Lebensdaten
1782 bis 1860
Geburtsort
Markt Schwaben
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Chirurg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118621467 | OGND | VIAF: 57407777
Namensvarianten
  • Textor, Kajetan von
  • Textor, Kajetan (bis 1849)
  • Textor, Cajetan von
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Zitierweise

Textor, Cajetan von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118621467.html [03.12.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Franciscus T., Mehlhändler;
    M Maria Theresia N. N.;
    13 ältere Geschw, 1 jüngeres Geschw;
    1) Katharina Stadler ( vor 1835), 2) 1835 Thekla Ritter ( 1875), T e. Kameralbeamten in Neuburg/Donau;
    S aus 1) Karl T. (1815–80), ao. Prof. f. Chirurgie in W. (s. ADB 37; BLÄ; L), 2 T aus 1), 1 T aus 2).

  • Leben

    Nachdem T. 1804 am Münchner Gymnasiallyzeum die Reifeprüfung bestanden hatte, nahm er an der Univ. Landshut das Medizinstudium auf, wo der Chirurg und Physiologe Philipp Franz v. Walther (1781–1849) sein Lehrer und Doktorvater wurde. Mit der Dissertation „Über die Lungenschwindsucht“ wurde T. 1808 zum Dr. med. promoviert. Anschließend ging er nach München, um am dortigen Militärspital seine chirurgischen Kenntnisse zu vertiefen. 1809 folgte ein zweijähriger Studienaufenthalt in Paris, wo er bei führenden Medizinern hospitierte und sich in den Fächern Anatomie und Chirurgie weiterbildete. T. übernahm die franz. Methode der Lehre am Krankenbett und führte diese später als einer der Ersten in Deutschland ein. 1811 schloß sich eine zweijährige Bildungsreise nach Italien und Österreich an. In Wienhörte er ophthalmologische, geburtshilfliche und chirurgische Vorlesungen. 1813 ließ sich T. in München als Arzt nieder und wirkte gleichzeitig als Sekundararzt auf der chirurgischen Station des „Allgemeinen Krankenhauses“. Er erwarb sich den Ruf eines ausgezeichneten Chirurgen und wurde 1816 als ao. Professor für Chirurgie an die Univ. Würzburg sowie als Oberwundarzt an das dortige Juliusspital berufen. Noch im selben Jahr folgte seine Ernennung zum Ordinarius. Aufgrund seiner liberalen Gesinnung enthob ihn die bayer. Staatsregierung seiner Professur und übertrug ihm 1832 die Leitung der chirurgischen Klinik in Landshut. 1834 durfte T. in sein Amt nach Würzburg zurückkehren (Rektor 1842, em. 1854).

    T.s produktivste Zeit als Wissenschaftler und Operateur waren die Jahre 1816–32. In seinen Vorlesungen wie auch am Krankenbett vertrat er die physiologisch-anatomische Schule Walthers, namentlich die Antiphlogistik (Anwendung v. Kälte bei Entzündungen), die Therapie des Wundfiebers und die Behandlung von Abszessen, das Unterbinden von Eiterungen bei größeren Wunden sowie die Wundversorgung durch primäre Nähte. Auf operativem Gebiet führte T. die Amputation mit Deckung durch Hautlappen wieder ein, wagte sich an die diffizilen Exartikulationen (Absetzung eines Gliedes in einem Gelenk durch Eröffnung und Durchschneidung der Gelenkbänder, ohne Durchtrennung des Knochens), den Radikalschnitt beim Wasserbruch, die Resektionen (Ausschneidungen der Knochen) bei Gangrän und an die Operation bei Nekrosen. Eine wichtige Voraussetzung für T.s Erfolge war die Fortentwicklung chirurgischer Instrumente und Apparaturen zur Fixation und Korrektur von Knochen bzw. Frakturen. Sein Schüler Bernhard Heine (1800–46), der später als Mechaniker und Orthopäde v. a. mit seinem Osteotom berühmt wurde, entwickelte u. a. eine Extensionsmaschine, mit der T. bereits 1816 einen doppelten Oberschenkelbruch ohne jede Verkürzung heilte. Weiterhin setzte sich T. für die Beschränkung der Schädeltrepanation auf genau begrenzte Fälle ein. In der Augenheilkunde führte er erfolgreiche Staroperationen durch. In Deutschland war T. einer der Ersten, die die Äthernarkose bei größeren Operationen anwandten (1847).

    T. gab mit „Der neue Chiron“ (Bd. I, 1821/22, Bd. II, 1825/27) eine der ersten Fachzeitschriften der wissenschaftlichen Chirurgie heraus und übersetzte das bedeutende Lehrbuch seines Pariser Lehrers Alexis Boyer unter dem Titel „Abhandlung über die chirurgischen Krankheiten und die dabei angezeigten Operationen“ (11 Bde. 1818–27, 2 1834–41 als Vollständiges Hdb. d. Chirurgie). T.s kurzes Kompendium „Grundzüge zur Lehre der chirurgischen Operationen, welche mit bewaffneter Hand unternommen werden“ (1835) beschrieb die notwendigsten und gängigsten Operationen auf einfachste Weise und fand sehr weite Verbreitung.|

    T.s Hauptbedeutung liegt auf dem Gebiet der Knochen- und Gelenkchirurgie, wo er als Meister der Resektionen und der Osteotomie galt. Noch heute kennt man in der Chirurgie den sog. Textorschnitt, einen Bogenschnitt zur Totalresektion des Kniegelenks.

  • Auszeichnungen

    A bayer. HR (1822); GR (1858); Mitgl. d. Leopoldina (1824); kurhess. Goldener Löwen-Orden (1839); preuß. Roter Adler-Orden III. Kl. (1839); Dr. med. h. c. (Prag 1848); Rr. d. bayer. Zivilverdienstordens (1849); Komtur d. Verdienstordens v. Hl. Michael (1853); – Str.benennungen in Würzburg u. Markt Schwaben.

  • Werke

    W Progr. über d. Ursachen d. Nichtauffindens d. Harnblasensteine n. gemachter Operation d. Lithotomie, 1817;
    De lithotritia, 1840;
    Über Wiedererzeugung d. Knochen n. Resectionen b. Menschen, 1842, 21843;
    Über d. Nichtnothwendigkeit d. Trepanation b. Schädeleindrücken, 1847;
    Über d. Wirkungen d. Chloroforms als schmerzstillendes Mittel b. chirurg. Operationen, in: Dt. Klinik 2, 1850, Nr. 3, S. 24–26.

  • Literatur

    L ADB 37;
    Langenbecks Archiv f. klin. Chirurgie 1, 1861, S. 492–512 (W-Verz.);
    M. Wirth, Das Leben u. Wirken d. Chirurgen C. v. T., Diss. Würzburg 1980 (P);
    A. Mettenleiter, Die Würzburger Chirurgen C. u. Karl T. u. d. Gesch. d. Augenheilkde. am Juliusspital, in: Mitt. d. Julius-Hirschberg-Ges. z. Gesch. d. Augenheilkde. 4, 2002 (2004), S. 331–47;
    BLÄ;
    Kreuter, Neurologen;
    Qu Archiv d. Juliusspitals Würzburg;
    StadtA Würzburg; Univ.archiv Würzburg.

  • Autor/in

    Werner E. Gerabek
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Textor, Cajetan von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 64-65 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118621467.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Textor: Cajetan v. T., berühmter Chirurg, wurde als 14. Kind seiner Mutier am 28. December 1782 im Marktflecken Schwaben (Landgericht Ebersberg in Oberbayern) von in ärmlichen Verhältnissen lebenden Eltern geboren. Da der Knabe Talent verrieth, so brachte ihn sein Vater im 11. Lebensjahre zur weiteren Ausbildung in das Benedictinerkloster Seon (auf einer Insel des Seoner Sees), wo er bis 1796 zubrachte, um dann in München die gymnasiale|Ausbildung zu erhalten. 1804 bezog T. die kurz vorher von Ingolstadt nach Landshut verlegte Ludwig-Maximilians-Universität. Hier widmete er sich besonders unter v. Walther der Chirurgie und erlangte auch unter dessen Vorsitz mit einer Abhandlung über die Lungenschwindsucht 1808 die medicinische Doctorwürde. Nachdem er das Biennium practicum am Militärhospital zu München unter dem kgl. Leibarzte v. Hartz absolvirt hatte, erhielt er von der Staatsregierung ein Reisestipendium und begab sich 1809 zu seiner weiteren Ausbildung in der operativen Chirurgie nach Paris, wo er sich der besonderen Gunst und Anregung von Percy (am Val-de-Grâce) und Boyer erfreute. 1811 machte er eine Fußreise durch das südliche Frankreich und die Schweiz, nahm in Pavia längeren Aufenthalt und widmete sich hier unter Antonio Scarpa weiteren Studien, speciell in der Anatomie und Chirurgie. Nachdem er noch Neapel und die dortigen Hospitäler besichtigt hatte, kehrte er über Wien, wo er sich unter Beer's Leitung in den Augenoperationen übte, auch Ruft, Zeller v. Zellerberg und Zang kennen lernte, nach München 1813 zurück, bestand zunächst die sogenannte Proberelation, 1814 den Staatsconcurs, ließ sich als praktischer Arzt daselbst nieder und bekleidete die Stellung als Secundararzt im neuen Allgemeinen Krankenhause in der chirurgischen Station (unter Koch). Hier erwarb er sich bald durch einige glückliche Steinschnitt- und andere Operationen den Ruf eines tüchtigen Chirurgen und erhielt infolge dessen sehr bald eine Vocation als Professor der Chirurgie und Oberwundarzt an das Juliusspital in Würzburg. In diesem Amte war er 16 Jahre lang bis zum Jahre 1832 in segensreichster Weise sowol als Operateur wie als akademischer Lehrer thätig, sodaß er nicht bloß die Liebe und Verehrung seiner Amtsgenossen und Commilitonen fand, sondern auch zur Hebung der Würzburger medicinischen Facultät (im Verein mit Schönlein und d'Outrepont) außerordentlich beigetragen hat. Trotzdem wurde T. infolge der hereinbrechenden Politischen Reaction, obwol er selbst sich jeder activen Theilnahme an politischen Bestrebungen fern gehalten hatte, gleichzeitig mit Schönlein und einigen anderen Lehrern der medicinischen und juristischen Facultät seiner Aemter zu Würzburg enthoben und als Director an die chirurgische Schule zu Landshut versetzt, jedoch bereits 1834 in seine erstere Stellung nach Würzburg zurückberufen, wo er noch weitere 18 Jahre als Lehrer und Kliniker unermüdlich thätig war, bis 1853 wiederum durch eine Maßregel der Regierung seiner Wirksamkeit ein vorzeitiges Ende gesetzt wurde. Indessen hielt er noch die theoretischen Vorlesungen über Chirurgie weiter und leitete auch mit seinem Sohn Karl, der neben ihm als außerordentlicher Professor lehrte, die Operationsübungen der Studirenden. Am 21. Juni 1858 war es ihm noch vergönnt, sein 50jähriges Doctorjubiläum zu feiern und wurden ihm aus diesem Anlaß mehrfache Auszeichnungen zu Theil. Er starb am 7. August 1860. — Getreu der Richtung seines Lehrers v. Walther war T. im allgemeinen ein conservativer Wundarzt. Doch sind ihm auch eine Reihe von Verbesserungen und Umgestaltungen im Gebiete der operativen Technik zu verdanken. So suchte er die Lappen-Amputation wieder (mit kleinen Modificationen) in ihre alten Rechte einzusetzen, veranlaßte die Wiederaufnahme der früher so gefürchteten Exarticulationen und empfahl von neuem die Resection bei Caries, besonders der Gelenkenden und bei complicirten Beinbrüchen, wobei er sich des von seinem Schüler Bernhard Heine erfundenen Osteotoms zum ersten Male bediente, in dessen Gebrauch er eine große Meisterschaft erlangte. Von seinen literarischen Arbeiten sind außer einer deutschen Uebersetzung von Boyer's Chirurgie (1818—1827; 2. Aufl. 1834—1841) zu nennen: „Grundzüge zur Lehre der chirurgischen Operationen, welche mit bewaffneter Hand unternommen werden“ (Würzburg 1835); „Ueber Wiedererzeugung der Knochen nach Resectionen beim Menschen“ (Programm beim Antritt des|Rectorats, Würzburg 1842); „Ueber die Nicht-Nothwendigkeit der Trepanation bei Schädeleindrücken“ (Programm zum Vorlese-Catalog für das Sommersemester 1847, ebenda). Eine von ihm herausgegebene Zeitschrift mit dem Titel „Neuer Chiron, eine Zeitschrift für Chirurgie und Geburtshülfe“ kam nicht über die ersten 2 Bände (Sulzbach 1821—1827) hinaus. Hierin finden sich im ersten Bande allein noch 22 Aufsätze aus Textor's eigener Feder meist casuistischen bezw. operativ-technischen Inhalts. Uebrigens war T. Mitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften und Verfasser mehrerer Berichte und Aufsätze in Henke's Zeitschrift für Staatsarzneikunde, Froriep's Notizen, v. Walther und Ammon's Journal für Chirurgie, in der deutschen Klinik, den Verhandlungen der physicalisch-medicinischen Gesellschaft zu Würzburg, in Schmidt's Encyklopädie der gesammten Medicin Bd. I.

    • Literatur

      Vgl. Biogr. Lex. V, 635.

  • Autor/in

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Textor, Cajetan von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 628-630 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118621467.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA