Lebensdaten
1666 bis 1738
Geburtsort
Fürstenwalde bei Lauenstein (Erzgebirge)
Sterbeort
Dresden (durch Schlaganfall, nicht Selbstmord)
Beruf/Funktion
Baumeister ; Architekt ; Erbauer der Frauenkirche in Dresden
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118651749 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baehr, George
  • Behr, George
  • Ber, George
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Bähr, George, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118651749.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V vermutlich Leinweber;
    1) Anna Sabine (Familienname unbekannt, 1698), 2) Maria Magdalena Jentzsch (1658–1729), 3) Johanna Juliane Wähle ( 1776?);
    1 T aus 1), 1 S aus 2), 3 S, 3 T aus 3).

  • Leben

    Bähr, über dessen Werdegang wenig bekannt ist, läßt sich seit 1693 in Dresden zunächst als Zimmergeselle nachweisen. 1705 wurde er zum Dresdner Ratszimmermeister ernannt, nach 1730 unterzeichnete er „Architekt und Zimmermeister“. Meist in Zusammenarbeit mit dem Ratsmaurermeister C. Fehre entwickelte B. seit der Jahrhundertwende in Dresden und dessen Umgebung eine ausgedehnte, nur z. T. urkundlich einwandfrei belegbare Bautätigkeit. Als erstes größeres Werk kann B. mit Sicherheit die Kirche in Dresden-Loschwitz zugeschrieben werden (1704-08). Es folgten der mit einer eigenwilligen Schauseitenänderung verbundene Umbau seines eigenen Dresdner Wohnhauses (seit 1711), sowie die Errichtung der Kirche in Schmiedeberg im Erzgebirge (1713–16). 1719 bis 1726 erstellte B. die Kirche in Forchheim bei Lengefeld im Erzgebirge und begann 1722 mit dem Bau der Frauenkirche in Dresden, seinem Hauptwerk, durch das er zu einem der größten Meister des deutschen Barock wurde. Der Bau der Kirche in Hohnstein bei Pirna ging 1725-29 neben dieser Arbeit her, ebenso wie Umbauten an der Dreikönigskirche in Dresden (1723–30) und den Kirchen in Kesselsdorf und Seußlitz (1724–26).

    B. ist der Künstler des protestantischen Kirchenbaus, der die aus der Eigenart des protestatnischen Gottesdienstes entspringende Zeitforderung nach Zusammenfassung von Kanzel, Altar, Orgel und Taufstein im Blickpunkt der möglichst theatermäßig in Emporen übereinander untergebrachten Gemeinde als erster in großem Stil verwirklichte. B. wandte das zentralistische Prinzip mit fortschreitender Konsequenz bei allen seinen Kirchenplänen an und brachte es zur Vollendung in der Dresdner Frauenkirche, deren ursprünglich in der Form eines griechischen Kreuzes entworfenen Grundriß er in mehreren Neuplanungen zum kreisförmigen Zentralraum für die Predigt mit angefügtem Altar- und Abendmahlsraum umgestaltete. Bei der Frauenkirche entwickelte B. ferner - und hierin liegt sein Hauptverdienst um die Baukunst - eine neue und einmalige Art des Kuppelbaus. Für denselben entscheidend war sein Ausgang von der Zimmermannskonstruktion des geschweiften Mansarddaches über dem Grundriß des Zentralbaus. Hierdurch kam er fortschreitend zum kuppelförmigen Zeltdach mit geschweifter Überleitung vom Quadrat zum Kreis, das sich seit 1726 immer mehr zu turmartig geschlossenem Aufbau streckte. Das aber ermöglichte ihm 1729 den schon früher durch die Mauerkonstruktion, die Verstärkung der Fundamente und die Einlage eines eisernen Zugankersystems im geheimen vollzogenen Schritt von der Holzzur reinen Steinkuppel. Im Verfolg der statischen Gedankengänge des Holzbaus mit seiner Lastenübertragung durch das Strebewerk verteilte er durch sein „Spiramensystem“ und eine doppelte Ankersicherung der 8 Pfeiler gegen Knickung die Kuppellast von 8 auf 24 Punkte, wobei ihm die Treppentürme und Mittelrisalite der Umfassungsmauer als Widerlager gegen den Gewölbeschub dienten. Dadurch entstand eine Kuppelform, die nichts mit dem Prinzip der italienischen Renaissancekuppel gemein hat. B. wahrte zwar das durch die hierarchische Tradition geheiligte Proportionsprinzip Michelangelos. Er formte es jedoch dem bodenständigen, von der Gotik überkommenen Höhendrang deutscher Überlieferung gemäß um.

    Die Tragik in B.s Leben, das in der zweiten Hälfte einen einzigen Kampf um Rettung und Durchführung seiner Bauidee darstellt, ergab sich weniger aus den von Mißgunst und Kleinmut verursachten Anfeindungen und Erschwerungen bei Durchführung seiner genialen Neuerung und an seinem Lebensende sich einstellenden Geldsorgen Sie folgte vielmehr vor allem daraus, daß die Bauidee der Frauenkirche sich erst im Lauf der Bauzeit voll entwickelt hatte und daher nicht von allem Anfang an sicher gegründet war. B. überschätzte beim Übergang zur reinen Steinkonstruktion die Tragfähigkeit des Baugrundes. Dieser war der auf die 8 Mittelpfeiler wirkenden Hauptlast nicht mehr gewachsen. Kurze Zeit vor B.s Tod wurde daher die bis zum Schlußring der Außenkuppel geführte Arbeit unterbrochen. J. de Bodt glaubte, durch einen Eisenring einer Katastrophe vorbeugen zu können, während G. Chiaveri vorschlug, die ganze Steinkuppel wieder abzubrechen und durch eine Holzkuppel zu ersetzen. Durch das Gutachten von D. Schatz (1738) wurde das verhindert und der Bau fortgesetzt. Doch wurde die Laterne der Frauenkirche nach B.s Tod von J. G. Schmidt nicht in der von B. geplanten Form ausgeführt und dadurch dem Massenaufbau der abschließende Ausklang versagt. Ebenso wurde im Innenraum die dem Bauprinzip entsprechend in der Achse des Mittelganges vorgesehene Kanzel, die den freien Blick auf den Altar beeinträchtigt hätte, aus diesem Grund sowie aus akustischen Erwägungen durch eine dem Pfeiler angehängte Predigtkanzel ersetzt, und auch die von B. vorgesehene Verglasung der Gänge hinter den drei Emporen kam nicht zur Ausführung. Sein der allgemeinen Kunstentwicklung um zwei Jahrhunderte vorgreifender Gedanke, den Lichtreflex des Glases als Gestaltungselement des Raumes zu nützen, blieb damit trotz der bereits ausgeführten Grundlage unverwirklicht. Die Dresdner Bauten B.s fielen dem Luftangriff auf die Stadt im Februar 1945 zum Opfer, nachdem die Frauenkirche 1760 die Beschießung durch die preußische Armee ausgehalten und damit die Richtigkeit des B.schen Konstruktionsprinzips erwiesen hatte.

  • Werke

    Weitere W B. zugeschrieben, aber nicht belegt: Hôtel de Saxe (nach 1709) u. British Hotel in Dresden; Neubau d. Schloßkirche in Wesenstein, Gehäuse d. Silbermannorgel in d. Sophienkirche in Dresden, 1720;
    B.s Anteil ungeklärt: Palais Vitzthum (1719) u. Palais Rutowsky in Dresden; Schloß Hermsdorf u. Schloß Seußlitz; Glockenturm d. Sophienkirche in Dresden.

  • Literatur

    ADB I;
    J. L. Sponsel, Die Frauenkirche zu Dresden I, 1893, II, 1903;
    Bau- u. Kunstdenkmäler d. Kgr. Sachsen, H. 21, Stadt Dresden (v. C. Gurlitt), 1900;
    O. Richter, Meister G. B.s Tod, in: Dresdener Kal., 1914, S. 250-55;
    W. Möllering, G. B., ein prot. Kirchenbaumeister d. Barock, Diss. Dresden 1933;
    P. Wolf, Die Dresdner Frauenkirche, ihre Entstehung u. ihre Erneuerung, in: Sächs. Bau- u. Kunstdenkmäler, 1933, S. 111-141;
    K. A. Findeisen, G. B. u. seine Frauenkirche, in: Mitt. d. Landesver.s Sachs. Heimatschutz 23, 1934, S. 68-74;
    K. E. Scherz, Üb. d. Heimgang d. G. B., 1938 (ungedr.);
    W. Lange, Der gerichtete Zentralbau G. B.s, Diss. Berlin 1940;
    H. G. Franz, Die Frauenkirche zu Dresden, = Große Baudenkmäler H. 22, 1950;
    ThB.

  • Autor/in

    Otto Schubert
  • Empfohlene Zitierweise

    Schubert, Otto, "Bähr, George" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 518 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118651749.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bähr: Georg B., Erbauer der Frauenkirche in Dresden; geb. 15. März 1666 im sächs. Dorf Fürstenwalde als Sohn armer Eltern, 16. März 1738. Ueber seinen Bildungsgang ist nichts bekannt. Als Rathszimmermeister zu Dresden erhielt er den Auftrag, nach seinen Rissen und Plänen, denen der Plan der Peterskirche in Rom zu Grunde lag, den Bau der Frauenkirche auszuführen, wobei ihm von Gegnern und Zweiflern an der Ausführbarkeit seines genialen Planes viel Verdruß bereitet ward. Er erlebte die Vollendung nicht, indem er an den Folgen eines unglücklichen Falles von einem Gerüste starb, aber sein Bau ist eine Zierde Dresdens und die stark angezweifelte Haltbarkeit der mit Kupferplatten belegten Kuppel hat sich bis auf heutigen Tag, selbst den Bomben gegenüber, deren Zielpunkt sie bei der preußischen Belagerung im J. 1760 war, trefflich bewährt. Leider ist sein Plan nach seinem Tode nicht streng durchgeführt worden. — Vgl. Hasche, Magazin z. sächs. Gesch. I. 158. Nachrichten über Erbauung der Frauenkirche S. 39.

    • Korrektur

      Korrektur: Die Mittheilung, daß George (so, nicht Georg) Bähr, Erbauer der Frauenkirche in Dresden, an den Folgen eines unglücklichen Falles vom Gerüste der Kirche gestorben sei, hat die neuere Forschung ebenso widerlegt, wie die erst 100 Jahre (1834) nach seinem Ableben (1738) aufgetauchte und trotz früherer Widerlegung auf unsere Zeit gekommene, anderweit verbreitete Legende, B. habe durch Sprung vom Gerüste Selbstmord verübt. Der Rathsarchivar und Stadtbibliothekar Prof. Dr. Otto Richter in Dresden hat 1896 aus alten Stadtrechnungen, Rathsprotokollen u. s. w. ermittelt, daß B. an einer „langwierigen, lagerhafften Krankheit“ gelitten und acht Tage vor seinem Tode den Abschied als Rathszimmermeister erbeten und erhalten hat; weshalb für ihn keine Veranlassung mehr vorlag, „den Bau der Frauenkirche einer nochmaligen Prüfung zu unterwerfen und die Gerüste zu besteigen, selbst wenn die noch als fortdauernd bezeugte lagerhafte Krankheit ihm dies gestattet hätte.“ Und in vom Stadtrath geführten Kirchennachrichten, die als Ersatz für verbrannte Kirchenbücher dienen, fand Dr. Richter als am 20. März 1738 begraben verzeichnet: „H. George Bähr, E. Hoch Edl. Raths Baumeister, ein Ehem. 72 Jahr, an Steckfl. und Verzehrung, See G. in eigen Hause. — St. Joh.“ Vgl. Richter, Meister George Bährs Tod, Dresdner Geschichtsblätter 1896, Nr. 4. Ernst Arnold.

  • Autor/in

    Gautsch.,
  • Empfohlene Zitierweise

    Gautsch; Arnold, Ernst, "Bähr, George" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 768 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118651749.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA