Lebensdaten
1892 bis 1973
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Generalfeldmarschall
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118610279 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schörner, Johann Ferdinand
  • Schörner, Ferdinand
  • Schörner, Johann Ferdinand

Objekt/Werk(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schörner, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610279.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1859–1931), Polizeibeamter, S d. Johann Nikolaus (1825–1903) u. d. Margarete Katharina Döbereiner (1828–84);
    M Anna Katharina (1866–1930), T d. Ferdinand Bauer (1838–1915) u. d. Petronilla Pauly (* 1842);
    Berlin 1927 Lieselotte (1909-49), T d. Otto Karl Karboschewsky (1880–1954), Ind.dir. in Berlin, u. d. Emma Frieda Johl (1886–1975);
    2 S, 1 T; Verwandter (?) Johann Wolfgang Döbereiner (1780–1849), Chemiker.

  • Leben

    S. diente nach dem Abitur 1911 ein Jahr als Freiwilliger in der Bayer. Armee und studierte dann in München Philosophie und Romanistik. Studienaufenthalte in Lausanne, Grenoble und Italien folgten. Im Aug. 1914 zog er in den Krieg und bewährte sich an wechselnden Fronten (1914 Lt., 1918 Oberlt.). Im April 1919 trat er dem „Freikorps Epp“ bei, kämpfte gegen kommunistische Aufstände im Ruhrgebiet, wurde 1920 in die Reichwehr übernommen und war 1923 an der Niederschlagung des Hitlerputsches beteiligt. Nach Verwendungen bei der Truppe, als Verbindungsoffizier in Italien, an der Kriegsschule Dresden und beim Generalstab des Heers, war er 1938 beim Einmarsch in Österreich und in die Sudeten sowie 1939 beim Angriff auf Polen beteiligt (1926 Hptm., 1934 Major, 1937 Oberstlt., 1939 Oberst). Im Juni 1940 durchbrach S. mit der 6. Gebirgsdivision die Vogesenfront. Nach der Beförderung zum Generalmajor im Aug. 1940 führte er die Division 1941 nach Griechenland, durchbrach die Metaxa-Verteidigungslinie und lieb sich als Stadtkommandant Athens feiern; seine erschöpften Truppen aber bewahrte er vor einer Beteiligung an der Besetzung Kretas. Im Jan. 1942 zum Generalleutnant und schon im Juni zum General der Gebirgstruppe befördert, stabilisierte er mit dem Gebirgskorps bei schweren Verlusten für den Gegner die militärische Lage in Norwegen. Im Okt. 1943 wurde S. zur Abwehr der sowjet. Offensiven in der Ukraine eingesetzt. Seit Nov. 1943 Kommandierender General des XXXX. Panzerkorps, räumte er im Febr. 1944 gegen Hitlers Befehl unhaltbare Stellungen östlich des Dnjepr über den Brückenkopf Nikopol und rettete durch geordneten Rückzug auch ca. 1 800 Verwundete. Kurze Zeit hatte er die am 15.3.1944 übernommene Funktion als Chef des NS-Führungsstabes des Heeres beim OKH inne (Gen.oberst). Es folgten Einsätze in den gefährdetsten Bereichen der Ostfront. Als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Südukraine festigte S. die Front durch Truppenrücknahme nachhaltig. Seinem Drängen nach Aufgabe Sewastopols gab Hitler jedoch zu spät nach, so daß nahezu 30 000 Soldaten fielen. Seit Juli 1944 führte S. die Heeresgruppe Nord, seit Jan. 1945 die Heeresgruppe Mitte. Entgegen Hitlers Befehl räumte er oberschles. Gebiet und rettete Truppen durch Rückzug auf die Oderlinie. Am 5.4.1945 zum Generalfeldmarschall befördert, befahl er am 5.5.1945 den Truppen, sich vom Feind zu lösen und unter Mitnahme dt. Bevölkerung die amerik. Linien anzustreben. Zehn Tage später stellte er sich den Amerikanern, die ihn der Sowjetunion auslieferten. 1952 wurde S. zu 25, dann zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt und Anfang 1955 wegen schwerer Erkrankung (1954) nach Ostberlin entlassen. Bemühungen, ihn für die DDR zu gewinnen, blieben ungeachtet einer im Westen einsetzenden Kampagne erfolglos. Als er wenige Tage später nach München zurückkehrte, wurde eine Vielzahl von Anklagen gegen ihn erhoben, die jedoch bis auf zwei eingestellt wurden: 1957 wurde er wegen des Befehls, Fahnenflüchtige zu erschießen, zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, nach zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen jedoch entlassen.

    Als Soldat sah S. sich dem nationalsozialistischen Deutschland ebenso verpflichtet wie zuvor dem Kaiserreich und der Weimarer Republik. Daher hatte er keine Skrupel, zu versuchen, mit NS-Propaganda den Kampfgeist zu stärken und äußerste Einsatzbereitschaft zu verlangen. Ungeachtet divergierender Bewertungen seiner Persönlichkeit hat S. in beiden Weltkriegen herausragende militärische Leistungen bewiesen.

  • Auszeichnungen

    E. K. II. (1914) u. I. (1917), Spange hierzu (1939); Bayer. Mil.verdienstorden 4b mit Schwertern (1915) u. 4a mit Krone u. Schwertern (1917); österr. Mil.verdienstkreuz III mit Kriegsdekoration (1916); Orden Pour le mérite (1917); Offz.kreuz d. Verdienstordens d. Chilen. Rep. (1933); Komturkreuz d. Ordens d. Krone v. Italien (1938); Rr.kreuz (1941) mit Ostmedaille u. Eichenlaub (1942), Schwertern (1944) u. Brillanten (1945); bulgar. St. Alexander-Orden II. Kl. mit Schwertern (1941); finn. Freiheitskreuz I. Kl. mit Eichenlaub.

  • Literatur

    F. Moser, Plädoyer f. FM F. S. vor d. Schwurger. München, 7. Okt. 1957 (o. J.);
    R. Aschenauer, Der Fall S., Eine Klarstellung, 1962;
    ders., Der Fall S., Eine Dok. (o. J.);
    E. Kern, GFM F. S., Ein dt. Soldatenschicksal, 31985 (P);
    R. Kaltenegger, FM d. letzten Stunde, 1994, 42002 (P);
    B.-O. Manig, in: Die Zeit v. 8.9.2005 (P);
    K. Schönherr, F. S. – Der idealtyp. Nazi-Gen., in: R. Smelser u. E. Syring (Hg.), Die Mil.elite d. Dritten Reiches, 1995, S. 497-509 (P);
    Biogr. Lex. Drittes Reich;
    Munzinger; |

  • Quellen

    Qu Bayer. HStA/Kriegsarchiv (Personalakte); BA-Mil.archiv (Personalakte fragmentar., Nachlaß).

  • Autor/in

    Klaus-Volker Gießler
  • Empfohlene Zitierweise

    Gießler, Klaus-Volker, "Schörner, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 435-436 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610279.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA