zeichenkunst, seiner überzeugenden Landschaftsauffassung und seiner koloristischen Begabung zum Ziel. H. war jedoch dem dogmatischen Eifer seiner nazarenischen Freunde gegenüber schwach und verleugnete seine Begabung zu Gunsten figürlicher, szenischer Kompositionen, für die er unbegabt war. Seine Landschaftszeichnungen, teilweise aquarelliert, und die Figurenstudien seiner Skizzenbücher der Jahre 1820/22 aus Olevano haben im Schaffen der deutschen Zeichner des frühen 19. Jahrhunderts einen hohen Rang. Dem heute unbekannten Maler H. hat der junge Ludwig Richter seine Bewunderung gezollt, als er ½ Jahr nach H.s Tode in Rom bei Schnorr von Carolsfeld jenes unvollendete Gemälde, „Abend am Monte Serone bei Olevano“, sah und es sich zum Vorbild nahm.

  • Literatur

    C. L. Schellenberg, Der Maler F. H., 1925 (d. hier veröff. Briefe z. Zt. verschollen): M. Goltermann, F. H., Diss. Frankfurt/M. 1927;
    W. Scheidig, F. H., 1954 (Oeuvre-Kat.);
    ThB. - Ausstellungs-Kataloge:
    W. Scheidig, Dt. Zeichnungen 1720-1820, Weimar 1958;
    Dt. Zeichnungen 1400-1900, München 1956;
    W. Stubbe, Italienreise um 1800, Kunsthalle Hamburg 1958;
    Dt. Zeichenkunst d. Goethezeit, Slg. Winterstein, München 1958

  • Autor/in

    Walther Scheidig
  • Empfohlene Zitierweise

    Scheidig, Walther, "Horny, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 640-641 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118707124.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA