Lebensdaten
1688 bis 1757
Geburtsort
Münsterberg (Schlesien)
Sterbeort
Dresden-Neustadt
Beruf/Funktion
Orgel- und Instrumentenbauer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11870477X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hildebrand, Zacharias
  • Hildebrandt, Zacharias
  • Hildebrand, Zacharias

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Hildebrandt, Zacharias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11870477X.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich, Wagenbauer in M.;
    M N. N.;
    Langhennersdorf b. Freiberg 1722 Marie Elisabeth, T d. Böttchermeisters Chrstn. Dachselt in Freiberg;
    S Joh. Gottfried (1724/25-75), Orgel- u. Instrumentenbauer, 1743-46 Geselle H.s bei Erstellung d. Orgel in d. Wenzelskirche in Naumburg, baute mit H. 1754-57 Orgel in d. Dreikönigskirche in Dresden-Neustadt, 1761-70 60stg. Orgel in d. Michaeliskirche Hamburg (1906 verbrannt), 1773-75 Stadtkirchen-Orgel in Sorau/N.L., 1771 kursächs. Hoforgelmacher (s. L).

  • Leben

    H. erlernte vermutlich zunächst das Tischlerhandwerk. Sicherlich brachte er schon aus seiner Heimat orgelbautechnische Fertigkeiten mit, als er 1713 in Freiberg mit G. Silbermann einen Lehrvertrag auf 3 Jahre abschloß. 1718 unterschrieb er gemeinsam mit diesem einen Kontrakt über den Orgelbau in Sankt Georgen zu Rötha bei Leipzig als „Orgel Macher“, war damals also bereits Meister. 1721 setzte er die Langhennersdorfer Orgel, sein Meisterstück, auf, die 1722 eingeweiht wurde. Nachdem 1724 ein Rechtsstreit mit Silbermann geschlichtet war, entstanden 1725-28 die Orgeln in Lengefeld/Erzgebirge (II/22, 1932 umgebaut) und in Sangerhausen, wo H., sicherlich in Zusammenhang mit der Betreuung des Schloßkapellenwerkes zu Sankt Trinitatis, 1730 zum sachsen-weißenfelsischen Hoforgelmacher ernannt wurde. Spätestens seit 1734 war er in Leipzig ansässig, wo er kleinere Aufträge zur Entlastung Johann Scheibes erhielt, als dessen Nachfolger er später (seit 1748) die Leipziger Orgeln betreute. 1735 schlug ihn Bach, jedoch ohne Erfolg, in Mühlhausen/Thüringen für den Orgelbau in B. Mariae Virginis vor. Um 1738 lieferte er eine bedeutsame, an Zungenstimmen reiche Orgeldisposition für die Christiansborg-Schloßkirche in Kopenhagen, die leider nicht ausgeführt wurde. 1743 nahm er mit Bach die neue Scheibe-Orgel zu Sankt Johannis vor Leipzig ab. Seine 3 größten Orgeln baute er in Sankt Wenzel zu Naumburg, vielleicht nach einer Disposition Bachs, in Hettstedt/Südharz (II/31, 1741?-49, Gehäuse erhalten) und in Dresden-Neustadt (II/38, 1754-57, zerstört). Außerdem leitete er 1750-54 die Arbeiten an der Silbermann-Orgel in der Hofkirche in Dresden. Für das Schaffen H.s sind 3 Faktoren bestimmend: die Orgelbautradition seiner schlesischen Heimat, seine Lehrzeit bei Silbermann und seine Zusammenarbeit mit J. S. Bach. Seine Orgeln sind in ihren Dispositionen bedeutend vielgestaltiger als die Silbermanns, sie weisen, darin an den deutschen Orgelbau des 17. Jahrhunderts erinnernd, zum Teil vollständig ausgebaute Flötenchöre und gute Pedalbesetzung auf. Auch die streichenden Stimmen H.s, vor allem die im Rückpositiv seiner Naumburger Orgel, sind wie seine übrigen Register von hervorragender Klangqualität. H. hat nicht die für Silbermann charakteristische breite Labiierung der Pfeifen übernommen. Er baute wie Silbermann im allgemeinen ohne Rückpositiv. Die Gehäuse dürften in seiner Werkstatt entstanden sein, mit Ausnahme des Naumburger, das er von der Thayßner-Orgel übernahm, und des Dresden-Neustädter, das die Tischler Johann Gottfried Fischer und Johann Christoph Keitel bauten. Die Prospekte der Sangerhäuser und wohl auch der Hettstedter Orgel gestaltete der Permoser-Schüler Valentin Schwarzenberger künstlerisch aus.

  • Werke

    Weitere W u. a. Orgeln: Lenghennersdorf b. Freiberg II/21 (= II Manuale, 21 Stimmen), 1718-22 (umgebaut);
    Hilbersdorf, Brüstungspositiv (5stg.), wahrsch. 1723/24, eingeweiht Pfingsten 1724;
    Störmthal b. Leipzig I/14, v. J. S. Bach abgenommen, 1723 (im Originalzust. erhalten);
    Liebertwolkwitz b. Leipzig I/13, 1724/25 (1813 zerstört);
    Sangerhausen, St. Jacobi II/27, 1727/28 (Disp. verändert);
    ebd., Hl. Geist, Positiv I/6, 1727 (nicht erh.);
    Pölsfeld b. Sangerhausen I/11, 1728 v. H. vergrößert;
    Sotterhausen b. Sangerhausen I/9, um 1729, Disp. veränd.;
    Lindenau b. Leipzig I/10, 1732, v. d. Bach-Schüler Joh. Schneider abgenommen (nicht erh.);
    Merseburg, Dom, Registereinbau, 1734/35;
    Eutritzsch b. Leipzig I/10, 1735/36, v. J. Schneider abgen. (nicht erh.);
    Lautenklavier f. J. S. Bach, n. dessen Angaben, um 1739;
    Naumburg, St. Wenzel III/53, v. Bach u. Silbermann abgenommen, 1743-46 (b. Wiederherstellung mit elektr. Spieltisch versehen);
    ebd., Marienkirche I/13, um 1744/45 (unvollendet);
    Großwiederitzsch b. Leipzig I/10, 1747/48 (nicht erh.);
    Goldbach b. Bischofswerda I/10, um 1755/56 (umgebaut).

  • Literatur

    (auch f. S Joh. Gottfr.) ADB XII;
    H. Ludwig, Das Schuldige Lob-Opfer, welches d. Gemeinde d. Herrn in Lengefeld am Tage d. Einweihung ihres Neuen Tempels erschallen lassen, gesch. am 13. Martii 1729, 1729 (enth. Orgeldispos.);
    J. Adlung, Musica mechan. organoedi, 2 Bde., 1768;
    Der Sammler f. Gesch. u. Alterthum II, 1837, S. 465 ff.;
    E. Flade, G. Silbermann, 1926, 21953;
    ders., in: MGG VI (W, L) (sehr fehlerh.);
    P. Rubardt, Bachorgeln, in: J. S. Bach, Das Schaffen d. Meisters …, 1950, S. 102 ff.;
    U. Dähnert, in: Musik u. Kirche 27, 1957, S. 285 f.;
    ders., in: Ars organi 11, Dez. 1957, S. 189 ff.;
    ders., Der Orgel- u. Instrumentenbauer Z. H., 1962;
    ders., in: Instrumentenbau-Zs. 18, 1964, H. 12, S. 406 ff.;
    Riemann (L).

  • Autor/in

    Ulrich Dähnert
  • Empfohlene Zitierweise

    Dähnert, Ulrich, "Hildebrandt, Zacharias" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 130-131 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11870477X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hildebrand: Zacharias H., ein vorzüglicher Orgelbauer im 18. Jahrhundert und Schüler des bekannten Gottfr. Silbermann. Er baute in Dresden die Orgel in der neuen katholischen Kirche und in der Neustadt, 1748 eine Orgel in Naumburg; auch verfertigte er ein Lautenclavicymbel nach dem Entwurfe Joh. Seb. Bach's (siehe Adlung's Musica mech. II. 139). Er starb gegen 1760. Sein Sohn und Schüler Johann Gottfried H.Hildebrand erbaute das berühmte Orgelwerk der Michaeliskirche in Hamburg.

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Hildebrandt, Zacharias" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 406 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11870477X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA