Lebensdaten
1848 bis 1904
Geburtsort
im Forsthaus bei Czortkow (Ostgalizien)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Journalist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118702599 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Franzos, Karl Emil

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Zitierweise

Franzos, Karl Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118702599.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich ( 1859), Dr. med., k.k. Bezirksarzt in C. (E d. N. N. Levert, Fabrikant, wanderte aus Frankreich ein, daher d. Name Franzos);
    1877 Ottilie Benedikt (1856–1932), Schriftstellerin (s. Brümmer, unter F., Ps. F. Ottmer); Schwager Edmund Benedikt ( 1929), jur. Schriftsteller (s. NDB II).

  • Leben

    F. wuchs in einem sozial ungünstigen Milieu auf: sein Vater, der zu jenen Juden gehörte, die von der klassischen deutschen Bildung der Goethezeit aufs tiefste beeindruckt wurden, galt den orthodoxen Glaubensgenossen als „Abtrünniger“, die Christen lehnten den Jude gebliebenen Arzt ab. Nach dem Tode des Vaters kam F. nach Czernowitz und besuchte hier das Gymnasium. Als Student der Rechtswissenschaft (1866-68 in Wien, danach in Graz) gehörte er einer deutschnationalen Verbindung an. Seinem jüdischen Glauben opferte er die Hoffnung auf eine Staatsanstellung und seine große Liebe zu einem christlichen Mädchen. In Graz wurde er zum Schriftsteller und Journalisten. Sein Erstlingswerk fand gute Kritik; er arbeitete von nun an regelmäßig an führenden Zeitschriften (zum Beispiel „Über Land und Meer“) mit und verzichtete auf die Eröffnung einer Anwaltkanzlei. Ab 1872 war er Reporter der Wiener „Neuen Freien Presse“; journalistische Aufträge führten ihn unter anderem in die östlichen Kronländer der Habsburgermonarchie, für die er in seinen Schilderungen den Ausdruck „Halb-Asien“ prägte, und vor allem nach Rumänien. 1884-86 war er Herausgeber und Chefredakteur der „Neuen Illustrierten Zeitung“. 1887 übersiedelte er für dauernd nach Berlin. Hier erschien 1886-1904 die von ihm herausgegebene und geleitete Zeitschrift „Deutsche Dichtung“, in der er einen heftigen Kampf gegen den Naturalismus führte. Während seine ethnographischen Schilderungen von wissenschaftlicher Seite Kritik erfuhren, bewährte er sich in seinen erzählenden Werken, vor allem in dem zum Teil autobiographischen Roman „Der Pojaz“ (postum 1905) als lebendiger Stilist und meisterhafter Darsteller.

  • Werke

    Weitere W u. a. Er kommt gewiß, 1866;
    Menia, 1867;
    Das Christusbild, 1868;
    Buchenblätter, 1870;
    Aus Halb-Asien, 1876, 41901;
    Die Juden v. Barnow, 1877, 71904 (Novellen);
    Vom Don z. Donau, 2 Bde., 1878, 21889;
    Junge Liebe, 1879, 41884;
    Moschko v. Parma, 1880, 31898 (Roman);
    Die Hexe, 1880;
    Stille Geschichten, 1880, 31882;
    Ein Kampf ums Recht, 1882, 41901 (Roman);
    Mein Franz, 1883, 21897 (Novelle);
    Der Präsident, 1884, 31896 (Roman, als Drama 1891);
    Die Reise nach d. Schicksal, 1885, 31904;
    Tragische Novellen, 1886, 21896;
    Aus d. Großen Ebene, 2 Bde., 1888,| 21897;
    Judith Trachtenberg, 1891 (Roman);
    Der Gott d. alten Doktors, 1892;
    Der Wahrheitssucher. 2 Bde., 1893, 31897 (Roman);
    Ein Opfer, 1893;
    Ungeschickte Leute, 1894, 31903;
    Der kleine Martin, 1896, 21897;
    Leib Weihnachtskuchen u. s. Kind, 1896, 21897 (Roman);
    Allerlei Geister, 1897, 21898;
    Conr. Ferd. Meyer, 1899 (Vortrag);
    Mann u. Weib, 1899;
    Heines Geburtstag, 1900;
    Dt. Fahrten, 2 Bde., 1903;
    Neue Novellen, 1904;
    Der Aufstand v. Wolowze, 1946 (Auswahlbd. aus frühen Schrr.);
    Halb-Asien, 1958 (Auswahlbd.) (mit biogr. Einl. v. E. J. Görlich). – Hrsg.: Gg. Büchners Sämtl. Werke, 1879;
    Dt. Dichterbuch aus Österreich, 1883;
    Die Gesch. d. Erstlingswerkes, 1894 (mit Selbstbiogr.). – Zu Frau Ottilie (Ps. F. Ottmer): Das Adoptivkind u. a. Novellen, 1896;
    Schweigen, 1902 (Erz.).

  • Literatur

    Lit. Zbl., 1877, Sp. 595, 1879, Sp. 248;
    W. Goldbaum, Literar. Physiognomien, 1884;
    Mitt. d. Geogr. Ges. in Wien, 1894, H. 5;
    Czernowitzer Tagbl. v. 24., 27. u. 29.11.1903;
    R. F. Kaindl, K. E. F. u. d. ethnograph. F, in: Die Zeit, Nr. 387 v. 30.1.1904;
    Bukowiner Nachrr. v. 18. u. 22.10.1905 u. 5.3.1907;
    L. Geiger, Die dt. Lit. u. d. Juden, 1907;
    Nagl-Zeidler III, S. 973 ff. (P);
    W. Stoffers, Juden u. Ghetto in d. dt. Lit., in: Dt. Qu. u. Stud. XII, 1939;
    W. Martens, Dt. Dichtung, Eine literar. Zs. 1886–1904, in: Börsenbl. f. d. dt. Buchhandel 14, 1958, Nr. 31 a;
    A. Klaar, in: BJ X, S. 343-51 (Tl. 1904, L);
    Frels;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Ernst Joseph Görlich
  • Empfohlene Zitierweise

    Görlich, Ernst Joseph, "Franzos, Karl Emil" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 378 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118702599.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA