Lebensdaten
1516 bis 1575
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Kaufherr ; Bücherfreund ; bayerischer Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118703501 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fugger, Johann Jakob Graf
  • Fugger, Johann Jakob
  • Fugger, Johann Jakob Graf
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Zitierweise

Fugger, Johann Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118703501.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Raymund (1489–1535), auf Pfirt u. Taufkirchen, Kaufherr, Gesellschafter, kaiserl. Rat, legte in A. e. Garten im ital. Stil an, besaß e. Slg. mit Werken ital. Meister, v. L. Cranach u. v. Antiken, befaßte sich mit gel. Arbb. u. sammelte e. gr. Bibliothek, pol. Berater d. oberdt. Gegenref. (s. L), S d. Georg (s. Gen. 2);
    M Katharina ( 1535), T d. Hans Thurzo (1437–1508), Handels- u. Ratsherr in Krakau, u. d. Krakauer Kaufm.-T Magdalena Beck;
    Ov Anton s. (2);
    B Georg (s. Gen. 8), Christoph (1520–79), auf Kirchberg, Brandenburg u. Sulmentingen, schied 1572 aus d. Ges. aus, Ulrich (1526–84), Humanist, urspr. z. geistl. Stand bestimmt, wurde als einziger männl. Sproß d. Fam. Protestant, lebte in A., dann in Heidelberg, plante in Genf e. calvin. Kolleg, s. gr. Bibl. ging in d. kf. Bibl. in Heidelberg auf (s. ADB VIII), Raymund (1528–69), Gutsherr;
    Schw Ursula ( 1549 Joachim Gf. v. Ortenburg, 1530–1600);
    1) 21.6.1540 Ursula (1522–54), T d. Leonhard v. Harrach, 2) Augsburg 5.3.1560 Sidonia, T d. Georg v. Colaus u. d. Praxedis v. Montani;
    7 S, 2 T aus 1), u. a. Sigmund Friedrich (1542–1600), Bischof v. Regensburg (seit 1598), Alexander Secundus (1546–1612), Dompropst v. Freising u. Metz (s. L), Victor (1547–86), Dompropst v. Regensburg, Domherr v. Passau, Präs. d. Geistl. Ger. zu Wien, Karl (1543–80) u. Ferdinand (1552-80), beide span. Oberst, Maximilian (1550–88), Deutschordenskomtur zu Sterzing, 7 S, 3 T aus 2);
    N Phil. Eduard s. (9), Octavianus Secundus s. (8);
    E Karl (1597–1662), Reichskammerger.-präs.;
    Urur-E Maximilian Joseph Gf. F. v. Zinneberg (1677–1751), bayer. GFM-Lt.

  • Leben

    F. war der politisch begabteste unter den Neffen Anton F.s, zeigte aber von Anfang an mehr Neigung für die Wissenschaft und das Landleben als für die Geschäfte. Frühzeitig bereiste er Italien, Spanien, Frankreich, die Niederlande und Ungarn, lernte auch ausländische Hochschulen kennen und erwarb eine beachtliche Kenntnis antiker und lebender Fremdsprachen. Spätestens seit Frühjahr 1543 wirkte er an Anton F.s Seite doch in der Leitung des Handelshauses mit. Stärker als dieser um äußere Geltung durch engen Anschluß an Karl V. bemüht, wurde er 1548 bei der Veränderung der Augsburger Ratsverfassung durch den Kaiser zum Bürgermeister erhoben. Als solcher und als kaiserlicher Rat (1549) suchte er für friedlichen Ausgleich in den Glaubenskämpfen zu wirken. Der schon in den letzten Jahren Anton F.s einsetzende Rückgang in der Machtstellung der Firma führte durch seine Nachgiebigkeit gegen neue Darlehensforderungen Philipps II. von Spanien zur Verschlechterung der Sicherheiten für die spanische Verschuldung. Daß F. sich immer enger, als „Liebhaberpolitiker zwischen Augsburg, Bayern und Österreich“, an Herzog Albrecht V. von Bayern anschloß, bot keinen Ersatz. 1560 bereiste er zur Wahrung der F.schen Interessen Spanien und übernahm dann nach Anton F.s letztem Willen ungern mit dessen ältestem Sohn Markus zusammen die Führung der Handlung. Als der wesentlich ältere Chef trug er die eigentliche Verantwortung. Die Lage der Firma in den Niederlanden und in Spanien, wo die genuesischen Bankiers vordrangen, verschlimmerte sich unter ihm beängstigend rasch. Einem ungünstigen Abzahlungsvertrag mit Philipp II. folgten bedeutende eigene Anleiheaufnahmen des Hauses. Die Inventur von 1563 wies 5,66 Millionen Gulden Aktiven (davon 4,44 Millionen Schulden Philipps) und 5,4 Millionen Gulden Passiven aus. F.s Schulden für persönliche Rechnung betrugen schon über eine Million Gulden. Die Geschäftskrise und seine Streitigkeiten mit dem protestantisch gewordenen Bruder Ulrich und anderen Teilhabern führten 1564 zur „Auslösung“ F.s, das heißt zu seinem Sturz als Chef der Gesellschaft, die seine Augsburger Schulden übernahm. Die Handlungsführung ging auf Markus allein über. F. war damit der einzige Bankrotteur der drei großen Fuggergenerationen. 1565/70 trat er in die Dienste Albrechts V. über und wurde bayerischer Hofkammerrat,, 1573 Hofkammerpräsident. Sein Versuch, 1567 mit Dänemark wieder einen F.schen Kupferhandel anzuknüpfen, mißlang. Den Nachruhm des gescheiterten Handelsfürsten wider Willen begründete sein humanistisches Mäzenatentum, seine großzügige finanzielle Förderung von Gelehrten und vor allem die Sammlung der größten F.bibliothek („Protofuggerana“) und Pflege der Buchkultur. 1551-57 war der bedeutende Gräzist Hieronymus Wolf F.s Bibliothekar. Unter Einschaltung der F.faktoreien kamen zu den reichen Ankäufen (darunter 1552 der ganzen Schedelschen Bibliothek von Nürnberg) zahlreiche Abschriftnahmen vorzugsweise in Venedig. Eine besondere Berühmtheit der Bibliothek bildeten die griechischen Handschriften. Die 1569-73 durch Friedrich Sustris und andere prachtvoll ausgeschmückten Bibliotheks- und Musikzimmer des Augsburger F.hauses wurden 1944 zerstört. Von Schulden bedrängt, verkaufte F. 1571 seine Büchersammlung an Albrecht V. von Bayern, betreute sie aber fürsorglich auch noch als Hofbibliothek in München. Sie wurde so der wertvollste Grundstock der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek. Als Musikmäzen und als herzoglicher Musikintendant in München war F. Gönner Orlando di Lassos. Der lange ihm zugeschriebene „Ehrenspiegel des Hauses Österreich“ ist als Werk des Augsburger Ratsdieners Clemens Jäger festgestellt.

  • Auszeichnungen

    Kg. Ludwig I. von Bayern setzte dem „Beförderer der Wissenschaft“ 1857 in Augsburg ein Bronzedenkmal, das einzige spätere F.denkmal.

  • Literatur

    O. Hartig, Die Gründung d. Münchner Hofbibl. durch Albrecht V. u. J. J. F., 1917;
    W. Maasen, H. J. F., 1922 (P);
    B. P. Baader, Der bayer. Renaissancehof Wilhelms V., 1943. – Zu V Raymund: ADB VIII;
    S. K. Bursian, Die Antikenslg. R. F.s, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl., 1874;
    zu S Alex. Secundus:
    O. Hartig, A. S. F., Dompropst zu Freising, 1924.

  • Autor/in

    Wolfgang Zorn
  • Empfohlene Zitierweise

    Zorn, Wolfgang, "Fugger, Johann Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 720 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118703501.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA